Sommerapfelblattsauger
Schädling

Sommerapfelblattsauger

Cacopsylla picta Förster
Kurzüberblick

Sommerapfelblattsauger – Kurzüberblick

Der Sommerapfelblattsauger (Cacopsylla picta) ist ein kleiner, springender Blattsauger des Apfels. Direkt verursacht er meist nur begrenzte Saugschäden, seine besondere Bedeutung liegt jedoch in der Übertragung des Erregers der Apfeltriebsucht, Candidatus Phytoplasma mali. In Deutschland gilt er als wichtiger Vektor, weshalb Befallsbeobachtung, gesundes Pflanzgut und die Entfernung erkrankter Bäume entscheidend sind.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileJunge Triebspitzen, Blattunterseiten, Knospen und Blätter des Apfels; als Vektor indirekt der gesamte Apfelbaum.
Begünstigende BedingungenWarme Frühjahrswitterung, reichliches junges Triebwachstum, nahe gelegene infizierte Apfelbäume oder Streuobstbestände sowie unkontrollierte Verbringung infizierten Pflanz- und Veredelungsmaterials.
Pflanzendoktor

Überblick

Cacopsylla picta gehört zu den Blattflöhen (Psyllidae) und ist in Mitteleuropa eng an Apfelbäume (Malus) gebunden. Die erwachsenen Tiere sind wenige Millimeter groß, geflügelt und können bei Störung springen oder auffliegen. Das unmittelbare Saugschadenspotenzial ist häufig gering und kann mit anderen Blattsaugern verwechselt werden.

Die größere pflanzenschutzliche Bedeutung besteht in der Übertragung des Phytoplasmas Candidatus Phytoplasma mali. Dieses verursacht die Apfeltriebsucht, eine systemische Erkrankung des Apfels. Ein einzelner Blattsaugerbefund beweist jedoch keine Übertragung; auch die Diagnose der Krankheit sollte durch typische Symptome und gegebenenfalls eine Laboruntersuchung abgesichert werden.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

Direkte Schäden durch C. picta zeigen sich vor allem an jungen Apfeltrieben:

  • kleine, blassgrüne bis gelbliche Nymphen an Blattunterseiten und Triebspitzen;
  • punktförmige Saugschäden, leicht verformte oder geschwächte junge Blätter;
  • klebriger Honigtau und bei stärkerem Auftreten gegebenenfalls Rußtau;
  • sichtbare, springende oder auffliegende erwachsene Blattsauger.

Bei einer durch den Vektor übertragenen Apfeltriebsucht treten dagegen vergrößerte, auffällig gezähnte Nebenblätter, gestauchte Triebe, Besenwuchs, Nachblüte, Kleinfrüchtigkeit und eine untypische Rotfärbung der Blätter auf. Diese Symptome sind nicht spezifisch genug für eine sichere Diagnose; eine PCR-Untersuchung kann erforderlich sein.

Pflanzendoktor

Ursachen und Ausbreitung

Die Art entwickelt sich auf Apfel und saugt am Phloem. Überwinterte erwachsene Tiere wandern im Frühjahr aus ihren Überwinterungsquartieren in Apfelanlagen ein, saugen an infizierten oder gesunden Bäumen und legen dort Eier ab. Die neu entstandene Generation verlässt die Apfelbäume im Frühsommer beziehungsweise Hochsommer.

Das Phytoplasma wird beim Saugen aufgenommen und anschließend beim Saugen an weiteren Apfelbäumen übertragen. Die Ausbreitung erfolgt daher durch die Bewegungen der Vektoren, besonders aus infizierten Beständen, verwilderten Apfelbeständen oder Streuobstbeständen in der Umgebung. Zusätzlich kann die Apfeltriebsucht durch infiziertes Veredelungs- und Pflanzmaterial sowie durch Wurzelverwachsungen verbreitet werden.

Pflanzendoktor

Lebenszyklus und Überdauerung

Cacopsylla picta bildet in Mitteleuropa gewöhnlich eine Generation pro Jahr. Die erwachsenen Tiere überwintern überwiegend an Nadelgehölzen oder anderen geschützten Pflanzen außerhalb des Apfelbestands. Im Frühjahr kehren sie zu Apfelbäumen zurück, paaren sich und legen Eier an junge Triebe und Knospen.

Aus den Eiern entwickeln sich fünf Nymphenstadien. Nymphen und erwachsene Tiere saugen an jungen Apfelorganen. Die neue Erwachsenengeneration erscheint meist ab Ende Juni oder im Juli und wandert anschließend aus den Apfelanlagen zu Überwinterungsplätzen. Der genaue Zeitpunkt schwankt mit Region, Witterung und Apfelphänologie.

Pflanzendoktor

Behandlung und Bekämpfung

Gegen die Apfeltriebsucht selbst gibt es keine kurative Behandlung. Ein erkrankter Baum kann nicht durch Schnitt, Düngung oder Pflanzenstärkungsmittel geheilt werden. Bei begründetem Verdacht sollte eine Pflanzenprobe über eine geeignete Diagnosestelle oder ein spezialisiertes Labor untersucht werden.

Bei bestätigtem Befall ist die Rodung des gesamten Baumes einschließlich der möglichst vollständigen Entfernung relevanter Wurzelreste die wichtigste Sanitätsmaßnahme. Schnittwerkzeuge übertragen das Phytoplasma nach derzeitigem Kenntnisstand nicht wie ein mechanischer Saftkontakt-Erreger; hygienisches Arbeiten bleibt dennoch sinnvoll. Eine Vektorbekämpfung kann die Übertragungswahrscheinlichkeit mindern, ist wegen geringer und schwankender Populationen sowie fehlender spezifischer Zulassungen in Deutschland jedoch schwierig.

Pflanzendoktor

Schonende und biologische Bekämpfung

Für den Haus- und Streuobstgarten stehen vor allem indirekte, biologische und kulturtechnische Maßnahmen im Vordergrund:

  • regelmäßige Kontrolle junger Apfeltriebe durch Klopfproben oder Sichtkontrolle;
  • Förderung von Ohrwürmern, Blumenwanzen, Florfliegen, Marienkäfern und Spinnen durch strukturreiche, blütenreiche Randbereiche;
  • Vermeidung unnötiger Breitbandinsektizide, die natürliche Gegenspieler stärker beeinträchtigen können als den meist niedrig auftretenden Vektor;
  • Entfernung bestätigter Apfeltriebsucht-Bäume statt wiederholter Anwendungen unwirksamer Hausmittel;
  • im Erwerbsanbau Nutzung regionaler Monitoring- und Warndienstinformationen.

Neem-, Seifen- oder Pflanzenölpräparate sind keine verlässlich belegte Heilung gegen die Apfeltriebsucht. Ihre Anwendung kann außerdem phytotoxisch sein und muss sich nach Zulassung und Etikett richten.

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Vorbeugung

Vorbeugung ist wichtiger als eine spätere Bekämpfung des Vektors:

  • nur gesundes, kontrolliertes Pflanz- und Veredelungsmaterial verwenden;
  • Apfelanlagen und Streuobstbestände ab dem Austrieb regelmäßig auf Blattsauger und typische Symptome kontrollieren;
  • verdächtige Bäume fachlich untersuchen lassen und bestätigte Apfeltriebsucht-Bäume vollständig roden, einschließlich möglichst sorgfältiger Entfernung alter Wurzelreste;
  • verwilderte oder stark erkrankte Apfelbäume in unmittelbarer Umgebung als mögliche Infektionsquellen berücksichtigen;
  • Bestände nicht durch ungezielte Insektizidanwendungen schädigen, da Nützlinge für die natürliche Regulierung wichtig sind.
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Wissenswertes

  • Cacopsylla picta wird in der Literatur auch als Cacopsylla costalis bezeichnet.
  • Die Art ist in Deutschland der wichtigste bekannte Vektor der Apfeltriebsucht; die Bedeutung anderer Vektoren kann regional abweichen.
  • Untersuchungen in Deutschland und angrenzenden Regionen fanden bei überwinterten Tieren im Mittel ungefähr zehn Prozent Phytoplasma-Träger, wobei die Werte je nach Jahr und Gebiet schwanken.
  • Die Art ist hinsichtlich ihrer Entwicklungswirtspflanze deutlich stärker an Malus gebunden als manche verwandte Blattsaugerarten.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

In Deutschland ist keine allgemeine, spezifische Pflanzenschutzmittel-Indikation gegen Cacopsylla picta als sicher verfügbare Standardmaßnahme vorauszusetzen. Nur Mittel verwenden, die im jeweiligen Land aktuell für die konkrete Kultur und das konkrete Problem rechtlich zugelassen sind; stets das aktuelle amtliche Etikett, die Auflagen, Wartezeiten und Anwenderschutzbestimmungen befolgen. Keine Anwendung allein aufgrund einer Nebenwirkung gegen Blattsauger oder einer historischen Versuchserfahrung.