Kartoffelvirus YQuelle: Wikimedia CommonsR.J. Reynolds Tobacco Company Slide SetCC BY 3.0
Krankheit

Kartoffelvirus Y

Potyvirus yituberosi
Kurzüberblick

Kartoffelvirus Y – Kurzüberblick

Das Kartoffelvirus Y (PVY) ist eine bedeutende Viruskrankheit der Kartoffel und weiterer Nachtschattengewächse. Je nach Virusstamm, Sorte und Witterung reichen die Symptome von kaum sichtbaren Mosaiken und Blattkräuselungen bis zu Blattnekrosen, Wachstumshemmung und ringförmigen Nekrosen an den Knollen. Eine direkte Heilung befallener Pflanzen gibt es nicht; entscheidend sind gesundes Pflanzgut, Hygiene und vorbeugendes Virusmanagement.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlätter, Triebe, Blattadern und Knollen; bei bestimmten PVY-Linien insbesondere die Knollen mit ringförmigen Nekrosen.
Begünstigende BedingungenInfiziertes oder unzureichend geprüftes Pflanzgut, vorhandene Durchwuchskartoffeln und Nachtschatten-Unkräuter sowie Blattlauszuflug während des aktiven Kartoffelwachstums begünstigen die Ausbreitung. Hohe Temperaturen und sortenabhängige Empfindlichkeit können die Symptomstärke beeinflussen.
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Überblick

Das Kartoffelvirus Y gehört zu den wichtigsten Viruskrankheiten im Kartoffelanbau. Befallene Pflanzen können mosaikartige Aufhellungen, Kräuselungen, Blattdeformationen, Wachstumshemmung oder Nekrosen zeigen; manche Sorten und Infektionen bleiben jedoch nahezu symptomlos.

Bestimmte nekrotische PVY-Linien, insbesondere PVYNTN, können an anfälligen Sorten eine Kartoffelknollen-Ringnekrose verursachen. Sichtbare Symptome sind nicht beweisend, da auch Blattrollvirus, andere Kartoffelviren, Nährstoffstörungen oder Herbizidschäden ähnlich aussehen können. Zur sicheren Bestimmung sind ELISA- oder molekularbiologische Tests erforderlich.

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Symptome und Erkennung

Die Symptome variieren erheblich. An Kartoffeln treten häufig unregelmäßige hell-dunkle Mosaike, Kräuselungen, Verformungen und eine rauere Blattoberfläche auf. Je nach Stamm können Blattadern oder einzelne Blattbereiche nekrotisch werden; Triebe bleiben kurz, Pflanzen wirken gestaucht und der Bestand reift ungleichmäßig ab.

Bei einigen PVY-Varianten entstehen an den Knollen unter oder an der Schale eingesunkene braune bis dunkelbraune Ringe und Flecken. Diese Schäden werden teilweise erst während der Lagerung deutlich. Infizierte Knollen können äußerlich unauffällig sein und dennoch als Pflanzkartoffeln den Befall in die nächste Generation übertragen.

  • Primärinfektionen zeigen oft schwächere oder verzögerte Blattsymptome.
  • Sekundär aus infizierten Mutterknollen hervorgegangene Pflanzen sind häufig stärker auffällig.
  • Eine symptomlose Pflanze schließt eine Infektion nicht aus.
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Ursachen und Ausbreitung

PVY wird vor allem nichtpersistent durch verschiedene Blattlausarten übertragen. Die Blattlaus nimmt das Virus beim kurzen Probestich auf und kann es unmittelbar an eine weitere Pflanze weitergeben. Deshalb kann eine Insektizidbehandlung die erste Übertragung nicht zuverlässig verhindern.

Die wichtigste langfristige Infektionsquelle sind infizierte Pflanzknollen. Zusätzlich können virusbefallene Durchwuchskartoffeln, Abfallknollen und manche infizierten Nachtschattengewächse als Reservoir dienen. Mechanische Verschleppung durch Hände, Werkzeuge oder Maschinen ist möglich, aber im deutschen Freilandanbau meist weniger wichtig als infiziertes Pflanzgut und Blattlausflug.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Das Virus überwintert in infizierten Knollen und beginnt mit dem Austrieb die neue Vegetationsperiode. Aus solchen Knollen entwickelte Pflanzen bilden die erste Infektionsquelle im Bestand. Blattläuse erwerben PVY während kurzer Probebisse und verteilen es anschließend innerhalb kurzer Zeit auf gesunde Pflanzen.

Im weiteren Saisonverlauf können neu infizierte Pflanzen wiederum Blattläuse anstecken. Die Virusmenge und die sichtbaren Symptome hängen von Sorte, Stamm, Temperatur und Mischinfektionen mit anderen Kartoffelviren ab. Am Saisonende gelangt das Virus mit den Knollen in die nächste Kultur- oder Lagergeneration.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine bereits infizierte Kartoffelpflanze kann nicht geheilt werden. In kleinen Beständen sollten deutlich erkrankte Pflanzen möglichst frühzeitig mit Knollen entfernt und über den Hausmüll oder nach örtlichen Vorgaben entsorgt werden; sie gehören nicht auf den Kompost und nicht zurück ins Pflanzgut.

Bei Verdacht auf PVY sollte eine Blatt- oder Knollenprobe durch ein geeignetes Diagnoselabor untersucht werden. Besonders bei Pflanzkartoffeln ist die Verwendung einer geprüften, gesunden Partie wichtiger als eine nachträgliche Behandlung des Bestands. Knollen mit Verdacht auf Ringnekrose nicht als Pflanzgut verwenden.

Die Bekämpfung von Blattläusen kann den Viruseintrag nur begrenzt beeinflussen, weil PVY sehr schnell übertragen wird. Sie sollte daher ausschließlich Bestandteil eines integrierten Gesamtkonzepts sein und nicht als Heilmaßnahme verstanden werden.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen und hausgärtnerischen Anbau stehen vorbeugende Maßnahmen im Vordergrund: zertifiziertes gesundes Pflanzgut, konsequentes Entfernen von Durchwuchskartoffeln, ausreichende Bestandskontrolle und die Beseitigung virusverdächtiger Pflanzen.

  • Blattlausfördernde Unkrautreservoirs im unmittelbaren Bestand entfernen, ohne blühende Randstrukturen und Nützlingslebensräume unnötig zu zerstören.
  • Natürliche Gegenspieler wie Marienkäfer, Florfliegenlarven, Schwebfliegenlarven und Schlupfwespen schonen.
  • Gelbschalen oder regelmäßige Sichtkontrollen können den Blattlauszuflug dokumentieren, verhindern die Virusübertragung aber nicht zuverlässig.
  • Anfällige Sorten in besonders gefährdeten Pflanzgutbeständen meiden und, sofern verfügbar, robuste oder virusresistentere Sorten bevorzugen.
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Vorbeugung

Für den Hausgarten und besonders für die Pflanzkartoffelvermehrung nur gesundes, zertifiziertes und virusgeprüftes Pflanzgut verwenden. Knollen aus einem sichtbar auffälligen Bestand nicht zur Nachpflanzung zurückbehalten.

  • Durchwuchskartoffeln und liegen gebliebene Abfallknollen frühzeitig entfernen.
  • Virusverdächtige Pflanzen samt Knollen aus Vermehrungsbeständen herausnehmen und nicht kompostieren.
  • Bestände regelmäßig auf Mosaik, Kräuselung und abgestorbene Blattrand- oder Aderbereiche kontrollieren.
  • Kartoffeln nicht über mehrere Jahre aus eigener Ernte weitervermehren, wenn der Gesundheitsstatus unbekannt ist.
  • Werkzeuge und Maschinen von anhaftendem Pflanzenmaterial reinigen und Verwechslungen zwischen Pflanzgutpartien vermeiden.
  • Bei professioneller Pflanzgutproduktion die deutschen Anerkennungs- und Untersuchungsvorgaben für Viruskrankheiten beachten.
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Wissenswertes

  • PVY wird häufig bereits durch einen kurzen Probestich einer Blattlaus übertragen; deshalb ist der Zeitpunkt der Insektenbekämpfung für die Virusverhinderung entscheidend begrenzt.
  • Die sichtbare Ausprägung kann zwischen Kartoffelsorten stark schwanken. Eine symptomarme Pflanze kann dennoch infizierte Tochterknollen bilden.
  • PVYNTN ist mit der Kartoffelknollen-Ringnekrose verbunden, doch nicht jede Infektion und nicht jede Sorte entwickelt dieses Knollenbild.
  • Das Virus befällt neben Kartoffeln auch weitere Nachtschattengewächse, darunter Tomate, Paprika, Aubergine und Tabak; die Bedeutung einzelner Wirte hängt vom Virusstamm und vom Nachweiszusammenhang ab.
  • Eine sichere Unterscheidung von anderen Kartoffelviren ist anhand des Schadbildes allein nicht möglich.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Es gibt kein Pflanzenschutzmittel, das PVY in der Pflanze beseitigt. Mittel gegen Blattläuse können die Übertragung eines nichtpersistent übertragenen Virus nur unzuverlässig vermindern. Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich für die Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassene Produkte gemäß BVL-Verzeichnis und befolgen Sie stets das aktuelle Etikett, die Auflagen und Wartezeiten. Im Haus- und Kleingarten ist eine Anwendung nur zulässig, wenn das Produkt ausdrücklich für diesen Anwendungsbereich zugelassen ist.