Getrübte Pflanzenwanze
Lygus lineolaris (Palisot de Beauvois)Getrübte Pflanzenwanze – Kurzüberblick
Die Getrübte Pflanzenwanze (Lygus lineolaris) ist eine wärmeliebende, sehr polyphage Blattwanze und in Nordamerika ein bedeutender Schädling an Gemüse, Beeren, Obst, Baumwolle und Zierpflanzen. Durch das Anstechen von Knospen, Blüten, Triebspitzen und jungen Früchten entstehen Wachstumsstörungen, Knospenabwurf und typische Deformationen. In Deutschland sollte ein Verdacht fachlich bestätigt werden, da mehrere heimische Lygus-Arten ähnlich aussehen.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Getrübte Pflanzenwanze ist eine etwa 5–7 mm große, oval abgeflachte Weichwanze mit bräunlich-gelblich bis rötlich gefleckter Zeichnung. Ein helles, dreieckiges Zeichen am Schildchen sowie helle Flügelpartien sind typische Hinweise, reichen für eine sichere Bestimmung im Feld aber nicht immer aus. Die Art besitzt ein außergewöhnlich breites Wirtsspektrum und befällt sowohl Kulturpflanzen als auch Wildpflanzen.
Für den deutschen Gartenbau ist die Diagnose besonders sorgfältig abzusichern. Mehrere heimische Arten der Gattung Lygus können ähnlich gefärbt sein, während Schadbild und Bekämpfungsstrategie nicht artspezifisch auseinanderfallen müssen.
Symptome und Erkennung
Adulte Wanzen und Nymphen verursachen durch Stech-Saug-Fraß punktförmige nekrotische Flecken, deformierte Triebspitzen und unvollständig entwickelte Blüten. Knospen können absterben oder abfallen. An Erdbeeren entstehen bei stärkerem Befall typische „Katzenkopf“- beziehungsweise Catfacing-Deformationen: Die Früchte bleiben an einer Seite klein, eingesunken oder unregelmäßig geformt.
Je nach Wirt sind außerdem verkrüppelte junge Früchte, schrumpfende Samen, braune Einstichstellen und gehemmtes Triebwachstum möglich. Das Schadbild ist nicht eindeutig; Thripse, andere Wanzen, Frost, Herbizidschäden und Bestäubungsstörungen kommen als Verwechslungen infrage.
Ursachen und Ausbreitung
Der Befall geht meist von überwinternden Adulten in Pflanzenresten, Unkrautbeständen, Feldrändern oder angrenzenden Kulturen aus. Im Frühjahr und Sommer können sich die Wanzen zwischen blühenden Wildpflanzen, Leguminosen, Beerenobst, Gemüse und Zierpflanzen bewegen.
Besonders förderlich sind ungemähte oder später austrocknende Unkrautbestände in unmittelbarer Nähe der Kultur. Wenn diese Wirtspflanzen vertrocknen oder gemäht werden, wechseln die Tiere häufig auf saftigere Kulturpflanzen. Der Ferntransport kann außerdem über Pflanzen, Pflanzenteile und landwirtschaftliche Waren erfolgen; deshalb besitzt die Art pflanzengesundheitliche Bedeutung.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Wanzen überwintern überwiegend als Adulte in geschützten Bereichen, etwa in Pflanzenresten, Laub, abgestorbenen Unkräutern, unter Rinde oder an Feldrändern. Im Frühjahr werden sie bei zunehmender Wärme aktiv und wandern auf junge Triebe, Knospen und Blüten.
Die Weibchen legen einzelne Eier in Pflanzengewebe ein, beispielsweise in Blattstiele, Blattrippen, Stängel oder Blütenbereiche. Nach ungefähr 7–12 Tagen schlüpfen grünliche, zunächst flügellose Nymphen. Sie durchlaufen fünf Nymphenstadien und können sich bei sommerlichen Bedingungen innerhalb von etwa 3–4 Wochen zum Adulttier entwickeln. In geeigneten Regionen sind zwei bis drei, örtlich auch mehr, überlappende Generationen möglich.
Behandlung und Bekämpfung
Bei geringem Befall genügt häufig das Absammeln einzelner Wanzen, das Entfernen stark geschädigter Blüten oder die zeitweilige Abdeckung mit einem geeigneten Insektenschutznetz. Befallene Kulturen sollten engmaschig kontrolliert werden, weil sich Symptome an Früchten oft erst nach dem eigentlichen Stich entwickeln.
Bei wirtschaftlich relevantem Befall sind zunächst Kulturstadium, tatsächliche Tierdichte, Schadschwelle und die sichere Art- beziehungsweise Gattungsdiagnose zu bewerten. Chemische Maßnahmen sind in Deutschland nur im Rahmen einer zugelassenen, aktuellen Indikation und nach Etikett zulässig. Wegen der versteckten Lebensweise in Blüten und des Risikos für Bestäuber und Nützlinge ist eine unspezifische Behandlung ohne Befallsnachweis nicht angezeigt.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Haus- und Kleingarten zunächst einzelne Tiere und Nymphen in den frühen Morgenstunden absammeln oder von empfindlichen Triebspitzen abstreifen. Blühende Unkräuter und verwilderte Leguminosen unmittelbar an gefährdeten Kulturen reduzieren, ohne blühende Saumstrukturen pauschal großflächig zu zerstören.
Bei Erdbeeren, Bohnen und anderen empfindlichen Kulturen kann ein feinmaschiges Insektenschutznetz während der gefährdeten Knospen- und Blütephase den Zuflug begrenzen. Netze müssen vor dem Einwandern angebracht werden und dürfen die Bestäubung nicht behindern. Nützlinge wie Raubwanzen, Blumenwanzen, Spinnen und parasitische Wespen schonen; unnötige Breitbandbehandlungen würden diese Gegenspieler mit erfassen.
Im ökologischen Anbau sollte die Entscheidung auf regelmäßiger Kontrolle, Kulturhygiene, Bestandsbeobachtung und dem Schutzzeitpunkt der Kultur beruhen. Für zugelassene Betriebsmittel gelten ausschließlich die aktuellen deutschen Zulassungs- und Anwendungsvorgaben.
Vorbeugung
- Kulturflächen und angrenzende Bereiche regelmäßig auf Adulte und grüne Nymphen kontrollieren; Blüten und Triebspitzen besonders sorgfältig prüfen.
- In Erdbeer-, Bohnen- und Gemüsekulturen bei beginnender Blütenbildung mit Klopfprobe oder Kescher überwachen.
- Stark verbuschte, blühende Unkrautherde unmittelbar an empfindlichen Beständen vermeiden, aber wertvolle Nützlings- und Saumstrukturen nicht pauschal beseitigen.
- Pflanzenreste nach der Ernte entfernen oder fachgerecht einarbeiten und überwinternde Verstecke nahe der Kultur reduzieren.
- Empfindliche Bestände in Deutschland bei Verdacht fotografieren, das Tier sichern und die Bestimmung durch Pflanzenschutzdienst, Beratungsstelle oder ein geeignetes entomologisches Labor bestätigen lassen.
Wissenswertes
- Für Lygus lineolaris wurden mehrere hundert Wirtspflanzen dokumentiert; veröffentlichte Wirtspflanzenlisten sind jedoch je nach Region und Quelle nicht vollständig.
- Die Nymphen ähneln kleinen Blattläusen, bewegen sich aber meist schneller und besitzen längere Beine.
- Die Tiere sitzen häufig in Blüten oder an geschützten Triebstellen und fliegen bei der geringsten Störung rasch davon.
- In Deutschland darf ein Fund nicht automatisch als Lygus lineolaris angesprochen werden, weil heimische Arten wie Lygus rugulipennis oder Lygus pratensis ähnlich aussehen können.
Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich eingesetzt werden, wenn sie für die betreffende Kultur und den konkreten Schaderreger aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung das amtliche Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis und das gültige Etikett prüfen; Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Abstände zu Gewässern und Auflagen strikt einhalten. Ein pauschales Spritzprogramm ist nicht empfehlenswert.
Quelle: