
Marssonina-Blattfleckenkrankheit an Pappeln
Marssonina brunnea (Ellis & Everhart) MagnusMarssonina-Blattfleckenkrankheit an Pappeln – Kurzüberblick
Die Marssonina-Blattfleckenkrankheit ist eine pilzliche Erkrankung von Pappeln, gelegentlich auch Weiden, verursacht durch Marssonina brunnea. Zunächst entstehen kleine dunkelbraune bis schwarze Blattflecken mit gelblichem Rand. Bei feuchtwarmer Witterung können die Flecken zusammenfließen, zu vorzeitigem Blattfall führen und bei anfälligen Klonen auch Blattstiele und junge Triebe schädigen.
Typische Bedingungen
Überblick
Marssonina brunnea verursacht die Marssonina-Blattfleckenkrankheit beziehungsweise Marssonina-Blattfallkrankheit vor allem an Populus-Arten und Hybriden. Die Erkrankung ist in Europa, Nordamerika, Asien und weiteren Anbaugebieten beschrieben. Ihre Bedeutung reicht von einer auffälligen Blattverfärbung bis zu starkem vorzeitigem Blattfall, vermindertem Zuwachs und erhöhter Anfälligkeit gegenüber Sekundärerregern.
Eine sichere Artbestimmung allein anhand des Schadbildes ist schwierig, weil auch M. populi, M. castagnei und andere Blattfleckenerreger ähnliche Symptome verursachen können. Für eine belastbare Diagnose sind Wirt, Befallszeitpunkt, Sporenmerkmale und gegebenenfalls eine Laboruntersuchung einzubeziehen.
Symptome und Erkennung
Auf jungen Blättern erscheinen zunächst zahlreiche kleine, dunkelbraune bis schwarze Flecken, häufig mit gelblichem Hof. Die meist etwa 1–2 mm großen Flecken können eckig werden und bei starkem Befall zu größeren rostbraunen bis schwarzen Nekrosen zusammenfließen.
- Befall beginnt häufig an unteren Kronenteilen und breitet sich nach oben aus.
- Blätter bleiben kleiner, vergilben oder verfärben sich bronzefarben und fallen vorzeitig ab.
- An anfälligen Arten oder Klonen können längliche Läsionen an Blattstielen und jungen Trieben auftreten.
- In den Flecken können blasse, linsenförmige Fruchtkörper mit weißlicher, gallertiger Sporenmasse sichtbar werden.
Eine starke, früh einsetzende Entlaubung ist besonders bei jungen Bäumen und empfindlichen Pappelklonen problematisch.
Ursachen und Ausbreitung
Der Erreger überdauert in befallenen abgefallenen Blättern sowie in Läsionen älterer Zweige und Triebe. Im Frühjahr und Frühsommer werden Sporen bei feuchter Witterung durch Regen, Spritzwasser und teilweise Luftbewegung auf junge Blätter und Triebe übertragen. Weitere Sporen aus aktuellen Läsionen ermöglichen während niederschlagsreicher Perioden Sekundärinfektionen.
Dichte Bestände, lange Blattnässe, hohe Luftfeuchte, häufige Niederschläge und schlecht abtrocknende Kronen fördern Epidemien. Die Empfindlichkeit hängt stark von Pappelart, Hybrid, Klon, Alter und Herkunft des Isolats ab.
Lebenszyklus und Überdauerung
Marssonina brunnea ist ein hemibiotropher Pilz: Nach der Keimung dringt der Keimschlauch in das Blattgewebe ein, zunächst entwickelt sich der Erreger biotroph, später breitet er sich nekrotroph im Gewebe aus. In den Blatt-, Blattstiel- und Triebnekrosen entstehen ungeschlechtliche Fruchtkörper, sogenannte Acervuli, die zweizellige Konidien freisetzen.
Überwinterndes Material bildet die Ausgangsquelle für den Frühjahrsbefall. Bei anhaltender Feuchtigkeit folgen mehrere Infektionszyklen während der Vegetationsperiode. Die genaue Beteiligung geschlechtlicher Stadien und die Formenspezifität unterscheiden sich je nach Wirt und regionalem Erregerstamm.
Behandlung und Bekämpfung
Bei Einzelbäumen im Garten steht die Befallsreduzierung durch Hygiene und Kronenpflege im Vordergrund. Stark befallene Blätter sollten, soweit ohne unverhältnismäßigen Aufwand möglich, entfernt und aus dem Garten entsorgt werden. Befallene Triebe sind bis ins gesunde Holz zurückzunehmen, sofern dadurch die Baumstatik und Kronenform nicht beeinträchtigt werden.
Bei wiederkehrendem starkem Befall ist die Auswahl eines weniger anfälligen Klons meist nachhaltiger als eine wiederholte Behandlung. In Forst- und Baumschulbeständen sollten Befallsbeginn, Klonempfindlichkeit und Witterungsverlauf dokumentiert werden, damit Maßnahmen gezielt und nicht kalenderbasiert erfolgen.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Haus- und Kleingarten sind konsequente Laub- und Schnittguthygiene, gute Durchlüftung sowie die Verwendung toleranter Pappeln die wichtigsten nichtchemischen Maßnahmen. Eine ausgewogene Versorgung und Vermeidung von Wurzel- oder Trockenstress unterstützt die Regeneration, beseitigt den Erreger jedoch nicht.
Biologische Präparate sind gegen diesen speziellen Erreger nicht pauschal als wirksam einzustufen. Falls ein biologisches Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden soll, muss dessen aktuelle Zulassung und ausgewiesene Indikation für die betreffende Kultur und Anwendung in Deutschland geprüft werden.
Vorbeugung
- Für Neupflanzungen möglichst standortgeeignete, nachweislich tolerante oder resistente Pappelklone verwenden.
- Nur gesundes, symptomfreies Pflanz- und Vermehrungsmaterial beziehen.
- Pappeln nicht unnötig dicht pflanzen und auf ausreichende Durchlüftung achten.
- Abgefallene, deutlich befallene Blätter im Herbst vollständig entfernen und nicht unter den Bäumen liegen lassen.
- Befallene junge Triebe und Zweige bei trockenem Wetter zurückschneiden; Schnittgut aus dem Bestand entfernen.
- Bestände ab Austrieb regelmäßig kontrollieren, besonders nach längeren Regenphasen.
Wissenswertes
Marssonina-Erreger sind häufig wirtsspezifisch. Bei M. brunnea werden unter anderem Formen unterschieden, die bevorzugt Pappeln aus verschiedenen taxonomischen Sektionen befallen. Deshalb kann ein Pappelklon stark erkranken, während ein anderer in unmittelbarer Nähe nur geringe Symptome zeigt.
Bei günstiger Witterung erscheinen die Kronen stark befallener Bäume aus der Entfernung bronzefarben. Wiederholte frühe Entlaubung reduziert die Assimilationsleistung und kann die Anfälligkeit gegenüber weiteren Krankheiten und Schädlingen erhöhen.
Eine chemische Behandlung sollte nur bei erheblichem wirtschaftlichem oder funktionalem Schaden und nach fachlicher Diagnose erwogen werden. In Deutschland dürfen ausschließlich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel verwendet werden, deren Etikett die betreffende Kultur und das konkrete Problem abdeckt. Zulassung, Anwendungsgebiet, Aufwandmenge, Abstände, Anwenderschutz und Auflagen können sich ändern; maßgeblich ist stets das aktuelle deutsche Etikett beziehungsweise die amtliche Zulassungsdatenbank. Keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation.