
Baumwoll-Schmierlaus
Phenacoccus solenopsis Tinsley, 1898Baumwoll-Schmierlaus – Kurzüberblick
Die Baumwoll-Schmierlaus (*Phenacoccus solenopsis*) ist eine polyphage Schmierlaus und in Deutschland vor allem als möglicher Einschleppungs- oder Gewächshausschädling relevant. Sie besiedelt bevorzugt Triebe, Blattunterseiten und Fruchtkelche, saugt Pflanzensaft und scheidet Honigtau aus. Weiße Wachsausscheidungen, klebrige Beläge, Rußtau und Wachstumsstörungen sind typische Hinweise.
Typische Bedingungen
Überblick
Phenacoccus solenopsis wird im Deutschen am zweckmäßigsten als Baumwoll-Schmierlaus bezeichnet; ein einheitlich etablierter deutscher Trivialname ist jedoch nicht überall gebräuchlich. Die Weibchen und Nymphen sind weichhäutig, oval und von weißem Wachs bedeckt. Sie sitzen an Stängeln, Blattadern, Blattunterseiten, Fruchtkelchen oder jungen Trieben.
Die Art ist sehr polyphag. Zu den gut dokumentierten Wirtspflanzen zählen Baumwolle, Hibiskus, Tomate, Paprika, Okra, Vigna-Arten und Weinrebe. Viele weitere Meldungen stammen aus wärmeren Anbaugebieten; ein dokumentierter Wirt bedeutet nicht automatisch, dass sich die Art unter deutschen Freilandbedingungen dauerhaft halten kann.
Symptome und Erkennung
- Weiße, watte- oder wachsartige Beläge in Kolonien an Trieben, Blattunterseiten, Blattstielen und Fruchtansätzen.
- Klebriger Honigtau auf Blättern und darunterliegenden Pflanzenteilen; darauf kann sich schwarzer Rußtau entwickeln.
- Vergilbung, verlangsamtes Wachstum, Blattkräuselung, Triebdeformation und vorzeitiger Blattfall bei stärkerem Befall.
- Geschwächte Jungpflanzen können verkümmern; Früchte oder Blüten werden durch Honigtau, Wachsrückstände und Rußtau verunreinigt.
- Ameisen können die Kolonien aufsuchen und natürliche Gegenspieler abschirmen.
Die Symptome sind nicht artspezifisch. Andere Schmierläuse, Wollläuse und teilweise auch Wurzelläuse können ein sehr ähnliches Bild verursachen.
Ursachen und Ausbreitung
Die direkte Schädigung entsteht durch das Saugen an Phloem und anderem Pflanzensaft. Honigtau verunreinigt die Pflanze und begünstigt Rußtau. Die Verbreitung erfolgt vor allem durch befallenes Pflanzgut, Stecklinge, Topfballen, Schnittgut und den Pflanzenkontakt. Nymphen können außerdem auf Arbeitsgeräte, Kleidung oder benachbarte Pflanzen gelangen.
Im deutschen Gartenbau sind warme Gewächshäuser, Wintergärten und der Handel mit Zier- und Gemüsepflanzen die wichtigsten plausiblen Eintritts- und Vermehrungsorte. Eine dauerhafte Freilandentwicklung ist von Temperatur, Wirtspflanze und Überwinterungsmöglichkeit abhängig und sollte nicht vorausgesetzt werden.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Entwicklung umfasst Ei, mehrere Nymphenstadien und das adulte Weibchen. Weibchen legen ihre Eier in einem wachsartigen Eiersack ab oder bringen je nach Population und Umweltbedingungen lebende Jungtiere hervor. Die frisch geschlüpften Nymphen sind beweglicher als ältere Stadien und können neue Pflanzenteile besiedeln.
Unter warmen Bedingungen können sich mehrere Generationen pro Jahr entwickeln. In beheizten Gewächshäusern ist deshalb eine nahezu kontinuierliche Vermehrung möglich. Männchen sind klein und geflügelt; die sichtbaren Schäden werden überwiegend von Nymphen und Weibchen verursacht. Die genaue Generationsdauer schwankt stark mit Temperatur, Luftfeuchte und Wirtspflanze.
Behandlung und Bekämpfung
Früher Befall lässt sich häufig durch konsequentes Abwischen einzelner Kolonien mit einem feuchten Tuch oder Wattestäbchen reduzieren. Stark besiedelte Triebe sollten ausgeschnitten werden. Anschließend die Pflanze in kurzen Abständen erneut kontrollieren, weil Eier und versteckte Nymphen leicht übersehen werden.
Bei größeren Beständen ist eine integrierte Vorgehensweise sinnvoll: Befallsherde markieren, Pflanzen separieren, Befallsstärke dokumentieren und Maßnahmen wiederholen. Spritzungen erreichen die Tiere nur, wenn sie ausreichend benetzt werden; Wachsschichten und versteckte Aufenthaltsorte können die Wirkung begrenzen. Vor jeder Behandlung ist zu prüfen, ob tatsächlich P. solenopsis oder eine andere Schmierlaus vorliegt.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Gewächshaus können bei passender Temperatur und Befallsart biologische Gegenspieler eingesetzt werden. Dazu gehören insbesondere räuberische Marienkäfer wie Cryptolaemus montrouzieri sowie geeignete parasitische oder räuberische Nützlinge aus dem Fachhandel. Der Erfolg hängt von korrekter Schädlingsbestimmung, ausreichender Befallsdichte, Klima, Abwesenheit unverträglicher Pflanzenschutzmittel und einer frühzeitigen Ausbringung ab.
Einzelpflanzen können mechanisch gereinigt und mit Wasser abgespült werden. Öl- oder seifenhaltige Präparate können bei geeigneten Zierpflanzen unterstützend wirken, müssen aber zunächst an wenigen Blättern getestet werden; junge Blätter, Blüten und empfindliche Arten können geschädigt werden. Nützlinge, Blüten und behandelte Pflanzen sind besonders zu berücksichtigen.
Vorbeugung
- Neue Zier- und Gemüsepflanzen mindestens zwei bis drei Wochen getrennt aufstellen und wiederholt kontrollieren.
- Blattunterseiten, Triebgabeln, Blattstiele, Fruchtkelche und Topfränder mit Lupe prüfen.
- Befallene Pflanzen nicht mit gesunden Beständen zusammenstellen und kein verdächtiges Steck- oder Schnittmaterial weitergeben.
- Stark befallene Pflanzenteile entfernen und in geschlossenen Säcken über den Hausmüll entsorgen; nicht kompostieren.
- Werkzeuge, Töpfe und Arbeitsflächen nach Kontakt reinigen.
- Ameisen fernhalten, weil sie Schmierlauskolonien schützen und deren Ausbreitung fördern können.
- Pflanzen luftig kultivieren, bedarfsgerecht düngen und übermäßige Stickstoffgaben vermeiden.
Wissenswertes
- Der Artname solenopsis bezieht sich auf die ursprüngliche Beschreibung aus dem Umfeld von Ameisennestern der Gattung Solenopsis.
- Die Art wird international auch als cotton mealybug oder solenopsis mealybug bezeichnet.
- Sie kann ein sehr breites Wirtspflanzenspektrum nutzen, doch sind nicht alle publizierten Wirtsangaben für eine dauerhafte Population unter deutschen Bedingungen gleich aussagekräftig.
- Die weiße Wachsschicht ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal, reicht allein aber nicht für eine sichere Artbestimmung.
- In Europa ist die Art regional begrenzt nachgewiesen, unter anderem im Mittelmeerraum; für Deutschland ist die Einschätzung einzelner Funde besonders von der Herkunft und dem Fundort der Pflanzen abhängig.
Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn ein Produkt in Deutschland aktuell für genau die betreffende Kultur und das betreffende Schadorganismus- beziehungsweise Anwendungsgebiet zugelassen ist. Ausschließlich die aktuelle deutsche Produktetikette und Gebrauchsanweisung beachten, einschließlich Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Anwendungsbeschränkungen und Schutzauflagen. Keine Behandlung auf Grundlage ausländischer Empfehlungen oder alter Zulassungen durchführen. Wegen versteckter Stadien und möglicher Resistenzentwicklung sind wiederholte Anwendungen und Wirkstoffwechsel nur entsprechend der aktuellen Zulassung und Beratung zulässig.