
Ypsiloneule
Agrotis ipsilon (Hufnagel, 1766)Ypsiloneule – Kurzüberblick
Die Ypsiloneule (Agrotis ipsilon) ist ein weit verbreiteter, polyphager Eulenfalter, dessen Raupen vor allem junge Pflanzen und Keimlinge schädigen. Sie fressen überwiegend nachts an der Bodenoberfläche, verstecken sich tagsüber im Boden und können Sämlinge knapp über der Erdoberfläche durchtrennen. In Deutschland tritt die Art regional und witterungsabhängig auf; eine sichere Diagnose erfordert die Kontrolle von Boden und Pflanzenbasis.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Ypsiloneule, auch Ipsiloneule genannt, ist in Deutschland nachgewiesen und wird in der Fachliteratur international als bedeutender Erdraupen- beziehungsweise Cutworm-Schädling geführt. Das Schadpotenzial schwankt stark nach Region, Witterung, Kultur und Larvendichte.
Besonders gefährdet sind frisch aufgelaufene oder gepflanzte Jungpflanzen. Ältere, kräftige Pflanzen werden meist weniger stark geschädigt, können aber durch Fraß an Wurzeln, unterirdischen Stängelteilen oder bodennahen Blättern beeinträchtigt werden.
Symptome und Erkennung
- Plötzlich welkende oder umgefallene Sämlinge.
- Stängel knapp über oder an der Bodenoberfläche durchtrennt oder ringförmig angefressen.
- Unregelmäßige Fraßstellen an bodennahen Blättern und Keimblättern.
- Vereinzelt fehlende Pflanzen in ansonsten gleichmäßigem Bestand.
- Graubraune, kräftige Raupe, die sich bei Störung einrollt und tagsüber wenige Zentimeter tief im Boden sitzt.
Das Schadbild kann mit anderen Erdraupen, Schnecken oder Drahtwürmern verwechselt werden. Die Raupe sollte deshalb direkt im Boden an der Pflanzenbasis gesucht werden.
Ursachen und Ausbreitung
Die Schäden entstehen durch die Larven von Agrotis ipsilon. Die Weibchen legen Eier bodennah an Pflanzen oder Pflanzenreste. Die jungen Raupen fressen zunächst an oberirdischen Pflanzenteilen; ältere Larven halten sich überwiegend am Boden auf und schneiden Pflanzen nachts an der Basis ab.
Die Art ist sehr mobil und kann über größere Entfernungen einfliegen. In Deutschland hängt das Auftreten stark von warmen Perioden, Einflugbedingungen und der Überlebensrate von Larven oder Puppen ab. Verunkrautete Flächen, dichter Pflanzenbewuchs und nicht zersetzte Pflanzenreste können Eiablage und Larvenentwicklung begünstigen.
Lebenszyklus und Überdauerung
Agrotis ipsilon durchläuft die Stadien Ei, mehrere Larvenstadien, Puppe und Falter. Die erwachsenen Nachtfalter sind dämmerungs- und nachtaktiv, ernähren sich von Nektar und können weite Wanderungen ausführen. Die Eier werden meist einzeln oder in kleinen Gruppen an bodennahe Vegetation, Blätter oder abgestorbenes Pflanzenmaterial abgelegt.
Die Larven entwickeln sich abhängig von Temperatur und Nahrungsangebot über mehrere Wochen. Tagsüber verbergen sie sich im Boden oder unter Pflanzenresten, nachts werden sie zur Fraßaktivität oberirdisch. In Deutschland sind mehrere Generationen möglich, während eine sichere Überwinterung regional und witterungsabhängig ist; strenge Winter begrenzen die lokale Entwicklung.
Behandlung und Bekämpfung
Bei ersten Ausfällen die Pflanzenbasis und die obersten Zentimeter Boden im Umkreis der beschädigten Pflanze absuchen. Gefundene Raupen können abgesammelt und entfernt werden. Stark geschädigte Pflanzen sollten aus dem Beet genommen werden, damit sie keine weiteren Schaderreger anziehen und die Bestandslücken sichtbar bleiben.
Bei wiederholtem Befall sind Kulturkontrollen in der Dämmerung besonders aufschlussreich, weil die Raupen dann aktiv werden. Mechanische Schutzmaßnahmen, saubere Saatbeete und eine angepasste Kulturführung sind im Hausgarten meist wirksamer und nachhaltiger als eine pauschale Behandlung des gesamten Beetes.
Schonende und biologische Bekämpfung
Die wichtigsten nichtchemischen Maßnahmen sind Absammeln, Boden- und Pflanzenhygiene, Schutzkragen, Kulturschutznetze und die Förderung natürlicher Feinde. Laufkäfer, Spinnen, Vögel und parasitische Insekten können zur natürlichen Regulierung beitragen, wenn breit wirkende Insektizide und unnötige Bodenbehandlungen vermieden werden.
Entomopathogene Nematoden können gegen bestimmte Erdraupen eingesetzt werden. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch von Art, Präparat, Bodentemperatur, Feuchtigkeit und korrekter Ausbringung ab. Nur ausdrücklich dafür zugelassene beziehungsweise verkehrsfähige Produkte und die aktuelle Gebrauchsanweisung verwenden.
Vorbeugung
- Beete vor Aussaat oder Pflanzung sorgfältig von Unkraut befreien und Pflanzenreste entfernen oder gut einarbeiten.
- Jungpflanzen erst nach einer Kontrolle der Bodenoberfläche und der oberen Bodenschicht setzen.
- In gefährdeten Beeten regelmäßig die Pflanzenbasis und den Boden direkt daneben kontrollieren.
- Empfindliche Sämlinge mit eng anliegenden Schutzkragen aus stabilem Material versehen; der Kragen muss einige Zentimeter tief im Boden sitzen.
- Leichte Kulturschutznetze können die Eiablage an jungen Kulturen vermindern, müssen aber dicht abschließen und bis nach der kritischen Jugendphase liegen bleiben.
- Frühe Unkrautregulierung und eine vielfältige, strukturreiche Umgebung fördern natürliche Gegenspieler.
Wissenswertes
- Der Artname ipsilon bezieht sich auf die charakteristische dunkle Zeichnung der Vorderflügel, die an den griechischen Buchstaben Ypsilon erinnert.
- Die Ypsiloneule ist polyphag und kann zahlreiche Gemüse-, Acker- und Zierpflanzen sowie Gräser und Jungpflanzen befallen.
- Der erwachsene Falter ist ein guter Flieger und kann über größere Entfernungen wandern; deshalb kann das Auftreten lokal plötzlich einsetzen.
- Die Raupen sind nachtaktiv und rollen sich bei Berührung häufig zusammen, was die Suche am Tag erschwert.
- Die Ypsiloneule ist von anderen Agrotis-Arten anhand des Schadbilds allein nicht sicher zu unterscheiden.
Eine chemische Bekämpfung darf in Deutschland ausschließlich mit einem für die jeweilige Kultur und den konkreten Schaderreger aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel erfolgen. Zulassung, Anwendungsgebiet, Aufwandmenge, Wartezeit, Abstandsauflagen und Schutzbestimmungen können sich ändern. Vor jeder Anwendung die aktuelle Gebrauchsanleitung und das amtliche Pflanzenschutzmittelverzeichnis prüfen; keine Mittel aus anderen Kulturen oder Ländern übertragen.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Zwiebel (Allium cepa) – PflegeAllium cepa
Sternkugel-Lauch (Allium christophii) – PflegeAllium christophii
Winter-Zwiebel (Allium fistulosum) – PflegeAllium fistulosum
Riesenlauch (Allium giganteum) – PflegeAllium giganteum
Lauch (Allium) – PflegeAllium
Knoblauch (Allium sativum) – PflegeAllium sativum
Schnittlauch (Allium schoenoprasum) – PflegeAllium schoenoprasum
Bärlauch (Allium ursinum) – PflegeAllium ursinum