Braunfäule und Rindenkrebs der Edelkastanie
Krankheit

Braunfäule und Rindenkrebs der Edelkastanie

Gnomoniopsis smithogilvyi
Kurzüberblick

Braunfäule und Rindenkrebs der Edelkastanie – Kurzüberblick

Gnomoniopsis smithogilvyi ist ein pilzlicher Krankheitserreger der Edelkastanie, der vor allem eine braune bis weißlich-schwammige Fruchtfäule verursacht. Zusätzlich kann er Rindenkrebs und Triebsterben auslösen. Da die äußere Kastanienschale oft unauffällig bleibt und ähnliche Schäden durch andere Pilze entstehen, ist eine sichere Bestimmung nur über eine fachgerechte Laboranalyse möglich.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Kastanienfrüchte und Samen; zusätzlich Blüten, Blätter, Zweige, Triebe und Äste, meist mit endophytischer oder krebsartiger Besiedlung.
Begünstigende BedingungenFeuchte Witterung, häufige Niederschläge, lange Blatt- und Fruchtnässe, Verletzungen sowie vorhandene Fruchtmumien und abgestorbenes Holz begünstigen Infektionen. Pflanzenstress und Insekten- oder Hagelschäden können den Krankheitsverlauf verstärken.
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Überblick

Gnomoniopsis smithogilvyi ist ein Schlauchpilz aus der Familie Gnomoniaceae. Die wirtschaftlich wichtigste Erscheinungsform ist die Braunfäule der Kastanienfrucht. Das Innere der Nuss verfärbt sich braun, wird trocken, kreidig oder schwammig und verliert deutlich an Geschmack und Qualität. Die Schale kann dabei äußerlich lange unauffällig bleiben.

Der Erreger kann außerdem Zweige und Triebe besiedeln. Dort entstehen eingesunkene oder aufgeweitete Rindenbereiche, Risse und abgestorbene Triebpartien. Eine sichere Abgrenzung zu Kastanienrindenkrebs durch Cryphonectria parasitica und zu anderen Fruchtfäulepilzen erfordert meist eine mikroskopische und molekulare Untersuchung.

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Symptome und Erkennung

Früchte:

  • braune bis dunkelbraune Nekrosen im Samen beziehungsweise Endosperm;
  • kreidige, weißlich-schwammige oder trockene Innenstruktur;
  • muffige, veränderte oder deutlich beeinträchtigte Geschmacksqualität;
  • oft keine eindeutigen äußeren Symptome an der Kastanienschale.

Triebe und Äste:

  • eingesunkene, verdickte oder rissige Rindenstellen;
  • lokale Krebswunden und Absterben von Triebspitzen;
  • welkende Blätter oberhalb der Befallsstelle;
  • bei stärkerem Befall Zweig- oder Aststerben.

Die Symptome sind nicht allein diagnostisch. Für eine belastbare Bestimmung sollten befallene Früchte sowie Übergangsbereiche zwischen gesundem und krankem Holz untersucht werden.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Pilz kann als Endophyt in zunächst gesund erscheinenden Blüten, Blättern und Stängeln vorkommen und später unter geeigneten Bedingungen in krankmachendes Wachstum übergehen. Infektionen der Früchte können über Blüten- und Fruchtansatzbereiche, natürliche Öffnungen, Mikrorisse oder Verletzungen erfolgen.

Zur Ausbreitung tragen infizierte Pflanzware, befallene Früchte, Fruchtmumien und kranke Zweige bei. Sporen werden vermutlich vor allem durch Regen und Spritzwasser verbreitet. Verletzungen durch Insekten, Hagel, Schnittarbeiten oder mechanische Ernte erhöhen die Eintrittswahrscheinlichkeit. Für einzelne Übertragungswege, insbesondere die Bedeutung bestimmter Insekten, ist die Datenlage jedoch regional und experimentell unterschiedlich.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Erreger kann in befallenen Früchten, Fruchtmumien, abgestorbenem Holz und symptomlos besiedeltem Pflanzengewebe überdauern. Auf geeigneten Substraten bildet er Fruchtkörper mit Sporen. Bei feuchter Witterung werden Sporen freigesetzt und durch Regen, Spritzwasser oder den Kontakt mit benachbarten Pflanzenteilen verteilt.

Die Infektion kann zunächst ohne sichtbare Symptome verlaufen. Im Verlauf der Fruchtentwicklung oder bei Stress des Wirts breitet sich der Pilz im Samen aus. An Zweigen entstehen Krebsbereiche, in denen der Erreger ebenfalls überdauern und erneut sporulieren kann. Der genaue Anteil von sexueller und ungeschlechtlicher Sporenbildung im deutschen Anbauklima ist nicht abschließend geklärt.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine kurative Behandlung bereits infizierter Kastanienfrüchte ist nicht möglich. Befallene Früchte sollten aus der Ernte entfernt und nicht als Saatgut oder Vermehrungsmaterial verwendet werden. Bei einzelnen erkrankten Zweigen kann ein Rückschnitt in trockenem Wetter bis deutlich in gesund erscheinendes Holz die Sporulationsquellen verringern; stark geschädigte Äste oder Bäume sind fachgerecht zu entfernen.

Bei wertvollen oder großkronigen Edelkastanien sollte die Diagnose vor umfangreichen Schnittmaßnahmen abgesichert werden. Da der Erreger auch symptomloses Gewebe besiedeln kann und die äußere Fruchtschale häufig keine eindeutigen Hinweise zeigt, ersetzt Sichtkontrolle keine Laboruntersuchung.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Die wichtigsten nichtchemischen Maßnahmen sind Hygiene, Entfernung von Fruchtmumien, konsequentes Aussortieren befallener Nüsse und das Beseitigen sporulierender Zweige. Eine trockene, gut durchlüftete Krone reduziert die Blatt- und Fruchtnässe. Werkzeuge und Erntebehälter sollten sauber gehalten werden.

Biologische Kontrollverfahren gegen G. smithogilvyi werden untersucht, insbesondere antagonistische Mikroorganismen und der Schutz von Blüten oder Früchten vor Infektionen. Für den Haus- und Kleingarten liegen jedoch keine allgemein abgesicherten, universell wirksamen Präparate oder standardisierten Verfahren vor. Produkte mit Mikroorganismen dürfen nur entsprechend ihrer Zulassung und Gebrauchsanleitung eingesetzt werden.

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Vorbeugung

  • Nur gesundes, kontrolliertes und möglichst zertifiziertes Pflanzmaterial verwenden.
  • Bei der Ernte beschädigte, auffällig leichte oder faulende Kastanien aussortieren.
  • Herabgefallene Fruchtmumien und verdächtige Früchte regelmäßig vom Boden entfernen und nicht kompostieren, wenn eine sichere Rotte nicht gewährleistet ist.
  • Abgestorbene oder eindeutig befallene Zweige bei trockener Witterung bis ins gesunde Holz zurückschneiden.
  • Schnittwerkzeuge zwischen Bäumen und nach Arbeiten an kranken Partien reinigen und desinfizieren.
  • Verletzungen durch unnötige Schnittmaßnahmen, Hagel- und Ernteschäden sowie starke Insektenbefälle möglichst vermeiden.
  • Für eine luftige Krone, gute Abtrocknung und standortgerechte, nicht übermäßige Düngung sorgen.
  • Bei wiederkehrendem Befall Früchte und Zweige getrennt sammeln und zur Diagnose an eine geeignete Pflanzenbau- oder Pflanzenschutzstelle senden.
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Wissenswertes

  • Der wissenschaftlich gültige Name ist Gnomoniopsis smithogilvyi; Gnomoniopsis castaneae wird in älterer Literatur als Synonym oder frühere Bezeichnung verwendet.
  • Die Erkrankung wird häufig als Braunfäule oder Fruchtfäule der Edelkastanie beschrieben, obwohl der Pilz auch Rindenkrebs und Triebsterben verursachen kann.
  • Eine äußerlich gesund wirkende Kastanienschale schließt eine starke innere Fäule nicht aus.
  • Der Pilz kann in gesunden Pflanzengeweben endophytisch vorkommen, was die Vorhersage des Krankheitsausbruchs erschwert.
  • Die Abgrenzung zu anderen Kastanienkrankheiten ist ohne Laboruntersuchung unsicher, insbesondere bei Krebs- und Absterbesymptomen.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Es gibt keinen pauschal verifizierten Spritzplan für diese Erkrankung. Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die für die betreffende Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind, und befolgen Sie strikt das gültige Etikett sowie die gesetzlichen Anwendungsbestimmungen. Zulassung, Indikation, Aufwandmenge, Wartezeit und Anwenderschutz können sich ändern; vor jeder Anwendung ist die amtliche Pflanzenschutzmittel-Datenbank zu prüfen. Chemische Maßnahmen ersetzen weder Hygiene noch Befallskontrolle und können bereits infizierte Nüsse nicht heilen.