Feldmaikäfer
Melolontha melolontha (Linnaeus, 1758)Feldmaikäfer – Kurzüberblick
Der Feldmaikäfer, Melolontha melolontha, ist in Deutschland vor allem als wurzelfressender Engerling in Grünland, Rasen, Obst- und Ackerkulturen bedeutsam. Befall zeigt sich durch gelbe, welke oder sich ablösende Rasenpartien sowie schwach wachsende Jungpflanzen. Die Art entwickelt sich meist über drei bis vier Jahre im Boden. Eine sichere Bestimmung ist wichtig, da ähnliche Engerlinge auch nützliche Käferarten umfassen.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Feldmaikäfer, auch Gemeiner Maikäfer genannt, gehört zu den Blatthornkäfern (Scarabaeidae). Der erwachsene Käfer frisst im Frühjahr Blätter verschiedener Laub- und Obstgehölze; meist problematischer ist jedoch die Larve, der Engerling. Sie lebt im Boden und schädigt Pflanzen durch Fraß an Fein- und Hauptwurzeln.
In Deutschland sind Massenauftreten regional und nicht jährlich zu erwarten. Die Schadwirkung hängt stark von Art, Larvenstadium, Bodentiefe, Kultur und Befallsdichte ab. Engerlinge im Kompost oder unter abgestorbenem Holz können zu anderen, nicht pflanzenschädigenden Arten gehören und sollten nicht allein nach dem Fundort beurteilt werden.
Symptome und Erkennung
Typische Schäden entstehen unterirdisch: Feinwurzeln sind abgenagt, größere Wurzeln teilweise ringförmig beschädigt. Betroffene Gräser vergilben, welken und lassen sich bei starkem Befall teppichartig vom Boden abheben. Bei Jungbäumen, Reben und anderen frisch gepflanzten Gehölzen treten Kümmerwuchs, Blattwelke, vorzeitige Blattfärbung oder Absterben auf.
Erwachsene Käfer verursachen Loch- und Randfraß an Blättern, insbesondere an Laub- und Obstgehölzen. Die Fraßschäden der Käfer sind bei gesunden älteren Bäumen häufig begrenzt; in Massenjahren können jedoch deutliche Kronenverluste auftreten. Ähnliche Rasenschäden verursachen auch Engerlinge von Junikäfer, Gartenlaubkäfer oder anderen Blatthornkäfern.
Ursachen und Ausbreitung
Der Befall beginnt meist dort, wo erwachsene Käfer geeignete Eiablageflächen finden. Grasnarben, Wiesenränder, extensiv bewachsene Flächen und offene Bodenbereiche können die Eiablage begünstigen. Die Larven bleiben überwiegend im Boden und breiten sich nur begrenzt aus; neue Herde entstehen vor allem durch den Käferflug und die Eiablage.
Eine Verschleppung ist außerdem mit behafteter Erde an Pflanzen, Geräten oder Bodenbearbeitungsmaschinen möglich. Verwechslungen mit anderen Engerlingen sind häufig, weil mehrere Blatthornkäferarten ähnliche Larven besitzen.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Entwicklungszyklus dauert in Deutschland gewöhnlich drei bis vier Jahre, kann regional und witterungsbedingt jedoch abweichen. Nach dem Frühjahrsflug paaren sich die Käfer; die Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in geeignete Gras- oder Krautbestände im Boden ab.
Die Larven schlüpfen und durchlaufen drei Stadien. Junge Engerlinge fressen zunächst an feinen Wurzeln. Mit zunehmender Größe steigt der Wurzelbedarf; das dritte Larvenstadium verursacht meist die stärksten Schäden. Die Larven überwintern im Boden, ziehen sich bei Kälte tiefer zurück und verpuppen sich schließlich in einer Erdkammer. Nach der Puppenruhe schlüpfen die Käfer, meist im Frühjahr eines regional typischen Flugjahres.
Die erwachsenen Käfer leben nur relativ kurze Zeit oberirdisch. Der größte Teil des Lebenszyklus findet als Ei, Larve oder Puppe im Boden statt.
Behandlung und Bekämpfung
Die Behandlung richtet sich nach Befallsdichte, Kultur und Larvenstadium. Zuerst die Schadursache durch Bodenproben bestätigen; gelbe Rasenstellen können auch durch Trockenheit, Krankheiten oder andere bodenbewohnende Schädlinge entstehen.
- Rasen oder Boden an mehreren Stellen anheben und die Zahl sowie das Aussehen der Engerlinge erfassen.
- In kleinen Beeten und bei Einzelpflanzen Larven beim Umsetzen oder bei der Bodenbearbeitung absammeln und sachgerecht entfernen.
- Stark geschädigte Rasenflächen nach der Reduktion des Befalls neu einsäen oder nachbessern; die Flächen anschließend gleichmäßig feucht halten.
- Bei Jungbäumen und Reben Wurzelverlust prüfen, geschädigte Wurzeln sauber zurückschneiden und die Pflanzen sorgfältig anwässern.
- Bei großflächigem Grünland- oder Obstbaubefall regionale Fachberatung einbeziehen, da Bekämpfungstermine und Verfahren stark von Bodentiefe und Entwicklungsstadium abhängen.
Schonende und biologische Bekämpfung
Bei kleinen Flächen können Engerlinge durch vorsichtiges Aufnehmen der Grasnarbe oder beim Pflanzenwechsel abgesammelt werden. Freigelegte Larven sollten nicht auf der Fläche liegen bleiben, wenn eine Reduktion des Befalls angestrebt wird.
- Befall zunächst durch mehrere Bodenproben je Fläche bestätigen; einzelne Funde rechtfertigen normalerweise keine intensive Maßnahme.
- Stark geschädigte Grasnarben mechanisch bearbeiten, sofern Boden, Hanglage und Kultur dies erlauben. Der Zeitpunkt sollte so gewählt werden, dass Larven in erreichbarer Bodentiefe liegen und die Grasnarbe möglichst wenig zerstört wird.
- Natürliche Gegenspieler wie Vögel fördern; freigelegte Engerlinge werden rasch erbeutet.
- Für Grünland, Obst- und Ackerkulturen können Präparate mit entomopathogenen Pilzen wie Beauveria brongniartii regional untersucht oder verfügbar sein. Ihre Wirkung ist von Produktzulassung, Stamm, Bodentemperatur, Feuchte, Larvendichte und Ausbringung abhängig; nur ausdrücklich zugelassene Produkte nach Etikett verwenden.
Vorbeugung
Eine vorbeugende Bekämpfung ohne bestätigten Befall ist nicht sinnvoll. Vor der Neuanlage von Rasen, Obst- oder Rebpflanzungen in bekannten Befallsgebieten mehrere Bodenstellen kontrollieren und die Engerlingsdichte dokumentieren. Bei der Bestandskontrolle die Larven möglichst bis zur Art oder zumindest zur relevanten Käfergruppe bestimmen lassen.
- Dichte, vital bewachsene Grasnarben und gleichmäßige Bestände fördern die Regeneration; Trockenstress durch bedarfsgerechte Bewässerung vermindern.
- Jungpflanzen mit gut entwickeltem Wurzelballen setzen und Wurzeln beim Pflanzen nicht austrocknen lassen.
- In regional bekannten Befallsherden keine Erde oder Ballen unbekannter Herkunft in neue Flächen einbringen.
- Werkzeuge und Maschinen von anhaftender Erde reinigen, besonders beim Wechsel aus befallenen Flächen.
- Bei wiederkehrendem Befall Fruchtfolge, Kulturwechsel und mechanische Bodenbearbeitung standortgerecht mit der Beratung abstimmen.
Wissenswertes
- Der Engerling verbringt den überwiegenden Teil seines Lebens im Boden; der auffällige Käferflug ist nur eine kurze Phase des Zyklus.
- Feldmaikäfer sind regional standorttreu. Deshalb können lokale Befallsherde über mehrere Flugjahre hinweg bestehen bleiben.
- Vögel, Maulwürfe, Igel und andere Bodenjäger nutzen freigelegte Engerlinge als Nahrung, können beim Aufsuchen stark befallene Rasenflächen aber zusätzlich aufreißen.
- Die Unterscheidung von Feldmaikäfer-, Junikäfer-, Gartenlaubkäfer- und Rosenkäfer-Engerlingen ist wichtig: Nicht jeder weiße Engerling ist ein Pflanzenschädling.
In Deutschland dürfen ausschließlich Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die für die betreffende Kultur und den konkreten Schaderreger beziehungsweise die Anwendung zugelassen sind. Vor jeder Maßnahme die aktuelle Zulassung, Anwendungsbestimmungen, Auflagen und Wartezeiten im amtlichen Pflanzenschutzmittelverzeichnis prüfen und das Etikett genau befolgen. Für Haus- und Kleingärten ist keine pauschale chemische Behandlung zu empfehlen.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Feldahorn (Acer campestre) – PflegeAcer campestre
Zimt-Ahorn (Acer griseum) – PflegeAcer griseum
Japanischer Ahorn (Acer japonicum) – PflegeAcer japonicum
Eschen-Ahorn (Acer negundo) – PflegeAcer negundo
Fächer-Ahorn (Acer palmatum) – PflegeAcer palmatum
Spitzahorn (Acer platanoides) – PflegeAcer platanoides
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) – PflegeAcer pseudoplatanus
Rot-Ahorn (Acer rubrum) – PflegeAcer rubrum
Silber-Ahorn (Acer saccharinum) – PflegeAcer saccharinum
Zucker-Ahorn (Acer saccharum) – PflegeAcer saccharum
Tatarischer Steppen-ahorn (Acer tataricum) – PflegeAcer tataricum
Feuer-Ahorn (Acer tataricum ginnala) – PflegeAcer tataricum ginnala
Quelle: