Wurzelläsionsnematode
Schädling

Wurzelläsionsnematode

Pratylenchus penetrans
Kurzüberblick

Wurzelläsionsnematode – Kurzüberblick

Pratylenchus penetrans ist ein mikroskopisch kleiner, wandernder Wurzelparasit aus der Gruppe der Wurzelläsionsnematoden. Er dringt in Wurzeln zahlreicher Kultur- und Zierpflanzen ein, zerstört Rindengewebe und kann dadurch Kümmerwuchs, Welke sowie Ertrags- und Qualitätsverluste verursachen. Eine sichere Artbestimmung ist meist nur durch eine Laboruntersuchung von Boden- und Wurzelproben möglich.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileFeinwurzeln und Wurzelrinde; bei starkem Befall auch Wurzelspitzen, Knollen- und Speicherwurzelentwicklung indirekt beeinträchtigt.
Begünstigende BedingungenAnfällige Folgefrüchte, hohe Nematodendichte, feuchte und ausreichend warme Böden, befallenes Pflanzgut sowie Bodenverschleppung; Trockenstress verstärkt häufig die sichtbaren Symptome.
Pflanzendoktor

Überblick

Der nördliche Wurzelläsionsnematode Pratylenchus penetrans gehört zur Familie Pratylenchidae. Er ist in Deutschland nachgewiesen und tritt besonders in gemäßigten Klimaregionen auf. Befallen werden unter anderem Kartoffeln, Erdbeeren, Möhren, Zwiebeln, Getreide, Mais, Obstgehölze und zahlreiche Zierpflanzen.

Die beweglichen Jugendstadien und Adulttiere wandern in die Wurzelrinde ein, fressen Zellen an und verlassen die Wurzel teilweise wieder. Die entstehenden Läsionen können das Eindringen sekundärer Pilze und Bakterien begünstigen. Das Schadensausmaß hängt stark von Wirtspflanze, Bodentemperatur, Ausgangsdichte und weiteren Bodenpathogenen ab.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

Oberirdisch zeigen befallene Pflanzen häufig Kümmerwuchs, ungleichmäßige Bestände, vorzeitiges Welken bei Trockenheit, Chlorosen und geringere Erträge. Diese Symptome ähneln jedoch Nährstoffmangel, Staunässe, Wurzelfäulen und anderen Nematodenproblemen.

An den Wurzeln finden sich längliche rötlich-braune bis schwarze Nekrosen, abgestorbene Wurzelrindenbereiche, eingesunkene Läsionen und eine reduzierte Ausbildung von Feinwurzeln. Bei Kartoffeln können Wurzelverlust und Sekundärinfektionen zur Bestandsmüdigkeit beitragen; bei Möhren und anderen Wurzelgemüsen sind Wachstumsdepressionen und Qualitätsverluste möglich.

Eine sichere Diagnose erfordert die Untersuchung von Boden- und Wurzelproben durch ein geeignetes Labor. Die Artabgrenzung innerhalb der Gattung Pratylenchus ist morphologisch anspruchsvoll und kann molekulare Verfahren erfordern.

Pflanzendoktor

Ursachen und Ausbreitung

Die Verbreitung erfolgt vor allem mit befallenem Pflanzgut, Knollen, Wurzelballen, Erde, Kompost oder anhaftendem Boden an Maschinen, Schuhen und Werkzeugen. Auch befallene Ernterückstände sowie Wurzeln von Unkräutern können den Nematoden im Bestand halten.

Da P. penetrans ein sehr breites Wirtsspektrum besitzt, reicht eine kurze Fruchtfolge allein oft nicht aus. Hohe Populationsdichten entwickeln sich besonders dort, wo anfällige Kulturen wiederholt angebaut werden und befallene Wurzeln im Boden verbleiben.

Pflanzendoktor

Lebenszyklus und Überdauerung

Der Lebenszyklus umfasst Ei, vier Juvenilstadien und das Adultstadium. Das erste Juvenilstadium entwickelt sich im Ei; das zweite Stadium schlüpft und ist ebenso wie die späteren Stadien pflanzeninfektiös. Weibchen legen Eier einzeln in Wurzeln oder im Boden ab; bei dieser Art kommen Männchen und Weibchen vor.

Nach dem Eindringen wandern die Nematoden durch die Wurzelrinde, ernähren sich von Zellen und können zwischen Wurzel und Boden wechseln. Der Zyklus dauert unter günstigen Bedingungen typischerweise etwa 45 bis 65 Tage, ist aber temperatur- und wirtsabhängig. Überwintert wird in Wurzeln, Pflanzenresten oder Boden in verschiedenen Entwicklungsstadien.

Pflanzendoktor

Behandlung und Bekämpfung

Bereits befallene Pflanzen lassen sich während der laufenden Kultur meist nicht zuverlässig sanieren. Stark geschädigte Einjährige sollten mit möglichst wenig Boden entfernt und nicht kompostiert werden, sofern die sichere Hygienisierung des Komposts nicht gewährleistet ist.

Die wichtigste Maßnahme ist die populationssenkende Kulturplanung: anfällige Wirtspflanzen für mehrere Jahre vermeiden, geeignete Nichtwirte oder nachweislich wenig reproduktionsfähige Kulturen auswählen und Zwischenfrüchte nur nach ihrer Eignung für die festgestellte Pratylenchus-Art einsetzen. Bei Erdbeeren sollte eine Neupflanzung erst nach Untersuchung und Sanierung der Fläche erfolgen. Tagetes-Arten können im deutschen ökologischen Gemüsebau zur Reduktion von Wurzelläsionsnematoden beitragen; die Wirkung hängt von Art, Bestand, Dauer und Boden ab.

Bei Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln oder Obstgehölzen sind zusätzlich die jeweils kulturbezogenen Beratungsempfehlungen und pflanzengesundheitlichen Vorgaben zu beachten.

Pflanzendoktor

Schonende und biologische Bekämpfung

  • Tagetes patula: Als gezielte Zwischen- oder Vorfrucht kann sie Populationen von Wurzelläsionsnematoden deutlich reduzieren, wenn ein dichter, unkrautfreier Bestand ausreichend lange etabliert und anschließend fachgerecht eingearbeitet wird.
  • Fruchtfolge: Nicht jede Zwischenfrucht ist automatisch geeignet. Ölrettich, Senf oder andere Begrünungen müssen hinsichtlich Sorte und nachgewiesener Wirtseignung geprüft werden; manche Pflanzen können P. penetrans erhalten oder vermehren.
  • Bodenhygiene: Befallene Wurzeln, Knollenreste und Erde nicht auf gesunde Flächen verschleppen. Geräte zuerst auf befallsfreien Flächen einsetzen oder gründlich reinigen.
  • Biologische Verfahren: Kompost, organische Dünger und mikrobielle Präparate können die Bodenbiologie unterstützen, ersetzen aber weder Diagnose noch geeignete Fruchtfolge. Ihre Wirkung gegen diesen Nematoden ist produkt-, standort- und kulturabhängig.
Pflanzendoktor

Vorbeugung

  • Vor einer Neuanlage oder bei wiederkehrenden Wurzelschäden Boden- und Wurzelproben untersuchen lassen.
  • Zertifiziertes beziehungsweise nachweislich gesundes Pflanzgut und saubere Erdbeerjungpflanzen, Knollen und Wurzelballen verwenden.
  • Maschinen, Geräte, Kisten und Schuhe zwischen befallenen und gesunden Flächen reinigen und anhaftende Erde entfernen.
  • Anfällige Kulturen nicht eng aufeinander folgen lassen; die Fruchtfolge anhand der Laborergebnisse und der tatsächlichen Wirtseignung planen.
  • Unkräuter und Durchwuchs konsequent entfernen, weil sie als Wirt oder zur Erhaltung der Population beitragen können.
  • Für gleichmäßige Bodenstruktur, bedarfsgerechte Bewässerung und ausgewogene Nährstoffversorgung sorgen, damit zusätzlicher Trocken- und Wurzelstress begrenzt wird.
Pflanzendoktor

Wissenswertes

  • Pratylenchus penetrans ist weniger als einen Millimeter lang und mit bloßem Auge nicht sicher erkennbar.
  • Die Art besitzt ein außergewöhnlich breites Wirtsspektrum; deshalb ist die Auswahl einer geeigneten Fruchtfolge anspruchsvoller als bei vielen spezialisierten Nematoden.
  • Alle nach dem Schlupf beweglichen Stadien können Wurzeln befallen. Nematoden können eine Wurzel verlassen und an einer anderen Stelle erneut eindringen.
  • In Deutschland gehören Wurzelläsionsnematoden zu den relevanten Schadorganismen unter anderem an Möhren, Zwiebeln, Erdbeeren und in Baumschulen. Bei Proben werden jedoch auch andere Pratylenchus-Arten gefunden; eine Artangabe sollte daher nicht ohne Laborbefund erfolgen.
  • Für die biologische Bekämpfung werden unter anderem Studentenblumen untersucht und eingesetzt; die in der Praxis berichtete Wirkung ist vor allem von Tagetes patula, einer dichten Kultur und dem richtigen Einarbeitungszeitpunkt abhängig.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Eine chemische Behandlung darf nur mit einem in Deutschland aktuell für die konkrete Kultur und das konkrete Problem gesetzlich zugelassenen Pflanzenschutzmittel erfolgen. Vor einer Anwendung die aktuelle Zulassung, Auflagen, Wartezeiten und Anwendungsbestimmungen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie das Produktetikett prüfen. Keine Mittel oder Dosierungen aus anderen Ländern übernehmen; im Haus- und Kleingartenbereich können deutlich strengere Einschränkungen gelten.

Wirtspflanzen

Betroffene Pflanzen

8 verknüpfte Profile

Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.