
Gelbe Pflaumensägewespe
Hoplocampa flava (Linnaeus, 1760)Gelbe Pflaumensägewespe – Kurzüberblick
Die Gelbe Pflaumensägewespe (Hoplocampa flava) ist ein kleiner Blattwespen-Schädling an Pflaumen- und Zwetschgenbäumen. Die Weibchen legen ihre Eier während der Blüte in den Blütenkelch. Danach bohren sich die Larven in junge Früchte, fressen den Fruchtkernbereich aus und wechseln häufig in weitere Früchte. Befallene Früchtchen fallen meist vorzeitig ab und weisen typische Ein- und Ausbohrlöcher auf.
Typische Bedingungen
Überblick
Hoplocampa flava wird in Deutschland als Gelbe Pflaumensägewespe bezeichnet. Die etwa 5,5–6 mm große Wespe erscheint zur Blütezeit von Pflaumen und Zwetschgen. Die Larven entwickeln sich zunächst in den jungen Früchtchen und fressen deren Inneres aus.
Bei starkem Befall können einzelne Larven nacheinander mehrere Früchte schädigen. Größere Ertragseinbußen sind besonders bei schwachem Fruchtansatz oder ungünstiger Blühwitterung möglich. Bei sehr reichlichem Fruchtbehang kann ein begrenzter Befall teilweise zur natürlichen Fruchtausdünnung beitragen.
Symptome und Erkennung
- Junge Pflaumen oder Zwetschgen fallen kurz nach der Blüte vorzeitig ab, während der Fruchtstiel meist am Zweig bleibt.
- An den abgefallenen Früchten finden sich häufig zwei unterschiedlich große Öffnungen: ein kleineres Einbohr- und ein größeres Ausbohrloch.
- Das Fruchtinnere ist ausgehöhlt und enthält feuchte, dunkelbraune, körnige Kotspuren.
- Die Larven sind cremeweiß bis gelblich, etwa 9–11 mm lang und besitzen einen bräunlichen bis hellorangefarbenen Kopf.
Das Schadbild kann mit anderen Pflaumensägewespen verwechselt werden. Eine sichere Artbestimmung anhand des Fruchtfraßes allein ist daher nicht immer möglich.
Ursachen und Ausbreitung
Die Weibchen legen ihre Eier bei warmer, sonniger Witterung während der Blüte einzeln in Bereiche des Blütenkelchs. Nach dem Schlupf bohren sich die Larven in den Fruchtknoten beziehungsweise in die jungen Früchte ein. Eine Larve kann nacheinander mehrere Früchtchen zerstören.
Die Ausbreitung erfolgt vor allem durch den Zuflug erwachsener Wespen aus benachbarten Pflaumenbeständen, Streuobstwiesen und verwilderten Prunus-Gehölzen. Befallene Fallfrüchte können Larven enthalten und sollten deshalb nicht unter dem Baum liegen bleiben.
Lebenszyklus und Überdauerung
In Deutschland tritt gewöhnlich eine Generation pro Jahr auf. Der Flug beginnt zur Pflaumenblüte. Die Weibchen nehmen Nektar und Pollen auf und legen anschließend ihre Eier an geeignete Blüten ab.
Die Larven fressen in den jungen Früchten und wechseln bei Bedarf in weitere Früchtchen. Nach Abschluss der Entwicklung verlassen sie die Frucht, wandern in den oberflächennahen Boden und spinnen sich dort in einen kleinen Kokon ein. Die Verpuppung erfolgt im folgenden Frühjahr; der genaue Zeitpunkt hängt von Witterung, Standort und Blühbeginn ab.
Behandlung und Bekämpfung
Im Haus- und Kleingarten steht die Befallsüberwachung im Vordergrund. Bei reichlichem Fruchtansatz kann ein leichter Befall toleriert werden. Befallene Früchtchen sollten nach der Blüte abgeschüttelt oder von Hand entfernt und anschließend entsorgt werden.
Im Erwerbsanbau wird die Entscheidung anhand von Blühbeobachtung, Leimtafeln, Fruchtansatz und Befallskontrollen getroffen. Maßnahmen müssen zeitlich eng am Ende der Blüte beziehungsweise am Beginn der Larvenentwicklung liegen. Da die Zulassungssituation in Deutschland und die erlaubten Anwendungen regelmäßig geändert werden können, sind aktuelle amtliche Pflanzenschutzmittel- und Anwendungshinweise zu prüfen.
Schonende und biologische Bekämpfung
- Befallene Fallfrüchte mehrmals nach der Blüte aufsammeln und nicht im Kompost belassen, wenn darin noch lebende Larven vermutet werden.
- Unter kleinen Obstbäumen können Hühner oder andere geeignete Tiere beim Entfernen von Fallfrüchten helfen; dies ersetzt jedoch keine Kontrolle und ist standortabhängig.
- Eine vielfältige, wenig intensiv bewirtschaftete Umgebung unterstützt Nützlinge, auch wenn für Hoplocampa flava im Garten keine verlässlich wirksame biologische Standardmaßnahme garantiert werden kann.
- Weiße Leimtafeln dienen der Überwachung, nicht als alleinige Lösung eines bereits starken Larvenbefalls.
Vorbeugung
- Während der Blüte regelmäßig kontrollieren und weiße Leimtafeln zur Flugüberwachung einsetzen.
- Nach der Blüte abgefallene, verdächtige Früchtchen zeitnah aufsammeln und aus dem Bestand entfernen.
- Fallobst nicht unter dem Baum liegen lassen; bei kleinen Bäumen kann eine sorgfältige Bodenpflege unter der Krone die Überlebensbedingungen der Larven vermindern.
- Bei starkem Vorjahresbefall Blüte, Fruchtansatz und Fallfrüchte im Folgejahr besonders engmaschig kontrollieren.
- Eine Bekämpfung nicht allein aufgrund einzelner gefangener Wespen auslösen, sondern mit einer Befallskontrolle an Blüten und jungen Früchten verbinden.
Wissenswertes
- Die Gelbe Pflaumensägewespe gehört nicht zu den echten Wespen, sondern zu den Blattwespen; ihr fehlt die typische schmale Wespentaille.
- Eine einzelne Larve kann je nach Bedingungen etwa vier bis sechs junge Früchte nacheinander schädigen.
- Das größere Loch an einer befallenen Frucht ist meist das Ausbohrloch der Larve, das kleinere das Einbohrloch.
- Hoplocampa flava ist in Deutschland als Gelbe Pflaumensägewespe dokumentiert und wird in der Roten Liste der Pflanzenwespen als ungefährdet geführt.
Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und den betreffenden Schaderreger beziehungsweise die zugelassene Indikation autorisiert sind. Ausschließlich nach dem aktuellen amtlichen Etikett anwenden und Auflagen zu Bienenschutz, Wartezeit, Gewässerabständen, Anwenderschutz und maximaler Anwendungshäufigkeit beachten. Eine pauschale Wirkstoff- oder Spritzfolge wird nicht empfohlen.