RRV-VektormilbeQuelle: Wikimedia CommonsPhoto by Electron and Confocal Microscopy Unit, USDA Agricultural Research Service.Public domain
Schädling

RRV-Vektormilbe

Phyllocoptes fructiphilus Keifer
Kurzüberblick

RRV-Vektormilbe – Kurzüberblick

Phyllocoptes fructiphilus ist eine nur etwa 0,14–0,17 mm große Gallmilbe aus Nordamerika. Sie besiedelt vor allem junge Triebe, Knospen und geschützte Blattbasen von Rosen und kann das Rose-Rosette-Virus übertragen. In Deutschland steht der Vektor im pflanzengesundheitlichen Fokus; bei Verdacht sind Rosenbestände, Importpflanzen und die zuständigen Pflanzenschutzstellen besonders sorgfältig einzubeziehen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileKnospen, junge Triebspitzen, Blattbasen, Nebenblätter, Blattstiele und geschützte Rindenritzen von Rosen.
Begünstigende BedingungenWarme Vegetationsperioden mit viel jungem Rosentriebwachstum; dichte, eng stehende Rosenbestände und benachbarte Wildrosen erleichtern die Ausbreitung. Sehr trockene Bedingungen können die Milbenpopulation begrenzen, schließen Befall aber nicht aus.
Pflanzendoktor

Überblick

Phyllocoptes fructiphilus ist eine Eriophyiden- oder Gallmilbe (Eriophyidae), die überwiegend Rosen besiedelt. Die Tiere sind etwa 0,14–0,17 mm lang, wurmförmig und ohne Lupe oder Mikroskop kaum erkennbar. Sie sitzen bevorzugt an Knospen, unter Blattstielen und Nebenblättern sowie in geschützten Bereichen junger Triebe.

Ihre größte pflanzenschutzliche Bedeutung liegt in der Übertragung des Rose-Rosette-Virus. Die auffälligen Hexenbesen, Rotfärbungen und Triebmissbildungen werden daher nicht durch die Milbe allein, sondern durch die von ihr verbreitete Viruskrankheit verursacht. Eine sichere Zuordnung der Milbenart ist anhand von Rosensymptomen allein nicht möglich.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

Ein direkter Befall mit wenigen Milben bleibt meist unsichtbar. Bei stärkerer Besiedlung oder nach Virusübertragung können an Rosen folgende Symptome auftreten:

  • büschelige, rosettenartige Kurztriebe oder „Hexenbesen“;
  • ungewöhnlich lange, verdickte oder sukkulente junge Triebe;
  • rötliche, verengte, gekräuselte oder stark deformierte Blätter;
  • verzögerte, verformte oder ausbleibende Knospen- und Blütenentwicklung;
  • übermäßige Stachelbildung und zahlreiche Seitentriebe;
  • bei fortschreitender Rose-Rosette-Krankheit Kümmerwuchs, Triebsterben und schließlich Absterben der Pflanze.

Diese Symptome sind nicht beweisend: Herbizidschäden, genetische Mutationen, Frost, Nährstoff- oder andere Milbenprobleme können ähnlich aussehen.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Milbe nimmt das Rose-Rosette-Virus beim Saugen an infizierten Rosen auf und kann es anschließend auf gesunde Rosen übertragen. Besonders riskant sind dicht stehende Rosen, stark befallene Wildrosen in der Umgebung und Pflanzenmaterial aus nicht kontrollierter Herkunft.

Die Ausbreitung erfolgt wahrscheinlich vor allem durch Windverfrachtung der winzigen Milben. Zusätzlich kommen infizierte oder befallene Pflanzen zum Anpflanzen, Schnittrosen, Veredelungsmaterial, Werkzeuge, Kleidung und der Transport von Pflanzen in Betracht. Eine Übertragung durch Samen gilt nicht als typischer Weg; mechanische und veredelungsbedingte Übertragung des Virus können jedoch eine Rolle spielen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Im Freiland können sich von Frühjahr bis Herbst Eier, Larven, Nymphen und erwachsene Milben entwickeln. Unter günstigen Bedingungen dauert die Entwicklung vom Ei bis zum Adultstadium ungefähr 5–14 Tage. Im Frühjahr wandern überwinternde Weibchen aus geschützten Knospen- und Rindenbereichen auf den frischen Austrieb und legen dort Eier.

Die Populationsdichte nimmt meist im Frühjahr und Sommer zu und kann im Herbst, wenn erneut zarte Triebe entstehen, besonders hoch sein. Im Spätherbst werden überwinternde Weibchen gebildet. Die Verfrachtung zwischen Pflanzen erfolgt wahrscheinlich überwiegend mit Luftströmungen; zusätzlich sind befallene Pflanzen, Schnittgut, Kleidung, Werkzeuge und Veredelungsmaterial wichtige Verschleppungswege.

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Behandlung und Bekämpfung

Gegen eine bereits mit Rose-Rosette-Virus infizierte Rose gibt es keine kurative Behandlung. Bei typischen Symptomen sollte die Diagnose fachlich abgesichert werden, weil auch Herbizidschäden, Frost, Mutationen und andere Milben ähnliche Bilder verursachen können.

Bei bestätigtem Befall ist die vollständige Entfernung der betroffenen Rose einschließlich möglichst vieler Wurzeln die wichtigste Maßnahme. Die Pflanze sollte vor dem Herausnehmen mit einem Sack oder einer Plane abgedeckt und anschließend verschlossen entsorgt werden, damit Milben nicht auf benachbarte Rosen gelangen. Nicht häckseln und nicht kompostieren. Nacharbeiten an Werkzeugen und Kontrolle der umliegenden Rosen sind zwingend. Ein Austausch am selben Standort sollte erst nach gründlicher Entfernung von Pflanzenresten und erneuter Kontrolle erfolgen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Eine wirksame biologische oder „ökologische“ Heilung einer virusinfizierten Rose ist nicht bekannt. Im integrierten Gartenbau stehen deshalb Vorbeugung, Hygiene und die Unterbrechung der Übertragung im Vordergrund:

  • Rosen regelmäßig während der Vegetationsperiode kontrollieren, besonders junge Triebe und Knospen;
  • verdächtige Pflanzen nicht weiter vermehren, veredeln oder als Stecklingsquelle verwenden;
  • bei bestätigter oder stark begründeter Rose-Rosette-Vermutung die gesamte Pflanze möglichst im verschlossenen Sack ausgraben und über den Restmüll beziehungsweise nach örtlicher Vorgabe entsorgen; nicht kompostieren;
  • Wurzelreste soweit praktisch möglich entfernen, da eine Weitergabe über Kontakt oder Veredelungsbereiche nicht ausgeschlossen werden sollte;
  • Werkzeuge nach Arbeiten an verdächtigen Rosen reinigen und desinfizieren;
  • Rückschnitt allein nur als kurzfristige Maßnahme betrachten, weil Virus und Milben im übrigen Pflanzenkörper verbleiben können;
  • natürliche Gegenspieler wie Raubmilben schonen und breit wirkende, nicht notwendige Behandlungen vermeiden.
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Vorbeugung

Für deutsche Gärten und Baumschulen ist vorbeugende Pflanzenhygiene wichtiger als eine routinemäßige Spritzstrategie:

  • Rosen nur aus vertrauenswürdigen, kontrollierten Quellen beziehen und Pflanzen bei Eingang auf deformierten Austrieb, Rotfärbung und ungewöhnliche Triebverzweigung prüfen;
  • Rosen mit Abstand pflanzen, sodass sich Triebe nicht dauerhaft berühren und die Bestände gut kontrollierbar bleiben;
  • Wildrosen, insbesondere Rosa multiflora, in unmittelbarer Nähe regelmäßig kontrollieren und verdächtige Bestände fachgerecht entfernen;
  • keine Stecklinge oder Edelreiser von symptomatischen oder ungeklärten Pflanzen nehmen;
  • Scheren und Sägen nach jedem verdächtigen Bestand reinigen und desinfizieren;
  • bei gewerblichen Beständen die pflanzengesundheitlichen Vorgaben, Pflanzenpassanforderungen und Melde- beziehungsweise Abstimmungspflichten des zuständigen deutschen Pflanzenschutzdienstes beachten;
  • Verdachtsproben nicht unkontrolliert versenden, sondern die zuständige Behörde oder eine geeignete Diagnosestelle vorab kontaktieren.
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Wissenswertes

  • Die Art wird im Deutschen häufig sachlich als RRV-Vektormilbe bezeichnet; ein einheitlicher volkstümlicher Name ist nicht etabliert.
  • Als dokumentierte Wirte gelten Rosen der Gattung Rosa, darunter insbesondere Rosa woodsii und Rosa multiflora.
  • Rosa multiflora kann als Wild- und Verbreitungsreservoir für Rose-Rosette-Virus und Vektor eine besondere epidemiologische Bedeutung haben.
  • Die Milbe ist so klein, dass eine scheinbar unbefallene Pflanze nicht sicher frei von ihr ist.
  • Neben P. fructiphilus wurde auch Phyllocoptes arcani als Überträger des Rose-Rosette-Virus beschrieben; deshalb darf ein negativer Nachweis dieser einen Art nicht automatisch als Virusfreiheit interpretiert werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

In Deutschland und der EU dürfen ausschließlich Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die für die betreffende Kultur und den konkreten Schaderreger aktuell zugelassen sind. Maßgeblich ist stets die aktuelle Gebrauchsanleitung beziehungsweise das amtliche Verzeichnis zugelassener Pflanzenschutzmittel. Gegen eine virusübertragende Gallmilbe ersetzt eine Behandlung weder die Entfernung infizierter Pflanzen noch die Hygiene- und Quarantänemaßnahmen.