Rhynchosporium-BlattfleckenkrankheitQuelle: Wikimedia CommonsClemson University - USDA Cooperative Extension Slide Series from United StatesCC BY 3.0 us
Krankheit

Rhynchosporium-Blattfleckenkrankheit

Rhynchosporium commune
Kurzüberblick

Rhynchosporium-Blattfleckenkrankheit – Kurzüberblick

Die Rhynchosporium-Blattfleckenkrankheit ist eine durch den hemibiotrophen Pilz Rhynchosporium commune verursachte Blattkrankheit der Gerste und verwandter Hordeum-Arten. Typisch sind zunächst wässrig-graugrüne, später fahlgraue Flecken mit dunkelbraunem Rand. Feuchtkühle Witterung, Blattnässe, enge Getreidefolgen und befallene Ernterückstände fördern die Ausbreitung besonders im Wintergetreide.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Blattspreiten und Blattachsen, außerdem Blattscheiden; seltener Koleoptilen, Spelzen, Grannen und Ähren.
Begünstigende BedingungenFeuchtkühle Witterung, häufige Niederschläge, lange Blattnässe, dichte Bestände, anfällige Sorten, frühe Aussaat sowie oberflächlich liegende Gerstenrückstände und Ausfallgerste; besonders günstig sind etwa 10–20 °C bei wiederholter Befeuchtung.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Krankheit befällt vor allem Gerste (Hordeum vulgare) und verursacht Blatt-, Blattscheiden- und gelegentlich Ährenflecken. Die ersten Läsionen sind meist länglich-oval, wässrig graugrün und später hellgrau bis strohfarben mit einem dunkelbraunen Rand. Flecken sind nicht durch Blattadern begrenzt und können zusammenfließen, wodurch größere nekrotische Bereiche entstehen.

Besonders schädlich ist der Befall, wenn die oberen, ertragswirksamen Blattetagen während Schossen und Ährenschieben betroffen sind. Vor sichtbarer Fleckenbildung kann eine längere symptomarme Phase liegen; eine sichere Bestimmung bei schwachem oder atypischem Befall ist deshalb gegebenenfalls nur durch Labor- oder molekulare Diagnostik möglich.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

  • Anfangs wässrig-graugrüne bis blaugrüne, längliche oder ovale Flecken, häufig etwa 1–2 cm lang.
  • Später fahlgraues, trocken wirkendes Zentrum mit scharfem dunkelbraunem Rand.
  • Zusammenfließende Flecken führen zu unregelmäßigen Nekrosen, Vergilbung und vorzeitigem Absterben ganzer Blätter.
  • Infektionen in der Blattachsel können dazu führen, dass noch grüne Blattspreiten abknicken oder absterben.
  • An oberen Blättern und Ähren sind die Symptome weniger typisch; bei Ähren können helle Flecken auf Spelzen und dunkle Grannen auftreten.
  • Verwechslungen sind unter anderem mit Netzfleckenkrankheit, Ascochyta-Blattflecken, Blattverbrennungen durch Herbizide oder Flüssigdünger sowie anderen Getreidekrankheiten möglich.
Pflanzendoktor

Ursachen und Ausbreitung

Die wichtigsten Infektionsquellen sind befallene Gerstenrückstände, Ausfallgerste und seltener infiziertes Saatgut. Konidien werden durch Regen- und Spritzwasser verbreitet; Wind allein ist für die Fernverbreitung weniger bedeutsam. Eine enge Gerstenfolge, flache Stoppelbearbeitung, frühe Aussaat, dichte Bestände und lang anhaltende Blattnässe erhöhen das Risiko. Auch scheinbar gesunde Pflanzen können den Erreger symptomarm tragen.

Pflanzendoktor

Lebenszyklus und Überdauerung

Der Pilz überdauert überwiegend als Myzel und Stroma in befallenen Ernterückständen, Ausfallgerste und gegebenenfalls infiziertem Saatgut. Bei feuchtkühler Witterung entstehen Konidien. Diese werden hauptsächlich durch Regentropfen und Spritzwasser von unteren auf höhere Blätter übertragen.

Nach der Keimung dringt der Erreger in das Blatt ein und kann sich zunächst über längere Zeit symptomarm unter der Kutikula beziehungsweise im Blattgewebe entwickeln. Erst danach entstehen die typischen Nekrosen. Unter günstigen Bedingungen bilden sich wieder neue Sporen; dadurch sind mehrere Infektionszyklen während der Vegetation möglich. Die Krankheit kann sich im Bestand zunächst unauffällig entwickeln und später rasch auf obere Blattetagen übergehen.

Pflanzendoktor

Behandlung und Bekämpfung

Bei sichtbarem Befall sollten zunächst Diagnose, Befallsverteilung, Sortenanfälligkeit und die Wetterentwicklung geprüft werden. Entscheidend ist, ob der Erreger die mittleren und oberen, für die Kornfüllung wichtigen Blätter erreicht. In Deutschland orientiert sich eine gezielte Behandlung an regionalen Warndienstempfehlungen und den geltenden Bekämpfungsschwellen; eine routinemäßige Behandlung bei geringem Befall ist nicht automatisch sinnvoll.

Wenn eine Behandlung erforderlich ist, kommen ausschließlich aktuell zugelassene Fungizide für Gerste und diese Indikation infrage. Wirkstoffgruppen sind entsprechend den Resistenzmanagement-Empfehlungen abzuwechseln oder sinnvoll zu kombinieren; unnötige Wiederholungen und Unterdosierungen fördern Resistenz. Eine Behandlung kann bereits infizierte Blätter nicht wieder gesund machen, sondern soll die weitere Sporulation und den Befall der oberen Blattetagen begrenzen.

Pflanzendoktor

Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen Anbau stehen vorbeugende und bestandsbauliche Maßnahmen im Vordergrund:

  • Gerste nicht zu eng mit sich selbst in der Fruchtfolge anbauen; eine Unterbrechung durch eine geeignete Nicht-Wirtspflanze, beispielsweise Hafer, kann das Inokulum deutlich reduzieren.
  • Gerstenstoppeln nach der Ernte zügig und sorgfältig einarbeiten, damit sie schneller verrotten; bei pflugloser Bewirtschaftung besonders auf eine gute Rotte und geringe Restmengen an der Bodenoberfläche achten.
  • Ausfallgerste und relevante Ungräser frühzeitig beseitigen, weil sie als grüne Brücke dienen können.
  • Gesundes, geprüftes Saatgut und eine passende Saatgutbehandlung verwenden, sofern diese im jeweiligen Anbausystem und Land zulässig ist.
  • Weniger anfällige Sorten bevorzugen und zu frühe, sehr dichte Bestände vermeiden.
  • Keine verlässliche kurative Wirkung von Hausmitteln, Pflanzenjauchen oder nicht geprüften biologischen Präparaten voraussetzen; deren Einsatz kann eine Diagnose und gezielte Bekämpfung nicht ersetzen.
Pflanzendoktor

Vorbeugung

  • Fruchtfolge mit ausreichender Anbaupause für Gerste planen und Gerste nach Möglichkeit nicht unmittelbar auf Gerste folgen lassen.
  • Stroh und Stoppeln so bearbeiten, dass befallene Rückstände rasch verrotten; Ausfallgetreide im Herbst beseitigen.
  • Für Deutschland geeignete, weniger anfällige Sorten auswählen und zertifiziertes, möglichst gesundes Saatgut verwenden.
  • Wintergerste nicht unnötig früh und nicht übermäßig dicht säen; standortangepasste Bestandesdichten fördern eine rasch abtrocknende Bestandesstruktur.
  • Ab Schossbeginn, besonders ab BBCH 31, die unteren und mittleren Blattetagen regelmäßig kontrollieren und den örtlichen Warndienst sowie Bekämpfungsschwellen berücksichtigen.
  • Stickstoffversorgung ausgewogen steuern und unnötig üppige, schlecht abtrocknende Bestände vermeiden.
Pflanzendoktor

Wissenswertes

  • Die heute verwendete Bezeichnung Rhynchosporium commune löste bei Gerste vielfach die ältere Bezeichnung Rhynchosporium secalis ab.
  • Der Erreger ist kein breit wirtswechselnder Blattpathogen, sondern überwiegend auf Hordeum-Arten und bestimmte verwandte Gräser spezialisiert.
  • Infektionen können längere Zeit ohne auffällige äußere Symptome bleiben.
  • Die charakteristischen Sporen sind einzellig beziehungsweise einseptiert und an ihrer schnabelförmigen Gestalt erkennbar.
  • Resistenz gegenüber einzelnen Fungizidwirkstoffgruppen und die Anpassungsfähigkeit des Erregers machen Sortenresistenz und Wirkstoffwechsel wichtig.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich eingesetzt werden, wenn sie für die betreffende Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind. Maßgeblich ist stets die aktuelle Zulassungssituation und das vollständige Etikett einschließlich Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Abstandsauflagen und Bienenschutz. Wirkstoffgruppen sollten im Rahmen eines integrierten Resistenzmanagements nicht einseitig oder wiederholt eingesetzt werden.