Haselnussbohrer
Curculio nucum Linnaeus, 1758Haselnussbohrer – Kurzüberblick
Der Haselnussbohrer (Curculio nucum) ist ein spezialisierter Rüsselkäfer der Hasel. Die Weibchen bohren sich im Frühsommer in junge Haselnüsse und legen jeweils ein Ei ab. Die Larven fressen den Nusskern, verlassen die reifen Nüsse und überwintern anschließend im Boden. Typisch sind einzelne Bohrlöcher, krümelige Kotspuren, taube Nüsse und vorzeitiger Fruchtfall.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Haselnussbohrer befällt vor allem die Europäische Hasel (Corylus avellana) und kultivierte Haselnusssorten. Erwachsene Käfer sind etwa 7–8 mm lang, bräunlich gefärbt und besitzen einen auffallend langen, nach unten gebogenen Rüssel. Im Frühjahr fressen sie zunächst an Knospen, Blättern, Trieben und weiblichen Blüten. Der wirtschaftlich relevante Schaden entsteht später an den Nüssen.
Das Weibchen bohrt ein Loch in eine sich entwickelnde Haselnuss und legt dort meist ein Ei ab. Die Larve frisst den Kern aus, wodurch die Nuss taub oder wirtschaftlich wertlos wird. Eine sichere Artbestimmung allein anhand eines Bohrlochs ist jedoch nicht immer möglich, da auch andere Nuss- und Rüsselkäfer Schäden verursachen können.
Symptome und Erkennung
- Ein einzelnes, meist etwa 2 mm großes Bohr- oder Austrittsloch an der Nussschale.
- Beim Öffnen: fehlender oder angefressener Kern und krümelige Kot- beziehungsweise Fraßreste.
- Vorzeitig abfallende, leichte oder taube Nüsse.
- Im Frühjahr zusätzlich Lochfraß an Blättern, Fraß an Knospen und Trieben sowie gelegentlich eintrocknende Triebspitzen.
- Larven sind weißlich, beinlos und ausgewachsen ungefähr 15 mm lang.
Ein Bohrloch ohne Larve beweist nicht, dass der Befall aktuell ist: Es kann auch das Austrittsloch einer bereits ausgewanderten Larve sein.
Ursachen und Ausbreitung
Der Befall beginnt durch überwinternde Käfer beziehungsweise Larven im Boden unter oder in der Nähe von Haselsträuchern. Nach dem Schlupf suchen die Käfer junge Haselnüsse auf. Die Weibchen stechen die Schale an und legen ihre Eier in die Nuss. Nach dem Larvenfraß verlassen die Larven die Nüsse und wandern in den Boden ein. Nicht alle Tiere entwickeln sich im selben Jahr; ein Teil kann mehrere Jahre im Boden verbleiben. Dadurch kann der Befallsdruck trotz einzelner befallsarmer Jahre wieder ansteigen.
Lebenszyklus und Überdauerung
In Deutschland tritt gewöhnlich eine Generation pro Jahr auf, der Entwicklungsverlauf kann aber durch eine mehrjährige Bodenruhe überlagert werden. Die Käfer erscheinen je nach Witterung im Frühjahr, häufig ab April, und sind bis in den Frühsommer beziehungsweise frühen Juli aktiv. Die Eiablage beginnt an wachsenden Nüssen typischerweise ab Anfang Juni. Die Larven fressen im Nusskern, verlassen die Nüsse bei der Reife und graben sich zur Überwinterung in den Boden ein. Dort verpuppen sie sich später; aus einem Teil der Population schlüpfen die Käfer erst nach ein oder mehreren Jahren.
Behandlung und Bekämpfung
Eine wirksame Bekämpfung muss den Lebenszyklus berücksichtigen. Befallene und vorzeitig abgefallene Nüsse sollten wiederholt entfernt werden, bevor die Larven den Boden erreichen. Unter stark befallenen Sträuchern kann eine zeitweise Abdeckung der Bodenoberfläche das Eindringen oder den Austritt von Larven erschweren, sofern sie sicher befestigt und regelmäßig kontrolliert wird. Im Erwerbsanbau sind Befallsüberwachung, Klopfproben oder andere zugelassene Monitoringverfahren und eine Behandlung nur nach regionaler Beratung beziehungsweise Befallsbewertung sinnvoll.
Da die Larven im Nussinneren geschützt sind, sind Maßnahmen gegen erwachsene Käfer nur in einem eng begrenzten Zeitfenster vor und während der Eiablage erfolgversprechend. Wiederholte Anwendungen ohne Überwachung fördern unnötige Belastungen und sind im Haus- und Kleingarten meist nicht angemessen.
Schonende und biologische Bekämpfung
- Fallnüsse und vorzeitig abgefallene Früchte konsequent sammeln, um Larven vor dem Einwandern in den Boden zu entfernen.
- Den Boden unter befallenen Sträuchern nach der Ernte kontrollieren und die Anlage möglichst offen und sauber halten.
- Entomopathogene Nematoden gegen bodenlebende Stadien können je nach Produkt, Temperatur, Bodenfeuchte, Kultur und Zulassung eine Option sein. Ihre Wirkung ist nicht pauschal garantiert; Anwendungstermin und Ausbringbedingungen müssen genau zum zugelassenen Produkt passen.
- Natürliche Gegenspieler wie Laufkäfer, Vögel und bodenbewohnende Organismen durch vielfältige, möglichst wenig gestörte Randstrukturen fördern, ohne den befallenen Bodenbereich dauerhaft mit dichtem Pflanzenaufwuchs zu bedecken.
- Bei Einzelsträuchern mechanische Maßnahmen wie Netze und regelmäßiges Absammeln bevorzugen.
Vorbeugung
- Fallnüsse während der Befalls- und Reifezeit regelmäßig aufsammeln und nicht unter dem Haselstrauch liegen lassen.
- Befallene Nüsse nicht kompostieren, wenn eine vollständige Erhitzung des Komposts nicht sichergestellt ist; besser über den Hausmüll oder nach örtlichen Vorgaben entsorgen.
- Die Bodenoberfläche unter stark befallenen Sträuchern nach der Ernte sauber halten und Verstecke für auswandernde Larven reduzieren.
- Haselsträucher auslichten, damit die Kronen gut kontrollierbar sind und die Nüsse gleichmäßig reifen.
- Ab Mai bis zur Ernte regelmäßig Nüsse auf Bohrstellen und vorzeitigen Fruchtfall kontrollieren.
- Bei wertvollen Einzelpflanzen können feinmaschige Netze zur Flug- und Eiablagezeit die Eiablage erschweren; sie müssen lückenlos angebracht werden und dürfen Bestäuber während der Blüte nicht aussperren.
Wissenswertes
- Curculio nucum ist eng an Haseln gebunden; als zuverlässig dokumentierter Hauptwirt gilt insbesondere Corylus avellana.
- Das charakteristische Bohrloch dient zunächst der Eiablage und später häufig als Austrittsöffnung der Larve.
- Der Entwicklungszyklus ist nicht immer streng einjährig: Ein Teil der Larven kann mehrere Jahre im Boden überdauern.
- Der Rüssel dient dem Weibchen als hochspezialisiertes Werkzeug, um die Schale der wachsenden Nuss zu durchdringen.
Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die für die konkrete Kultur und den Haselnussbohrer beziehungsweise die betreffende Anwendung aktuell zugelassen sind. Prüfen Sie vor jeder Anwendung die BVL-Zulassungsdatenbank und das aktuelle Etikett; beachten Sie Kultur, Aufwandmenge, Wartezeit, Anwendungszeitpunkt, Bienenschutz und alle Auflagen. Keine Mittel aus anderen Kulturen oder aus dem Ausland übertragen und im Haus- und Kleingarten nur ausdrücklich dafür zugelassene Produkte verwenden.
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