Schwarze Ölbaumschildlaus
Saissetia oleae (Olivier)Schwarze Ölbaumschildlaus – Kurzüberblick
Die Schwarze Ölbaumschildlaus (Saissetia oleae) ist eine wärmeliebende Napfschildlaus, die vor allem Oliven, Zitruspflanzen und verschiedene Ziergehölze befällt. Die sessilen Weibchen saugen Pflanzensaft an Blättern und Zweigen aus und scheiden Honigtau aus. Dadurch entstehen klebrige Beläge, Rußtau und bei starkem Befall Wuchsdepressionen bis hin zu Triebsterben.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Schwarze Ölbaumschildlaus gehört zu den weichen Schildläusen. Adulte Weibchen sitzen meist unbeweglich an Zweigen, Blattstielen oder Blattunterseiten und sind durch eine gewölbte, wachsartige Körperhülle geschützt. Junge Larven sind zunächst beweglich und werden als „Crawler“ verbreitet.
Der direkte Schaden entsteht durch kontinuierliches Saugen von Pflanzensaft. Bei stärkerem Befall kommen Honigtau, Rußtau, Ameisenbesuch, Blattvergilbung, Wachstumshemmung und gegebenenfalls Zweig- oder Triebsterben hinzu. Die Art ist in Europa vor allem in wärmeren Regionen etabliert; in Deutschland ist sie bei Freiland-Oliven weniger typisch als bei geschützten Pflanzen.
Symptome und Erkennung
Typische Hinweise sind:
- halbkugelige, dunkelbraune bis schwarze Schildläuse von wenigen Millimetern Größe an Zweigen, Blattstielen oder Blattunterseiten;
- klebriger Honigtau auf Blättern, Früchten, Unterpflanzen oder Gewächshausflächen;
- schwarzer, abwischbarer Rußtau auf honigtauverschmutzten Blättern;
- Vergilbung, Blattfall, schwacher Neuaustrieb und bei starkem Befall Trieb- oder Zweigsterben;
- Ameisen, die den Honigtau aufsuchen und Schildläuse gegenüber natürlichen Feinden schützen können.
Einzelne dunkle Erhebungen sind nicht immer eindeutig; für die Bestimmung sollten Größe, Körperform, Wirtspflanze und das Auftreten von Honigtau gemeinsam beurteilt werden.
Ursachen und Ausbreitung
Die Verbreitung erfolgt hauptsächlich über befallene Jungpflanzen, Kübelpflanzen, Stecklinge und Schnittgut. Die frisch geschlüpften Crawler bewegen sich aktiv über Blätter und junge Triebe; zusätzlich können sie durch direkten Pflanzenkontakt, Werkzeuge oder Luftbewegung verschleppt werden. Erwachsene Weibchen sind dagegen weitgehend sessil.
Dichte Kronen, enger Pflanzenabstand, übermäßige Stickstoffversorgung und geschützte warme Standorte begünstigen die Entwicklung. In Gewächshaus und Winterquartier kann die Art länger aktiv bleiben als im deutschen Freiland.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Weibchen legen die Eier unter ihrem verhärtenden Körper ab und schützen sie dadurch. Je nach Temperatur schlüpfen die Larven innerhalb von etwa zwei bis sechs Wochen. Das erste Larvenstadium ist beweglich; nach der Ansiedlung saugen die Larven an Blättern, jungen Trieben oder Früchten und durchlaufen mehrere Entwicklungsstadien.
Nach zwei Häutungen entstehen ältere Nymphen und anschließend adulte Weibchen, die meist an verholzende Pflanzenteile wechseln. Je nach Klima und Wirt sind eine oder zwei Generationen pro Jahr möglich; in besonders günstigen Regionen wurden auch mehr Generationen beobachtet. In Deutschland ist der Entwicklungsverlauf stark vom Mikroklima und von der Überwinterung im geschützten Raum abhängig.
Behandlung und Bekämpfung
Bei frühem Befall können einzelne Weibchen und Eipakete mechanisch mit einem feuchten Tuch, einer weichen Bürste oder vorsichtig mit einem geeigneten stumpfen Werkzeug entfernt werden. Stark besiedelte Zweige sollten zurückgeschnitten und im Hausmüll entsorgt werden, nicht auf dem Kompost.
Eine Behandlung ist besonders gegen die beweglichen Crawler wirksam, weil adulte Tiere durch ihre wachsartige Hülle und die unter dem Körper geschützten Eier schwer erreichbar sind. Deshalb sollten Pflanzen über mehrere Wochen kontrolliert und Maßnahmen zum passenden Entwicklungszeitpunkt wiederholt werden. Bei Kübelpflanzen ist eine gründliche Reinigung der Blätter und Zweige sinnvoll, sofern die Pflanze dies verträgt.
Bei wertvollen oder stark befallenen Pflanzen kann eine Beratung durch den Pflanzenschutzdienst oder eine fachkundige Baumschule angezeigt sein. Die Verträglichkeit jeder Maßnahme ist zunächst an wenigen Blättern zu prüfen.
Schonende und biologische Bekämpfung
Die integrierte, möglichst nicht-chemische Regulierung setzt auf frühe Erkennung, mechanische Entfernung, Auslichten und die Förderung natürlicher Gegenspieler. In geeigneten Kulturen können parasitische Schlupfwespen der Gattungen Coccophagus und Metaphycus sowie räuberische Marienkäfer wie Chilocorus bipustulatus zur natürlichen Kontrolle beitragen. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch von Temperatur, Kulturführung, Befallsstärke und dem verfügbaren Nützlingssystem ab.
Breit wirkende Insektizide sollten vermieden werden, wenn sie Nützlinge und die natürliche Regulation beeinträchtigen. Bei der Anwendung von Kaliseifen- oder Ölpräparaten sind Pflanzenverträglichkeit, Temperatur, Sonneneinstrahlung und die konkrete Zulassung entscheidend; junge Blätter und empfindliche Zitrus- oder Zierpflanzen können geschädigt werden.
Vorbeugung
Vorbeugung beginnt mit einer sorgfältigen Eingangskontrolle. Neue Oliven-, Zitrus- und andere Kübelpflanzen sollten mehrere Wochen getrennt von vorhandenen Pflanzen stehen und regelmäßig an Blattunterseiten, Blattstielen und Zweigen kontrolliert werden.
- Befallene Pflanzenteile frühzeitig ausschneiden und sicher entsorgen;
- Werkzeuge nach dem Schnitt reinigen;
- die Krone durch maßvollen Schnitt auslichten, ohne die Pflanze unnötig zu schwächen;
- Überdüngung, besonders mit Stickstoff, vermeiden;
- Pflanzen nicht dauerhaft zu dicht stellen und für gute Luftbewegung sorgen;
- Ameisen auf der Pflanze reduzieren, weil sie Schildläuse gegen Parasitoide und Räuber abschirmen können;
- im Winterquartier regelmäßig kontrollieren und stark befallene Pflanzen getrennt halten.
Wissenswertes
- Die Art wird im Deutschen auch als Schwarze Ölbaumschildlaus bezeichnet; international existieren mehrere Bezeichnungen wie black scale oder Mediterranean black scale.
- Die Weibchen können mehrere hundert bis über 2.000 Eier unter ihrem Körper schützen.
- Honigtau ist kein Pflanzengewebe, sondern eine zuckerhaltige Ausscheidung der saugenden Schildläuse.
- Der darauf wachsende Rußtau dringt meist nicht tief in das Blatt ein, kann aber die Lichtaufnahme und damit die Photosynthese beeinträchtigen.
- In Europa werden verschiedene Parasitoide und Marienkäfer als natürliche Gegenspieler beziehungsweise biologische Bekämpfungsorganismen genutzt.
Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die betreffende Kultur und den konkreten Schaderreger beziehungsweise Anwendungszweck aktuell zugelassen oder genehmigt sind. Vor jeder Anwendung das amtliche BVL-Zulassungsregister und das aktuelle Etikett prüfen; Aufwandmenge, Wartezeit, Anwendungsbedingungen, Bienenschutz und sonstige Auflagen genau einhalten. Kein Mittel gegen erwachsene Schildläuse oder Eier pauschal als wirksam ansehen.
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