Pfirsichtriebwickler
Grapholita molesta (Busck), Synonyme: Cydia molestaPfirsichtriebwickler – Kurzüberblick
Der Pfirsichtriebwickler (Grapholita molesta) ist ein Wicklerfalter, dessen Raupen zunächst junge Triebspitzen und später Früchte befallen. Besonders gefährdet sind Pfirsich und Nektarine; auch Aprikose, Kirsche, Pflaume, Apfel, Birne und Quitte können geschädigt werden. Typisch sind welkende Triebspitzen, Bohrgänge, Frass und vorzeitig faulende Früchte.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Pfirsichtriebwickler wird im Deutschen auch Pfirsichwickler oder Pfirsichtriebbohrer genannt. Der graubraune Falter ist unauffällig und wird häufig erst durch das Schadbild der Raupen erkannt.
Pfirsich und Nektarine sind die wichtigsten Wirtspflanzen. Weitere dokumentierte Wirte sind Aprikose, Mandel, Kirsche, Pflaume, Apfel, Birne und Quitte. Die Bedeutung einzelner Wirte kann regional und abhängig von Sorte, Klima und Befallsdruck deutlich variieren.
Symptome und Erkennung
- Junge Triebspitzen welken, verfärben sich und sterben mehrere Zentimeter zurück. Dieses sogenannte Triebflaggen ist vor allem an Pfirsich und Nektarine typisch.
- Beim Aufschneiden findet sich ein feiner Bohrgang mit einer hellen bis rötlichen Raupe und brauner Kopfkapsel.
- An Früchten zeigen sich Einbohrlöcher, Frass, Kotkrümel und manchmal gummiartige Ausflüsse. Befallene Früchte können vorzeitig faulen oder abfallen.
- Ein Eintritt am Stielansatz oder an einer Fruchtspalte kann äußerlich kaum sichtbar sein.
Das Schadbild kann mit Pfirsichmotte, Pflaumenwickler oder anderen bohrenden Wicklerraupen verwechselt werden. Eine sichere Bestimmung erfordert gegebenenfalls die Untersuchung der Raupe oder eine fachkundige Auswertung von Pheromonfängen.
Ursachen und Ausbreitung
Die Schäden werden durch die Raupen verursacht. Die Falter legen ihre Eier einzeln an junge Blätter, Triebe oder Früchte, häufig in der Nähe von Wachstumsspitzen. Nach dem Schlupf bohren sich die Jungraupen in weiches Triebgewebe oder später in Früchte ein.
Die Ausbreitung erfolgt durch den Falterflug sowie durch befallene Früchte, Pflanzenteile und möglicherweise befallenes Vermehrungs- oder Transportmaterial. Nicht entfernte Fruchtmumien und abgefallene Früchte können zusätzliche Verpuppungsplätze bieten.
Lebenszyklus und Überdauerung
In Deutschland ist je nach Region und Witterung meist mit mehreren Falter- und Raupenphasen während der Vegetationsperiode zu rechnen; die genaue Generationenzahl ist standortabhängig. Der Flug beginnt in warmen Lagen im Frühjahr.
Die erste Raupengeneration befällt bevorzugt junge Pfirsich- und Nektarinentriebe. Spätere Generationen wechseln stärker auf Früchte. Ausgewachsene Raupen verlassen den Fraßort und verpuppen sich in geschützten Stellen, etwa in Rindenritzen, an Pflanzenteilen oder in organischem Material. Die Überwinterung erfolgt überwiegend als ausgewachsene Raupe im Kokon.
Pheromonfallen eignen sich zur Flugüberwachung. Der Fangzeitpunkt allein beweist jedoch noch keinen wirtschaftlich relevanten Fruchtbefall; Trieb- und Fruchtkontrollen sollten ergänzend durchgeführt werden.
Behandlung und Bekämpfung
Bei leichtem Befall ist ein konsequenter Rückschnitt der befallenen Triebspitzen die wichtigste Maßnahme. Schnittgut und befallene Früchte sollten aus der Anlage entfernt werden. Bei wiederholtem Befall müssen auch Nachbarbäume und nahe gelegene Wirtspflanzen kontrolliert werden.
In Erwerbsanlagen oder stark gefährdeten Hausgärten sollte die Bekämpfungsentscheidung auf einer Kombination aus Pheromonfallen, Entwicklungsstand, Triebkontrollen und Fruchtkontrollen beruhen. Behandlungen gegen schlüpfende Junglarven sind grundsätzlich gezielter als Maßnahmen gegen bereits tief im Trieb oder in der Frucht sitzende Raupen.
Die Verwirrungstechnik kann in geeigneten Obstanlagen ein Baustein des integrierten Pflanzenschutzes sein. Ihre Wirksamkeit hängt unter anderem von Anlagengröße, Befallsdruck, Dispenserdichte und korrekter Ausbringung ab.
Schonende und biologische Bekämpfung
- Raupenbefallene Triebe und Früchte frühzeitig entfernen und vernichten.
- Den Flug mit Pheromonfallen überwachen; bei starkem Befallsdruck kann eine zugelassene Pheromon-Verwirrung eingesetzt werden.
- Biologische Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis können gegen frei fressende junge Schmetterlingsraupen eingesetzt werden, sofern das konkrete Produkt für Kultur und Schaderreger zugelassen beziehungsweise genehmigt ist. Die Wirkung nimmt ab, sobald sich die Raupen in Triebe oder Früchte eingebohrt haben.
- Nützlinge wie Schlupfwespen und räuberische Insekten durch blütenreiche, vielfältige Randstrukturen und einen zurückhaltenden Einsatz breit wirkender Mittel fördern.
Vorbeugung
- Pfirsich- und Nektarinenbäume regelmäßig auf welkende Triebspitzen, Einbohrstellen und Frass kontrollieren.
- Befallene Triebabschnitte bis ins gesunde Holz zurückschneiden und nicht im Garten kompostieren.
- Befallene, vorzeitig abfallende und mumifizierte Früchte konsequent entfernen.
- Die Baumkrone luftig halten und übermäßige Wasserschosse sowie dicht stehende Neutriebe vermeiden.
- Ab dem Frühjahr Pheromonfallen zur Flugüberwachung einsetzen und die Kontrollen an regionalen Warndienst- oder Beratungsinformationen ausrichten.
- Bei Neupflanzungen robuste, standortgeeignete Sorten bevorzugen und Obstbäume nicht unnötig unter starkem Stickstoff- oder Wasserdruck treiben.
Wissenswertes
- Der wissenschaftliche Name Grapholita molesta wird in deutschsprachigen Quellen häufig als Cydia molesta synonym verwendet.
- Pfirsich und Nektarine sind besonders anfällig, weil die erste Generation bevorzugt in ihre weichen, stark wachsenden Triebspitzen eindringt.
- Das Triebflaggen kann dem Schadbild anderer Triebbohrer ähneln; eine Kontrolle des Bohrgangs ist deshalb diagnostisch wichtig.
- Späte Generationen verursachen häufig den wirtschaftlich relevanteren Fruchtbefall.
- Der Falter ist klein und unauffällig, während die Schäden an Trieben und Früchten deutlich auffälliger sein können.
Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur verwendet werden, wenn das konkrete Produkt für die betreffende Kultur und den Pfirsichtriebwickler beziehungsweise die entsprechende Zweckbestimmung aktuell zugelassen oder genehmigt ist. Vor jeder Anwendung die aktuelle Zulassung, Kultur, Indikation, Aufwandmenge, Wartezeit, Anwendungsbedingungen und Auflagen im amtlichen Pflanzenschutzmittelverzeichnis prüfen und genau nach dem aktuellen Etikett handeln. Keine Anwendung allein aufgrund eines Wirkstoffnamens oder einer Zulassung in einem anderen Land.
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