Kartoffelblattrollkrankheit
Potato leafroll virusKartoffelblattrollkrankheit – Kurzüberblick
Die Kartoffelblattrollkrankheit ist eine durch das Kartoffelblattrollvirus (PLRV) verursachte Viruskrankheit der Kartoffel. Typisch sind aufwärts eingerollte, steife Blätter, gehemmtes Wachstum und – je nach Infektionszeitpunkt und Sorte – Qualitäts- und Ertragsverluste. Das Virus wird vor allem durch Blattläuse sowie über infizierte Pflanzknollen verbreitet; eine Heilung befallener Pflanzen gibt es nicht.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Kartoffelblattrollkrankheit tritt vor allem an Kartoffeln (Solanum tuberosum) auf. Das Krankheitsbild hängt von Sorte, Virusisolat und Infektionszeitpunkt ab. Bei einer Infektion aus der Pflanzknolle zeigen sich die Symptome oft früh und deutlich; spätere Blattlausübertragungen können zunächst unauffällig bleiben, aber dennoch die Knollen infizieren.
Typisch sind nach oben gerollte, steife Blätter und ein aufrechter, gedrungener Wuchs. Bei Knollen können Phloemnekrosen beziehungsweise eine netzartige Verbräunung auftreten. Eine sichere Unterscheidung von anderen Kartoffelviren, Nährstoffstörungen oder Trockenstress ist allein anhand des Erscheinungsbildes nicht immer möglich.
Symptome und Erkennung
- Aufwärts eingerollte Blattränder, häufig zuerst an älteren oder unteren Blättern.
- Steife, aufrecht stehende Blätter und verkürzte Internodien; die Pflanzen bleiben oft kleiner.
- Hellgrüne bis gelbliche Blattfärbung, gelegentlich mit Blattadern- oder Randnekrosen.
- Bei Knolleninfektion meist stärkere Symptome am gesamten Bestand; bei später Feldinfektion können die Blattsymptome schwach sein.
- Im Knolleninneren sind je nach Sorte und Infektionszeitpunkt Phloem- oder Netznekrosen möglich.
Ähnliche Erscheinungen können unter anderem durch Potato virus Y, andere Kartoffelviren, Hitze, Trockenheit oder Wurzelschäden entstehen. Für eine belastbare Diagnose sind Laborverfahren wie ELISA oder PCR sinnvoll.
Ursachen und Ausbreitung
PLRV wird vor allem durch Blattläuse übertragen, besonders durch die Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) und die Kartoffelblattlaus (Macrosiphum euphorbiae). Die Übertragung ist persistent-zirkulativ: Eine Blattlaus nimmt das Virus beim Phloemsaugen auf, das Virus durchläuft ihren Körper und kann anschließend über längere Zeit weitergegeben werden.
Die wichtigste Quelle im Gartenbau und Erwerbsanbau sind infizierte Pflanzknollen. Außerdem können Durchwuchskartoffeln, liegengebliebene Knollen und einzelne infizierte Solanaceen als Virusreservoir dienen. Das Virus wird nicht einfach durch Berühren gesunder Blätter mit infiziertem Pflanzensaft übertragen; eine mechanische Übertragung ist für PLRV im Normalfall nicht typisch.
Lebenszyklus und Überdauerung
Das Virus überwintert nicht frei im Boden, sondern in lebendem infiziertem Pflanzengewebe, insbesondere in Pflanzknollen und Durchwuchspflanzen. Im Frühjahr treiben infizierte Knollen aus und bilden eine erste Infektionsquelle. Blattläuse erwerben PLRV beim Saugen am Phloem, behalten es nach der Aufnahme und übertragen es bei späteren Stichen auf gesunde Kartoffelpflanzen.
Nach der Infektion breitet sich PLRV systemisch im Phloem aus. Die Stärke der Blattrollsymptome nimmt häufig mit früher Infektion zu; späte Infektionen können äußerlich wenig auffällig sein, aber die Nachkommknollen infizieren. Die Entwicklung wird durch das Auftreten und die Zuwanderung geeigneter Blattlausvektoren während der Vegetationsperiode bestimmt.
Behandlung und Bekämpfung
Eine infizierte Kartoffelpflanze kann nicht geheilt werden. Stark verdächtige Pflanzen einschließlich möglichst vieler Knollen sollten aus dem Bestand entfernt und sachgerecht entsorgt werden; sie gehören nicht auf den Kompost, wenn dort ein Weiterwachsen möglich ist.
Im Erwerbsanbau sind die Verwendung geprüften Pflanzguts, die Bestandshygiene und die Überwachung von Virusquellen entscheidend. Eine Blattlausbekämpfung kann die Ausbreitung unter bestimmten Bedingungen vermindern, verhindert die Übertragung jedoch nicht zuverlässig, da einzelne virulente Blattläuse bereits vor dem Absterben infektiös sein können. Bei wertvollem Pflanzgut sollte die Diagnose labordiagnostisch abgesichert werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Haus- und Kleingarten stehen vorbeugende und hygienische Maßnahmen im Vordergrund: gesundes zertifiziertes Pflanzgut, konsequentes Entfernen von Durchwuchskartoffeln und regelmäßige Blattlauskontrollen. Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliegenlarven und Schwebfliegenlarven können Blattlauspopulationen in einem vielfältigen Garten begrenzen, beseitigen aber keine bereits vorhandene Virusinfektion.
Blühstreifen, artenreiche Randstrukturen und der Verzicht auf unnötige Breitbandmittel fördern natürliche Gegenspieler. Befallene Pflanzen sollten nicht durch wiederholte Spritzungen „gerettet“ werden; sinnvoller ist ihre Entfernung und die Verwendung gesundes Pflanzguts in der folgenden Saison.
Vorbeugung
- Ausschließlich zertifiziertes, virusgeprüftes Pflanzgut verwenden; im deutschen Anbau gelten hierfür die Anforderungen der Pflanzkartoffelverordnung.
- Durchwuchskartoffeln, Ausfallpflanzen und auffällige Einzelpflanzen frühzeitig entfernen und nicht auf dem Beet liegen lassen.
- Kartoffeln nicht wiederholt am selben Standort anbauen; Fruchtfolge reduziert die Zahl lebender Virusquellen.
- Bestände regelmäßig kontrollieren, besonders die Blattunterseiten und den Neuzuwachs auf Blattläuse.
- Werkzeuge, Kisten und Erntegeräte sauber halten und Pflanzgut aus unbekannter Herkunft vermeiden.
- Bei Verdacht eine Pflanzenprobe durch einen Pflanzenschutzdienst, ein geeignetes Labor oder eine Landwirtschaftskammer untersuchen lassen.
Wissenswertes
- PLRV gehört zur Gattung Polerovirus und ist ein einzelsträngiges RNA-Virus.
- Die wirtschaftlich wichtigste Wirtspflanze ist die Kartoffel; der dokumentierte experimentelle Wirtsbereich ist insgesamt relativ eng und überwiegend auf Nachtschattengewächse konzentriert.
- Die Übertragung durch Blattläuse erfolgt persistent-zirkulativ und nicht lediglich durch kurze Kontaktaufnahme.
- Eine späte Infektion kann geringe Blattsymptome verursachen, trotzdem aber infizierte Tochterknollen hervorbringen.
- In Deutschland werden Viruskrankheiten des Pflanzguts, einschließlich Blattrollvirus-Anzeichen, im Rahmen der Anforderungen an Pflanzkartoffeln berücksichtigt.
Es gibt keine chemische Behandlung, die PLRV in einer infizierten Kartoffelpflanze beseitigt. Mittel gegen Blattläuse dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn sie für die betreffende Kultur und Anwendung zugelassen sind; ausschließlich die aktuelle Gebrauchsanleitung und die Vorgaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit beachten. Eine routinemäßige Behandlung ohne Befallsüberwachung ist nicht automatisch wirksam und kann Nützlinge schädigen.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Amerikanisches Basilikum (Ocimum americanum) – PflegeOcimum americanum
Basilikum (Ocimum basilicum) – PflegeOcimum basilicum
Ocimum campechianum – PflegeOcimum campechianum
Ocimum gratissimum – PflegeOcimum gratissimum
Ocimum kilimandscharicum – PflegeOcimum kilimandscharicum
Ocimum basilicum minimum – PflegeOcimum basilicum minimum
Indisches Basilikum (Ocimum tenuiflorum) – PflegeOcimum tenuiflorum
Quelle: