
Nickelmangel
Nickelmangel – Kurzüberblick
Nickelmangel gehört zu den seltenen, schwer sicher erkennbaren Ernährungsstörungen von Pflanzen. Nickel wird nur in Spuren benötigt, ist aber für die Urease und damit den Harnstoff- und Stickstoffhaushalt wichtig. Typische Hinweise sind Blattspitzennekrosen, Chlorosen, gehemmtes Wachstum und bei Pekannuss kleine, rundliche „Mausohr“-Blätter. Vor einer Korrektur sollte stets eine Laboranalyse erfolgen.
Typische Bedingungen
Überblick
Nickel (Ni) ist ein essenzielles Spurenelement, das Pflanzen nur in sehr kleinen Mengen benötigen. Besonders relevant ist es als Bestandteil der Urease. Bei zu geringer Nickelversorgung kann sich Harnstoff in Blättern anreichern, wodurch Blattspitzen und Blattränder absterben können.
Im deutschen Gartenbau ist ein echter Nickelmangel ungewöhnlich. Sichtbare Schäden sollten deshalb zunächst gegen Eisen-, Zink-, Mangan-, Molybdän- oder Stickstoffmangel, Salzstress, Wurzelschäden, Trockenheit, ungeeigneten pH-Wert und Herbizid- oder Düngerschäden abgegrenzt werden.
Symptome und Erkennung
- Blattspitzen und Blattränder verfärben sich gelblich, braun und schließlich nekrotisch.
- Chlorosen können einem Eisen- oder Zinkmangel ähneln; bei manchen Pflanzen treten interkostale Aufhellungen und gehemmtes Wachstum auf.
- Bei Leguminosen können Keimung, Knöllchenbildung und biologische Stickstofffixierung beeinträchtigt sein.
- Bei Pekannuss (Carya illinoinensis) entstehen charakteristisch kleine, rundliche, schlecht entfaltete „Mausohr“-Blätter; zusätzlich sind verzögerter Austrieb, Verkürzung der Triebe, Bronzing und Blattspitzennekrosen möglich.
- Stark betroffene Pflanzen zeigen schwaches Wachstum und eine geringere Samen- oder Fruchtentwicklung.
Die Symptome sind nicht beweisend. Gleichartige Blattspitzennekrosen können durch Trockenheit, Wurzelschäden, hohe Salzkonzentrationen oder andere Nährstoffungleichgewichte verursacht werden.
Ursachen und Ausbreitung
Da es sich nicht um einen übertragbaren Erreger handelt, findet keine Ausbreitung von Pflanze zu Pflanze statt. Die Symptome können sich jedoch innerhalb einer Pflanze verstärken, wenn die Wurzeln dauerhaft unter Trockenheit, Staunässe oder Salzstress leiden.
Begünstigend wirken sehr hohe pH-Werte, geringe pflanzenverfügbare Nickelreserven und ein Übermaß konkurrierender Elemente, insbesondere Zink oder Kupfer. Auch schlechte Durchwurzelung, Verdichtung und ein unausgewogenes Düngeprogramm können die Aufnahme verschlechtern.
Lebenszyklus und Überdauerung
Nickelmangel besitzt keinen biologischen Entwicklungszyklus wie eine Krankheit oder ein Insekt. Die Störung entsteht fortlaufend, wenn die Pflanze weniger pflanzenverfügbares Nickel aufnehmen kann, als sie für ihren Stoffwechsel benötigt.
Nickel ist in der Pflanze relativ beweglich und kann in wachsende Gewebe und Samen verlagert werden. Die Ausprägung hängt daher von Pflanzenart, Entwicklungsstadium, Wurzelgesundheit, pH-Wert, Feuchtigkeit und dem übrigen Nährstoffhaushalt ab. Bei Pekannuss zeigen sich die auffälligen Symptome häufig am neuen Austrieb.
Behandlung und Bekämpfung
Zuerst repräsentative Bodenproben aus dem durchwurzelten Bereich und – sofern möglich – eine Blattanalyse durchführen lassen. Zusätzlich sollten pH-Wert, Leitfähigkeit, Wurzelzustand sowie Eisen, Zink, Mangan, Kupfer, Molybdän und Stickstoff geprüft werden.
Bei bestätigtem Mangel kann eine fachgerecht dosierte Nickelversorgung über einen geeigneten Dünger oder, je nach Kultur und zugelassener Anwendung, über das Blatt wirksam sein. Die Dosis muss sehr niedrig und exakt sein; eine pauschale Haus- oder Gartenrezeptur ist wegen der engen Grenze zwischen Bedarf und Toxizität nicht vertretbar.
Parallel die Ursache beheben: extreme pH-Werte korrigieren, Verdichtung und Staunässe beseitigen, Trockenstress vermeiden und übermäßige konkurrierende Spurenelementgaben stoppen. Bereits abgestorbenes Gewebe wird nicht wieder grün; beurteilt wird vor allem der nachfolgende gesunde Austrieb.
Schonende und biologische Bekämpfung
Eine rein organische Sofortmaßnahme ist nicht zuverlässig möglich, weil der tatsächliche Nickelbedarf extrem gering ist und organische Materialien stark schwankende Nickelgehalte haben. Sinnvoll sind zunächst eine Bodenuntersuchung und bei wertvollen Pflanzen zusätzlich eine Blatt- oder Triebdiagnose.
- Kompost oder gut verrottete organische Substanz maßvoll einsetzen, um Bodenstruktur, Durchwurzelung und Nährstoffpufferung zu verbessern.
- Staunässe vermeiden und bei Trockenheit gleichmäßig, tiefgründig und möglichst bodennah bewässern.
- Keine ungezielten Gaben von Mist, Kompost, Gesteinsmehlen oder Spurenelementmischungen vornehmen; eine Überversorgung mit Nickel ist möglich.
- Bei bestätigtem Mangel nur einen für Deutschland geeigneten und für die Kultur zulässigen organischen oder mineralischen Dünger nach aktueller Kennzeichnung verwenden.
Vorbeugung
- Vor einer Spurennährstoffdüngung den Boden-pH-Wert sowie die Grundnährstoff- und Spurenelementversorgung untersuchen lassen.
- Überkalkung und wiederholte, unausgewogene Zink- oder Kupfergaben vermeiden.
- Für lockeren, gut drainierten Boden und ein gesundes Wurzelsystem sorgen.
- Bei Leguminosen auf eine gleichmäßige Wasserversorgung und gute Knöllchenbildung achten.
- Bei Pekannuss und anderen wertvollen Gehölzen im Frühjahr den Austrieb kontrollieren und auffällige Triebe frühzeitig analysieren lassen.
- Nur nach Laborbefund korrigieren, da ähnliche Symptome wesentlich häufiger andere Ursachen haben können.
Wissenswertes
- Nickel gehört zu den zuletzt als essenziell erkannten Pflanzennährstoffen.
- Der Bedarf ist so gering, dass ein Mangel schwer analytisch zu erfassen und visuell leicht zu verwechseln ist.
- Die Urease benötigt Nickel, damit Harnstoff zu pflanzenverfügbarem Ammonium und Kohlendioxid umgesetzt werden kann.
- Das „Mausohr“-Symptom der Pekannuss gilt als eines der markantesten Beispiele für Nickelmangel.
- Zu viel Nickel ist ebenfalls schädlich und kann Wachstum, Keimung und die Aufnahme anderer Nährstoffe beeinträchtigen.
Nickelhaltige Dünger oder Blattdünger dürfen in Deutschland nur verwendet werden, wenn das konkrete Produkt für die betreffende Kultur und Anwendung rechtlich zugelassen beziehungsweise verkehrsfähig ist. Ausschließlich nach aktueller Produktkennzeichnung, Dosierung und Anwendungsbestimmungen arbeiten. Keine eigenständige Verwendung von Nickelsalzen oder technischen Chemikalien: Nickel kann bei Überdosierung pflanzentoxisch sein und Umwelt sowie Ernte belasten.