Phytophthora cactorum (Kragen-, Lederbeeren- und Rhizomfäule)
Phytophthora cactorum (Lebert & Cohn) J. SchröterPhytophthora cactorum (Kragen-, Lederbeeren- und Rhizomfäule) – Kurzüberblick
Phytophthora cactorum ist ein bodenbürtiger Erreger aus der Gruppe der Oomyceten, der je nach Wirt Wurzeln, Rhizome, Pflanzenhals, Rinde oder Früchte befällt. Im deutschen Gartenbau ist er besonders mit Lederbeeren- und Rhizomfäule an Erdbeeren sowie Kragen- und Stammbasisfäule an Apfel und anderen Gehölzen verbunden. Staunässe, schlechte Drainage und verschlepptes Boden- oder Gießwasser fördern die Krankheit.
Typische Bedingungen
Überblick
Phytophthora cactorum ist kein echter Pilz, sondern ein pilzähnlicher Oomycet. Der Erreger kann zahlreiche Gehölze, Obst- und Zierpflanzen befallen. Im deutschen Gartenbau sind insbesondere die Lederbeeren- und Rhizomfäule der Erdbeere sowie Kragen-, Stammbasis- und Wurzelhalsfäulen an Apfel und anderen Gehölzen relevant.
Das Krankheitsbild hängt stark von Wirt, Standort und Infektionsstelle ab. Bei Erdbeeren stehen braune, gummiartig-lederne Früchte und eine Fäule der Krone beziehungsweise des Rhizoms im Vordergrund. An Gehölzen können sich dunkle, eingesunkene Rindenbereiche, Saftaustritt, Blattwelke und Triebsterben entwickeln. Für eine belastbare Diagnose sollte geeignetes, frisches Übergangsmaterial durch ein pflanzenpathologisches Labor untersucht werden.
Symptome und Erkennung
- Erdbeere: Früchte werden zunächst braun, später lederartig, gummiartig und oft bitter; sie können an der Unterseite oder an Kontaktstellen zum feuchten Boden beginnen zu faulen.
- Rhizom und Pflanzenhals: dunkelbraune bis rotbraune, wassergetränkte Fäule; äußere Blätter welken, Pflanzen bleiben kümmerlich oder sterben plötzlich ab.
- Apfel und Gehölze: dunkel verfärbte, leicht eingesunkene Rinden- oder Kambiumbereiche am Stammfuß beziehungsweise Wurzelhals, gelegentlich mit dunklem Saftaustritt; darüber können Blätter welken und Äste zurücksterben.
- Wurzeln: abgestorbene Feinwurzeln und braune Fäulnis, häufig ohne eindeutige oberirdische Symptome im frühen Stadium.
Die Symptome überschneiden sich mit anderen Phytophthora-Arten, Wurzelhalsfäulen, Frostschäden, Feuerbrand, mechanischen Verletzungen und Staunässeschäden.
Ursachen und Ausbreitung
Infektionen werden vor allem durch freies Wasser begünstigt. Der Erreger kann sich in gesättigten Bodenporen über bewegliche Zoosporen ausbreiten. Verschleppt wird er durch infizierte Jungpflanzen, anhaftende Erde, Oberflächen- und Gießwasser, Schuhe, Geräte, Fahrzeuge sowie abfließendes Wasser.
Bei Erdbeeren fördern schwere, schlecht drainierte Böden, Senken, häufige Blattberegnung, dichter Pflanzenbestand und direkter Fruchtkontakt mit nassem Boden die Krankheit. An Gehölzen erhöhen verdichtete Böden, wiederholte Überflutung, Verletzungen am Stammfuß und anhaltende Bodenfeuchte das Risiko. Nicht jede nachgewiesene Bodenbesiedlung führt automatisch zu deutlichen Krankheitssymptomen.
Lebenszyklus und Überdauerung
Phytophthora cactorum kann als widerstandsfähige Dauerstruktur und als Myzel in infiziertem Pflanzenmaterial oder Boden überdauern. Bei ausreichender Feuchtigkeit entstehen Sporangien; aus ihnen können begeißelte Zoosporen freigesetzt werden, die sich im Wasser zu Wurzeln, Rhizomen, Pflanzenhälsen oder verletztem Gewebe bewegen.
Nach der Infektion wächst der Erreger im Gewebe weiter und bildet erneut Sporenstrukturen. Der Krankheitsverlauf kann deshalb schubweise erfolgen. Bei Gehölzen bleibt eine Infektion mitunter längere Zeit verborgen und wird erst bei zusätzlichem Trocken-, Frost- oder Wurzelstress durch Welke oder Kronenrückgang sichtbar.
Behandlung und Bekämpfung
Bereits stark befallene Erdbeerpflanzen sind in der Regel nicht sinnvoll heilbar. Sie sollten mit möglichst wenig Bodenverschleppung entfernt werden. Befallene Früchte regelmäßig aus dem Bestand nehmen. Bei Gehölzen ist zunächst zu prüfen, ob der Befall lokal begrenzt und der Baum standsicher ist; abgestorbene oder eindeutig befallene Partien können fachgerecht entfernt werden, wobei gesundes Übergangsgewebe nicht unnötig verletzt werden sollte.
Die wichtigste Maßnahme ist die Sanierung der Standortbedingungen: Wasserabfluss verbessern, Verdichtungen beseitigen, Bewässerung anpassen und neue Pflanzen nicht in dauerhaft nasse Bereiche setzen. Eine Diagnose durch ein Labor ist besonders bei wertvollen Gehölzen, wiederkehrendem Befall oder umfangreichen Ausfällen sinnvoll, weil mehrere Phytophthora-Arten ähnliche Symptome verursachen.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Haus- und Kleingarten stehen vorbeugende und kulturtechnische Maßnahmen im Vordergrund. Erhöhte Beete, durchlässige Substrate, hygienisches Pflanzgut, Stroh- oder Holzwollemulch sowie eine zurückhaltende, bodennahe Bewässerung senken den Infektionsdruck. Befallene Pflanzenreste sollten konsequent entfernt und Werkzeuge gereinigt werden.
Für biologische Präparate oder Pflanzenstärkungsmittel ist die Wirksamkeit abhängig von Wirt, Produkt, Anwendungstermin und Befallsdruck. Sie können eine gute Kulturführung unterstützen, ersetzen aber weder Drainage noch Hygiene und sollten nur entsprechend der jeweiligen Zulassung beziehungsweise Genehmigung eingesetzt werden.
Vorbeugung
- Nur gesundes, möglichst zertifiziertes oder nachweislich pathogenarmes Pflanzgut verwenden.
- Erdbeeren auf gut drainierten Dämmen oder Hochbeeten anbauen; schwere Böden strukturverbessernd und standortgerecht bearbeiten.
- Überflutung und Staunässe vermeiden und Bewässerung so steuern, dass der Boden nicht dauerhaft wassergesättigt bleibt.
- Bei Erdbeeren Tropf- oder bodennahe Bewässerung bevorzugen, Spritzwasser reduzieren und Früchte mit sauberem Stroh oder geeigneten Mulchmaterialien vom Boden fernhalten.
- Kranke Pflanzen samt Wurzelbereich entfernen; nicht auf den Kompost geben, wenn eine sichere Heißrotte nicht gewährleistet ist.
- Erde von Geräten, Schuhen und Kisten entfernen und Werkzeuge zwischen Pflanzenbeständen reinigen.
- Bei Gehölzen Verletzungen am Stammfuß vermeiden, Rindenkontakt mit dauerhaft nassem Mulch verhindern und keine Erde an den Wurzelhals anhäufen.
- Bei wiederholtem Auftreten gefährdete Flächen nicht sofort erneut mit derselben Wirtspflanze bepflanzen.
Wissenswertes
- Der Name Phytophthora bedeutet sinngemäß „Pflanzenzerstörer“; taxonomisch gehört die Gruppe jedoch zu den Oomyceten und nicht zu den echten Pilzen.
- Ein und dieselbe Art kann je nach Wirt sehr unterschiedliche Krankheiten verursachen: Lederfäule an Erdbeerfrüchten, Rhizomfäule, Kragenfäule an Apfel oder Rinden- und Triebschäden an Zier- und Forstgehölzen.
- Die beweglichen Zoosporen benötigen Wasser für ihre aktive Ausbreitung. Deshalb ist die Verbesserung der Drainage oft wirksamer als eine nachträgliche Behandlung bereits zerstörter Wurzeln.
- Ein sichtbarer Befall beweist nicht automatisch die Beteiligung von P. cactorum; eine Laboruntersuchung ist für die Artbestimmung und die Abgrenzung zu anderen Phytophthora-Arten häufig erforderlich.
Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn ein Produkt in Deutschland für genau diese Kultur und dieses Schadproblem aktuell rechtlich zugelassen oder genehmigt ist. Maßgeblich sind das amtliche Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis und stets die aktuelle Gebrauchsanleitung des Produkts; Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Abstandsauflagen und Gewässerschutzvorgaben sind strikt einzuhalten. Eine pauschale Fungizid- oder Phosphonat-Empfehlung ist wegen unterschiedlicher Zulassungen, Resistenzeigenschaften und der oft begrenzten Wirkung bei bereits infiziertem Gewebe nicht seriös.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Feldahorn (Acer campestre) – PflegeAcer campestre
Zimt-Ahorn (Acer griseum) – PflegeAcer griseum
Japanischer Ahorn (Acer japonicum) – PflegeAcer japonicum
Eschen-Ahorn (Acer negundo) – PflegeAcer negundo
Fächer-Ahorn (Acer palmatum) – PflegeAcer palmatum
Spitzahorn (Acer platanoides) – PflegeAcer platanoides
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) – PflegeAcer pseudoplatanus
Rot-Ahorn (Acer rubrum) – PflegeAcer rubrum
Silber-Ahorn (Acer saccharinum) – PflegeAcer saccharinum
Zucker-Ahorn (Acer saccharum) – PflegeAcer saccharum
Tatarischer Steppen-ahorn (Acer tataricum) – PflegeAcer tataricum
Feuer-Ahorn (Acer tataricum ginnala) – PflegeAcer tataricum ginnala
Quelle: