Schwammspinner
Lymantria disparSchwammspinner – Kurzüberblick
Der Schwammspinner (Lymantria dispar) ist ein wärmeliebender Schmetterling und ein bedeutender Blattfraßschädling an Eichen und zahlreichen weiteren Laubgehölzen. Die behaarten Raupen können bei Massenvermehrungen ganze Kronen kahl fressen. Einzelner Kahlfraß wird von gesunden Bäumen meist überwachsen; wiederholter Befall, Trockenheit und Vorschädigungen können jedoch zu deutlichen Vitalitätsverlusten führen.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Schwammspinner ist in Deutschland heimisch und tritt besonders an warmen, trockenen Standorten, in lichten Eichenwäldern, an Waldrändern, in Parkanlagen und in Obstbeständen auf. Seine Raupen fressen die Blätter von April bis Juni oder Anfang Juli. Bei Massenvermehrungen können sie Bäume vollständig entlauben.
Ein einmaliger Kahlfraß wird von vitalen Laubbäumen häufig durch einen zweiten Blattaustrieb ausgeglichen. Wiederholter Fraß über mehrere Jahre, kombiniert mit Dürre, Wurzelschäden oder anderen Stressfaktoren, kann jedoch Zuwachs, Fruchtbildung und langfristig die Überlebensfähigkeit beeinträchtigen.
Symptome und Erkennung
Typisch ist zunächst Loch- und Randfraß an jungen Blättern, später ein skelettierter oder vollständig entlaubter Kronenbereich. Bei starkem Befall hängen zahlreiche behaarte Raupen an Seidenfäden herab oder sitzen an Stamm, Ästen und Blättern.
- Raupen mit fünf Paaren bläulicher und sechs Paaren rötlicher Rückenwarzen, besonders ab den mittleren Larvenstadien.
- Gelblich-braune, mit Haaren bedeckte Eigelege von meist etwa 3–4 cm Länge an Borke, Ästen oder geschützten Oberflächen.
- Bei starkem Befall: Kahlfraß, Kotkrümel unter der Krone, nachfolgender Johannistrieb oder erneuter Blattaustrieb.
Die Raupen sind nicht in Prozessionen unterwegs. Eine geschlossene Prozession am Eichenstamm spricht eher für den Eichenprozessionsspinner.
Ursachen und Ausbreitung
Die Populationsentwicklung wird durch warme, trockene Frühjahrs- und Sommerperioden begünstigt. Große, sonnige Eichenbestände und geschwächte Gehölze bieten günstige Bedingungen. Die frisch geschlüpften Jungraupen lassen sich an langen Seidenfäden vom Wind verdriften („Ballooning“) und können dadurch neue Kronen oder benachbarte Bestände erreichen.
Eine Verschleppung ist außerdem mit Fahrzeugen, Brennholz, Schnittgut, Baumschulmaterial oder anderen Gegenständen möglich, an denen Eigelege haften. Die flugfähigen Männchen tragen zur Partnersuche bei; die großen Weibchen sind überwiegend flugunfähig und verbreiten sich nur begrenzt aktiv.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Schwammspinner bildet in Deutschland gewöhnlich eine Generation pro Jahr. Die Art überwintert als fertig entwickelte Jungraupe im Ei. Im Frühjahr, meist ab April und abhängig vom Blattaustrieb sowie der Witterung, schlüpfen die Raupen und beginnen an den Blättern zu fressen.
Die Raupen durchlaufen mehrere Larvenstadien und sind je nach Temperatur und Nahrungsangebot etwa sechs bis vierzehn Wochen aktiv. Die Verpuppung erfolgt meist im Juni oder Juli an Stamm, Ästen oder geschützten Stellen. Nach ungefähr zehn bis vierzehn Tagen erscheinen die Falter. Die Weibchen legen anschließend meist mehrere Dutzend bis mehrere Hundert Eier in einem haarbedeckten Gelege ab; diese überwintern bis zum nächsten Frühjahr.
Behandlung und Bekämpfung
Bei einzelnen Garten- oder Parkbäumen können sichtbare Eigelege im Winter vorsichtig entfernt und sicher entsorgt werden. Raupen an kleinen Gehölzen lassen sich bei geringem Befall absammeln oder mit einem geeigneten Wasserstrahl von Blättern und Ästen lösen. Dabei sollten Handschuhe, langärmlige Kleidung und Augenschutz getragen werden; die Haare der Raupen können Haut und Atemwege reizen.
Bei größeren Bäumen, starkem Kahlfraß, wiederholtem Befall oder Nähe zu Wegen und Aufenthaltsbereichen sollte eine fachkundige Baumpflege- oder Pflanzenschutzberatung hinzugezogen werden. Der richtige Eingriffszeitpunkt liegt, falls eine Behandlung erforderlich ist, im frühen Raupenstadium und muss sich an Befallsstärke, Baumart, Schutzauflagen und lokalen Gegebenheiten orientieren.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im integrierten Pflanzenschutz haben mechanische und biologische Maßnahmen Vorrang. Eigelege können an erreichbaren Stellen abgekratzt und sachgerecht beseitigt werden; Raupen an kleinen Pflanzen können abgesammelt werden. Die Maßnahme ist nur wirksam, wenn das Material nicht weiter verschleppt wird.
Biologische Gegenspieler begrenzen den Schwammspinner häufig, darunter Vögel, Fledermäuse, räuberische Käfer, Ameisen, Raupenfliegen und parasitische Hautflügler. Eine Anwendung mikrobieller Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis kann bei jungen Raupen grundsätzlich eine Option sein, ist aber nur im Rahmen der jeweils in Deutschland zugelassenen Anwendung, des zugelassenen Kulturbereichs und der aktuellen Gebrauchsanweisung zu beurteilen. Nichtzielorganismen, insbesondere Schmetterlingsraupen, müssen berücksichtigt werden.
Vorbeugung
Eine vollständige Vorbeugung ist wegen des breiten Wirtsspektrums nicht möglich. Sinnvoll sind regelmäßige Kontrollen gefährdeter Eichen und anderer Laubgehölze ab Spätwinter bis zum Austrieb sowie die Suche nach haarbedeckten Eigelegen an Stamm, Starkästen, Pfählen, Zäunen und angrenzenden Gegenständen.
- Neue Bäume, Schnittgut, Brennholz und gebrauchte Materialien vor dem Verbringen auf Eigelege kontrollieren.
- Geschwächte Gehölze durch standortgerechte Pflanzung, ausreichenden Wurzelraum und bedarfsgerechte Bewässerung in Trockenperioden vital halten.
- Bei wertvollen Einzelbäumen den Befall früh dokumentieren und die Raupendichte sowie den Kronenzustand beobachten.
- Natürliche Gegenspieler wie Vögel, Laufkäfer, Ameisen, Raubwanzen, Raupenfliegen und parasitische Wespen schonen; strukturreiche Lebensräume und blütenreiche Begleitvegetation fördern.
Wissenswertes
Der wissenschaftliche Artname Lymantria dispar verweist auf den ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus: Die Weibchen sind deutlich größer und hell, die Männchen kleiner, dunkler und flugfähig. Der deutsche Name Schwammspinner bezieht sich auf die schwammartig behaarten Eigelege.
Die Raupen können sich an Seidenfäden vom Wind verdriften lassen. Trotz ihrer großen Wirtspflanzenbreite zählen Eichen zu den wichtigsten und regelmäßigsten Wirten. Ein einzelner Befall muss nicht zum Absterben führen; entscheidend sind Wiederholung, Baumvitalität, Trockenstress und weitere Schädigungen.
Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die konkrete Kultur und den konkreten Schaderreger zugelassen beziehungsweise genehmigt sind. Nur aktuelle amtliche Zulassungsdaten und das geltende Etikett sind maßgeblich; Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Abstände, Gewässerschutz- und Bienenschutzauflagen sind strikt einzuhalten. Eine individuelle Behandlung großer Bäume sollte durch eine sachkundige Fachperson geplant werden.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Feldahorn (Acer campestre) – PflegeAcer campestre
Zimt-Ahorn (Acer griseum) – PflegeAcer griseum
Japanischer Ahorn (Acer japonicum) – PflegeAcer japonicum
Eschen-Ahorn (Acer negundo) – PflegeAcer negundo
Fächer-Ahorn (Acer palmatum) – PflegeAcer palmatum
Spitzahorn (Acer platanoides) – PflegeAcer platanoides
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) – PflegeAcer pseudoplatanus
Rot-Ahorn (Acer rubrum) – PflegeAcer rubrum
Silber-Ahorn (Acer saccharinum) – PflegeAcer saccharinum
Zucker-Ahorn (Acer saccharum) – PflegeAcer saccharum
Tatarischer Steppen-ahorn (Acer tataricum) – PflegeAcer tataricum
Feuer-Ahorn (Acer tataricum ginnala) – PflegeAcer tataricum ginnala
Quelle: