Hessenfliege
Mayetiola destructorHessenfliege – Kurzüberblick
Die Hessenfliege (Mayetiola destructor) ist eine Gallmücke und ein spezialisierter Schädling von Getreidegräsern. Besonders Weizen wird befallen, daneben sind Gerste und Roggen dokumentierte Wirte. Die Larven sitzen verborgen zwischen Blattscheide und Halm, saugen an der Sprossbasis oder oberhalb der Knoten und können Jungpflanzen schwächen, Triebe absterben lassen sowie später Halmbruch und Lager verursachen.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Hessenfliege ist in Europa, einschließlich Deutschland, ein Schädling von Getreide und einigen verwandten Gräsern. Der wichtigste und am zuverlässigsten dokumentierte Wirt ist Weizen (Triticum aestivum). Gerste und Roggen gelten ebenfalls als Wirte, werden jedoch meist weniger stark oder weniger regelmäßig befallen.
Die erwachsenen Fliegen sind klein, dunkel und mückenähnlich. Für die Pflanzenschädigung sind die beinlosen Larven verantwortlich. Sie sitzen geschützt zwischen Blattscheide und Halm und beeinflussen durch ihre Saugtätigkeit das Wachstum der betroffenen Triebe.
Symptome und Erkennung
- Jungpflanzen bleiben klein, wirken ungewöhnlich dunkel- bis bläulichgrün und bilden schwache oder ausbleibende Nebentriebe.
- Bei stärkerem Befall welken oder sterben einzelne Triebe ab; die Pflanzenbestände erscheinen oft flecken- oder nesterweise lückig.
- Am Halmgrund oder knapp oberhalb eines Knotens finden sich Larven oder die dunkelbraunen, länglichen Puparien, die wegen ihres Aussehens als „Flachssamen“ bezeichnet werden.
- Bei späterem Befall werden Halme geschwächt und können vor allem unter Wind, Regen oder hoher Bestandesdichte knicken beziehungsweise lagern.
Die verborgene Lebensweise bedeutet, dass äußere Symptome allein nicht sicher sind. Zur Diagnose Blattscheiden vorsichtig vom Halm lösen und die Sprossbasis auf Larven oder Puparien untersuchen.
Ursachen und Ausbreitung
Der Befall beginnt nach der Eiablage erwachsener Weibchen auf jungen Getreideblättern. Die geschlüpften Larven wandern in der Blattrinne zur Blattscheide und setzen sich an geeigneten Stellen am Halm fest. Dort lösen sie durch ihre Saugtätigkeit Gewebeveränderungen und Wachstumsstörungen aus.
Die Ausbreitung wird vor allem durch befallene Ausfallgetreidepflanzen, stehende Getreidereste und anfällige junge Bestände begünstigt. Nicht abgeerntete oder nur unzureichend beseitigte Wirtspflanzen können die nächste Generation erhalten. Die Bedeutung von Wildgräsern ist artspezifisch und taxonomisch nicht immer eindeutig; Nachweise an alternativen Gräsern sollten daher vorsichtig bewertet werden.
Lebenszyklus und Überdauerung
Unter gemäßigten Bedingungen kann die Hessenfliege mehrere Generationen bilden; im europäischen Ackerbau sind insbesondere Frühjahrs- und Herbstvorkommen relevant. Die Larven entwickeln sich nach dem Schlupf an der Pflanze und verpuppen sich anschließend als braune, widerstandsfähige Puparien zwischen Blattscheide und Halm.
Die Puparien überdauern ungünstige Phasen wie Winterkälte oder sommerliche Trockenheit. Nach der Entwicklung schlüpfen kleine erwachsene Fliegen, die nur kurze Zeit leben und auf geeigneten jungen Getreidebeständen Eier ablegen. Der genaue Jahresablauf hängt in Deutschland von Region, Temperatur, Aussaattermin und Wirtspflanzenangebot ab.
Behandlung und Bekämpfung
Ein bereits deutlich befallener Bestand lässt sich meist nicht zuverlässig kurativ sanieren, weil Larven geschützt im Pflanzeninneren sitzen. Deshalb liegt der Schwerpunkt auf vorbeugendem integrierten Pflanzenschutz.
- Befallsnester dokumentieren und bei der Ernte sowie in der Folgefrucht besonders beobachten.
- Ausfallgetreide frühzeitig mechanisch oder durch eine geeignete Bodenbearbeitung beseitigen.
- Bei wiederkehrendem Befall Anbaupause mit Nichtwirt-Kulturen, angepasstem Aussaattermin und resistenter Sorte kombinieren.
- Bei wirtschaftlich relevantem Verdacht den zuständigen Pflanzenschutzdienst oder eine geeignete Diagnosestelle einbeziehen, da ähnliche Symptome auch durch andere Halm- und Wurzelschädlinge, Frost oder Wachstumsstörungen entstehen können.
Schonende und biologische Bekämpfung
Für den ökologischen und biologisch orientierten Anbau sind vorbeugende Maßnahmen besonders wichtig: Ausfallgetreide und befallene Grasaufwüchse beseitigen, Erntereste sachgerecht einarbeiten, Fruchtfolgen mit Nichtwirt-Kulturen nutzen und möglichst robuste Sorten wählen. Eine gute Bestandesführung mit angepasster Aussaat und ausgewogener Nährstoffversorgung kann die Schadwirkung begrenzen, beseitigt den Befall jedoch nicht.
Eine verlässliche biologische Bekämpfung der Hessenfliege im Freiland steht im deutschen Anbau nicht als allgemein etablierte Standardmaßnahme zur Verfügung. Nützlinge und natürliche Gegenspieler können zur Regulation beitragen, sind aber kein Ersatz für Fruchtfolge, Hygiene, Sortenwahl und Terminsteuerung.
Vorbeugung
- Für die Region geeignete, weniger anfällige oder resistente Weizensorten bevorzugen; die Sortenleistung und Resistenz können sich zwischen Populationen der Hessenfliege unterscheiden.
- Ausfallgetreide und freiwillig auflaufende Wirtspflanzen nach der Ernte konsequent beseitigen, damit sich Larven und Puparien nicht weiterentwickeln.
- Getreidereste sorgfältig bearbeiten und eine weite, standortgerechte Fruchtfolge mit Nichtwirt-Kulturen einplanen.
- Wintergetreide nicht unnötig früh säen, wenn dadurch der Bestand in eine bekannte regionale Flugphase fällt. Ein pauschaler Aussaattermin gilt für Deutschland nicht; regionale Beratung und Wetterverlauf sind entscheidend.
- Verdächtige Pflanzen im Herbst und Frühjahr kontrollieren und die Blattscheiden auf „Flachssamen“ untersuchen.
Wissenswertes
- Die auffälligen Puparien werden wegen ihrer braunen, länglichen Form häufig „Flachssamen“ genannt.
- Die Larven erzeugen keine typischen Blattgallen, sondern sitzen überwiegend verborgen an Halm und Blattscheide.
- Weizen ist der zentrale Wirt; Angaben zu weiteren Gräsern müssen wegen möglicher Verwechslungen mit anderen Mayetiola-Arten vorsichtig interpretiert werden.
- Resistenzen in Weizensorten sind ein wichtiger Baustein der Vorbeugung, können aber durch unterschiedliche Schädlingspopulationen und Virulenztypen an Wirksamkeit verlieren.
Keine pauschale Insektizidempfehlung aussprechen. Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die betreffende Kultur und den betreffenden Schaderreger beziehungsweise die konkrete Anwendung aktuell zugelassen oder genehmigt sind. Vor jeder Anwendung das amtliche deutsche Zulassungsregister und das aktuelle Etikett prüfen, Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Auflagen und Abstände strikt einhalten und die Beratung des zuständigen Pflanzenschutzdienstes nutzen.
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