BirnengitterrostQuelle: Wikimedia CommonsFritz Geller-GrimmCC BY-SA 2.5
Krankheit

Birnengitterrost

Gymnosporangium sabinae
Kurzüberblick

Birnengitterrost – Kurzüberblick

Der Birnengitterrost ist eine wirtswechselnde Rostpilzkrankheit von Birne und bestimmten Wacholderarten. Auf Birnenblättern entstehen ab dem späten Frühjahr auffällige orange- bis orangerote Flecken; später bilden sich auf der Blattunterseite warzenartige Sporenlager mit gitterartig aufreißender Oberfläche. Am Wacholder sind verdickte Triebe und bei feuchtem Frühlingswetter gallertartige Sporenpolster typisch.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Birnenblätter; gelegentlich Früchte und junge Triebe. Am Wacholder überwiegend mehrjährige Triebe und Zweige mit spindelförmigen Verdickungen.
Begünstigende BedingungenFeuchte, niederschlagsreiche Witterung im Frühjahr, längere Blattnässe, anfällige Wacholder in der Umgebung und geringe Luftzirkulation fördern Infektionen. Die Entfernung zwischen den Wirten kann die Sporenübertragung beeinflussen, schließt sie wegen möglicher Windverfrachtung aber nicht zuverlässig aus.
Pflanzendoktor

Überblick

Der Birnengitterrost, auch Wacholderrost an der Zwischenwirtspflanze, wird durch den Rostpilz Gymnosporangium sabinae verursacht. Er benötigt für den vollständigen Entwicklungszyklus eine Birne als Nebenwirt und bestimmte Wacholder als Hauptwirt. Nicht jeder Wacholder ist gleichermaßen empfänglich: Der Gemeine Wacholder (Juniperus communis) gilt im deutschen Gartenbau in der Regel nicht als relevanter Wirt dieses Erregers, während unter anderem Sadebaum und bestimmte Formen des Chinesischen Wacholders häufig betroffen sind.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

An der Birne: Ab etwa Mai oder Juni erscheinen auf der Blattoberseite kleine, orange- bis orangerote Flecken, die sich vergrößern und bei starkem Befall zusammenfließen können. Auf der Blattunterseite entstehen später warzen- oder kegelförmige Sporenlager. Die zunächst geschlossene Oberfläche reißt charakteristisch gitterförmig auf.

Am Wacholder: Befallene Triebe schwellen spindelförmig an. Bei feuchter Witterung im Frühjahr quellen daraus braunorange bis gelblich-orange, gallertartige Sporenpolster oder hornartige Auswüchse hervor. Im Winter sind die Befallsstellen oft unscheinbarer und dunkel verfärbt.

Pflanzendoktor

Ursachen und Ausbreitung

Die Krankheit breitet sich durch den obligaten Wirtswechsel zwischen Birne und empfänglichen Wacholdern aus. Im Frühjahr werden Sporen vom Wacholder durch Regen aktiviert und mit dem Wind zur Birne getragen. Später gelangen die auf Birnen gebildeten Aecidiosporen zurück zum Wacholder. Feuchte Witterung, lange Blattnässe und nahe oder benachbarte anfällige Wacholder begünstigen den Befall. Das Entfernen nur eines einzelnen Wacholders verhindert die Krankheit nicht sicher, wenn weitere Wirte in der Umgebung vorhanden sind.

Pflanzendoktor

Lebenszyklus und Überdauerung

Gymnosporangium sabinae ist ein wirtswechselnder Rostpilz mit mehrjähriger Entwicklung. Das Pilzgeflecht überwintert im Befallsbereich bestimmter Wacholderarten. Im Frühjahr bilden sich bei Regen gallertartige Telien; daraus werden Sporen freigesetzt, die mit dem Wind Birnenblätter erreichen.

Auf der Birne entstehen zunächst orange Flecken und später Sporenlager auf der Blattunterseite. Die dort gebildeten Aecidiosporen infizieren keine Birne erneut, sondern gelangen im Spätsommer und Herbst zurück zu empfänglichen Wacholdern. Dort etabliert sich der Pilz in den Trieben und kann in folgenden Jahren erneut Sporen bilden.

Pflanzendoktor

Behandlung und Bekämpfung

Starker Befall lässt sich an bereits geschädigten Blättern nicht rückgängig machen. Befallene Einzelblätter können frühzeitig entfernt werden, solange dadurch nicht ein großer Teil der Blattfläche verloren geht. Befallene Wacholdertriebe bis deutlich unterhalb der sichtbaren Verdickung zurückschneiden und Schnittgut aus dem Bestand entfernen.

Bei wiederholt starkem Vorjahresbefall kann im deutschen Erwerbs- oder Gartenbau eine vorbeugende Behandlung der Birne in der Infektionsperiode geprüft werden. Sie muss sich an der aktuellen deutschen Zulassung, Kultur, Anwendungssituation und Gebrauchsanleitung orientieren; eine pauschale Spritzfolge ist nicht sachgerecht.

Pflanzendoktor

Schonende und biologische Bekämpfung

Eine vollständig biologische Sofortheilung bereits befallener Blätter gibt es nicht. Im Mittelpunkt stehen daher Hygiene und die Verringerung der Sporenquelle:

  • Gallertartige Sporenpolster am Wacholder im Frühjahr vorsichtig mit einem kräftigen Wasserstrahl abspülen, sofern die Pflanze und der Standort dies erlauben.
  • Stark befallene, verdickte Wacholdertriebe bei trockenem Wetter bis ins gesunde Holz zurückschneiden und aus dem Garten entfernen.
  • Früh befallene Birnenblätter gezielt abnehmen und über den Hausmüll entsorgen; nicht sämtliche Blätter eines Baumes entlauben.
  • Werkzeuge nach Schnittarbeiten reinigen und möglichst nicht bei nasser Witterung arbeiten.
  • Eine gute Kronendurchlüftung durch maßvollen Erziehungsschnitt fördern und unnötig dichte Pflanzungen vermeiden.
Pflanzendoktor

Vorbeugung

Bei Neupflanzungen Birnen nicht in unmittelbarer Nähe bekanntermaßen anfälliger Wacholderarten setzen. Vorhandene Wacholder im Umfeld auf verdickte Triebe und im Frühjahr auf gallertartige Sporenlager kontrollieren. Befallene Triebe frühzeitig entfernen und die Birnenkrone luftig halten. Beim Kauf von Birnensorten auf regionale Erfahrungen zur Rostanfälligkeit achten; eine dauerhaft rostfreie Sorte kann nicht pauschal garantiert werden, da die Anfälligkeit je nach Sorte und Witterung schwankt.

Pflanzendoktor

Wissenswertes

  • Der Name „Birnengitterrost“ bezieht sich auf das regelmäßige Gitter, das beim Aufreißen der Sporenlager auf der Blattunterseite entsteht.
  • Der vollständige Entwicklungszyklus wurde historisch erst im 19. Jahrhundert als Wirtswechsel zwischen Birne und Wacholder erkannt.
  • Die wichtigsten Wirtseigenschaften unterscheiden sich innerhalb der Gattung Juniperus deutlich; deshalb ist „Wacholder“ als Sammelbegriff für die Anfälligkeit zu ungenau.
  • Ein einzelner stark befallener Wacholder kann über mehrere Jahre als Infektionsquelle dienen.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die konkrete Kultur und Anwendung gegen die betreffende Krankheit zugelassen sind. Maßgeblich ist stets die aktuelle Gebrauchsanleitung einschließlich Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Abständen und Auflagen. Im Haus- und Kleingarten sind vorbeugende und hygienische Maßnahmen grundsätzlich zu bevorzugen.