Blausieb
Zeuzera pyrinaBlausieb – Kurzüberblick
Das Blausieb (Zeuzera pyrina) ist ein holzbohrender Nachtfalter, dessen Raupen über mehrere Jahre in Ästen und dünnen Stämmen von Laub- und Obstgehölzen leben. Typisch sind runde Einbohrlöcher, herausbefördertes Bohrmehl, welkende Blätter und absterbende Triebe. Besonders an geschwächten Bäumen kann der Befall lokal erhebliche Schäden verursachen.
Typische Bedingungen
Überblick
Das Blausieb ist in Deutschland weit verbreitet, tritt jedoch meist lokal und oft an geschwächten Gehölzen auf. Befallen werden vor allem junge oder dünne Äste und Stämme. Zu den dokumentierten Wirtspflanzen gehören unter anderem Apfel, Birne, Kirsche, Schwarze Johannisbeere, Esche, Ahorn, Birke, Buche, Eiche, Weide, Pappel, Ulme, Weißdorn, Cotoneaster, Flieder, Rhododendron und Walnuss.
Die erwachsenen Falter sind weiß mit auffälligen blau-schwarzen Flecken. Die eigentliche Schädigung verursachen die mehrere Jahre im Holz lebenden Raupen.
Symptome und Erkennung
- Runde Einbohrlöcher von etwa 0,5 bis 1 cm Durchmesser an Ästen oder dünnen Stämmen.
- Bohrmehl und Kotkrümel, die aus dem Loch herausbefördert werden und am Stamm oder auf dem Boden liegen.
- Längliche Fraßgänge im Holz, gelegentlich mit austretenden Holzspänen.
- Welke Blätter, zurücksterbende Triebe und abbrechende Äste.
- Bei starkem Befall eine deutliche Schwächung bis zum Absterben des gesamten Gehölzes.
Ein einzelnes Loch ist nicht beweisend; Bohrmehl, Welkeerscheinungen und die Lage an dünnen Ästen erhöhen die diagnostische Sicherheit. Verwechslungen mit anderen Holzbohrern sind möglich.
Ursachen und Ausbreitung
Die Weibchen legen im Sommer mehrere hundert Eier gruppenweise in Rindenrisse, Knospenbereiche, Blattstielwinkel oder Wunden. Die frisch geschlüpften Raupen fressen zunächst an Knospen, Blattstielen und Jungtrieben und bohren sich anschließend in dünne Äste und Stämme ein.
Begünstigt wird der Befall durch geschwächte, trocken belastete oder verletzte Gehölze sowie durch vorhandene Befallsherde. Die Ausbreitung erfolgt vor allem durch den Falterflug und die Eiablage an benachbarten Gehölzen; befallenes Schnitt- oder Brennholz sollte nicht unkontrolliert weiterverwendet werden.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Falterflug liegt in Deutschland gewöhnlich zwischen Juni und August, regional und witterungsabhängig mit Verschiebungen. Die Eier werden in Gruppen abgelegt. Nach dem Schlupf wandern die jungen Raupen in Triebe und Äste ein.
Die Larvenentwicklung im Holz dauert meist zwei bis drei Jahre. Die Raupe legt lange Gänge an und verpuppt sich nahe der Astoberfläche. Der erwachsene Falter schlüpft anschließend im Frühsommer. Wegen dieser langen Entwicklungszeit können Symptome zeitlich deutlich verzögert auftreten.
Behandlung und Bekämpfung
Bei einzelnen Befallsstellen werden befallene Äste möglichst frühzeitig bis deutlich ins gesunde Holz entfernt. Das Schnittgut sollte nicht im Garten lagern, sondern zerkleinert oder anderweitig sicher entsorgt werden. Bei einem einzelnen, gut zugänglichen Bohrgang kann die Raupe vorsichtig mechanisch mit einem geeigneten Draht erreicht werden; dabei dürfen Leitungsbahnen und die Stabilität des Astes nicht unnötig geschädigt werden.
Stark befallene oder statisch gefährliche Bäume sollten durch eine Fachperson beurteilt und gegebenenfalls gerodet werden. Pheromonfallen können zur Flugüberwachung oder zum Massenfang eingesetzt werden, müssen wegen der mehrjährigen Larvenentwicklung jedoch über mehrere Jahre konsequent betrieben und fachgerecht ausgewertet werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
- Mechanisches Entfernen befallener Äste und gegebenenfalls Abtöten erreichbarer Larven im Bohrgang.
- Mehrjährige Flugüberwachung mit geeigneten Pheromonfallen.
- Förderung von Vögeln, insbesondere Spechten, durch geeignete Nist- und Strukturangebote; dies ist eine ergänzende Maßnahme und keine sichere Einzelbekämpfung.
- Stärkung der Baumvitalität durch passende Bewässerung, Bodenpflege und Vermeidung weiterer Verletzungen.
Eine biologische Bekämpfung der im Holz geschützten Raupen ist im Haus- und Kleingarten meist schwierig. Maßnahmen sollten deshalb als integriertes Vorgehen aus Überwachung, Hygiene, Vitalitätsförderung und mechanischer Sanierung kombiniert werden.
Vorbeugung
- Gehölze standortgerecht pflanzen und während längerer Trockenperioden bedarfsgerecht wässern.
- Übermäßige Stickstoffdüngung und stark unausgewogene Kronenerziehung vermeiden.
- Rindenverletzungen, unnötige Schnittmaßnahmen und mechanische Schäden reduzieren.
- Von Juli bis September Stämme, Astansätze und dünne Äste regelmäßig auf Bohrlöcher und Bohrmehl kontrollieren.
- Befallene Äste frühzeitig bis ins gesunde Holz zurückschneiden und das Schnittgut aus dem Bestand entfernen beziehungsweise fachgerecht zerkleinern.
- Neue Gehölze und Schnittmaterial nicht aus unbekannten Befallsbeständen beziehen.
Wissenswertes
- Der Falter ist etwa 30 mm groß und durch die blau-schwarzen Flecken auf weißen Flügeln auffällig gezeichnet.
- Ausgewachsene Raupen können etwa 60 mm lang werden.
- Die Fraßgänge können eine Länge von mehreren Dezimetern erreichen.
- Weil die Larven zwei bis drei Jahre im Holz leben, ist der Falterflug nicht unmittelbar mit dem sichtbaren Schaden gleichzusetzen.
- Das Blausieb ist nicht auf Obstbäume beschränkt, sondern nutzt zahlreiche Laubgehölze und Sträucher.
Eine routinemäßige chemische Bekämpfung wird bei diesem im Holz geschützten Schädling nicht empfohlen. Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die für die konkrete Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind. Maßgeblich ist die jeweils aktuelle BVL-Zulassungsdatenbank; Anwendung, Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeiten und Auflagen müssen vollständig dem aktuellen Produktetikett entsprechen.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Feldahorn (Acer campestre) – PflegeAcer campestre
Zimt-Ahorn (Acer griseum) – PflegeAcer griseum
Japanischer Ahorn (Acer japonicum) – PflegeAcer japonicum
Eschen-Ahorn (Acer negundo) – PflegeAcer negundo
Fächer-Ahorn (Acer palmatum) – PflegeAcer palmatum
Spitzahorn (Acer platanoides) – PflegeAcer platanoides
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) – PflegeAcer pseudoplatanus
Rot-Ahorn (Acer rubrum) – PflegeAcer rubrum
Silber-Ahorn (Acer saccharinum) – PflegeAcer saccharinum
Zucker-Ahorn (Acer saccharum) – PflegeAcer saccharum
Tatarischer Steppen-ahorn (Acer tataricum) – PflegeAcer tataricum
Feuer-Ahorn (Acer tataricum ginnala) – PflegeAcer tataricum ginnala
Quelle: