Schwarzbeinigkeit des GetreidesQuelle: Wikimedia CommonsElizabeth Bush, Virginia Polytechnic Institute and State University, Bugwood.orgCC BY 3.0 us
Krankheit

Schwarzbeinigkeit des Getreides

Gaeumannomyces graminis-Komplex; historisch Gaeumannomyces graminis (Sacc.) Arx & D.L. Olivier, einschließlich früherer Varietäten wie G. graminis var. tritici und G. graminis var. avenae
Kurzüberblick

Schwarzbeinigkeit des Getreides – Kurzüberblick

Die Schwarzbeinigkeit des Getreides ist eine bodenbürtige Pilzkrankheit, die vor allem Wurzeln und Halmbasen von Weizen, Gerste, Roggen und verwandten Gräsern befällt. Befallene Pflanzen bleiben kümmerlich, bilden geschwärzte Wurzeln und können vorzeitig abreifen. Eine sichere Diagnose erfordert die Untersuchung der Wurzeln und Halmbasis, da ähnliche Symptome auch durch andere Wurzelkrankheiten oder Stress entstehen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileFeine Wurzeln, Kronenwurzeln, Halmfuß und Halmbasis; bei starkem Befall zusätzlich die gesamte Pflanze durch gestörkte Wasser- und Nährstoffversorgung.
Begünstigende BedingungenHäufiger Getreideanbau, kurze oder fehlende Fruchtfolge, viele Ausfallgetreide- und Ungraspflanzen, schlecht durchlüftete oder verdichtete Böden sowie trockene Bedingungen während der generativen Entwicklung fördern die Schadwirkung.
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Überblick

Die Schwarzbeinigkeit, international meist take-all genannt, befällt hauptsächlich die unterirdischen Organe von Getreide. Der Pilz besiedelt Wurzeln und die Halmbasis, bildet dunkle Hyphenstränge auf dem Gewebe und beeinträchtigt Wasser- und Nährstoffaufnahme. Besonders relevant ist die Krankheit bei wiederholtem Getreideanbau und in Beständen mit vielen Ausfallgetreide- oder Ungraspflanzen.

Die Bezeichnung Gaeumannomyces graminis ist in älterer Literatur häufig, taxonomisch jedoch nicht immer eindeutig. Die frühere Sammelart wurde in mehrere phylogenetisch unterscheidbare Arten aufgeteilt. Daher sollte eine artspezifische Zuordnung nur auf Grundlage geeigneter Laboruntersuchungen erfolgen.

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Symptome und Erkennung

Unterirdisch zeigen sich zunächst einzelne braune, später dunkelbraune bis schwarze Wurzeln. Die Halmbasis kann außen dunkel verfärbt sein; bei feuchter Witterung sind gelegentlich dunkle Pilzhyphen oder ein schwarzer Belag erkennbar. Befallene Pflanzen bleiben schwach, vergilben oder reifen ungleichmäßig ab.

  • kümmerlicher Wuchs und dünne Bestände
  • verkürzte oder schlecht entwickelte Wurzeln
  • geschwärzte Kronenwurzeln und Halmfüße
  • vorzeitige Notreife und einzelne vollständig weiße Ähren
  • nesterweise Ausfälle, oft verstärkt unter Trockenstress während Schossen und Ährenschieben

Die Symptome können mit Rhizoctonia-, Fusarium- oder Pythium-Wurzelfäulen, Nährstoffmangel, Verdichtungen und Trockenstress verwechselt werden. Für die Diagnose Pflanzen mit Wurzelballen aus dem Übergangsbereich zwischen gesunden und kranken Stellen entnehmen und Wurzeln sowie Halmbasis untersuchen lassen.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Ausbreitung erfolgt vor allem über infizierte Wurzeln und Stoppelreste, befallenen Boden an Maschinen und Geräten sowie über lebende Getreide- und Ungraspflanzen. Enge Getreidefruchtfolgen erhalten die Wirtspflanzen im Bestand und verlängern die Überlebensmöglichkeiten des Erregers.

Das Risiko steigt, wenn Getreide wiederholt angebaut wird, Ausfallgetreide lange stehen bleibt oder Gräser in der Fruchtfolge beziehungsweise an Feldrändern als Reservoir dienen. Trockenheit verursacht nicht zwingend die Infektion, verschärft aber häufig die Symptome und Ertragsverluste.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Erreger überdauert überwiegend als Myzel in infizierten Wurzeln, Stoppelresten und lebenden Gräsern. Von diesen Infektionsquellen wächst er im Boden zu jungen Getreidewurzeln und dringt vor allem über Wurzeloberflächen und die Kronenregion ein. Dunkle Hyphen breiten sich außen auf den Wurzeln und an der Halmbasis aus.

Die sexuelle Fruchtkörperbildung ist im Feld nicht regelmäßig zu beobachten und für die praktische Ausbreitung meist weniger wichtig als infizierte Pflanzenreste, Bodenverlagerung und lebende Gräser. Die Krankheitsstärke hängt stark von Erregersippe, Wirt, Boden, Witterung und Bestandesführung ab. Eine Krankheitspause mit einer Nichtwirtkultur kann die infektiöse Restpopulation vermindern, beseitigt sie aber nicht immer vollständig.

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Behandlung und Bekämpfung

Bereits stark befallene Pflanzen lassen sich während der Vegetation meist nicht kurativ sanieren. Entfernen Sie einzelne stark erkrankte Pflanzen nicht großflächig mit Erde, da dies die Verschleppung fördern kann. Nach der Ernte sollten Erntereste gleichmäßig eingearbeitet oder so geführt werden, dass sie rasch verrotten.

Für Folgekulturen ist eine Anbaupause mit einer geeigneten Nichtwirtkultur sinnvoll. Bei Rasen- oder Ziergrasbeständen können zusätzlich Bodenentwässerung, reduzierte Bodenverdichtung, ausgewogene Düngung und die Verbesserung der Durchwurzelung helfen. Eine genaue Diagnose ist wichtig, bevor Pflanzenbestände umgebrochen oder Pflanzenschutzmaßnahmen erwogen werden.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen und integrierten Anbau steht die Vorbeugung im Vordergrund. Eine ausreichend weite Fruchtfolge mit Nichtwirtkulturen wie Leguminosen, Raps oder Hackfrüchten kann den Infektionsdruck senken; die konkrete Eignung hängt von Erregersippe und Standort ab.

  • Ausfallgetreide und problematische Ungräser möglichst früh beseitigen.
  • Stroh und Erntereste gleichmäßig verteilen und eine zügige Rotte fördern.
  • Bodenverdichtungen vermeiden und Befahrung auf geeignete Bodenfeuchte beschränken.
  • Sauberes Saatgut und hygienische Maschinenführung nutzen, damit kein infizierter Boden verschleppt wird.
  • Für den Standort geeignete, gesunde und möglichst tolerante Sorten wählen.
  • Biologische Präparate oder antagonistische Mikroorganismen nur einsetzen, wenn sie für die konkrete Kultur in Deutschland zugelassen beziehungsweise verkehrsfähig sind und belastbare Versuchsergebnisse für den Standort vorliegen.
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Vorbeugung

Die wirksamste Strategie ist ein integriertes Boden-, Fruchtfolge- und Ungrasmanagement:

  • Getreidefruchtfolge auflockern und geeignete Nichtwirtkulturen einplanen.
  • Ausfallgetreide sowie infizierte Ungräser nicht über längere Zeit im Feld belassen.
  • Verdichtungen, Staunässe und einseitige Bodenbelastung vermeiden.
  • Feldhygiene beachten und Erde von Maschinen vor dem Wechsel in gesunde Schläge entfernen.
  • Sortenwahl, Saattermin und Bestandesdichte an Standort und Wasserangebot anpassen.
  • Bei wiederkehrenden Nestern Boden- und Pflanzenproben untersuchen lassen, bevor eine Fruchtfolgeentscheidung getroffen wird.
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Wissenswertes

  • Der deutsche Name Schwarzbeinigkeit beschreibt die typische dunkle Verfärbung der Halmbasis und Wurzeln.
  • Die historische Sammelbezeichnung Gaeumannomyces graminis umfasst nach heutiger Auffassung mehrere nahe verwandte Arten und Linien.
  • Einige Gaeumannomyces-Arten können Gräser besiedeln, ohne deutlich krankmachend zu wirken; deshalb ist der Nachweis des Pilzes allein nicht immer gleichbedeutend mit einer schweren Erkrankung.
  • Der Schaden wird häufig erst bei Trockenheit sichtbar, weil geschädigte Wurzeln Wasser nicht mehr ausreichend aufnehmen können.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Eine chemische Bekämpfung ist im deutschen Getreidebau nicht als verlässliche Standardlösung anzusehen. Verwenden Sie Pflanzenschutzmittel ausschließlich, wenn sie in Deutschland aktuell für die konkrete Kultur und das konkrete Problem zugelassen sind, und befolgen Sie stets das aktuelle amtliche Etikett beziehungsweise die Gebrauchsanweisung. Zulassungen, Auflagen und Anwendungsbestimmungen können sich ändern.