Falscher Mehltau der Weinrebe
Plasmopara viticolaFalscher Mehltau der Weinrebe – Kurzüberblick
Der Falsche Mehltau der Weinrebe wird durch den obligat biotrophen Oomyceten Plasmopara viticola verursacht. Typisch sind gelblich-ölige, von Blattadern begrenzte Flecken auf der Blattoberseite und ein weißer, samtiger Sporenrasen auf der Unterseite. Bei feuchtwarmer Witterung kann die Krankheit junge Triebe, Blütenstände und Beeren rasch schädigen und zu Blattverlust und Ertragseinbußen führen.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Falsche Mehltau ist eine der wichtigsten Blatt- und Traubenkrankheiten der Weinrebe. Der Erreger dringt über Spaltöffnungen in feuchtes, grünes Gewebe ein und ernährt sich mit Haustorien aus lebenden Wirtszellen. Besonders gefährdet sind junge Blätter, Triebspitzen, Gescheine und Beeren von Vitis vinifera.
Im deutschen Wein- und Hausgartenbau tritt die Krankheit vor allem in feuchtwarmen Phasen von Mai bis August auf. Starker Befall reduziert die Assimilationsfläche, kann Gescheine und junge Trauben zum Absterben bringen und die Holzreife beeinträchtigen.
Symptome und Erkennung
- Auf der Blattoberseite zunächst hellgelbe bis gelbgrüne, ölig wirkende Flecken, später braune, abgestorbene und oft von Blattadern begrenzte Bereiche.
- Bei hoher Luftfeuchte auf der Blattunterseite ein dichter weißer bis grauweißer, samtig-flaumiger Sporenrasen.
- Junge Triebspitzen können sich verdicken, krümmen und als sogenannter Hirtenstab verformen; stark befallene Gewebe werden braun und sterben ab.
- Gescheine, Rachis und Blütenstände verfärben sich braun, trocknen ein und können abfallen.
- Junge Beeren werden graugrün bis graubraun, bleiben häufig fest, überziehen sich mit Sporenrasen und fallen ab. Ältere Beeren sind widerstandsfähiger, können aber über befallene Rachisbereiche geschädigt werden.
Die weißen Beläge erscheinen nicht bei jeder Infektion, insbesondere nicht bei trockener Witterung oder an älteren Läsionen.
Ursachen und Ausbreitung
Der Erreger überwintert überwiegend als widerstandsfähige Oosporen in abgefallenem, infiziertem Reblaub. Im Frühjahr werden diese bei ausreichender Feuchtigkeit aktiviert. Sporangien und daraus freigesetzte begeißelte Zoosporen werden durch Regen, Spritzwasser und Luftbewegungen auf junge Rebteile verbreitet.
Nach einer Primärinfektion entstehen bei erneut feuchter Witterung zahlreiche Sekundärinfektionen. Die Krankheit breitet sich deshalb bei wiederholten Regenfällen, langen Blattnässeperioden und dichtem Laub besonders schnell aus.
Lebenszyklus und Überdauerung
- Oosporen überdauern den Winter im Falllaub unter der Rebe.
- Im Frühjahr keimen sie bei ausreichender Boden- und Blattfeuchte und bilden Sporangien.
- Zoosporen werden durch Wasser freigesetzt, schwimmen auf nassen Pflanzenteilen zu Spaltöffnungen und dringen dort ein.
- Nach einer Inkubationszeit von meist etwa 7 bis 12 Tagen entstehen gelbliche Blattflecken oder andere Gewebeschäden.
- Bei hoher Luftfeuchte wachsen aus den Spaltöffnungen auf der Blattunterseite neue Sporenträger mit Sporangien.
- Diese lösen wiederholte Sekundärinfektionen aus. Gegen Ende der Vegetationsperiode entstehen im Gewebe neue Oosporen, die mit dem Falllaub überwintern.
Behandlung und Bekämpfung
Frühe Erkennung ist entscheidend, da stark befallene Blätter nicht wieder gesund werden. Befallene Pflanzenteile werden entfernt und im Hausgarten nicht kompostiert, wenn der Kompost keine sichere Hygienisierung erreicht. Anschließend sollte die Laubwand so geführt werden, dass Blätter und Trauben rasch abtrocknen.
Im Erwerbsweinbau werden Schutzmaßnahmen nach regionalem Warndienst, Wetterprognose, Infektionsrisiko und Entwicklungsstadium der Rebe geplant. Besonders wichtig ist der Schutz von Gescheinen und jungen Beeren vor und nach der Blüte. Wirkstoffgruppen sollten im Rahmen eines zugelassenen Resistenzmanagements gewechselt und Anwendungen nicht unnötig wiederholt werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im ökologischen Anbau bilden vorbeugende Kulturmaßnahmen die Grundlage: luftige Laubwand, reduzierte Blattnässe, konsequente Entfernung von Falllaub und eine engmaschige Bestandskontrolle. Robuste Sorten können den Befallsdruck deutlich senken, ersetzen bei hohem Infektionsdruck aber nicht automatisch alle Schutzmaßnahmen.
Kupferpräparate können im ökologischen Weinbau eine wichtige Schutzwirkung besitzen, ihre Anwendung ist jedoch mengenmäßig, rechtlich und umweltbezogen begrenzt. Nur zugelassene Mittel und die jeweils geltenden Anwendungsbestimmungen verwenden. Eine gute Benetzung der gefährdeten grünen Pflanzenteile ist wichtiger als wiederholte Anwendungen ohne Infektionsrisiko.
Vorbeugung
- Für einen luftigen, gut abtrocknenden Rebenaufbau sorgen: rechtzeitig heften, überzählige Triebe entfernen und die Laubwand maßvoll auslichten.
- Bewässerung möglichst bodennah und morgens durchführen; Überkopfberegnung vermeiden.
- Falllaub im Herbst gründlich entfernen oder zügig einarbeiten, damit weniger Oosporen an der Oberfläche verbleiben.
- Reben regelmäßig kontrollieren, besonders nach warmen Regenperioden und während der empfindlichen Phase von Austrieb bis Traubenschluss.
- Bei Neupflanzungen weniger anfällige Sorten oder robuste pilzwiderstandsfähige Sorten berücksichtigen; vollständige Resistenz ist nicht bei allen Sorten zu erwarten.
- Befallene Blätter und Triebspitzen aus dem Bestand entfernen, soweit dies ohne starke zusätzliche Verletzungen möglich ist.
Wissenswertes
- Plasmopara viticola ist kein echter Pilz, sondern ein pilzähnlicher Oomycet, der evolutionär näher mit bestimmten Algenlinien als mit den klassischen Schlauch- oder Ständerpilzen verwandt ist.
- Die Sporenbildung erfolgt häufig durch Spaltöffnungen an der Blattunterseite und benötigt eine ausreichend feuchte Mikroklimazone.
- Der Erregerkomplex umfasst genetisch und teilweise wirtsbezogen unterschiedliche Linien; Befallsstärke und Wirtsspezialisierung können daher regional und zwischen Isolaten variieren.
- Beeren verlieren nach zunehmender Reife einen Teil ihrer Anfälligkeit, während Rachis- und Blattbefall weiterhin die Traubenversorgung und die Reifeleistung beeinträchtigen können.
Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für Weinreben und den jeweiligen Zweck ausdrücklich zugelassen sind. Vor jeder Anwendung die aktuelle Zulassung, Kultur, Anwendungsgebiet, Aufwandmenge, Wartezeit, Anwenderkategorie, Gewässerschutz- und Bienenschutzauflagen in der BVL-Pflanzenschutzmittel-Datenbank und auf dem aktuellen Etikett prüfen. Keine Produkte aus anderen Ländern oder nicht zugelassene Wirkstoffkombinationen einsetzen; das Etikett ist rechtlich verbindlich.
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