
Getreidehalmwespe
Cephus pygmeus (Linnaeus, 1767); in vielen Quellen auch Cephus pygmaeus geschriebenGetreidehalmwespe – Kurzüberblick
Die Getreidehalmwespe (Cephus pygmeus; häufig auch als C. pygmaeus geführt) ist ein Halmwespen-Schädling an Getreide und weiteren Süßgräsern. Die Larven entwickeln sich verborgen im Halm, fressen darin abwärts und schwächen ihn bis zum Abknicken. Typisch sind früh vergilbende Pflanzen, taube oder kümmerliche Ähren und nesterweise Lagerung, besonders in warmen, trockenen Jahren.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Getreidehalmwespe wird in der deutschsprachigen Literatur überwiegend als Cephus pygmaeus, teilweise als Cephus pygmeus, bezeichnet. Sie ist von ähnlichen Halmwespen nicht immer sicher im Feld zu unterscheiden; eine belastbare Bestimmung kann eine mikroskopische Untersuchung erfordern.
Der Schädling tritt vor allem an Getreide auf. In Deutschland sind Befälle meist lokal oder jahrweise auffällig, können unter warmen und trockenen Bedingungen jedoch stärker werden. Die erwachsenen Tiere sind etwa 6–10 mm lang, dunkel gefärbt und besitzen gelbliche Zeichnungen am Hinterleib.
Symptome und Erkennung
- Frühzeitiges Vergilben einzelner Pflanzen oder Halmbereiche.
- Kümmerliche, schlecht gefüllte oder vollständig taube Ähren.
- Fraßgänge und Bohrmehl beziehungsweise Larvenkot im Halmquerschnitt.
- Abknicken der Halme, häufig im unteren Halmabschnitt, wodurch Ähren bei der Ernte verloren gehen.
- Nesterweise Lagerung kann auftreten; ein ähnliches Schadbild kann jedoch auch durch andere Halmwespen, Krankheiten oder Witterung verursacht werden.
Zur Diagnose Halme längs öffnen und auf einen hellen, beinlosen Larventyp mit brauner Kopfkapsel sowie einen durchgehenden Fraßgang prüfen. Die Artbestimmung allein anhand des Schadbilds ist unsicher.
Ursachen und Ausbreitung
Das Weibchen legt einzelne Eier in geeignete, noch wachsende Halme. Die Larve frisst im Halminneren nach unten und zerstört dabei Leitgewebe. Gegen Ende der Entwicklung nagt sie den Halm häufig von innen an, sodass er bei Wind oder unter dem Gewicht der Ähre abknickt.
Begünstigt wird der Befall durch das Vorhandensein geeigneter Getreide- und Grasbestände, eine passende Synchronität zwischen Wespenflug und Halmwachstum sowie warme, trockene Witterungsabschnitte. Die Verbreitung erfolgt vor allem mit befallenen Pflanzenresten und durch den Flug der erwachsenen Wespen.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Art bildet gewöhnlich eine Generation pro Jahr. Der Flug der erwachsenen Wespen liegt in Mitteleuropa meist zwischen Mai und Juli, abhängig von Region und Witterung. Die Weibchen stechen die Eier in obere Halmsegmente von Getreide oder anderen geeigneten Süßgräsern.
Die Larve entwickelt sich verborgen im Halm, frisst abwärts und überwintert anschließend als Larve beziehungsweise in einer von ihr vorbereiteten Kammer im unteren Halm- oder Stoppelbereich. Im folgenden Frühjahr erfolgt die Verpuppung und der Schlupf der neuen Generation. Ein Teil der Larven wird durch tiefen Schnitt und Entfernung oder Zerkleinerung der Stoppeln abgetötet.
Behandlung und Bekämpfung
Eine direkte Bekämpfung der Larven ist schwierig, weil sie geschützt im Halm leben. Nachgewiesene Befallsherde sollten deshalb vor allem über Nacherntehygiene, Fruchtfolge und die Vermeidung einer erneuten Massenvermehrung behandelt werden.
Bei starkem Befall können befallene Halme in repräsentativen Teilflächen geöffnet und der Anteil besiedelter Halme dokumentiert werden. Eine Maßnahme sollte sich an Befallsstärke, Kulturwert, Entwicklungsstadium und regionaler Beratung orientieren. Da das Schadbild mit anderen Halmwespen verwechselt werden kann, ist eine sichere Diagnose vor einer gezielten Bekämpfung wichtig.
Schonende und biologische Bekämpfung
Die wichtigste biologische Unterstützung leisten natürlich vorkommende Parasitoide und weitere Gegenspieler. Blühende, strukturreiche Feldränder können erwachsenen Nützlingen Nahrung bieten, müssen aber so bewirtschaftet werden, dass sie nicht dauerhaft große Bestände geeigneter Halmwirte direkt am Feld fördern.
Im ökologischen und kleingärtnerischen Anbau stehen Fruchtfolge, sorgfältige Stoppelbearbeitung, gute Feldhygiene, die Entfernung stark befallener Pflanzenreste und die Auswahl standortgeeigneter, standfester Sorten im Vordergrund. Eine verlässliche Wirkung frei ausgebrachter Nützlinge gegen diese im Halm verborgene Larve ist nicht allgemein abgesichert.
Vorbeugung
- Getreidefruchtfolgen mit geeigneten Blattfrüchten auflockern und wiederholten Getreideanbau vermeiden, besonders bei wiederholtem Befall.
- Nach der Ernte Stoppeln möglichst kurz schneiden und das Stroh beziehungsweise die Stoppelreste gründlich zerkleinern und einarbeiten, damit Larven- und Überwinterungskammern zerstört werden.
- Ausfallgetreide und problematische Gräser kontrollieren, ohne wertvolle Blüh- und Rückzugsstrukturen pauschal zu beseitigen.
- Bestände regelmäßig kontrollieren: während des Wespenflugs auf adulte Tiere und Eiablage, später auf frühe Vergilbung, Halmgänge und Lagerstellen.
- Bei wiederkehrendem Befall regionale Sorten- und Anbauempfehlungen berücksichtigen. Ein stabiler Halm kann das Abknicken vermindern; Sorteneigenschaften sind jedoch standort- und kulturabhängig.
- Ernte bei Befallsnestern möglichst rechtzeitig durchführen, bevor weitere Halme vollständig umfallen.
Wissenswertes
- Die Getreidehalmwespe wird in der Literatur unter den Schreibweisen Cephus pygmeus und Cephus pygmaeus geführt.
- Die Larve lebt größtenteils unsichtbar im Halm; deshalb fällt der Befall häufig erst durch Vergilbung oder Lager auf.
- Adulte Tiere besuchen blühende Pflanzen, darunter gelbe Blüten, und sind nicht auf Getreideähren als Nahrungsquelle angewiesen.
- Die dokumentierte Wirtspflanzenliste umfasst mehrere Süßgrasgattungen. Nicht jede Meldung bedeutet jedoch eine gleich hohe wirtschaftliche Empfindlichkeit.
- Die Getreidehalmwespe ist von ähnlichen Arten wie anderen Cephus- oder Trachelus-Arten nicht immer sicher ohne Spezialbestimmung zu trennen.
Insektizide erreichen die im Halm geschützten Larven nur unzuverlässig. Verwenden Sie ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die in Deutschland zum jeweiligen Anwendungszeitpunkt für die konkrete Kultur und den konkreten Schaderreger gesetzlich zugelassen sind, und befolgen Sie stets das aktuelle Etikett sowie die Vorgaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Keine Anwendung auf Grundlage ausländischer Zulassungen oder veralteter Empfehlungen.