Stängelälchen (Ditylenchus dipsaci)
Ditylenchus dipsaci (Kühn, 1857) Filipjev, 1936Stängelälchen (Ditylenchus dipsaci) – Kurzüberblick
Das Stängelälchen ist ein pflanzenparasitärer Fadenwurm mit sehr breitem, je nach biologischer Rasse unterschiedlich ausgeprägtem Wirtsspektrum. Besonders häufig betroffen sind Zwiebelgewächse wie Zwiebel, Knoblauch und Porree, außerdem unter anderem Klee, Luzerne, Ackerbohne, Hafer, Zuckerrübe und Erdbeere. Typisch sind kümmerlicher Wuchs, verdickte oder verformte Pflanzenteile sowie Fäulnis an Zwiebeln und Speicherorganen.
Typische Bedingungen
Überblick
Ditylenchus dipsaci wird im Deutschen vor allem Stängelälchen, teilweise auch Stockälchen, Kleeälchen oder Rübenkopfälchen genannt. Der mikroskopisch kleine Fadenwurm dringt in junge Pflanzengewebe ein und wandert innerhalb der Pflanze. Das Schadbild ist stark vom Wirt und von der jeweiligen biologischen Rasse abhängig.
Besonders typische Schäden entstehen an Zwiebel, Knoblauch und Porree. Befall kann jedoch auch an Ackerbohne, Erbse, Klee, Luzerne, Hafer, Zuckerrübe, Kartoffel, Erdbeere und verschiedenen Zierpflanzen auftreten. Die Art ist nicht mit dem Kartoffelälchen Ditylenchus destructor gleichzusetzen; insbesondere an Kartoffeln ist eine Laborbestimmung wichtig.
Symptome und Erkennung
Die Schäden treten häufig nesterweise oder in unregelmäßigen Feldbereichen auf. Allgemein sind kümmerlicher Wuchs, verzögerter Auflauf, verkürzte Internodien, Verdickungen, Verkrümmungen, Chlorosen und vorzeitiges Absterben möglich.
- Zwiebelgewächse: blasige oder geschwollene Blattpartien, verdrehte und schlaff herabhängende Blätter, Vergilbung, schlechte Zwiebelentwicklung sowie weiche Zwiebeln mit braunen, konzentrisch angeordneten Schuppen im Querschnitt.
- Knoblauch: vor allem Vergilbung, Kümmerwuchs und Absterben der Blätter; die für Zwiebeln typischen Blattblasen können fehlen.
- Zuckerrübe und Karotte: Verdickung und Verformung des Hypokotyls beziehungsweise Rübenkopfs, Blattdeformationen sowie später Fäulnis.
- Klee und Luzerne: nesterweises Zurückbleiben, verdickte Sprossbasis, kurze Internodien, Welke und Absterben.
- Samen und Pflanzgut: kleine Samen zeigen oft keine sichtbaren Symptome; größere Samen können geschrumpft sein oder verfärbte Flecken aufweisen.
Die Symptome können mit Fäulniserregern, Nährstoffstörungen, Staunässe oder anderen Nematoden verwechselt werden.
Ursachen und Ausbreitung
Die wichtigste Ursache ist befallenes Pflanz- und Saatgut, insbesondere infizierte Zwiebeln, Knoblauchzehen, Steckzwiebeln, Wurzelstöcke oder Samen. Die Nematoden können außerdem in befallenen Pflanzenresten, an Erde, Geräten, Schuhwerk und Maschinen verschleppt werden.
Junge Pflanzen werden vor allem bei kühler, feuchter Witterung infiziert. Regen, Bewässerungswasser und nasse Bodenbewegungen fördern die Verlagerung über kurze Distanzen. Auch anfällige Unkräuter und Durchwuchs können als Wirt dienen. Da das Wirtsspektrum und die Anfälligkeit von Population zu Population variieren, ist ein Befund am konkreten Standort für die Fruchtfolgeplanung entscheidend.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Nematoden leben überwiegend im Pflanzengewebe. Unter günstigen Bedingungen entwickeln sie sich vom Ei über mehrere Jugendstadien bis zum adulten Tier; an Zwiebeln kann ein Entwicklungszyklus bei etwa 15 °C ungefähr 20 Tage dauern. Weibchen können mehrere hundert Eier ablegen, wobei die Vermehrungsleistung von Wirt und Umwelt abhängt.
Das vierte Jugendstadium kann als widerstandsfähiges Dauerstadium längere Zeit ohne lebenden Wirt überdauern. In trockenem, befallenem Gewebe lagern sich die Tiere oft in dichten Gruppen nahe der Oberfläche an und können mehrere Jahre überleben. Sie werden durch Feuchtigkeit reaktiviert und können an Saatgut oder Pflanzgut haften.
Behandlung und Bekämpfung
Bei einem Verdacht sollten mehrere typische Pflanzen sowie Zwiebeln, Knollen oder Sprossbasen zusammen mit einer Bodenprobe an einen Pflanzenschutzdienst oder ein anerkanntes Diagnoselabor eingesandt werden. Die mikroskopische oder molekulare Bestimmung ist wichtig, weil ähnliche Schäden durch Pilze, Bakterien, Staunässe oder andere Nematoden entstehen können.
Stark befallene Pflanzen und Lagerpartien frühzeitig entfernen. Befallenes Pflanzgut nicht als Vermehrungsmaterial weiterverwenden. Nach der Ernte alle Pflanzenreste sorgfältig beseitigen und die Fruchtfolge auf Basis des bestätigten Wirtsspektrums planen. Eine thermische Behandlung von Pflanzgut oder Boden kommt nur infrage, wenn sie für die jeweilige Kultur fachlich geprüft, technisch sicher und praktisch umsetzbar ist.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Haus- und Kleingarten stehen hygienische und kulturtechnische Maßnahmen im Vordergrund: gesundes Pflanzgut, lange Wirtspflanzenpausen, Entfernen befallener Pflanzen, Unkrautkontrolle und Vermeidung der Verschleppung feuchter Erde. Eine kontrollierte Bodensolarisation kann in geeigneten kleinen Beeten die Nematodenbelastung reduzieren, wirkt aber nur bei ausreichender Bodenerwärmung und sorgfältiger, mehrwöchiger Anwendung.
Biologische Präparate und antagonistische Mikroorganismen können je nach Kultur und Zulassung unterschiedlich bewertet werden. Sie sollten nicht als sichere Heilung eines bestehenden Befalls betrachtet werden. Integrierter Pflanzenschutz mit Diagnose, Fruchtfolge, Hygiene und gesundem Pflanzgut ist in der Regel verlässlicher.
Vorbeugung
Die Vorbeugung ist die wichtigste Maßnahme, weil eine direkte Sanierung befallener Pflanzen nur begrenzt möglich ist.
- Nur gesundes, möglichst zertifiziertes und nachweislich nematodenfreies Saat- und Pflanzgut verwenden; keine Knoblauchzehen oder Steckzwiebeln aus Beständen mit unbekannter Herkunft pflanzen.
- Bei Befallsverdacht Pflanzen, Zwiebeln und Pflanzenreste nicht kompostieren, sondern fachgerecht entsorgen.
- Eine weite Fruchtfolge einhalten und anfällige Wirtspflanzen, besonders Allium-Arten, über mehrere Jahre meiden. Die genaue Rotationsdauer sollte sich am Wirt, an der Befallsstärke und an einer Laboranalyse orientieren.
- Freiwillige Wirtspflanzen und relevante Unkräuter beseitigen, ohne befallene Erde unnötig zu verteilen.
- Geräte, Kisten und Schuhe nach Arbeiten in befallenen Flächen reinigen; getrennte Arbeitsabläufe für gesundes und verdächtiges Pflanzgut einrichten.
- Staunässe vermeiden und Beete so bewirtschaften, dass junge Pflanzen nicht dauerhaft in nassem Boden stehen.
Wissenswertes
- Ditylenchus dipsaci ist nur etwa 1,2 mm lang und mit bloßem Auge nicht sicher erkennbar.
- Die Tiere können in trockenem, befallenem Gewebe als Dauerlarven mehrere Jahre überleben.
- Bei hoher Feuchtigkeit bilden sie an stark befallenen Geweben dichte Ansammlungen, die als „Älchenwolle“ beschrieben werden.
- Das Schadbild und die bevorzugten Wirtspflanzen unterscheiden sich zwischen biologischen Rassen deutlich.
- Bei Zwiebeln sind braune, konzentrische Schuppenringe im Inneren besonders charakteristisch; an Knoblauch dominieren dagegen häufig Vergilbung und Kümmerwuchs.
- Die Art ist in Deutschland nach aktueller EPPO-Einstufung vorhanden, aber mit eingeschränkter Verbreitung gemeldet.
Für Ditylenchus dipsaci darf in Deutschland nur ein aktuell für die konkrete Kultur und das konkrete Problem zugelassenes Pflanzenschutzmittel gemäß geltendem Etikett eingesetzt werden. Zulassungen, Anwendungsgebiete und Auflagen können sich ändern; die aktuelle Zulassung ist vor jeder Anwendung im deutschen Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis zu prüfen. Eine pauschale chemische Bekämpfungsstrategie wird nicht empfohlen.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Zwiebel (Allium cepa) – PflegeAllium cepa
Sternkugel-Lauch (Allium christophii) – PflegeAllium christophii
Winter-Zwiebel (Allium fistulosum) – PflegeAllium fistulosum
Riesenlauch (Allium giganteum) – PflegeAllium giganteum
Lauch (Allium) – PflegeAllium
Knoblauch (Allium sativum) – PflegeAllium sativum
Schnittlauch (Allium schoenoprasum) – PflegeAllium schoenoprasum
Bärlauch (Allium ursinum) – PflegeAllium ursinum
Quelle: