Pepino-Mosaikvirus
Krankheit

Pepino-Mosaikvirus

Pepino mosaic virus (PepMV; Virusart Potexvirus pepini)
Kurzüberblick

Pepino-Mosaikvirus – Kurzüberblick

Das Pepino-Mosaikvirus (PepMV) ist eine mechanisch leicht übertragbare Viruskrankheit vor allem an Tomaten im geschützten Anbau. Die Symptome reichen von unauffälligen Infektionen und gelben Blattflecken bis zu Mosaik, Blattblasen, „Nesselkopf“-Triebspitzen und auffälligen Fruchtverfärbungen wie Marmorierung, ungleichmäßiger Reife oder Aufplatzen. Eine sichere Diagnose erfordert eine Laboruntersuchung.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlätter, junge Triebspitzen, Stängel und Früchte der Tomate; bei Kartoffeln auch die Knollen. Häufig ist die Fruchtqualität stärker betroffen als das sichtbare Laub.
Begünstigende BedingungenGeschützte Kulturen mit häufigem Pflanzenkontakt, vielen Schnitt- und Pflegearbeiten, unzureichender Werkzeug- und Händehygiene sowie infiziertem Pflanzgut. Niedrige Lichtintensität und niedrige Temperaturen können Symptome verstärken; sie sind jedoch nicht die Ursache der Infektion.
Pflanzendoktor

Überblick

Das Pepino-Mosaikvirus befällt hauptsächlich Arten der Gattung Solanum, insbesondere die Tomate (Solanum lycopersicum) und Pepino (Solanum muricatum). Im deutschen Erwerbsanbau ist die Krankheit vor allem bei Gewächshaus- und Folientomaten relevant. Infektionen können symptomlos bleiben oder deutliche Blatt- und Fruchtsymptome verursachen.

Die Krankheitsbezeichnung darf nicht mit einem bestimmten, einheitlichen Erscheinungsbild gleichgesetzt werden: Unterschiedliche Virusvarianten, Tomatensorten und Anbaubedingungen führen zu sehr verschiedenen Symptomen. Eine Verwechslung mit anderen Viruskrankheiten, physiologischen Fruchtstörungen oder Nährstoffproblemen ist daher möglich.

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Symptome und Erkennung

Bei Tomaten können folgende Symptome auftreten:

  • kleine gelbe bis gelbgrüne Flecken, Mosaik oder marmorierte Blattflächen;
  • Blasenbildung, Aufwölbungen und eine „bubblige“ Blattoberfläche;
  • leicht gekräuselte oder schmal wirkende junge Blätter und eine „Nesselkopf“-artige Triebspitze;
  • graugrüne bis chlorotische Färbung des oberen Pflanzenbereichs;
  • gelegentlich Blatt- oder Stängelnekrosen, besonders bei aggressiveren Isolaten oder Mischinfektionen;
  • Fruchtmarmorierung, „Flammung“, ungleichmäßige beziehungsweise fleckige Reife und gelb-orangefarbene Verfärbungen;
  • Fruchtdeformation, Netzung, Rissbildung oder sogenannte offene Früchte mit sichtbaren Samen.

Blattsymptome können im weiteren Pflanzenverlauf schwächer werden oder verschwinden, während Fruchtqualität und Marktfähigkeit weiterhin beeinträchtigt bleiben. Symptomlose Pflanzen können das Virus dennoch übertragen.

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Ursachen und Ausbreitung

PepMV ist ein vorwiegend mechanisch übertragener Virus. Schon geringe Mengen infektiösen Pflanzensafts können beim Ausgeizen, Aufleiten, Ernten, Schneiden oder Berühren von Pflanze zu Pflanze gelangen. Besonders wichtig sind Hände, Handschuhe, Messer, Scheren, Schnüre, Kleidung, Erntekisten und andere gemeinsam verwendete Arbeitsmittel.

Das Virus kann über längere Zeiträume in Pflanzenresten und an kontaminierten Oberflächen infektiös bleiben. Eine geringe Samenübertragung ist beschrieben; die Belastung sitzt vor allem an der Samenschale. Infizierte Jungpflanzen, Veredelungen, Stecklinge und Pflanzgut sind daher wichtige mögliche Eintragswege. Hummeln können in Gewächshäusern zur mechanischen Verschleppung beitragen. Blattläuse gelten dagegen nicht als der typische Übertragungsweg.

Unkräuter und verwilderte Nachtschattengewächse in oder nahe der Kultur können als symptomarme Reservoirwirte eine Rolle spielen. Die Bedeutung einzelner Unkrautarten ist jedoch regional und situationsabhängig.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Das Virus vermehrt sich ausschließlich in lebendem, infiziertem Pflanzengewebe. Nach dem Eindringen durch Wunden oder verletzte Oberflächen breitet es sich zunächst lokal und anschließend systemisch in der Pflanze aus. Eine Latenzphase ohne sichtbare Symptome ist möglich.

In einem Bestand beginnt die Ausbreitung häufig mit infizierten Jungpflanzen oder Saatgut. Danach nimmt die Befallsrate durch wiederholte mechanische Kontakte bei Kulturarbeiten rasch zu. In Kartoffeln kann eine systemische Infektion symptomarm bleiben; das Virus kann jedoch in Knollen gelangen und mit dem Tochterknollenbestand weitergeführt werden. Mehrere PepMV-Genotypen beziehungsweise Gruppen, darunter EU-, CH2-, LP-, US1- und PES-Linien, sind beschrieben. Die Genotypbezeichnung allein erlaubt keine sichere Vorhersage der Symptomschwere.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine infizierte Pflanze kann nach der systemischen Infektion nicht durch ein zugelassenes Heilmittel virusfrei gemacht werden. Bei wenigen Befallsherden ist das vollständige, vorsichtige Entfernen der betroffenen Pflanze einschließlich möglichst wenig berührter Pflanzenreste die praktikabelste Maßnahme. Das Material sollte sicher aus dem Bestand gebracht und nicht kompostiert werden, wenn eine weitere Verschleppung möglich ist.

Bei größerem Befall stehen Bestandsmanagement und Schadensbegrenzung im Vordergrund: Pflegearbeiten nur an trockenen Pflanzen durchführen, Reihen und Arbeitsbereiche trennen, Werkzeuge zwischen Pflanzen reinigen und desinfizieren, unnötige Kontakte vermeiden und symptomarme Pflanzen nicht als gesund betrachten. Vor einer Rodung größerer Bestände sollte die Diagnose durch ein Labor bestätigt und die zuständige Pflanzenschutzberatung einbezogen werden.

Die Wirtschaftlichkeit einer Weiterkultur hängt vom Befallszeitpunkt, der Fruchtausprägung, der Sorte und dem Vermarktungsziel ab. Eine nachträgliche Behandlung der Früchte beseitigt die Virusinfektion nicht.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Für den Hausgarten und den ökologischen Anbau gibt es keine biologische oder pflanzenschutzliche Behandlung, die PepMV aus einer infizierten Pflanze entfernt. Wirksam sind vor allem vorbeugende und hygienische Maßnahmen:

  • gesundes Saatgut und gesunde Jungpflanzen aus vertrauenswürdiger Quelle auswählen;
  • Werkzeuge, Hände, Töpfe, Kisten und Aufbindematerial sauber halten;
  • verdächtige Pflanzen zuletzt bearbeiten und bei bestätigtem Befall vollständig entfernen;
  • Unkräuter und freiwillig auflaufende Tomaten- oder Kartoffelpflanzen beseitigen;
  • befallene Pflanzenreste nicht zwischen Tomaten- oder Kartoffelbestände verbringen;
  • Hummeln und andere Bestäuber nicht als alleinige Ursache ansehen, sondern vor allem den mechanischen Kontakt bei Kulturarbeiten reduzieren.

Kompostpräparate, Pflanzenstärkungsmittel, Neem, Schwefel oder Kupfer sind keine verlässliche Heilung gegen PepMV. Ihr Einsatz ersetzt weder Diagnose noch Hygiene.

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Vorbeugung

Die wichtigste Strategie in Deutschland ist der Ausschluss des Erregers und eine konsequente Betriebshygiene:

  • zertifiziertes, möglichst getestetes und symptomfreies Saat- und Pflanzgut verwenden;
  • Jungpflanzen, Veredelungen und neue Sorten vor dem Einstellen in den Bestand getrennt beobachten;
  • Arbeitsabläufe von gesunden beziehungsweise jungen Beständen zu älteren oder verdächtigen Beständen organisieren;
  • Hände und wiederverwendbare Handschuhe regelmäßig reinigen und geeignete Desinfektionsmittel nach Herstellerangabe einsetzen;
  • Scheren, Messer, Erntehilfen, Kisten, Aufleitmaterial und Kontaktflächen reinigen und desinfizieren;
  • befallverdächtige Pflanzen markieren, nicht weiter bearbeiten und durch ein anerkanntes Labor untersuchen lassen;
  • bestätigt befallene Pflanzen und Pflanzenreste möglichst ohne Kontakt zu gesunden Pflanzen aus dem Bestand entfernen;
  • Unkräuter, insbesondere Nachtschattengewächse, in und unmittelbar an der Kultur beseitigen;
  • Arbeitskleidung und Schuhe zwischen getrennten Kulturbereichen wechseln oder reinigen;
  • bei wiederholtem Auftreten eine Anbaupause beziehungsweise einen vollständigen Kulturwechsel und eine gründliche Gewächshausreinigung prüfen.

Resistente oder tolerante Sorten können je nach verfügbarer Sorte und Virusvariante die Auswirkungen mindern, bieten aber keinen universellen Schutz gegen alle PepMV-Isolate.

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Wissenswertes

Der Name leitet sich von pepino, der ursprünglichen Wirtspflanze Solanum muricatum, und dem auffälligen Mosaikbild ab. Das Virus wurde zunächst bei Pepino beschrieben, erlangte aber besondere Bedeutung durch Qualitätsverluste an Gewächshaustomaten.

PepMV kann in Tomatenbeständen sehr unterschiedliche Krankheitsbilder erzeugen: Manche Pflanzen bleiben äußerlich unauffällig, während andere Früchte mit starker Marmorierung oder ungleichmäßiger Reife bilden. Kartoffeln können infiziert sein, ohne deutliche Blattsymptome zu zeigen; eine Weitergabe über Knollen ist dennoch möglich.

Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Gegen eine bereits infizierte Pflanze gibt es keine kurative Pflanzenschutzmittelbehandlung. Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn das konkrete Produkt für die betreffende Kultur und das betreffende Problem aktuell zugelassen ist; stets das amtliche Verzeichnis und das aktuelle Etikett beachten. Eine Behandlung gegen Blattläuse oder Thripse verhindert die typische mechanische PepMV-Übertragung nicht zuverlässig.