Zwergsteinbrand
Krankheit

Zwergsteinbrand

Tilletia controversa Kühn
Kurzüberblick

Zwergsteinbrand – Kurzüberblick

Der Zwergsteinbrand ist eine samen- und bodenbürtige Pilzkrankheit des Getreides, die vor allem Winterweizen in kühlen Lagen mit länger anhaltender Schneedecke befällt. Erkrankte Pflanzen bleiben auffällig kurz, bilden blaugrüne, gespreizte Ähren und Brandbutten statt Körnern. Da eine sichere Artbestimmung schwierig sein kann, sollte verdächtiges Saatgut fachlich untersucht werden.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileWurzelnahes Gewebe und Trieb während der frühen Entwicklung; später Halme, Ähren und Körneranlagen.
Begünstigende BedingungenKühle, feuchte Böden, langsame Jugendentwicklung, lange Schneebedeckung, höhere oder raue Lagen sowie belastetes Saatgut und inokulierter Boden.
Pflanzendoktor

Überblick

Der Zwergsteinbrand befällt überwiegend Winterweizen, besonders in kühlen, feuchten Regionen und höheren Lagen. Im deutschen Anbau wurde er vor allem aus süddeutschen Hochlagen und aus ökologisch bewirtschafteten Beständen gemeldet; sein Auftreten ist jedoch nicht auf diese Systeme beschränkt.

Die Krankheit wird häufig erst beim Ährenschieben sichtbar. Statt normaler Körner entstehen Brandbutten, deren dunkle Sporen beim Dreschen freigesetzt werden. Eine Verwechslung mit Weizensteinbrand durch Tilletia caries oder anderen Brandpilzen ist möglich.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

Befallene Pflanzen bleiben deutlich kürzer als gesunde Pflanzen und bestocken sich oft stärker. Die Ähren erscheinen häufig blaugrün, die Ährchen können stärker gespreizt sein.

Anstelle der Körner entstehen feste, zunächst graubraune bis später schwarzbraune Brandbutten. Beim Öffnen tritt eine dunkle Sporenmasse aus; bei feuchtem Material kann ein charakteristischer, unangenehmer Geruch nach Heringslake wahrgenommen werden. Einzelne befallene Ähren können im Bestand leicht übersehen werden.

Pflanzendoktor

Ursachen und Ausbreitung

Die wichtigste Verschleppungsquelle ist befallenes oder mit Sporen verunreinigtes Saatgut. Beim Dreschen zerfallen Brandbutten, und die Sporen haften an gesundem Korn, Maschinen, Transportmitteln und Lagerflächen. Auch kontaminierter Boden sowie verschlepptes Stroh können neue Flächen infizieren.

Die tatsächliche natürliche Bedeutung von Gräsern und anderen Getreidearten als Wirt ist unterschiedlich bewertet. Für die praktische Risikoabschätzung stehen Winterweizen und, je nach Quelle, weitere Triticum-Arten sowie einzelne verwandte Getreide im Mittelpunkt.

Pflanzendoktor

Lebenszyklus und Überdauerung

Die widerstandsfähigen Teliosporen überdauern an der Saatgutoberfläche und im Boden über mehrere Jahre. Unter geeigneten Bedingungen keimen sie und bilden Infektionsstrukturen.

Im Unterschied zum gewöhnlichen Weizensteinbrand erfolgt die Hauptinfektion von T. controversa nicht unmittelbar während Keimung und Auflauf, sondern vor allem nachdem sich der Winterweizen etabliert hat, insbesondere während der Bestockung. Das Myzel entwickelt sich anschließend im Pflanzengewebe und besiedelt die Ährenanlagen. In den Kornanlagen entstehen Brandbutten mit Millionen neuer Sporen, die bei Ernte und Reinigung verbreitet werden.

Pflanzendoktor

Behandlung und Bekämpfung

Bereits systemisch befallene Pflanzen lassen sich im Bestand in der Regel nicht kurativ heilen. Entfernen einzelner auffälliger Ähren kann die Sporenfreisetzung begrenzen, ist in größeren Beständen jedoch nur begrenzt praktikabel. Befallene Bestände sollten besonders sorgfältig geerntet und nicht zur Saatgutgewinnung genutzt werden.

Bei Saatgut oder Bodenverdacht sind Proben fachgerecht untersuchen zu lassen. Eine geeignete, aktuell zugelassene Saatgutbehandlung kann das Risiko für die Folgekultur vermindern, muss aber ausdrücklich gegen den konkreten Erreger und die Kultur zugelassen sein.

Pflanzendoktor

Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen Anbau stehen vorbeugende und hygienische Maßnahmen im Vordergrund. Verwenden Sie ausschließlich anerkanntes, untersuchtes und möglichst nachweislich gesundes Saatgut. Für gefährdete Flächen sind weniger anfällige Sorten, eine angepasste Fruchtfolge und eine spätere Aussaat von Winterweizen wichtige Bausteine.

  • Kein Stroh, Saatgut oder Erntegut aus bekannten Befallsbeständen zukaufen.
  • Erntemaschinen, Saattechnik, Fördergeräte, Lagerbehälter und Räume nach einem Verdachtsfall gründlich reinigen.
  • Im ökologischen Landbau nur nach den jeweils geltenden deutschen Vorgaben gelistete Saatgutverfahren einsetzen, etwa geeignete biologische, thermische oder physikalische Verfahren; deren Wirksamkeit ist gegen den konkret nachgewiesenen Erreger zu prüfen.
  • Verdächtige Partien getrennt lagern und vor einer Aussaat untersuchen lassen.
Pflanzendoktor

Vorbeugung

Die sicherste Vorbeugung ist gesundes, anerkanntes Saatgut mit dokumentierter Untersuchung. Besonders auf gefährdeten Standorten sollte Winterweizen nicht zu früh gesät werden; eine spätere Saat kann das Risiko unter kühlen Herbstbedingungen reduzieren. Sortenwahl, gute Triebkraft und eine ausgewogene Fruchtfolge unterstützen den Bestand.

  • Befallsverdächtige Saatgutpartien nicht aussäen und getrennt halten.
  • Keine Maschinen- oder Bodenverschleppung aus befallenen Flächen zulassen.
  • Erntegut aus Verdachtsbeständen nicht als Saatgut verwenden, bevor eine Untersuchung vorliegt.
  • Bei auffälligen Ähren den zuständigen Pflanzenschutzdienst oder ein anerkanntes Labor einschalten.
Pflanzendoktor

Wissenswertes

  • Der Zwergsteinbrand kann bereits ab etwa 400 m Meereshöhe auftreten, ist aber besonders mit kühlen, rauen Lagen und längerer Schneebedeckung verbunden.
  • Brandbutten können mehrere Millionen Teliosporen enthalten.
  • Die verschiedenen Tilletia-Arten sind anhand mikroskopischer Merkmale nicht immer zuverlässig zu trennen; bei Verdacht ist eine spezialisierte Untersuchung sinnvoll.
  • Stark belastete Partien können wegen pflanzengesundheitlicher Importvorschriften bestimmter Länder international schwer vermarktbar sein.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel oder Saatgutbehandlungen dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die betreffende Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen beziehungsweise genehmigt sind. Maßgeblich ist immer die aktuelle Zulassung und das Etikett des jeweiligen Produkts; Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Auflagen und Wartezeiten sind strikt einzuhalten. Keine Behandlung sollte ohne gesicherte Diagnose und Beratung durch den zuständigen Pflanzenschutzdienst erfolgen.