Chili-Thrips (Scirtothrips dorsalis)Quelle: Wikimedia Commonsm.bordenCC BY-SA 2.0
Schädling

Chili-Thrips (Scirtothrips dorsalis)

Scirtothrips dorsalis Hood
Kurzüberblick

Chili-Thrips (Scirtothrips dorsalis) – Kurzüberblick

Der Chili-Thrips Scirtothrips dorsalis ist ein etwa 1 mm kleiner, polyphager Fransenflügler, der vor allem junge Blätter, Triebe, Blüten und Früchte befällt. Typisch sind silbrige Saugschäden, lineare Verkorkungen, Blattkräuselung, dunkle Kotpunkte und deformierte Früchte. Die Art ist mit bloßem Auge kaum sicher von anderen Thripsen zu unterscheiden und wurde 2025 erstmals in Deutschland bestätigt.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileJunge Blätter, Triebspitzen, Blüten, junge Früchte und Fruchtkelche; gelegentlich auch Stängel und Blattstiele.
Begünstigende BedingungenWarme, geschützte Bestände mit kontinuierlichem Austrieb, dichter Vegetation und geringer UV-Belastung; besonders gefährdet sind Gewächshäuser, Jungpflanzenbestände und importierte Pflanzen. Entwicklung und Generationszahl hängen stark von Temperatur, Feuchte und Wirtspflanze ab.
Pflanzendoktor

Überblick

Der Chili-Thrips wird auch als gelber Tee-Thrips oder Erdbeer-Thrips bezeichnet. Er ist sehr klein, meist blassgelb bis weißlich und hält sich bevorzugt in Triebspitzen, eingerollten Blättern, Blüten und unter Kelchblättern auf. Die Fraßstellen erscheinen zunächst aufgehellt oder silbrig; bei stärkerem Befall werden junge Blätter verkrümmt, verdickt und vorzeitig abgestoßen. Da mehrere Scirtothrips-Arten ähnliche Schäden verursachen, reicht eine Sichtdiagnose nicht aus.

Für Deutschland ist der Schädling besonders im geschützten Anbau, bei importierten Pflanzen und bei innerbetrieblicher Verschleppung relevant. Die deutsche Pflanzengesundheitsbehörde bestätigte 2025 den ersten Fund in Bayern; der Befall wurde als vorübergehend und tilgungsbedürftig eingestuft. Im deutschen Freiland kann die Art nach derzeitiger Einschätzung nicht sicher überwintern.

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Symptome und Erkennung

  • Silbrige bis bronzefarbene, oft lineare Saugschäden auf jungen Blättern.
  • Blattkräuselung, lineare Verdickung der Blattspreite, Verfärbung, Wachstumsstockung und vorzeitiger Blattfall.
  • Feine dunkelbraune bis schwarzgrüne Kotpunkte auf Blättern und Früchten.
  • Deformierte Triebspitzen, verkümmerte oder abfallende Blüten und reduzierter Fruchtansatz.
  • Graue, braune oder schwarze Schorfringe und Narben, bei Citrus besonders um den Fruchtstielbereich.
  • An Erdnuss können gelbgrüne Blattflecken, nekrotische Partien und eine silbrige Blattunterseite auftreten.

Die nur etwa 1 mm großen Tiere sitzen häufig verborgen. Zur Kontrolle junge Blätter und Blüten über weißem Papier ausschütteln; für eine belastbare Diagnose sind jedoch Laborproben erforderlich.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Verschleppung erfolgt hauptsächlich über befallene Jungpflanzen, Bonsai, Schnittblumen, Schnittgrün, Früchte und Gemüse. Innerhalb eines Bestands wandern Adulte von befallenen Triebspitzen und Unkräutern auf benachbarte Pflanzen. Eier liegen geschützt im Blattgewebe; Larven und Adulte können außerdem in Blüten, eingerollten Blättern und unter Fruchtkelchen verborgen bleiben. Nicht entfernte Unkräuter und Pflanzenreste dienen als Ausweich- und Rückzugsstandorte.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Entwicklungszyklus umfasst Ei, zwei aktive Larvenstadien, Präpuppe, Puppe und Adulttier. Die Weibchen stechen die winzigen Eier in das Pflanzengewebe ein; dadurch sind sie durch Kontaktmittel nur schwer zu erreichen. Larven und Adulte fressen an jungen Pflanzenteilen. Präpuppen und Puppen befinden sich häufig in Blattachseln, eingerollten Blättern, Pflanzenresten oder unter dem Kelch von Blüten und Früchten.

Unter günstigen Bedingungen können sich die Generationen überlappen. Für Laborbedingungen werden kombinierte Larven- und Puppenphasen von etwa 11–13 Tagen und eine Lebensdauer der Weibchen von ungefähr 19 Tagen angegeben; im deutschen Freiland begrenzen niedrige Temperaturen die Entwicklung und eine sichere Überwinterung ist nicht zu erwarten.

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Behandlung und Bekämpfung

Zuerst den Befall abgrenzen, stark geschädigte Pflanzenteile entfernen und die übrigen Pflanzen gründlich kontrollieren. Bei Topf- und Gewächshauskulturen können das Abduschen der Blätter, das Abfangen adulter Tiere mit Blautafeln und die konsequente Entfernung von Unkraut die Befallsstärke reduzieren. Da Eier im Gewebe und Puppen in Pflanzenresten vor Spritzungen geschützt sind, sind Nachkontrollen und gegebenenfalls wiederholte, etikettkonforme Maßnahmen erforderlich.

Bei gewerblichen Beständen, Importware oder einem Verdacht auf den Quarantäneschädling sollte der zuständige Pflanzenschutzdienst eingeschaltet werden. Eine chemische Behandlung darf in Deutschland nur mit aktuell zugelassenen Mitteln für die konkrete Kultur und Anwendung erfolgen; Wirkstoffgruppen sind zur Resistenzvermeidung nicht wiederholt einseitig einzusetzen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Die biologische Bekämpfung sollte früh beginnen, bevor sich die Tiere in eingerollten Blättern und Blüten vermehren.

  • In Gewächshäusern können Raubmilben wie Amblyseius swirskii und Neoseiulus cucumeris gegen junge Larven eingesetzt werden, sofern sie für die Kultur und die Bedingungen geeignet sind.
  • Raubwanzen der Gattung Orius können Larven und Adulte erbeuten und sind besonders in blühenden Kulturen interessant.
  • Entomopathogene Pilze oder Nematoden kommen je nach Kultur, Zulassung und Luftfeuchte als ergänzende Maßnahmen infrage; ihre Wirkung ist stark von Anwendungstechnik und Umweltbedingungen abhängig.
  • Blätter, Triebspitzen und Blüten regelmäßig kontrollieren, stark geschädigte Pflanzenteile entfernen und außerhalb des Bestands entsorgen.
  • Nützlinge durch möglichst selektive Maßnahmen schützen; breit wirkende Spritzungen können ihre Etablierung verhindern.
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Vorbeugung

  • Neue Pflanzen, insbesondere Importe, Jungpflanzen und Bonsai, mindestens mehrere Wochen getrennt halten und regelmäßig mit Lupe sowie Farbtafeln überwachen.
  • Gelb- und vor allem Blautafeln zur Flugüberwachung einsetzen; die Tafeln regelmäßig auswerten und bei Verdacht Pflanzenmaterial fachgerecht untersuchen lassen.
  • Junge Triebe, Blattunterseiten, Blüten und Fruchtkelche systematisch kontrollieren.
  • Unkräuter und Pflanzenreste im Gewächshaus und in der unmittelbaren Umgebung entfernen.
  • Befallene Partien nicht zwischen Beständen bewegen; Werkzeuge, Arbeitskleidung, Kisten und Transportflächen reinigen.
  • Für Deutschland relevante Verdachtsfälle bei Pflanzen aus Handelsbeständen dem zuständigen Pflanzenschutzdienst melden und keine verdächtigen Pflanzen weitergeben.
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Wissenswertes

  • Scirtothrips dorsalis gehört zu einer schwer bestimmbaren Artengruppe; mehrere kryptische Formen wurden beschrieben.
  • Die Art ist ausgesprochen polyphag. In der Fachliteratur werden mehr als 200 mögliche Wirtspflanzen aus Gemüse-, Obst-, Zier- und Nutzpflanzen genannt, doch nicht jede gemeldete Pflanze ist gleichermaßen für die vollständige Entwicklung geeignet.
  • Die Fernverbreitung erfolgt vor allem mit befallenen Jungpflanzen, Schnittblumen, Schnittgrün sowie Früchten und Gemüse; der aktive Flug über größere Entfernungen ist dagegen begrenzt.
  • Die Art kann mehrere Orthotospoviren übertragen, darunter Viren an Paprika und Erdnuss. Ein Virusverdacht sollte jedoch unabhängig vom Thripsnachweis diagnostisch bestätigt werden.
  • Blaufallen unterstützen die Überwachung, ersetzen aber weder die Kontrolle junger Pflanzenteile noch eine Laborbestimmung.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Verwenden Sie ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und die entsprechende Anwendung zugelassen sind. Maßgeblich ist stets das aktuelle amtliche Etikett einschließlich Aufwandmenge, Anwendungszahl, Wartezeit, Abstandsauflagen und Schutzbestimmungen. Wegen der versteckten Entwicklungsstadien, der Resistenzgefahr und möglicher Auswirkungen auf Nützlinge sollte eine chemische Behandlung nur als Teil eines überwachten integrierten Pflanzenschutzes erfolgen.