Kalifornischer Blütenthrips
Frankliniella occidentalis (Pergande)Kalifornischer Blütenthrips – Kurzüberblick
Der Kalifornische Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) ist ein sehr kleiner, schwer sichtbar zu bekämpfender Fransenflügler und insbesondere im deutschen Gewächshaus- und Zimmerpflanzenanbau problematisch. Er besiedelt Blüten, Knospen und junge Blätter, verursacht silbrig-helle Saugschäden sowie schwarze Kotpunkte und kann außerdem Pflanzenviren wie das Tomatenbronzefleckenvirus übertragen.
Typische Bedingungen
Überblick
Die erwachsenen Tiere sind etwa 1–2 mm lang, schlank und je nach Form gelblich bis dunkelbraun. Die Flügel besitzen einen charakteristischen Fransensaum; Larven sind kleiner, gelblich und flügellos. Die Tiere sitzen bevorzugt in Blüten, Knospen, Triebspitzen und geschützten Blattpartien und werden deshalb bei einer oberflächlichen Kontrolle leicht übersehen.
Die Art ist in Europa ein bedeutender Gewächshausschädling und besitzt ein sehr breites Wirtsspektrum. Ein dokumentierter Wirt kann dabei nicht in jedem Fall die vollständige Vermehrung der Population ermöglichen. Zusätzlich ist Frankliniella occidentalis ein wichtiger Vektor des Tomatenbronzefleckenvirus (TSWV) und weiterer Tospoviren.
Symptome und Erkennung
Typisch sind silbrig-weiße bis bronzefarbene Sprenkelungen, Schab- und Saugstellen sowie später braune Nekrosen. Auf Blättern erscheinen unregelmäßige helle Flecken, verformte junge Blätter, eingerollte Blattränder oder Wachstumsstockungen. Kleine schwarze, lackartig wirkende Kotpunkte finden sich häufig auf der Blattunterseite oder in Blüten.
- Blüten können fleckig werden, sich verformen, vorzeitig welken oder nicht vollständig öffnen.
- An Früchten entstehen korkige, silbrige oder vernarbte Stellen; bei Erdbeeren und anderen Beeren kann die Reife ungleichmäßig verlaufen.
- Bei Virusübertragung treten zusätzliche Symptome wie ringförmige Flecken, bronzefarbene Blätter, Welke oder starke Wachstumshemmung auf.
Zur Kontrolle Blüten und Triebspitzen ausschütteln oder über weißem Papier abklopfen und mit einer Lupe untersuchen. Eine sichere Artdiagnose erfordert bei Verwechslungsgefahr meist mikroskopische Merkmale oder eine Laborbestimmung.
Ursachen und Ausbreitung
Die Ausbreitung erfolgt durch zugekaufte Stecklinge, Jungpflanzen, Schnittblumen und befallene Zierpflanzen. Erwachsene Tiere fliegen aktiv zwischen Pflanzen; zusätzlich werden sie durch Personen, Kleidung, Werkzeuge und Pflanzenbewegungen verschleppt. Eier werden in Pflanzengewebe eingestochen und sind dadurch vor vielen Kontaktmaßnahmen geschützt.
Im Gewächshaus können sich Populationen bei Wärme und trockener Luft rasch aufbauen. Unkraut, Pflanzenreste, blühende Zwischenkulturen und nicht kontrollierte Mutterpflanzen dienen als Reservoir. Eine Übertragung von TSWV ist besonders relevant, wenn infizierte Pflanzen oder virustragende Thripse vorhanden sind.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Weibchen legen einzelne Eier in Blätter, Knospen, Blüten- oder anderes weiches Pflanzengewebe. Daraus schlüpfen zunächst zwei aktiv fressende Larvenstadien. Vorpuppe und Puppe fressen nicht oder nur wenig und befinden sich meist in Substrat, Bodenritzen oder Pflanzenabfällen. Anschließend schlüpft der geflügelte Erwachsene.
Die Entwicklungsdauer ist stark temperatur- und wirtsabhängig; bei warmen Bedingungen kann eine Generation ungefähr zwei Wochen benötigen. In beheizten Gewächshäusern sind daher viele überlappende Generationen möglich. Im Freiland können erwachsene Tiere in Pflanzenresten, Unkrautbeständen und geschützten Bereichen überdauern; in Deutschland ist die dauerhafte Entwicklung besonders in geschützten Kulturen wahrscheinlich.
Behandlung und Bekämpfung
Die Bekämpfung sollte nach dem Prinzip des integrierten Pflanzenschutzes erfolgen. Zuerst Befallsherde lokalisieren, Pflanzenbestände abschnittsweise behandeln und die Entwicklung mit Leimtafeln, Blütenkontrollen und Klopfproben verfolgen. Stark befallene Einzelpflanzen werden im Hausgarten meist besser entfernt als wiederholt behandelt.
In Gewächshauskulturen können zugelassene Nützlinge wie Raubmilben der Gattungen Amblyseius beziehungsweise Neoseiulus sowie Blumenwanzen der Gattung Orius eingesetzt werden. Die Freilassung muss früh erfolgen, bevor sich große Populationen in Blüten und Knospen aufgebaut haben. Puppenstadien im Substrat können durch geeignete bodenbewohnende Nützlinge ergänzt bekämpft werden.
Bei chemischen Maßnahmen ist wegen versteckter Aufenthaltsorte, geschützter Eier und möglicher Resistenzentwicklung eine vollständige Tilgung schwierig. Wirkstoffgruppen dürfen nicht schematisch oder wiederholt eingesetzt werden; die Maßnahme muss mit Monitoring, guter Benetzung der relevanten Pflanzenteile und einem Wirkstoffwechsel verbunden werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
Für den biologischen Pflanzenschutz sind insbesondere Orius laevigatus, Orius majusculus, Raubmilben wie Amblyseius swirskii und Neoseiulus cucumeris sowie je nach Kultur bodenbewohnende Nützlinge geeignet. Welche Art passt, hängt von Temperatur, Luftfeuchte, Blütenangebot, Kultur und Thripsdichte ab.
- Nützlinge frühzeitig und entsprechend den Herstellerangaben ausbringen.
- Breit wirkende Pflanzenschutzmittel und unnötige Spritzungen vermeiden, da sie Nützlinge schädigen können.
- Blühende Unkräuter und befallene Pflanzen im Bestand nicht als unkontrollierte Nahrungsquelle belassen.
- Leimtafeln ergänzend zur Befallsüberwachung verwenden, nicht als alleinige Bekämpfung.
- Bei Zimmerpflanzen können Abduschen, das Entfernen befallener Blüten und eine zeitweise Isolierung die Befallsstärke deutlich reduzieren.
Vorbeugung
- Jungpflanzen, Stecklinge und neue Zimmerpflanzen mindestens zwei bis drei Wochen getrennt aufstellen und regelmäßig kontrollieren.
- Gelbe oder blaue Leimtafeln zur Überwachung einsetzen; sie zeigen den Befallsbeginn, ersetzen aber keine Pflanzenkontrolle.
- Blüten, Knospen, Triebspitzen und Blattunterseiten mit Lupe und Klopfprobe untersuchen.
- Gewächshauslüftungen mit geeigneten Insektenschutznetzen sichern und Türen möglichst geschlossen halten.
- Befallene Pflanzenteile und stark befallene Pflanzen zeitnah entfernen und in geschlossenen Säcken entsorgen; nicht kompostieren.
- Unkraut, Schnittreste und alte Kulturreste aus Gewächshaus, Tischen und Randbereichen entfernen.
- Übermäßige Stickstoffversorgung und weiches, mastiges Wachstum vermeiden; Pflanzen gleichmäßig bewässern und Kulturhygiene konsequent durchführen.
Wissenswertes
- Frankliniella occidentalis wurde ursprünglich in Nordamerika beschrieben und hat sich seit dem späten 20. Jahrhundert weltweit verbreitet.
- Die Art ist außerordentlich polyphag; EPPO führt mehrere hundert dokumentierte Wirtspflanzen aus zahlreichen Pflanzenfamilien, wobei nicht jeder Wirt eine erfolgreiche Vermehrung ermöglicht.
- Larven und erwachsene Tiere verursachen Schäden, während Vorpuppen und Puppen häufig außerhalb der oberirdischen Pflanzenteile verborgen bleiben.
- Die Art kann TSWV erwerben und übertragen, wenn sie sich als Larve an infiziertem Pflanzengewebe ernährt.
- Die deutsche Bezeichnung „Kalifornischer Blütenthrips“ wird neben dem kürzeren Namen „Blütenthrips“ verwendet.
Verwenden Sie ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die in Deutschland zum aktuellen Zeitpunkt für die betreffende Kultur und den betreffenden Schaderreger zugelassen sind. Zulassung, Anwendungsgebiet, Aufwandmenge, Wartezeit, Anwendungsbedingungen und Einschränkungen sind vor jeder Anwendung im aktuellen Verzeichnis des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und auf dem geltenden Etikett zu prüfen. Etikett und gesetzliche Vorgaben strikt befolgen; keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Kultur oder Indikation. Wegen möglicher Resistenzentwicklung nicht wiederholt denselben Wirkmechanismus einsetzen.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Zwiebel (Allium cepa) – PflegeAllium cepa
Sternkugel-Lauch (Allium christophii) – PflegeAllium christophii
Winter-Zwiebel (Allium fistulosum) – PflegeAllium fistulosum
Riesenlauch (Allium giganteum) – PflegeAllium giganteum
Lauch (Allium) – PflegeAllium
Knoblauch (Allium sativum) – PflegeAllium sativum
Schnittlauch (Allium schoenoprasum) – PflegeAllium schoenoprasum
Bärlauch (Allium ursinum) – PflegeAllium ursinum
Quelle: