Echter Mehltau der DoldenblütlerQuelle: Wikimedia CommonsJames LindseyCC BY-SA 3.0
Krankheit

Echter Mehltau der Doldenblütler

Erysiphe heraclei
Kurzüberblick

Echter Mehltau der Doldenblütler – Kurzüberblick

Der Echte Mehltau der Doldenblütler wird durch Erysiphe heraclei verursacht. Auf Möhren, Petersilie, Sellerie, Pastinake, Fenchel und weiteren Apiaceae entstehen zunächst kleine weiße, abwischbare Beläge, die sich ausweiten und Blätter vergilben oder verformen können. In Deutschland tritt die Krankheit vor allem bei trocken-warmer Witterung und dichter, schlecht durchlüfteter Bestandsstruktur auf; der wirtschaftliche Schaden ist kulturabhängig.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem reife Blätter und Blattstiele; bei starkem Befall auch junge Triebe und Blütenstände. Die Speicherwurzel der Möhre wird meist nicht direkt befallen, kann aber durch vorzeitige Blattfunktionsverluste indirekt an Ertrag verlieren.
Begünstigende BedingungenTrocken-warme Sommerwitterung, hohe relative Luftfeuchte in den Abend- und Morgenstunden, dichte Bestände, geringe Luftbewegung und vorangegangener Trockenstress. Freies Wasser auf dem Blatt ist für die Keimung vieler Konidien nicht erforderlich.
Pflanzendoktor

Überblick

Erysiphe heraclei ist ein obligat biotropher Echter-Mehltaupilz, der überwiegend Pflanzen aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) befällt. In Deutschland ist er besonders an Möhre und Wurzelpetersilie relevant; außerdem sind unter anderem Sellerie, Pastinake, Fenchel, Dill, Kerbel, Koriander und Petersilie dokumentiert.

Die Art umfasst beziehungsweise bildet offenbar wirts- oder kulturbezogene Rassen und Isolate. Deshalb ist ein Befall an einer Doldenblütler-Kultur kein sicherer Beleg dafür, dass alle anderen Apiaceae im Bestand gleich anfällig sind.

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Symptome und Erkennung

  • Zunächst kleine, etwa 1–2 mm große, weiße, mehlartige Pilzkolonien auf der Blattoberseite.
  • Die Beläge vergrößern sich und können ganze Blätter, Blattstiele und gelegentlich Stängel überziehen.
  • Betroffene Blätter vergilben, kräuseln, verformen sich oder sterben bei starkem Befall vorzeitig ab.
  • Bei Möhre bleibt das Laub häufig noch funktionsfähig; bei Petersilie können befallene Blätter jedoch unverkäuflich werden.
  • Das Erscheinungsbild unterscheidet sich vom Falschen Mehltau, der typischerweise mit eher gelblichen Blattflecken und einem Belag an der Blattunterseite verbunden ist.
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Ursachen und Ausbreitung

Die Ausbreitung erfolgt hauptsächlich über luftbürtige Konidien von befallenen Blättern. Dichte Möhren-, Petersilien- oder Fenchelbestände halten die Luftfeuchte im Pflanzeninneren länger hoch und behindern das Abtrocknen. Warme, trockene Tage in Verbindung mit feuchten Nächten oder Morgenstunden sind in Deutschland besonders günstig.

Überwinterndes befallenes Pflanzenmaterial und möglicherweise Fruchtkörper können als Erstinfektionsquelle dienen. Freiwillig auflaufende Doldenblütler und eng verwandte Kulturen in unmittelbarer Nachbarschaft können den Befallsdruck erhöhen, wobei die tatsächliche Übertragbarkeit zwischen Wirten von der jeweiligen Pilzrasse abhängt.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Pilz lebt auf lebendem Pflanzengewebe und bildet auf der Blattoberfläche ein oberirdisches Myzel mit Konidienträgern. Die in großer Zahl entstehenden Konidien werden überwiegend durch Luftbewegungen verbreitet und besiedeln benachbarte Blätter und Pflanzen.

Der Befall kann in der Vegetationsperiode über wiederholte Konidiengenerationen rasch zunehmen. Zur Überdauerung können sich dunkle Fruchtkörper, sogenannte Chasmothecien, in befallenem Pflanzenmaterial bilden. Deren Bedeutung für den jeweiligen deutschen Bestand ist jedoch abhängig von Wirt, Standort und Witterungsverlauf; infiziertes Pflanzenmaterial kann als Ausgangspunkt für Folgeinfektionen dienen.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei leichtem Befall an Möhren ist eine Behandlung häufig nicht erforderlich, wenn das Laub ausreichend lange leistungsfähig bleibt. Stark befallene Blätter können selektiv entfernt werden, sofern dadurch der Bestand nicht zusätzlich geschwächt wird.

Bei Petersilie, Wurzelpetersilie oder anderen Blattkulturen sollte früh gehandelt werden, da die äußere Qualität schnell abnimmt. Zuerst Kulturführung, Bestandeshygiene und ausreichende Durchlüftung verbessern. Falls ein Pflanzenschutzmittel notwendig wird, darf nur ein in Deutschland aktuell für genau diese Kultur und den Echten Mehltau zugelassenes Produkt nach Etikett eingesetzt werden. Wirkstoffwechsel und die Vermeidung unnötiger Wiederholungen helfen, Resistenzrisiken zu begrenzen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im Haus- und Kleingarten zunächst befallene Blätter und stark befallene Triebteile entfernen und über den Restmüll entsorgen, nicht auf den Kompost geben. Die Maßnahme reduziert die Sporenquelle, beseitigt den Pilz aber nicht vollständig.

  • Bestände nicht zu dicht anlegen und bei Folgesaaten für bessere Durchlüftung sorgen.
  • In trockenen Phasen gleichmäßig bewässern, vorzugsweise bodennah beziehungsweise per Tropfschlauch, damit die Pflanzen nicht unter wiederholtem Trockenstress leiden.
  • Übermäßige Stickstoffgaben vermeiden, weil üppiges, weiches Laub einen dichten Bestand begünstigen kann.
  • Für den ökologischen Anbau ausschließlich im jeweiligen Land und Anwendungsbereich zugelassene beziehungsweise genehmigte Präparate verwenden. Hausmittel wie Milch-, Natron- oder Essiglösungen sind nicht zuverlässig genug, um als allgemein sichere Bekämpfungsstrategie empfohlen zu werden.
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Vorbeugung

  • Gesundes Saat- und Pflanzgut sowie möglichst tolerante oder widerstandsfähige Sorten verwenden, soweit verfügbar.
  • Reihen und Pflanzen so weit stellen, dass das Laub nach Tau rascher abtrocknet und die Luft zirkulieren kann.
  • Bewässerung gleichmäßig planen und bei Trockenheit rechtzeitig bodennah wässern.
  • Stickstoff ausgewogen und bedarfsgerecht düngen; übermäßige späte Gaben vermeiden.
  • Befallene Erntereste nach der Ernte zügig aus dem Bestand entfernen und keine kranken Pflanzen als Saatgut- oder Überwinterungsmaterial verwenden.
  • Apiaceae-Flächen regelmäßig kontrollieren, besonders ab Sommerbeginn und nach trocken-warmer Witterung.
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Wissenswertes

  • Erysiphe heraclei befällt überwiegend Apiaceae, doch die Anfälligkeit kann zwischen Kulturarten und Pilzrassen stark variieren.
  • Bei Möhren ist ein Befall des Laubes nicht automatisch mit einem starken Ernteausfall gleichzusetzen; bei Blattkräutern ist die optische Qualität dagegen unmittelbar entscheidend.
  • Die Krankheit fällt häufig erst an älteren, vollständig entwickelten Blättern auf.
  • Trocken-warme Witterung kann den Befall fördern, obwohl für die Sporenbildung und Infektion zugleich feuchte Mikroklimate im Bestand wichtig sind.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur verwendet werden, wenn sie für die betreffende Kultur und die konkrete Indikation aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung das amtliche BVL-Verzeichnis und das aktuelle Etikett prüfen; Dosierung, Anwendungshäufigkeit, Wartezeit, Anwenderschutz und Auflagen des Etiketts strikt einhalten. Keine Mittel außerhalb der zugelassenen Zweckbestimmung einsetzen.