TomatenbronzefleckenvirusQuelle: Wikimedia CommonsWilliam M. Brown Jr., Bugwood.orgCC BY 3.0
Krankheit

Tomatenbronzefleckenvirus

Orthotospovirus tomatomaculae
Kurzüberblick

Tomatenbronzefleckenvirus – Kurzüberblick

Das Tomatenbronzefleckenvirus (TSWV) ist eine durch Thripse übertragene Viruskrankheit mit sehr großem Wirtspflanzenkreis. An Tomaten entstehen häufig bronzefarbene bis nekrotische Blattflecken, Ringzeichnungen, Wachstumsstörungen, Welke und unregelmäßig verfärbte Früchte. Da ähnliche Symptome auch andere Viren, Krankheitserreger oder Umweltstress verursachen, sollte ein Verdacht labordiagnostisch bestätigt werden.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlätter, Blattstiele, Stängel und Triebspitzen; bei Tomaten zusätzlich Blüten und Früchte. Frühe Infektionen können die gesamte Pflanze erfassen.
Begünstigende BedingungenWarme Gewächshausbedingungen, dichter Pflanzenbestand, Thripszuflug, infizierte Jung- oder Zierpflanzen sowie Unkräuter und Pflanzenreste in oder nahe der Kultur. Das Risiko steigt bei unzureichender Vektorkontrolle und fehlender Bestandshygiene.
Pflanzendoktor

Überblick

TSWV verursacht eine systemische Viruskrankheit, deren Erscheinungsbild stark von Wirtspflanze, Sorte, Pflanzenalter, Virusisolat und Umweltbedingungen abhängt. An Tomaten können zunächst blasse, bronzefarbene oder bräunliche Flecken auftreten. Später entstehen Nekrosen, Blattverformungen, Wachstumshemmung, Welke oder das Absterben von Triebspitzen.

Auf Früchten sind unregelmäßige gelbe bis orangefarbene Verfärbungen, ringförmige Zeichnungen und gelegentlich nekrotische Bereiche möglich. Das Schadbild ist nicht eindeutig. Eine sichere Unterscheidung von anderen Viren, Pilz- und Bakterienkrankheiten, Nährstoffproblemen oder Herbizidschäden ist meist nur durch einen geeigneten Schnelltest oder eine Laboruntersuchung möglich.

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Symptome und Erkennung

  • blasse, bronzefarbene, gelbe oder braune Flecken auf jungen und älteren Blättern
  • konzentrische Ringe, Linienmuster, Mosaik oder unregelmäßige Nekrosen
  • kurze nekrotische Streifen an Blattstielen und Stängeln
  • Blattrollen, verformte Blätter, verkümmerte Triebspitzen und insgesamt gehemmtes Wachstum
  • Welke bis zum Absterben junger Pflanzen bei früher Infektion
  • auf Früchten gelbe, orange oder bräunliche Ringe und Flecken, ungleichmäßige Abreife sowie verminderte Fruchtgröße und Fruchtzahl

Bei manchen Wirtspflanzen bleibt die Infektion symptomarm oder zunächst unauffällig. Das Vorhandensein von Thripsen allein beweist daher keine TSWV-Infektion.

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Ursachen und Ausbreitung

Die wichtigste lokale Übertragung erfolgt durch Thripse, insbesondere den Kalifornischen Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) und regional weitere geeignete Thripsarten. Die Larven nehmen das Virus beim Saugen an infizierten Pflanzen auf; nach der Entwicklung können die erwachsenen Tiere es lebenslang weiterübertragen. Die Virusaufnahme ist vor allem im Larvenstadium möglich, die Weitergabe an Pflanzen erfolgt durch infektiöse adulte Thripse.

Infektionsquellen sind infizierte Jungpflanzen, Zierpflanzen, Unkräuter und Pflanzenreste. Wegen des sehr breiten Wirtspflanzenkreises können unter anderem Nachtschattengewächse, Korbblütler und zahlreiche Beet- und Balkonpflanzen als Reservoir dienen. Eine Verbreitung über weite Strecken erfolgt vor allem mit infiziertem Pflanzmaterial. Eine nennenswerte Übertragung durch Saatgut oder normale Pflegearbeiten gilt im Vergleich zur Thripsübertragung als unbedeutend; Pfropfung mit kontaminiertem Material ist jedoch möglich.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Nach dem Erwerb des Virus durch eine Thripslarve bleibt der Erreger im Vektor erhalten. Der erwachsene Thrips infiziert beim Saugen weitere Pflanzen. Nach der Inokulation breitet sich das Virus in der Pflanze systemisch aus; erste Symptome können je nach Wirt und Bedingungen nach etwa ein bis drei Wochen sichtbar werden, der Zeitraum ist jedoch variabel.

TSWV überdauert nicht als frei lebender Erreger im Boden. Es bleibt in infizierten Pflanzen, Pflanzenresten und lebenden Wirtspflanzen erhalten. Unkräuter und nicht symptomatische Zierpflanzen können deshalb als stille Infektionsquellen dienen. In geschützten Kulturen fördern ganzjährig vorhandene Wirtspflanzen, warme Bedingungen und wiederholte Thripsgenerationen die Krankheitsentwicklung.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine infizierte Tomatenpflanze kann nicht geheilt werden. Bei begründetem Verdacht sollte die Pflanze möglichst früh vollständig entfernt und sicher entsorgt werden. Stark betroffene Bestände müssen konsequent geräumt werden, da einzelne symptomarme Pflanzen und verbliebene Wirtspflanzen die Infektionskette aufrechterhalten können.

Die Diagnose sollte bei wirtschaftlich wichtigen Beständen, unklaren Symptomen oder wiederholtem Auftreten durch einen Pflanzenschutzdienst, ein geeignetes Labor oder einen validierten Virustest abgesichert werden. Dabei sind mehrere Pflanzenteile zu beproben, weil das Virus nicht immer gleichmäßig in der Pflanze verteilt ist. Parallel ist das Thripsmonitoring zu intensivieren und die Einschleppung weiterer Vektoren zu verhindern.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im Hausgarten und im ökologisch orientierten Anbau stehen vorbeugende und hygienische Maßnahmen im Vordergrund: infizierte Pflanzen entfernen, Unkräuter beseitigen, Jungpflanzen kontrollieren, Klebefallen zur Überwachung einsetzen und Thripse durch Netze möglichst aus der Kultur fernhalten.

Unter Glas können geeignete Nützlinge, insbesondere räuberische Milben oder räuberische Wanzen, im Rahmen eines betrieblichen biologischen Pflanzenschutzkonzepts gegen Thripse eingesetzt werden. Ihre Wirkung hängt von Art, Entwicklungsstadium, Temperatur, Luftfeuchte, Ausgangsbesatz und rechtzeitigem Einsatz ab. Nützlinge verhindern eine bereits etablierte Virusinfektion nicht, können aber die Zahl infektiöser Thripse senken.

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Vorbeugung

  • Nur gesundes, kontrolliertes Pflanzmaterial aus zuverlässiger Quelle verwenden und neue Pflanzen zunächst getrennt beobachten.
  • Tomatenbestände regelmäßig auf Thripse und typische Blatt- oder Fruchtsymptome kontrollieren; blaue oder gelbe Klebefallen zur Überwachung einsetzen.
  • Gewächshauslüftungen und Tunnelöffnungen mit geeigneten Insektenschutznetzen sichern; Pflanzenbestände nicht unnötig berühren oder verschleppen.
  • Verdächtige Pflanzen einschließlich Wurzelballen frühzeitig entfernen, in geschlossenen Säcken aus dem Bestand bringen und nicht kompostieren.
  • Unkräuter und freiwillig auflaufende Wirtspflanzen im Gewächshaus und in dessen unmittelbarer Umgebung beseitigen.
  • Werkzeuge, Töpfe, Bindematerial und Arbeitsflächen nach dem Entfernen verdächtiger Pflanzen reinigen und nach betrieblichen Hygienestandards desinfizieren.
  • Wenn verfügbar, TSWV-tolerante oder resistente Tomatensorten bevorzugen; deren Schutzwirkung kann je nach Sorte und Virusisolat begrenzt sein.
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Wissenswertes

  • TSWV besitzt einen der größten bekannten Wirtspflanzenkreise unter den Pflanzenviren; mehr als 1.000 Pflanzenarten wurden als Wirte beschrieben.
  • Besonders häufig betroffen sind Vertreter der Korbblütler und Nachtschattengewächse, daneben zahlreiche Gemüse-, Zier- und Unkrautarten.
  • Der deutsche Name bezieht sich auf die bronzefarbenen Blattflecken, die bei Tomaten typisch sein können, aber nicht bei jeder Sorte und jedem Virusisolat auftreten.
  • Thripse können das Virus aufnehmen, ohne dass ihre Anwesenheit an einer Pflanze das Virus sicher nachweist.
  • TSWV und das nahe verwandte Impatiensfleckenvirus können ähnliche Symptome verursachen und sollten diagnostisch unterschieden werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Es gibt kein Pflanzenschutzmittel, das eine bereits infizierte Pflanze von TSWV heilt. Gegen Thripse dürfen in Deutschland ausschließlich Mittel eingesetzt werden, die für die konkrete Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind. Anwendung, Aufwandmenge, Wartezeit, Anwenderschutz und Auflagen richten sich ausschließlich nach dem aktuellen amtlichen Etikett und der Zulassungsdatenbank; Resistenzmanagement und integrierte Maßnahmen sind zu beachten.

Wirtspflanzen

Betroffene Pflanzen

1 verknüpfte Profile

Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.