SalatwurzellausQuelle: Wikimedia CommonsRasbakCC BY-SA 3.0
Schädling

Salatwurzellaus

Pemphigus bursarius
Kurzüberblick

Salatwurzellaus – Kurzüberblick

Die Salatwurzellaus (Pemphigus bursarius) ist eine wirtswechselnde Blattlaus, die im Frühjahr Pappeln besiedelt und im Sommer an den Wurzeln von Salat, Endivie und Chicorée saugt. Typisch sind weißliche Wachsflocken am Wurzelhals, welke Außenblätter und schlecht entwickelte Köpfe. Besonders warme, trockene Witterung von Juni bis September fördert Befall und Schadwirkung im Freiland.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileWurzeln, Seitenwurzeln und Wurzelhals von Salat und verwandten Korbblütlern; Blattstiele und Blätter von Pappeln mit Gallenbildung.
Begünstigende BedingungenWarme, trockene Witterung, insbesondere von Juni bis September; nahe Pappeln und befallene Korbblütler-Unkräuter; anfällige Salatsorten und bereits wassergestresste Bestände.
Pflanzendoktor

Überblick

Pemphigus bursarius wird im Deutschen meist Salatwurzellaus oder Wollige Wurzellaus genannt. Der Schädling gehört zu den Blasenläusen (Pemphigidae) und ist im Gemüsebau vor allem an Kopfsalat, Blattsalat, Endivie und Chicorée relevant.

Im Frühjahr sind die Tiere oberirdisch an Pappeln zu finden, wo sie charakteristische Beutelgallen an jungen Blattstielen verursachen. Im Sommer wechseln geflügelte Generationen auf Korbblütler und saugen dort in Kolonien an den Wurzeln. Im deutschen Freilandanbau tritt der wirtschaftlich bedeutsame Befall besonders in warmen, trockenen Sommern auf.

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Symptome und Erkennung

Typische Hinweise sind:

  • weiße bis weißgraue, wachsartige Flocken oder watteartige Fäden am Wurzelhals und an den Seitenwurzeln;
  • blassgelbe, etwa 2 mm große Läuse unter der Wachsschicht;
  • flach aufliegende, vergilbende oder tagsüber welkende Außenblätter;
  • verzögertes Wachstum und kleine, lockere oder unvollständig ausgebildete Salatköpfe;
  • bei starkem Befall eine auffällig lockere Erdauflage am Pflanzenfuß, gelegentlich mit Ameisen.

Eine sichere Diagnose erfordert das Ausgraben der Pflanze und die Untersuchung der Wurzeln. Welke Pflanzen können zusätzlich durch Trockenstress, Wurzelkrankheiten oder andere Wurzelläuse geschädigt sein.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Larven und ungeflügelten Läuse saugen an den Wurzeln und entziehen der Pflanze Wasser und Assimilate. Ihre Wachsausscheidungen bilden den auffälligen weißen Belag. Die Art wechselt zwischen Pappeln als Primär- beziehungsweise Winterwirt und Korbblütlern als Sommerwirten.

Die Ausbreitung erfolgt vor allem durch geflügelte Tiere, die im Frühsommer von Pappelgallen zu Salatbeständen und geeigneten Unkräutern fliegen. Befallene Wurzelballen, Pflanzenreste und nahe Wirtspflanzen können den Aufbau lokaler Populationen fördern. Warme, trockene Witterung begünstigt die Entwicklung und verstärkt die Welkeerscheinungen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Überwinterung erfolgt überwiegend als Ei an Pappeln, besonders an Schwarzpappeln. Im Frühjahr schlüpfen die Stammmütter und saugen an jungen Blättern oder Blattstielen. Durch den Speichel der Läuse entstehen geschlossene, sack- oder beutelförmige Gallen, in denen sich mehrere Generationen entwickeln.

Ab Mai oder Juni entstehen geflügelte Formen. Sie verlassen die geöffneten Gallen und besiedeln Salat, Endivie, Chicorée sowie geeignete Wildpflanzen. Dort entwickeln sich Wurzelkolonien mit ungeflügelten, wachsbedeckten Tieren. Ab Spätsommer wandern geflügelte Formen zur Pappel zurück, wo die sexuelle Generation entsteht und Eier abgelegt werden. Der genaue zeitliche Ablauf variiert mit Witterung und Region.

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Behandlung und Bekämpfung

Befallene Pflanzen vorsichtig ausgraben und die Wurzeln kontrollieren. Bei frühem Befall können eine gleichmäßige Wasserversorgung, eine rasche Ernte erntereifer Sätze und das Entfernen stark geschädigter Einzelpflanzen die Auswirkungen begrenzen. Stark befallene Pflanzen sollten samt Wurzelballen aus dem Bestand entfernt und nicht kompostiert werden, wenn eine sichere Rotte nicht gewährleistet ist.

Bei Freilandkulturen kann ein feinmaschiges Kulturschutznetz den Zuflug geflügelter Läuse erschweren, sofern es frühzeitig und ohne Lücken aufgelegt wird. Ein Netz ersetzt keine Bestandskontrolle und muss mit den Anforderungen an Belüftung, Bewässerung und Kulturführung vereinbar sein.

Da die Läuse überwiegend an den Wurzeln sitzen und durch Wachs geschützt sind, ist eine nachträgliche Blattbehandlung häufig wenig wirksam. Maßnahmen müssen deshalb früh, vor der Abwanderung in den Boden, ansetzen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

  • Resistente oder weniger attraktive Sorten bevorzugen und deren Eignung im eigenen Standort beobachten.
  • Frühe Sätze und zügige Kulturführung nutzen, damit die Pflanzen vor dem Hauptbefall erntereif sind.
  • Feinmaschige Kulturschutznetze gegen den Zuflug einsetzen; Ränder und Übergänge sorgfältig abdichten.
  • Wasserstress vermeiden und den Boden gleichmäßig feucht, aber nicht vernässt halten.
  • Befallene Pflanzen, Erntereste und Wurzelballen hygienisch entfernen; Unkräuter als mögliche Sommerwirte reduzieren.
  • Nützlinge können Blattlauspopulationen grundsätzlich beeinflussen, erreichen jedoch tief sitzende, wachsbedeckte Wurzelkolonien meist nur begrenzt. Eine biologische Bekämpfung sollte daher als Bestandteil eines integrierten Systems und nicht als alleinige Sofortmaßnahme betrachtet werden.
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Vorbeugung

  • In bekannten Befallslagen möglichst Sorten mit dokumentierter Pb-Resistenz beziehungsweise geprüfter Widerstandsfähigkeit anbauen; Sorteneigenschaften können je nach Züchtung und Population variieren.
  • Salatbestände nicht unmittelbar neben stark befallenen Pappeln anlegen, sofern die Anbauplanung dies erlaubt.
  • Löwenzahn, Gänsedistel und andere potenzielle Korbblütler-Unkräuter im und am Bestand entfernen, ohne unnötig offene Bodenflächen zu schaffen.
  • Jungpflanzen, Geräte und Kisten sauber halten und befallene Pflanzen nicht in benachbarte Sätze verschleppen.
  • Bestände regelmäßig kontrollieren, bei warm-trockener Witterung die Wurzeln stichprobenartig ausgraben und den Zuflug in gefährdeten Regionen früh berücksichtigen.
  • Eine ausgewogene, bedarfsgerechte Bewässerung verhindert zusätzlichen Trockenstress; Staunässe ist dennoch zu vermeiden.
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Wissenswertes

  • Die Art ist ein klassisches Beispiel für einen Wirtswechsel zwischen einem Gehölz und einer Gemüse- beziehungsweise Wildpflanze.
  • Die auffälligen Pappelgallen werden durch den Speichel der saugenden Läuse induziert und schützen die Kolonie im Inneren.
  • Auf Salat sitzen die Tiere nicht primär auf den Blättern, sondern verborgen an den Wurzeln.
  • Ameisen können wegen der Honigtauproduktion an befallenen Pflanzen auftreten, obwohl die Wurzelläuse selbst durch ihre Wachsausscheidungen leicht zu erkennen sind.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel nur einsetzen, wenn sie in Deutschland für die konkrete Kultur und den konkreten Schaderreger beziehungsweise die vorgesehene Anwendung aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung die aktuelle BVL-Zulassungsdatenbank und das vollständige Etikett prüfen; Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Anwenderschutz und Gewässerschutz strikt nach Etikett einhalten. Eine pauschale Wirkstoff- oder Spritzempfehlung ist wegen der unterirdischen Kolonien, möglicher Zulassungsänderungen und der Kulturverträglichkeit nicht seriös.