Blauschimmel der Zitrusfrüchte
Penicillium italicum WehmerBlauschimmel der Zitrusfrüchte – Kurzüberblick
Der Blauschimmel der Zitrusfrüchte ist eine typische Nacherntekrankheit, die vor allem Orangen, Zitronen, Mandarinen und verwandte Zitrusfrüchte befällt. Penicillium italicum dringt meist durch kleine Verletzungen der Schale ein. Zunächst entstehen weiche, wässrige Flecken und weißes Myzel, später ein charakteristischer blaugrüner Sporenrasen. Befallene Früchte verfaulen rasch und können benachbarte Früchte anstecken.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Blauschimmel ist vor allem eine Lager- und Transportkrankheit von Zitrusfrüchten. Im Freiland kann der Erreger verletzte Früchte infizieren, wirtschaftlich bedeutsam wird er jedoch überwiegend nach der Ernte. Befallene Früchte werden weich, wässrig und ungenießbar. Der Pilz kann sich bei niedrigen Lagertemperaturen weiterentwickeln und ist deshalb besonders bei längerer Kühllagerung relevant.
Die blaugrüne Sporulation weist auf P. italicum hin; ein ähnliches Schadbild verursacht der Grünschimmel Penicillium digitatum. Farbe, Temperaturverlauf und Befallsbild sind nützliche Hinweise, ersetzen bei unklaren Fällen aber keine fachliche Diagnose.
Symptome und Erkennung
Am Anfang erscheint ein kleiner, runder, hell- bis dunkelbrauner oder wässrig wirkender Fleck auf der Schale. Das Gewebe wird weich und sinkt ein. Anschließend bildet sich ein weißer, watteartiger Pilzrasen, der sich mit blaugrünen Konidien überzieht. Die Fäule breitet sich rasch in Schale und Fruchtfleisch aus; betroffene Früchte schrumpfen, verlieren Saft und können einen muffigen Geruch entwickeln.
- weiche, wassergetränkte Anfangsläsion
- weißer Rand oder Hof aus Myzel
- blaugrüner Sporenrasen auf der Fruchtschale
- weiche Nassfäule und Zerfall des Fruchtfleisches
- Übergreifen auf benachbarte Früchte bei Kontakt
Ursachen und Ausbreitung
Der Erreger wird hauptsächlich durch Konidien verbreitet. Die wichtigste Eintrittspforte sind kleine Verletzungen der Schale, die beim Pflücken, Transport, Sortieren oder durch Scheuern entstehen. Befallene Früchte geben Sporen an angrenzende Früchte und an Verpackungs- oder Lagermaterial ab.
Hohe Feuchte, Kondenswasser, verschmutzte Kisten und lange Lagerdauer fördern die Ausbreitung. Eine direkte Übertragung von Frucht zu Frucht ist besonders relevant, wenn bereits ein dichter Pilzrasen vorhanden ist.
Lebenszyklus und Überdauerung
Penicillium italicum bildet große Mengen leicht verbreitbarer Konidien auf befallenen Früchten. Die Sporen gelangen über Luft, Spritzwasser, Hände, Kisten und Sortier- oder Packtechnik auf gesunde Früchte. Für die Infektion benötigen sie meist eine Verletzung der Schale, etwa durch Pflücken, Scheuern, Druck oder Frostschäden.
Nach der Keimung wächst der Pilz zunächst im verletzten Gewebe. Ein weißer Myzelhof wird sichtbar, danach entstehen die blaugrünen Sporen. Diese werden erneut freigesetzt und können bei direktem Fruchtkontakt oder in feuchter Lagerluft weitere Früchte infizieren. Der Erreger kann sich im Gegensatz zu vielen anderen Fäulepilzen auch bei niedrigen Temperaturen weiterentwickeln.
Behandlung und Bekämpfung
Eine bereits befallene Zitrusfrucht lässt sich nicht zuverlässig gesundschneiden, weil der Pilz bereits in das weiche Gewebe vorgedrungen sein kann. Stark befallene Früchte vollständig entfernen und entsorgen. Benachbarte Früchte einzeln kontrollieren; Früchte mit Druckstellen oder weichen Läsionen aussortieren.
Leere Kisten, Geräte und Lagerflächen gründlich reinigen und nach betrieblichem Hygieneplan behandeln. Bei größeren Beständen sind Temperaturführung, Luftfeuchte, Verletzungsrate und Befallsentwicklung zu dokumentieren. Nacherntebehandlungen kommen nur im professionellen Rahmen und entsprechend zugelassener Verfahren infrage.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Hausgarten steht die Hygiene im Vordergrund. Befallene Früchte sofort entnehmen, ohne den Sporenrasen stark aufzuwirbeln, und nicht kompostieren, wenn keine sichere Heißrotte gewährleistet ist. Gesunde Früchte getrennt lagern und Kisten, Scheren, Arbeitsflächen sowie Hände reinigen.
- Zitrusfrüchte möglichst schonend ernten und nicht werfen oder quetschen.
- Verletzte, aufgeplatzte oder bereits weiche Früchte früh aussortieren.
- Nur trockene Früchte einlagern und Kondenswasser vermeiden.
- Früchte so lagern, dass sie sich möglichst wenig berühren und Luft zirkulieren kann.
- Als ergänzende Nachernteverfahren werden in der Fachliteratur Heißwasser- sowie Natriumcarbonat- oder Natriumhydrogencarbonat-Behandlungen untersucht. Sie sind im Hausgarten nicht pauschal anzuwenden, da Temperatur, Konzentration und Einwirkzeit Fruchtschäden verursachen können.
Vorbeugung
Die wirksamste Vorbeugung beginnt bei Ernte und Lagerung. Früchte bei trockenem Wetter und mit möglichst geringer mechanischer Belastung ernten. Nicht an der Schale reißen, keine Früchte mit langen Stiel- oder Nagelverletzungen einlagern und Druckstellen vermeiden.
- Saubere, trockene Kisten und desinfizierbare Arbeitsflächen verwenden.
- Fallobst und offensichtlich faule Früchte aus dem Bestand entfernen.
- Früchte nach der Ernte rasch sortieren und beschädigte Exemplare separieren.
- Kühl, trocken und mit ausreichender Luftbewegung lagern; Kondenswasser verhindern.
- Lagerbestände regelmäßig kontrollieren und erste Fäuleherde sofort entfernen.
- Bei gewerblicher Lagerung ein dokumentiertes Hygiene- und Nachernte-Monitoring einsetzen.
Wissenswertes
- Blauschimmel und Grünschimmel treten in Zitruslagern häufig gemeinsam auf, werden aber durch verschiedene Penicillium-Arten verursacht.
- P. italicum ist bei niedrigen Temperaturen konkurrenzfähiger als P. digitatum; lange Kühllagerung kann den relativen Anteil des Blauschimmels erhöhen.
- Die blaugrüne Farbe entsteht durch die massenhafte Bildung von Konidien und ist nicht allein ein Beweis für die Art.
- Die Krankheit ist überwiegend nacherntebedingt; eine unverletzte Schale ist der wichtigste natürliche Schutz der Frucht.
- Für die praktische Diagnose sollte auch auf Fruchtkontakt, Erntebehandlung und Lagerbedingungen geachtet werden.
Für Hausgarten und Erwerbsanbau in Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel verwenden, die zum Zeitpunkt der Anwendung für die betreffende Kultur und dieses Problem rechtlich zugelassen sind. Das aktuelle deutsche Etikett sowie die Warte- und Auflagen genau beachten. Eine pauschale Fungizidempfehlung ist nicht möglich; Nachernteanwendungen unterliegen zudem besonderen rechtlichen und betrieblichen Anforderungen.
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