Wollige ZitrusmottenschildlausQuelle: Wikimedia CommonsVictorCegarraCC BY-SA 4.0
Schädling

Wollige Zitrusmottenschildlaus

Aleurothrixus floccosus
Kurzüberblick

Wollige Zitrusmottenschildlaus – Kurzüberblick

Die Wollige Zitrusmottenschildlaus, Aleurothrixus floccosus, ist eine auf Citrus besonders gut angepasste Mottenschildlaus. Ihre Nymphen sitzen auf den Blattunterseiten, saugen Pflanzensaft und überziehen sich mit auffälligen watteartigen Wachsausscheidungen. Honigtau und Rußtau verschmutzen die Blätter. In Deutschland ist sie vor allem an importierten Citrus, im Wintergarten und im Gewächshaus relevant; eine sichere Bestimmung ist wichtig, da ähnliche Weiße Fliegen andere Maßnahmen erfordern.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem junge Blätter und frische Triebe; indirekt auch Blattoberflächen durch Honigtau und Rußtau.
Begünstigende BedingungenWarme, geschützte Bedingungen im Gewächshaus, Wintergarten oder an überwinternden Kübelpflanzen; dichter Neuaustrieb, geringe Luftbewegung und fehlende Kontrolle durch Parasitoide begünstigen die Vermehrung.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Wollige Zitrusmottenschildlaus ist eine kleine, weiß bepuderte Mottenschildlaus. Die erwachsenen Tiere sitzen meist auf der Blattunterseite und werden beim Stören aufgescheucht. Charakteristisch sind die Larven- und Nymphenstadien: Sie bilden reichlich weiße, faden- oder watteartige Wachsausscheidungen und treten oft in Gruppen auf.

Citrus ist der wichtigste und im Mittelmeerraum der praktisch maßgebliche Wirt. In Deutschland ist das Auftreten vor allem bei überwinternden Kübelpflanzen, in Orangerien, Gewächshäusern und bei eingeschlepptem Pflanzenmaterial zu erwarten. Die Art kann mit anderen Weißen Fliegen verwechselt werden; für eine belastbare Diagnose sollten Wirtspflanze, Wachsausscheidungen und die Lage der Stadien gemeinsam beurteilt werden.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

  • Weiße, watte- oder filzartige Wachsfäden und Wachsmassen auf den Blattunterseiten.
  • Blattunterseits sitzende, flache bis ovale Nymphen sowie kleine weiße, auffliegende Adulttiere.
  • Glänzender Honigtau auf Blättern und darunterliegenden Pflanzenteilen.
  • Schwarzer Rußtau auf honigtauverschmutzten Blattflächen, wodurch die Photosynthese beeinträchtigt wird.
  • Bei starkem Befall: schwache oder verkümmerte Neutriebe, Blattfall, geringeres Wachstum und bei jungen Pflanzen mögliche Vitalitätsverluste.
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Ursachen und Ausbreitung

Die Ausbreitung erfolgt vor allem durch befallene Pflanzen und Pflanzenteile sowie durch die lokale Bewegung erwachsener Tiere. Innerhalb von Gewächshaus, Wintergarten oder Orangerie fördern warme Temperaturen, dichter Neuaustrieb und eng stehende Citrus die Übertragung. Luftbewegung kann erwachsene Tiere auf benachbarte Pflanzen verdriften. Eine Bekämpfung mit breit wirkenden Insektiziden kann den Befall indirekt fördern, wenn dadurch Parasitoide und andere natürliche Gegenspieler dezimiert werden.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Weibchen legen ihre Eier auf jungen Blättern, häufig in kreis- oder halbkreisförmigen Anordnungen auf der Blattunterseite. Nach dem Schlupf durchlaufen die Tiere mehrere sessile Nymphenstadien. Ab dem zweiten Stadium nimmt die auffällige Wachsausscheidung zu. Die Nymphen saugen Phloemsaft und scheiden Honigtau aus.

Die Entwicklungsdauer hängt stark von Temperatur und Wirtspflanze ab. Unter warmen Gewächshausbedingungen können sich mehrere Generationen überschneiden; in Deutschland ist die Aktivität im Sommer und bei warmer Überwinterung am höchsten. Erwachsene Tiere können sich lokal verbreiten und durch Luftbewegung oder Pflanzenverkehr verschleppt werden. Die Artidentität einzelner Populationen und die Ausprägung dunkler oder heller Pupparien können variieren.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei frühem Befall einzelne Blätter und Triebe abwischen oder abspülen und die Maßnahme im Abstand von einigen Tagen wiederholen, weil Eier und Nymphen nicht gleichzeitig erfasst werden. Stark besiedelte Triebspitzen können zurückgeschnitten werden, sofern die Pflanze dadurch nicht dauerhaft geschwächt wird. Honigtau und Rußtau lassen sich nach der Schädlingsreduktion vorsichtig mit Wasser entfernen; der Rußtau verschwindet meist nach und nach, sobald keine neue Honigtauquelle vorhanden ist.

Bei starkem Befall im Gewächshaus sollte die Artbestimmung vor einer Behandlung bestätigt und ein integriertes Vorgehen mit Kulturmaßnahmen und geeigneten Nützlingen geplant werden. Eine einzelne Behandlung erreicht die geschützten Stadien auf der Blattunterseite häufig nicht vollständig.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Die biologische und mechanische Bekämpfung steht im Vordergrund:

  • Befallene Pflanzen zunächst isolieren und neue Citrus mindestens mehrere Wochen kontrolliert beobachten.
  • Blattunterseiten regelmäßig mit einem kräftigen, aber pflanzenschonenden Wasserstrahl abspülen; abgelöste Wachsmassen und Honigtau anschließend entfernen.
  • Stark befallene Blätter oder Triebspitzen ausschneiden und im Hausmüll entsorgen, nicht kompostieren.
  • Im geschützten Anbau den Einsatz artspezifischer Parasitoide, insbesondere Cales noacki, nur über fachkundige Anbieter und passend zu Temperatur, Luftfeuchte und Befallsstadium prüfen. Die Wirksamkeit und Verfügbarkeit in Deutschland kann je nach Kultur und Betriebssystem variieren.
  • Breit wirkende Mittel, unnötige Blattreinigungschemikalien und starke Rückschnitte vermeiden, wenn dadurch Nützlinge geschädigt oder neue weiche Austriebe provoziert werden.
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Vorbeugung

  • Nur sichtbar befallsfreies, möglichst zertifiziertes oder fachlich kontrolliertes Citrus-Pflanzgut beziehen.
  • Neue Pflanzen getrennt aufstellen und besonders die Unterseiten junger Blätter sowie frische Triebe kontrollieren.
  • Citrus luftig, hell und nicht dauerhaft übermäßig stickstoffreich kultivieren; weicher Massenaustrieb ist besonders attraktiv.
  • Pflanzen nicht zu dicht stellen und Befallsherde frühzeitig mechanisch entfernen.
  • Bei der Nützlingsstrategie auf Selektivität achten und unnötige Breitbandbehandlungen vermeiden.
  • Im deutschen Wintergarten Befall vor dem Einräumen im Herbst sowie während warmer Winterperioden kontrollieren.
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Wissenswertes

  • Obwohl die Art als polyphag beschrieben wird und mehr als 20 Pflanzengattungen als Wirte genannt wurden, ist Citrus der wichtigste dokumentierte Wirt und die Art befällt im Mittelmeerraum überwiegend Citrus.
  • Die auffällige „Wolle“ besteht nicht aus Pilzmyzel, sondern aus Wachsausscheidungen der Nymphen.
  • Der wichtigste biologische Gegenspieler in vielen mediterranen Citrus-Anbaugebieten ist die Erzwespe Cales noacki; auch Amitus spiniferus kann ergänzend parasitieren.
  • Breit wirkende Insektizide können natürliche Gegenspieler reduzieren und dadurch einen zuvor begrenzten Befall verstärken.
  • In Deutschland sollte ein ungewöhnlicher Befall an Citrus im geschützten Anbau von einer amtlichen oder spezialisierten Diagnoseeinrichtung überprüft werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen nur verwendet werden, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und diesen Schaderreger zugelassen sind. Ausschließlich nach dem aktuellen amtlichen Etikett anwenden; Kulturverträglichkeit, Wartezeiten, Anwendungsauflagen und Auswirkungen auf Nützlinge beachten. Keine pauschale Spritzfolge aus nicht geprüften Wirkstoffen ableiten.