Gemeiner WurzelschwammQuelle: Wikimedia CommonsJames LindseyCC BY-SA 3.0
Krankheit

Gemeiner Wurzelschwamm

Heterobasidion annosum
Kurzüberblick

Gemeiner Wurzelschwamm – Kurzüberblick

Der Gemeine Wurzelschwamm, Heterobasidion annosum, verursacht an Nadelbäumen eine Wurzel- und Stammfußfäule. Besonders gefährdet sind Kiefern und Fichten. Der Pilz besiedelt frische Schnittflächen an Wurzelstöcken, breitet sich über Wurzelkontakte aus und kann Bäume zunächst unauffällig schwächen, bevor Kronenverlichtung, Rotfäule, Windwurfgefahr oder Absterben sichtbar werden.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileWurzeln, Wurzelstock, Wurzelhals, Stammfuß, Kambium und Kernholz beziehungsweise angrenzendes Splintholz.
Begünstigende BedingungenFrische Nadelholz-Wurzelstöcke, Wurzelverletzungen, enge Wurzelkontakte, dichte Bestände, wiederholte Durchforstung sowie vorgeschädigte oder standortgestresste Bäume; das Risiko variiert nach Pilzlinie, Baumart, Boden und Klima.
Pflanzendoktor

Überblick

Heterobasidion annosum verursacht eine forstlich bedeutsame Wurzel- und Stammfußerkrankung. Die wichtigsten Wirte im mitteleuropäischen Kontext sind Kiefer (Pinus) und Fichte (Picea abies); die Empfindlichkeit hängt jedoch von Pilzlinie, Baumart, Standort und Bestandsgeschichte ab.

Der Pilz kann längere Zeit im Wurzelbereich verborgen bleiben. Bei Fichten steht häufig eine innere Rotfäule im Stammfuß im Vordergrund, während Kiefern durch das Absterben von Wurzeln und Kambium rascher geschädigt werden können. Eine sichere Diagnose erfordert meist die Untersuchung von Wurzelstock, Wurzeln und Holz durch eine fachkundige Person.

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Symptome und Erkennung

  • anfangs oft keine eindeutigen Symptome an der Krone;
  • zunehmende Kronenverlichtung, gelbliche oder rötlichbraune Nadeln und reduzierte Triebbildung;
  • Wachstumsrückgang, Nadelbüschel oder verzögerte Kronenreaktion bei fortgeschrittenem Befall;
  • Rotfäule beziehungsweise rötlichbraune bis weißlich aufgehellte Zersetzung im Stammfuß und in stärkeren Wurzeln;
  • leicht ablösbare Rinde an abgestorbenen Wurzeln, teils mit weißlichen Myzelspuren;
  • flache, unregelmäßige, graubraune Fruchtkörper mit heller Porenschicht an Wurzelstöcken oder am Stammfuß;
  • bei starker Wurzelfäule erhöhte Bruch- und Windwurfgefahr.

Die Symptome sind nicht beweisend: Hallimasch, andere Fäulepilze, Wurzelschäden durch Bodenverdichtung oder Trockenstress können ähnlich aussehen.

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Ursachen und Ausbreitung

Die wichtigste Eintrittspforte sind frische Schnittflächen an Wurzelstöcken. Basidiosporen werden von den Fruchtkörpern gebildet und bei geeigneter Witterung verbreitet; frisch gefällte oder durch Durchforstung entstandene Stöcke können anschließend besiedelt werden. Von kolonisierten Stöcken aus gelangt der Pilz über Wurzelkontakte und natürliche Wurzelverwachsungen auf benachbarte Bäume.

Verletzungen an Wurzeln und Stammfuß, hohe Bestandsdichte, wiederholte Durchforstungen sowie bereits vorhandene Befallsherde begünstigen die Entwicklung. Die Gefährdung ist standort- und artspezifisch; pauschale Aussagen über alle Heterobasidion-Arten oder alle Nadelbaumarten sind daher nicht zuverlässig.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Pilz lebt zunächst als Zersetzer in frischem Totholz und Wurzelstöcken. Auf geeigneten Schnittflächen keimen Basidiosporen, das Myzel wächst in den Wurzelstock und in größere Wurzeln ein. Bei Kontakt oder Verwachsung mit Nachbarwurzeln kann die Infektion innerhalb des Bestandes weitergegeben werden. Im lebenden Baum besiedelt der Pilz je nach Wirt Wurzeln, Kambium, Splintholz und Stammfuß; die Holzfäule kann sich über Jahre ausdehnen.

Fruchtkörper entstehen häufig verborgen an der Unterseite von Wurzelstöcken, unter Streu oder am Stammfuß. Die Bildung und Freisetzung von Sporen ist witterungsabhängig und regional unterschiedlich. Der in der Literatur verwendete Name H. annosum umfasst in älteren Quellen teilweise mehrere heute getrennte Arten des Komplexes.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine bereits weit entwickelte Wurzel- oder Stammfußfäule lässt sich am lebenden Großbaum in der Regel nicht kurativ zurückbilden. Zuerst sollte die Diagnose durch Aufschneiden des Wurzelstocks, Untersuchung des Stammfußes und gegebenenfalls durch ein spezialisiertes Labor abgesichert werden.

Bei Einzelbäumen im Garten oder Park sind Verkehrssicherheit und Baumstatik vorrangig. Stark geschädigte oder nicht standsichere Bäume müssen gegebenenfalls fachgerecht entfernt werden. In Forstbeständen kommen befallsorientierte Entnahme, Anpassung der Baumartenwahl, Verringerung neuer Infektionsmöglichkeiten und eine langfristige Bestandesumgestaltung infrage. Das Entfernen eines sichtbaren Fruchtkörpers allein beseitigt den Pilz nicht.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Der wichtigste biologische Ansatz ist die sofortige Behandlung frischer Nadelholz-Wurzelstöcke mit einem dafür zugelassenen Antagonisten, insbesondere mit Präparaten auf Basis von Phlebiopsis gigantea, sofern ein entsprechendes Produkt in Deutschland für die konkrete Anwendung zugelassen und verfügbar ist. Die Wirksamkeit hängt stark von korrektem Zeitpunkt, vollständiger Benetzung der frischen Schnittfläche und den Vorgaben des Produktes ab.

Ergänzend wirken hygienische und waldbauliche Maßnahmen: frische Infektionsflächen reduzieren, Fäll- und Rückeschäden vermeiden, Befallsherde kartieren, stark gefährdete Bäume fachlich beurteilen und bei der Verjüngung geeignete Mischbaumarten fördern. Hausmittel oder nicht zugelassene Pilzpräparate sollten nicht eingesetzt werden.

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Vorbeugung

  • Durchforstungen und Fällarbeiten möglichst so planen, dass unnötige Wurzel- und Stammfußverletzungen vermieden werden.
  • Frische Wurzelstöcke in bekannten Befallsflächen unverzüglich mit einem für diesen Zweck zugelassenen biologischen oder sonstigen geeigneten Mittel behandeln, sofern dies nach aktueller deutscher Zulassung und Betriebsanweisung möglich ist.
  • Bei der Bestandesbegründung standortgerechte, weniger gefährdete oder nicht bevorzugte Baumarten einbeziehen und artenreiche Mischbestände fördern.
  • Hohe Pflanz- und Bestandesdichten sowie wiederholte starke Eingriffe vermeiden; Pflegeeingriffe an Befallsstandorten fachlich abstimmen.
  • Absterbende oder standsicherheitsgefährdete Bäume durch qualifiziertes Forst- oder Baumpflegepersonal beurteilen lassen.
  • Wurzelstöcke, Wurzelproben und verdächtiges Holz nicht unkontrolliert in bisher befallsfreie Bestände verbringen.
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Wissenswertes

  • Der deutsche Trivialname „Wurzelschwamm“ bezieht sich auf die Fruchtkörperbildung an Wurzelstöcken und im Stammfußbereich.
  • Die früher weit gefasste Art Heterobasidion annosum wird heute als Komplex mehrerer genetisch und ökologisch unterschiedlicher Arten verstanden.
  • Fichte und Kiefer zeigen nicht zwingend dasselbe Krankheitsbild: Bei Fichte ist häufig Rotfäule im Stammfuß auffällig, bei Kiefer kann die Wurzel- und Kambiumzerstörung schneller zum Absterben führen.
  • Ein Baum kann bereits erheblich geschädigt sein, bevor die Krone deutliche Veränderungen zeigt.
  • Die Fruchtkörper sitzen oft an der Unterseite eines Wurzelstocks oder unter der Bodenstreu und werden deshalb leicht übersehen.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Für Heterobasidion annosum darf nur ein in Deutschland aktuell rechtlich zugelassenes Pflanzenschutz- oder Biozidprodukt für genau die vorgesehene Kultur, Anwendung und Indikation verwendet werden. Zulassung, Anwendungsbestimmungen und Auflagen können sich ändern; vor jeder Anwendung die aktuelle deutsche Produktzulassung und das Etikett prüfen und strikt befolgen. Für befallene lebende Bäume besteht meist keine verlässlich kurative chemische Behandlung.