Grauer Blattfleck des MaisesQuelle: Wikimedia CommonsDaren Mueller, Iowa State University, Bugwood.orgCC BY 3.0 us
Krankheit

Grauer Blattfleck des Maises

Cercospora zeae-maydis Tehon & E.Y. Daniels
Kurzüberblick

Grauer Blattfleck des Maises – Kurzüberblick

Der graue Blattfleck des Maises ist eine durch Cercospora zeae-maydis verursachte Blattkrankheit. Typisch sind zunächst kleine, gelb umsäumte Flecken, die sich zu länglichen, rechteckigen, graubraunen Läsionen parallel zu den Blattadern entwickeln. Der Erreger überwintert in Maisrückständen und wird besonders bei warm-feuchter Witterung durch Wind, Regen und lange Blattnässe verbreitet.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Blätter, zunächst häufig die unteren Blattetagen; bei starkem Befall auch Blattscheiden und indirekt der Halm durch verringerte Assimilation und erhöhte Lager- beziehungsweise Stängelfäulerisiken.
Begünstigende BedingungenWarm-feuchte Witterung mit langer Blattnässe, hoher relativer Luftfeuchte, Tau oder Nebel; Maismonokultur, pfluglose Bodenbearbeitung und große Mengen oberflächennaher, infizierter Maisrückstände erhöhen das Risiko.
Pflanzendoktor

Überblick

Der graue Blattfleck ist eine pilzliche Blattkrankheit des Maises (Zea mays). Die Krankheit kann die Photosynthesefläche stark verringern und bei frühem, starkem Befall Ertrag, Kornfüllung und Standfestigkeit beeinträchtigen. Die Diagnose sollte wegen ähnlicher Blattfleckenkrankheiten wie Turcicum-Blattdürre, Kabatiella-Blattflecken oder anderen Blattpathogenen fachlich abgesichert werden.

Für Deutschland ist besonders wichtig: Die deutsche Express-Risikoanalyse des Julius Kühn-Instituts bewertet C. zeae-maydis als bislang nicht vorkommend und als phytosanitäres Risiko. Verdächtige Pflanzen oder Pflanzenreste sollten daher nicht unnötig bewegt werden.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

Die ersten Symptome erscheinen meist an den unteren Blättern als kleine, punktförmige, häufig gelblich umhöfte Nekrosen. Später entstehen längliche, schmale, rechteckige Flecken mit stumpfen Enden, die graubraun bis aschgrau werden und überwiegend parallel zu den Blattadern verlaufen. Die Läsionen können mehrere Zentimeter lang werden und zusammenfließen.

  • Bei feuchter Witterung kann die Blattoberfläche durch Sporenbildung grau wirken.
  • Starker Befall führt zum Absterben größerer Blattbereiche und vorzeitiger Blattdürre.
  • Früher Befall ab dem Schossen bis zur Blüte ist kritischer als späte Symptome während der fortgeschrittenen Kornfüllung.

Eine sichere Unterscheidung von anderen Maisblattkrankheiten ist anhand des bloßen Erscheinungsbilds nicht immer möglich; Laboruntersuchungen können erforderlich sein.

Pflanzendoktor

Ursachen und Ausbreitung

Der Erreger überdauert in befallenen Maisblättern und -stängeln auf oder nahe der Bodenoberfläche. Bei warm-feuchten Bedingungen bildet er Konidien, die durch Wind und Regentropfen auf Maisblätter gelangen. Die Infektion erfolgt vor allem über Spaltöffnungen. Neue Läsionen erzeugen weitere Sporen, sodass sich die Krankheit im Bestand etappenweise von unteren auf höhere Blätter ausbreiten kann.

Nach der JKI-Risikoanalyse ist Zea mays der dokumentierte Wirt; ein Wirtswechsel ist nicht erforderlich. Eine Saatgutübertragung ist für diesen Erreger nicht bekannt. Fernverbreitung kann dagegen durch luftgetragene Sporen und den Transport infizierter Pflanzenreste begünstigt werden.

Pflanzendoktor

Lebenszyklus und Überdauerung

Der Pilz überwintert auf infizierten Maisrückständen. Im Frühjahr und Sommer bilden sich bei ausreichender Feuchtigkeit Konidien, die mit Wind oder Spritzwasser neue Blätter erreichen. Nach der Keimung dringt der Erreger überwiegend durch Spaltöffnungen ein. Die ersten sichtbaren Läsionen entwickeln sich typischerweise nach einer Inkubationszeit von ungefähr zwei bis drei Wochen, abhängig von Temperatur, Blattnässe und Pflanzenresistenz.

Optimale Entwicklungsbedingungen liegen ungefähr bei 22–30 °C und sehr hoher relativer Luftfeuchte. Lange Tau-, Nebel- oder Regenperioden fördern die Sporenbildung und Infektion; heiß-trockene Phasen bremsen die Krankheitsentwicklung vorübergehend.

Pflanzendoktor

Behandlung und Bekämpfung

Bei einem bestätigten Auftreten steht die integrierte Bestandsführung im Vordergrund. Stark befallene Einzelblätter sollten nicht in andere Bestände verbracht werden. Für die laufende Kultur sind Befallsbeginn, Blattverlust, Entwicklungsstadium, Witterungsverlauf, Hybridanfälligkeit und Ertragserwartung gemeinsam zu bewerten.

Eine chemische Behandlung kann bei früh einsetzendem Befall und anhaltend günstiger Witterung in landwirtschaftlichen Beständen grundsätzlich eine fachliche Option sein, ist in Deutschland jedoch nur im Rahmen der jeweils geltenden Zulassung und Indikation zu prüfen. Im Haus- und Kleingarten sind geeignete zugelassene Anwendungen häufig nicht verfügbar.

Pflanzendoktor

Schonende und biologische Bekämpfung

Direkte kurative biologische oder „Hausmittel“-Behandlungen mit verlässlich nachgewiesener Wirkung sind für diesen Erreger im deutschen Gartenbau nicht etabliert. Sinnvoll sind deshalb vorbeugende, nichtchemische Maßnahmen:

  • weite Maisfruchtfolge statt Mais nach Mais,
  • zügiger Abbau befallener Erntereste durch Zerkleinern und geeignete Bodenführung,
  • Auswahl weniger anfälliger Sorten oder Hybriden,
  • Vermeidung unnötiger Blattnässe im geschützten Anbau und Verbesserung der Bestandsdurchlüftung, soweit kulturtechnisch möglich,
  • Hygiene bei Maschinen, insbesondere wenn Pflanzenreste von einem verdächtigen Bestand in gesunde Maisflächen verschleppt werden könnten.
Pflanzendoktor

Vorbeugung

  • In Deutschland ausschließlich zertifiziertes, gesundes Saatgut und standortangepasste, möglichst widerstandsfähige Maishybriden verwenden.
  • Maisfruchtfolgen nutzen und, soweit betrieblich möglich, mindestens ein bis zwei Jahre Abstand zu Mais einplanen.
  • Infizierte Ernterückstände sorgfältig zerkleinern und durch geeignete Bodenbearbeitung beziehungsweise Rotte möglichst rasch abbauen.
  • Maisbestände regelmäßig ab dem Schossen, besonders vor und während der Blüte, kontrollieren; unter feucht-warmen Bedingungen die unteren Blätter gezielt prüfen.
  • Verdächtige Proben nicht über größere Entfernungen transportieren und den zuständigen Pflanzenschutzdienst zur Diagnose einbeziehen, da der Erreger in Deutschland nach der JKI-Risikoanalyse bislang nicht etabliert ist.
Pflanzendoktor

Wissenswertes

  • Cercospora zeae-maydis ist weltweit ein bedeutender Maisblattpathogen, in Deutschland laut JKI-Express-PRA jedoch bislang nicht nachgewiesen beziehungsweise nicht etabliert.
  • Der typische rechteckige, adernbegrenzte Fleck wird im englischen Sprachraum häufig als „matchstick lesion“ beschrieben.
  • Die Art ist nicht mit Cercospora zeina gleichzusetzen; beide können den grauen Blattfleck an Mais verursachen, ihre regionale Verbreitung unterscheidet sich jedoch.
  • Der dokumentierte Wirtsbereich von C. zeae-maydis ist eng und umfasst nach den herangezogenen Risikoanalysen ausschließlich Mais.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Keine pauschale Fungizidempfehlung ableiten. In Deutschland dürfen ausschließlich Pflanzenschutzmittel verwendet werden, die zum jeweiligen Zeitpunkt für die betreffende Kultur und das konkrete Problem rechtlich zugelassen sind. Zulassung, Anwendungsgebiet, Aufwandmenge, Wartezeit, Abstandsauflagen und Resistenzmanagement sind der aktuellen amtlichen Zulassungsdatenbank und dem aktuellen Etikett zu entnehmen; die Gebrauchsanweisung ist strikt einzuhalten. Bei einem Verdacht auf einen potenziellen Quarantäneschadorganismus zuerst den zuständigen Pflanzenschutzdienst kontaktieren.