
Diplodia-Krankheit (Schwarzer Rindenbrand)
Diplodia seriataDiplodia-Krankheit (Schwarzer Rindenbrand) – Kurzüberblick
Diplodia seriata ist ein holz- und fruchtbesiedelnder Pilz aus der Familie der Botryosphaeriaceae. Bei Apfel und anderem Kernobst kann er Schwarzen Rindenbrand, Blattflecken und Schwarzfäule verursachen; an Weinreben wird er mit Holznekrosen, Kordon- und Triebsterben in Verbindung gebracht. Das Schadbild überschneidet sich jedoch mit anderen Pilzkrankheiten und sollte bei wichtigen Bäumen oder Rebstöcken labordiagnostisch bestätigt werden.
Typische Bedingungen
Überblick
Diplodia seriata ist ein Pilz der Familie Botryosphaeriaceae. Er lebt häufig zunächst als Endophyt oder Saprophyt in abgestorbenem Holz und wird unter Stressbedingungen pathogen. Im deutschen Obstbau wird die Art vor allem im Zusammenhang mit dem Schwarzen Rindenbrand an Kernobst genannt. Außerdem sind Fruchtfäulen und Blattflecken an Apfel sowie Holznekrosen und Triebsterben an Weinreben dokumentiert.
Das Schadbild ist nicht artspezifisch: Diplodia bulgarica, D. mutila, D. malorum und weitere Botryosphaeriaceae können vergleichbare Rinden- und Holzsymptome hervorrufen. Eine belastbare Bestimmung erfordert daher die Untersuchung von Fruchtkörpern und gegebenenfalls eine molekulare Diagnostik.
Symptome und Erkennung
- Kernobst: eingesunkene rötlich-braune bis schwarze Rindennekrosen, später rissige oder abgestorbene Äste; kleine schwarze Pyknidien können in der Rinde sichtbar werden.
- Apfelfrüchte: zunächst kleine braune Flecken, die sich zu einer schwarzen Fäule ausweiten; häufig beginnt die Infektion am Kelch, an Verletzungen oder an vorgeschädigten Stellen. Befallene Früchte schrumpfen zu Fruchtmumien ein.
- Apfelblätter: rundliche Flecken mit braunem Rand und hellem Zentrum, häufig als „Froschaugenflecken“ bezeichnet.
- Weinrebe: abgestorbene Zapfen, Ruten, Arme oder Kordons, verkümmerte Triebe, Knospensterben und plötzlich welkende Triebe oberhalb einer Holznekrose. Das Muster kann dem Befall durch andere Rebenholzkrankheiten gleichen.
Ursachen und Ausbreitung
Die Ausbreitung erfolgt vor allem von befallenem Totholz, Rindenkrebsen und Fruchtmumien aus. Regen- und Bewässerungsspritzer transportieren Konidien zu Wunden und empfindlichem Gewebe; Wind, Insekten und kontaminierte Schnittwerkzeuge können die Verbreitung unterstützen. Stress durch Trockenheit, Hitze, Frost, Hagel, Sonnenbrand, Überbehang, schlechte Bodenverhältnisse oder andere Krankheiten erhöht die Anfälligkeit. Bei der Weinrebe kann infiziertes Vermehrungs- und Schnittmaterial zur Verschleppung beitragen.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Pilz überwintert in befallenem Holz, Rindennekrosen, abgestorbenen Zweigen, Blattresten und mumifizierten Früchten. Dort entstehen Pyknidien mit asexuellen Konidien; je nach Wirt und Befallszusammenhang können auch sexuelle Fruchtkörper und Ascosporen beteiligt sein.
Bei feuchter Witterung werden Sporen aus den Fruchtkörpern ausgeschleudert und durch Regen, Spritzwasser, Wind, Insekten oder verunreinigte Schnittwerkzeuge verbreitet. Infektionen erfolgen vor allem über Wunden, verletzte Rinde, junge Triebe, Spaltöffnungen oder beschädigte Früchte. Der Pilz kann längere Zeit symptomlos im Gewebe verbleiben und bei nachfolgendem Stress aktiv werden.
Behandlung und Bekämpfung
Eine kurative Heilung bereits tief befallenen Holzes ist in der Regel nicht möglich. Bei einzelnen Ästen oder Rebstöcken werden sichtbare Nekrosen großzügig bis in gesundes Holz zurückgeschnitten; das Schnittgut wird aus dem Bestand entfernt. Stark umgürtete Äste, abgestorbene Kordons oder vollständig geschädigte Pflanzen sollten gerodet werden, bevor sie weitere Sporenquellen bilden.
Bei wertvollen Obstbäumen oder Reben empfiehlt sich eine Laboruntersuchung aus dem Übergangsbereich zwischen gesundem und nekrotischem Holz. Besonders bei Reben ist eine Diagnose im Krankheitskomplex wichtig, weil sich die Managementmaßnahmen und die Prognose je nach Erreger unterscheiden können. Fungizide schützen gegebenenfalls gesundes Gewebe, beseitigen aber bereits vorhandene Holzinfektionen nicht; Zulassung und Etikett in Deutschland sind zwingend zu prüfen.
Schonende und biologische Bekämpfung
- Befallene Äste, Kordons und Ruten bei trockenem Wetter bis weit in gesund aussehendes Holz zurückschneiden; stark geschädigte Pflanzen fachgerecht entfernen.
- Schnittgut, Fruchtmumien und abgestorbene Zweige nicht unter dem Baum oder im Weinberg liegen lassen. Entsorgung nach örtlichen Vorgaben, nicht in den Kompost geben, wenn dort keine sichere Heißrotte gewährleistet ist.
- Schnittwerkzeuge zwischen erkrankten und gesunden Pflanzen reinigen und desinfizieren; große Schnittflächen möglichst vermeiden.
- Wunden, Sonnenbrand und Rindenschäden durch geeignete Standortwahl, moderaten Schnitt, Schutz junger Stämme und Vermeidung von mechanischen Verletzungen reduzieren.
- Im Haus- und Kleingarten sind Hygiene, Entfernung von Infektionsquellen und die Förderung eines vitalen, gut durchlüfteten Pflanzenbestands meist wichtiger als eine routinemäßige Spritzung.
Vorbeugung
- Nur gesundes, kontrolliertes Pflanz- und Vermehrungsmaterial verwenden.
- Apfel- und Birnbäume regelmäßig auf Rindennekrosen, abgestorbene Triebe und Fruchtmumien kontrollieren.
- Krone beziehungsweise Laubwand luftig halten, ohne unnötig große Schnittwunden zu erzeugen.
- Ausreichend und bedarfsgerecht bewässern, insbesondere bei längeren Trockenperioden; Staunässe vermeiden.
- Früchte vor Verletzungen durch Hagel, Vögel, Insekten und unsachgemäße Ernte schützen.
- Bei Reben befallene Ruten und Holzpartien konsequent aus dem Bestand entfernen und Schnittarbeiten nicht bei nasser Witterung durchführen.
Wissenswertes
- Diplodia seriata wurde in älterer Literatur häufig unter dem Namen Botryosphaeria obtusa geführt.
- Beim Schwarzen Rindenbrand des Kernobsts ist der deutsche Artname nicht gleichbedeutend mit einer einzigen Pilzart: In Deutschland wurden mehrere Diplodia-Arten nachgewiesen.
- Der Pilz kann abgestorbenes Gewebe als Saprophyt besiedeln und dadurch große Mengen an Infektionsmaterial in Fruchtmumien und Totholz bilden.
- Bei Reben gehört D. seriata zu einem Krankheitskomplex; ein einzelnes äußeres Symptom erlaubt keine sichere Abgrenzung zu Esca-, Eutypa- oder Phomopsis-Erkrankungen.
Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und das konkrete Schadproblem zugelassen sind. Maßgeblich ist stets die aktuelle Kennzeichnung beziehungsweise das amtliche Verzeichnis des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Anwendungsbestimmungen, Wartezeiten und Auflagen genau einhalten; keine Behandlung allein aufgrund eines Verdachts durchführen.