Apfelrost
Krankheit

Apfelrost

Gymnosporangium juniperi-virginianae Schwein.
Kurzüberblick

Apfelrost – Kurzüberblick

Apfelrost wird durch den Rostpilz Gymnosporangium juniperi-virginianae verursacht und benötigt für seinen vollständigen Entwicklungszyklus zwei verschiedene Wirtspflanzen: einen Wacholder und einen Apfel beziehungsweise Zierapfel. Typisch sind gallartige Verdickungen mit orangefarbenen, gallertartigen Sporenlagern am Wacholder sowie leuchtend gelb-orange Blattflecken und gelegentliche Fruchtschäden am Apfel.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileApfelblätter, Blattunterseiten, junge Früchte und gelegentlich junge Triebe; am Wacholder vor allem junge Zweige mit mehrjährigen Gallen.
Begünstigende BedingungenMilde, feuchte Frühjahre, häufige Niederschläge, lange Blattnässe, dichter Kronenaufbau und ein anfälliger Wacholder- sowie Malus-Wirt in der näheren Umgebung.
Pflanzendoktor

Überblick

Gymnosporangium juniperi-virginianae verursacht den sogenannten Apfelrost, international auch Zedern-Apfel-Rost genannt. Der Pilz wechselt zwischen einem Wacholderwirt und einem Rosengewächs, typischerweise einem Apfel oder Zierapfel. Die Erkrankung kann Blätter, junge Früchte und gelegentlich Triebe befallen. Bei starkem Befall sind Blattfall, vermindertes Wachstum und Qualitätsverluste möglich; einzelne befallene Pflanzen werden gewöhnlich nicht unmittelbar gefährdet.

Der Erreger ist nicht mit dem in Deutschland häufig bekannten Birnengitterrost Gymnosporangium sabinae gleichzusetzen. Eine sichere Bestimmung allein anhand orangefarbener Symptome ist daher nicht immer möglich.

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Symptome und Erkennung

Am Apfel und Zierapfel:

  • Zunächst kleine gelbgrüne, später leuchtend gelb-orange bis rötlich umrandete Flecken auf der Blattoberseite.
  • Auf der Blattunterseite entstehen einige Wochen später hell gefärbte, becher- oder zungenförmige Aecien mit fransigem Rand.
  • Junge Früchte können orange Flecken, Verkorkungen, Risse oder Verformungen entwickeln; der Fruchtansatz kann vorzeitig abfallen.
  • Bei starkem Befall ist vorzeitiger Blattfall möglich.

Am Wacholder: braune, rundliche bis gallartige Verdickungen an jungen Zweigen. Bei feuchter Frühjahrswitterung quellen sie auf und bilden auffällige orangefarbene, gallertartige Sporenhörner.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Pilz überwintert in mehrjährigen Gallen an anfälligen Wacholdern. Regen im Frühjahr aktiviert die gallertartigen Telien; die dabei freigesetzten Sporen werden durch Wind und Spritzwasser zu empfänglichen Apfelblättern getragen. Für die Infektion ist eine längere Blattnässe erforderlich, besonders bei mildem, regnerischem Wetter nach dem Austrieb und nach der Blüte.

Auf dem Apfel entstehen weitere Sporenformen, die wiederum Wacholder infizieren. Deshalb können beide Wirtgruppen auch dann miteinander verbunden sein, wenn sie nicht unmittelbar im selben Garten stehen. Je nach Wind, Gelände und Witterung sind mehrere Kilometer möglich; eine genaue Schutzdistanz lässt sich für Deutschland nicht pauschal festlegen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Erreger ist heterözisch: Er benötigt zwei nicht verwandte Wirtgruppen. Die Gallen am Wacholder werden über längere Zeit gebildet und überwintern. Im feuchten Frühjahr erscheinen orangefarbene Telien und setzen Basidiosporen frei, die Apfel- oder Zierapfelblätter infizieren. Nach der Blattinfektion entstehen zunächst Spermogonien und später Aecien an der Blattunterseite beziehungsweise an jungen Früchten. Die Aeciosporen werden erneut zum Wacholder getragen, wo sich im Verlauf der Vegetationsperiode neue Gallen entwickeln.

Der Entwicklungszyklus ist daher nicht in jeder Saison vollständig am selben Einzelbaum sichtbar. Trockene Frühjahre bremsen die Sporenfreisetzung und Infektion, wiederholte Regenperioden fördern sie.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei einzelnen Haus- und Kleingartenbäumen steht die Entfernung der Gallen beziehungsweise befallener Zweige im Vordergrund. Stark geschädigte Blätter regenerieren nicht; entscheidend ist deshalb der Schutz des Neuaustriebs in den folgenden Jahren. Befallene Früchte können meist entfernt und verwendet werden, sofern sie nicht stark verformt oder sekundär verfault sind.

Im Erwerbs- und intensiven Obstbau kann eine gezielte Fungizidstrategie erforderlich sein. Sie muss sich an der tatsächlichen Diagnose, der Witterung, der Empfindlichkeit der Sorte und der regionalen Warndienstberatung orientieren. In Deutschland sind ausschließlich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für die konkrete Kultur und Anwendung zu verwenden; die jeweils gültige Kennzeichnung und Gebrauchsanweisung ist maßgeblich.

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Schonende und biologische Bekämpfung

  • Resistente oder wenig anfällige Malus-Sorten pflanzen; Sortenresistenz ist meist wirksamer als nachträgliche Maßnahmen.
  • Gallen an Wacholdern vor dem ersten feuchten Frühjahrswetter ausschneiden und aus dem Bestand entfernen.
  • Für eine luftige, schnell abtrocknende Apfelkrone sorgen und unnötige Bewässerung über das Laub vermeiden.
  • Erkrankte Blätter, Früchte und Schnittreste konsequent aus dem Garten entfernen.
  • Biologische oder im ökologischen Anbau zulässige Präparate nur einsetzen, wenn sie in Deutschland für die betreffende Kultur und Krankheit aktuell zugelassen beziehungsweise genehmigt sind. Auch natürliche Wirkstoffe sind nicht automatisch wirksam oder rechtlich verwendbar.
  • Bei hohem wirtschaftlichem Wert eine Beratung durch amtliche Pflanzenschutzdienste, Obstbauberatung oder ein anerkanntes Diagnoselabor einbeziehen.
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Vorbeugung

  • Beim Pflanzen möglichst resistente oder wenig anfällige Apfel- und Zierapfelsorten bevorzugen.
  • Anfällige Wacholder nicht unmittelbar neben wertvollen Apfelbäumen pflanzen; insbesondere dokumentierte Wirte wie Juniperus virginiana und J. scopulorum berücksichtigen.
  • Wacholder im Spätwinter kontrollieren und befallene Zweige mit Gallen deutlich unterhalb der Galle ausschneiden, bevor sich bei Frühlingsregen die orangefarbenen Sporenlager öffnen.
  • Befallenes Schnittgut nicht im Garten kompostieren; über den Hausmüll oder nach örtlichen Vorgaben entsorgen.
  • Apfelkronen regelmäßig auslichten, damit Blätter rascher abtrocknen. Schnitt nur bei trockener Witterung und mit sauberem, scharfem Werkzeug durchführen.
  • Falllaub und stark befallene Früchte entfernen. Diese Maßnahme unterbricht den Zyklus nicht vollständig, reduziert aber die Krankheitslast und verbessert die Kontrolle.
  • Bei wiederkehrendem Befall die Wirtspflanzen im Umfeld fachlich bestimmen lassen, da ähnliche Symptome durch andere Gymnosporangium-Arten entstehen können.
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Wissenswertes

  • Der Pilz gehört zu den Rostpilzen und benötigt zwei botanisch weit voneinander entfernte Wirtgattungen.
  • Die orangefarbenen, gallertartigen Hörner am Wacholder erscheinen vor allem nach Regen und können bei erneutem Befeuchten mehrmals Sporen freisetzen.
  • Die auffälligen Apfelflecken entstehen nicht durch Rostpartikel im umgangssprachlichen Sinn, sondern durch mehrere spezialisierte Sporen- und Fruchtkörperstadien des Rostpilzes.
  • Die genaue Wirtspflanzenbindung ist regional unterschiedlich dokumentiert. Für die sichere Diagnose müssen Apfelrost, Birnengitterrost, Weißdornrost und Quittenrost voneinander unterschieden werden.
  • Der wissenschaftliche Artname verweist auf den Wacholderwirt Juniperus virginiana, den Virginischen Wacholder.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Keine pauschale Spritzfolge verwenden. Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn sie für die konkrete Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung die aktuelle BVL-Zulassung, die Gebrauchsanweisung, Wartezeiten, Auflagen zum Anwenderschutz und die Abstandsauflagen für Gewässer prüfen. Etikett und aktuelle amtliche Beratung sind verbindlich.