Bekreuzter TraubenwicklerQuelle: Wikimedia CommonsNordisk familjebok, https://runeberg.org/nfcj/insekt1.jpgPublic domain
Schädling

Bekreuzter Traubenwickler

Lobesia botrana (Denis & Schiffermüller)
Kurzüberblick

Bekreuzter Traubenwickler – Kurzüberblick

Der Bekreuzte Traubenwickler (Lobesia botrana) ist ein Wickler, dessen Larven zunächst Blüten und später Weinbeeren befallen. Gespinste, Fraßlöcher und ausgehöhlte Beeren erhöhen besonders vor der Reife das Risiko für Botrytis und andere Fruchtfäulen. In Deutschland sind meist zwei Generationen relevant; eine sichere Bekämpfung basiert auf Pheromonmonitoring, Bestandskontrolle und integrierten Maßnahmen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlütenstände, Gescheine, junge und reifende Weinbeeren sowie gelegentlich Blätter und Rindenspalten als Verpuppungsorte.
Begünstigende BedingungenWarme, trockene bis mäßig trockene Witterung, geschützte Weinlagen, dichte Trauben und ein unübersichtlicher Bestand begünstigen die Entwicklung und erschweren die Kontrolle. In Deutschland sind meist zwei Generationen möglich; in wärmeren Regionen können mehr Generationen auftreten.
Pflanzendoktor

Überblick

Der Bekreuzte Traubenwickler ist in Deutschland vor allem im Weinbau relevant. Die erwachsenen Falter sind klein und unauffällig gemustert; eine sichere Artbestimmung anhand einzelner Larven ist schwierig und sollte bei unklaren Funden fachlich überprüft werden. Die wirtschaftlich wichtigste Wirtspflanze ist die Weinrebe (Vitis vinifera).

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Symptome und Erkennung

Die Larven der ersten Generation bohren sich in Blütenstände ein, fressen Blüten und junge Fruchtanlagen und verbinden Pflanzenteile mit feinem Gespinst. Später werden einzelne Beeren angesponnen, oberflächlich benagt oder durch Einbohren ausgehöhlt.

Befallene Beeren können schrumpfen, vorzeitig reifen, braun werden oder aufplatzen. Verletzte Trauben sind deutlich anfälliger für Grauschimmel (Botrytis cinerea), Essigfäule und weitere Sekundärfäulen. Gespinste und Larven in der Traube sind diagnostisch hilfreicher als einzelne Fraßstellen.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Ausbreitung erfolgt durch den Flug erwachsener Falter und die Eiablage an geeigneten Blütenständen und Beeren. Dichte, schlecht durchlüftete Trauben erleichtern das Anspinnen und schützen die Larven. Nicht entfernte Befallsreste sowie geschützte Überwinterungsplätze an Reben, Pfählen und Rinden können den lokalen Befallsdruck erhöhen.

Wärmere Weinlagen und anhaltend günstige Temperaturen fördern schnellere Entwicklung und gegebenenfalls eine zusätzliche Generation. Nebenwirte in der Umgebung können lokal als Entwicklungs- oder Rückzugsorte dienen, sind jedoch nicht automatisch gleich bedeutend wie die Weinrebe.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Art überwintert überwiegend als Puppe in einem Gespinst unter Rinde, in Rindenspalten, an Pfählen oder in trockenem Pflanzenmaterial. Im Frühjahr schlüpfen die Falter; der Flug beginnt in Deutschland typischerweise ab dem Frühjahr und kann sich über mehrere Wochen erstrecken.

Die dämmerungs- und nachtaktiven Falter paaren sich, anschließend werden die Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an Blütenstände beziehungsweise später an Beeren abgelegt. Die Larven durchlaufen mehrere Stadien. Die erste Generation ist überwiegend blütenfressend, die folgenden Generationen beerenfressend. Nach der Larvenentwicklung erfolgt die Verpuppung in Gespinsten an der Rebe oder in geschützten Rindenbereichen. Temperatur, Tageslänge und Mikroklima bestimmen Entwicklungsdauer und Generationszahl.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei festgestelltem Befall zunächst Befallsstärke und Larvenstadium prüfen. Junge Larven sind am ehesten erreichbar; Larven, die bereits in Blütenständen oder Beeren sitzen, werden durch Maßnahmen deutlich schlechter erfasst. Stark befallene Trauben im Hausgarten vollständig entfernen, bevor sich Fäulnis ausbreitet.

Im Erwerbsanbau sollten Behandlungen nur nach Befallsüberwachung, regionalem Warndienst und zugelassener Indikation erfolgen. Wirkstoffgruppen nicht unnötig wiederholen, um Resistenzentwicklung zu begrenzen. Gegen Fäulnis geschädigte Trauben konsequent auslichten und die Traubenzone trocken sowie luftig halten. Eine Verwechslung mit dem Einbindigen Traubenwickler (Eupoecilia ambiguella) ist möglich; bei abweichendem Schadbild oder unsicherer Diagnose sollte eine Fachberatung oder Laborbestimmung einbezogen werden.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im Hausgarten und im ökologischen Weinbau sollte die Bekämpfung mit Monitoring und Kulturmaßnahmen beginnen. Pheromonfallen zeigen den Flugverlauf und helfen, Eiablage- und Larvenphasen besser zu beurteilen. Befallene Gescheine und Trauben können bei geringem Befall vollständig entfernt und über den Hausmüll entsorgt werden.

Bacillus thuringiensis-Präparate können gegen junge Raupen eingesetzt werden, sofern das konkrete Produkt in Deutschland für Weinreben und den betreffenden Schaderreger zugelassen ist. Die Wirkung ist stadienabhängig und bei bereits tief in Beeren sitzenden Larven begrenzt. In geeigneten Weinbausituationen kann die Verwirrmethode mit artspezifischen Pheromondispensern eingesetzt werden; sie ist besonders bei ausreichend großen, zusammenhängenden Flächen wirksam und muss nach Zulassung, Flächengröße und Herstellerangaben geplant werden.

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Vorbeugung

  • Ab Austrieb Pheromonfallen nach regionaler Beratung oder amtlichen Warndiensten kontrollieren und den Flug dokumentieren.
  • Traubenzone gezielt beobachten; Gespinste, Larven, angebohrte Beeren und beginnende Fäulnis früh erfassen.
  • Eine lockere, gut durchlüftete Laubwand und möglichst gleichmäßig aufgebaute Trauben fördern die Kontrolle und vermindern Folgefäulen.
  • Befallene Trauben, Fruchtmumien und Schnittreste aus dem Bestand entfernen; Überwinterungsplätze an Pfählen und alter Borke bei der Bestandspflege berücksichtigen.
  • In Weinbaugebieten regionale Rebschutz-Warndienste beachten, da Flugbeginn, Generationenzahl und Behandlungszeitpunkt standortabhängig sind.
  • Breit wirkende, nicht notwendige Insektizide vermeiden, um Schlupfwespen, Raubwanzen und andere natürliche Gegenspieler zu schonen.
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Wissenswertes

  • Der wissenschaftliche Name wird in älterer Literatur teilweise mit früheren Gattungsnamen wie Polychrosis botrana in Verbindung gebracht.
  • Weinreben sind der wichtigste landwirtschaftliche Wirt; die dokumentierte Nebenwirtspflanzenliste ist deutlich breiter, ihre praktische Schadensbedeutung aber nicht überall gleich.
  • Die Larven selbst lassen sich morphologisch nicht immer sicher von verwandten Wicklerarten unterscheiden.
  • Gespinste und Beerenverletzungen schaffen Eintrittspforten für Fäulniserreger und können dadurch größere Qualitätsverluste verursachen als der reine Primärfraß.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und diesen Schaderreger zugelassen sind. Maßgeblich ist stets die aktuelle Gebrauchsanleitung beziehungsweise das amtliche BVL-Zulassungsregister. Aufwandmenge, Wartezeit, Anwendungsbestimmungen, Bienenschutz und Resistenzmanagement genau einhalten; keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation.