Dickeya-Schwarzbeinigkeit der KartoffelQuelle: Wikimedia CommonsJspychallaCC BY-SA 4.0
Krankheit

Dickeya-Schwarzbeinigkeit der Kartoffel

Dickeya solani
Kurzüberblick

Dickeya-Schwarzbeinigkeit der Kartoffel – Kurzüberblick

Dickeya solani ist ein aggressives, bakterienbedingtes Erregerspezies der Kartoffel, das Schwarzbeinigkeit, rasches Welken und Nassfäule verursachen kann. Die Infektion wird häufig mit latent befallenen Pflanzkartoffeln eingeschleppt. Sichtbare Symptome ähneln denen anderer Dickeya- und Pectobacterium-Arten; eine sichere Bestimmung erfordert daher eine Laboruntersuchung.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileMutter- und Tochterknollen, Stolonen, Stängelbasis und Gefäßgewebe; sekundär kann das gesamte oberirdische Kartoffelkraut welken und absterben.
Begünstigende BedingungenFeuchte Böden und Pflanzenbestände, stehende Nässe, Wasserbewegung, Knollenverletzungen, kontaminierte Arbeitsgeräte sowie warme Bedingungen, unter denen Dickeya-Arten besonders aktiv sein können.
Pflanzendoktor

Überblick

Dickeya solani ist ein pflanzenpathogenes Bakterium und ein besonders aggressiver Erreger der Schwarzbeinigkeit und Nassfäule bei Kartoffeln (Solanum tuberosum). Die Erkrankung kann aus latent befallenen Pflanzknollen entstehen und sich vom Mutterknollenbereich in den Stängel und das Gefäßsystem ausbreiten.

Das Krankheitsbild überschneidet sich stark mit Schwarzbeinigkeit durch Pectobacterium spp. und mit anderen Dickeya-Arten. Eine sichere Artbestimmung anhand des äußeren Erscheinungsbildes ist deshalb nicht zuverlässig; bei wirtschaftlich wichtigen Beständen sollte Pflanzen- oder Knollenmaterial in einem geeigneten phytopathologischen Labor untersucht werden.

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Symptome und Erkennung

  • Rasch einsetzendes, teilweise zunächst asymmetrisches Welken der Kartoffelpflanze.
  • Vergilbung, Wachstumshemmung, Blattnekrosen und bei starkem Befall vollständiges Absterben.
  • Schwarzbraune, weiche Fäule am Stängelgrund oder auch höher am Stängel, insbesondere nach Verletzungen oder bei Ausbreitung aus Blattachseln.
  • Die Stängelbasis kann äußerlich zunächst unauffällig erscheinen, obwohl im Inneren eine Fäule nach oben fortschreitet.
  • Weiche Nassfäule an Mutter- und Tochterknollen, häufig vom Nabelende, von Lentizellen oder vom Stolonenansatz ausgehend.
  • Im Knolleninneren braunweißliche, wasserreiche Gewebezerstörung mit dunkler Begrenzung; teilweise entsteht ein unangenehmer, faulig-fischiger Geruch.

Die Symptome können je nach Sorte, Temperatur, Feuchte und Infektionszeitpunkt deutlich variieren. Fehlende Schwarzverfärbung am Stängel schließt D. solani daher nicht aus.

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Ursachen und Ausbreitung

Die wichtigste Eintragsquelle sind latent infizierte Pflanzkartoffeln. Das Bakterium kann sich von der Mutterknolle in den Keimling und das Stängelgewebe ausbreiten. Während der Vegetation erfolgt die Verschleppung vor allem durch Wasser, Bodenanhaftungen, Regen- und Bewässerungsspritzwasser, kontaminierte Maschinen, Kisten, Schneidwerkzeuge und Erntegeräte. Verletzungen an Knollen und Stängeln erleichtern die Infektion.

Hohe Befallsraten können entstehen, wenn infiziertes Pflanzgut in warmen, feuchten Bedingungen angebaut wird. Ausfallkartoffeln, Abfall- und Mietenreste sowie nicht ausreichend gereinigte Lager- und Transportbehälter können als zusätzliche Infektionsquellen dienen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Dickeya solani überdauert vor allem in infiziertem Pflanzgut und befallenen Knollen. Nach dem Pflanzen vermehrt sich das Bakterium in feuchtem Gewebe und gelangt vom Mutterknollenbereich in Stängel und Leitgewebe. Bei günstiger Witterung entstehen Welke und Stängelfäule; von infizierten Pflanzen oder Knollen kann der Erreger mit Wasser und mechanischem Kontakt weiter verbreitet werden.

Tochterknollen können bereits im Feld infiziert werden, ohne dass unmittelbar deutliche äußere Symptome sichtbar sind. Während Ernte, Sortierung und Lagerung kann sich die Nassfäule bei Verletzungen, hoher Feuchte und unzureichender Abtrocknung weiterentwickeln.

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Behandlung und Bekämpfung

Bereits erkrankte Kartoffelpflanzen können im Bestand nicht zuverlässig geheilt werden. Stark befallene Pflanzen und zugehörige Knollen sollten bei trockener Witterung vorsichtig entfernt und entsprechend den örtlichen Vorgaben entsorgt werden. Sie gehören nicht auf Kompost oder auf Abfallhaufen neben Kartoffelflächen.

Bei Verdacht auf D. solani ist eine Laboruntersuchung sinnvoll, weil die Symptome von Pectobacterium spp. und anderen Dickeya-Arten kaum sicher zu unterscheiden sind. Befallene Lagerpartien sollten separiert, regelmäßig kontrolliert und bei fortschreitender Nassfäule aus dem Lager entfernt werden. Eine nachträgliche Behandlung infizierter Pflanzknollen beseitigt eine latente Infektion nicht zuverlässig.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen und hausgärtnerischen Anbau stehen vorbeugende und hygienische Maßnahmen im Vordergrund: gesundes Pflanzgut, gute Bodenstruktur und Drainage, Vermeidung von Staunässe, schonende Ernte sowie die konsequente Entfernung von Durchwuchs und Fäulnisherden.

Werkzeuge, Kisten und Kontaktflächen sollten nach der Arbeit mit erkrankten Pflanzen gereinigt und nach einem geeigneten Hygieneverfahren behandelt werden. Eine biologische Einzelmaßnahme mit verlässlich nachgewiesener Wirkung gegen D. solani kann nicht allgemein vorausgesetzt werden; zugelassene Mikroorganismen oder Präparate sind nur im Rahmen der jeweiligen Zulassung und Gebrauchsanweisung zu verwenden.

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Vorbeugung

  • Ausschließlich zertifiziertes, möglichst laborkontrolliertes und gesundes Pflanzgut aus nachvollziehbarer Herkunft verwenden.
  • Pflanzkartoffeln vor dem Legen auf weiche Stellen, Nassfäule und auffällige Gerüche kontrollieren; verdächtige Partien nicht pflanzen.
  • Für gute Drainage sorgen und Bewässerung so steuern, dass keine länger anhaltende Staunässe entsteht.
  • Bestände regelmäßig kontrollieren und auffällige Pflanzen samt Knollen vorsichtig entfernen; nicht auf dem Feld liegen lassen.
  • Ernte-, Sortier- und Lagertechnik, Kisten und Schneidwerkzeuge gründlich reinigen und geeignete Desinfektionsmaßnahmen nach betrieblichem Hygieneplan durchführen.
  • Ausfallkartoffeln, Abfallhaufen und Durchwuchs konsequent beseitigen.
  • Knollen möglichst trocken und verletzungsarm ernten, sortieren und einlagern; beschädigte oder faule Knollen aussortieren.
  • Bei wiederholtem Auftreten Fruchtfolge, Feldhygiene, Bewässerung und Pflanzgutqualität gemeinsam überprüfen.
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Wissenswertes

  • Dickeya solani wurde als eigenständige Art im Zusammenhang mit dem Auftreten aggressiver Kartoffelkrankheiten in Europa beschrieben.
  • Die Art kann unter geeigneten Bedingungen schnelleres Welken verursachen als manche anderen Schwarzbeinigkeitserreger.
  • Latent infizierte Pflanzknollen sind äußerlich nicht immer eindeutig erkennbar, wodurch der Handel mit Pflanzgut eine wichtige Rolle bei der Verschleppung spielt.
  • In der europäischen Zertifizierung wird Schwarzbeinigkeit aus praktischen und diagnostischen Gründen häufig auf Gattungsebene als Komplex aus Dickeya und Pectobacterium behandelt.
  • Eine sichere Unterscheidung von bakterieller Schwarzbeinigkeit, Ringfäule, Braunfäule und anderen Welkeerkrankungen erfordert häufig Laboranalysen.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Für Dickeya solani gibt es keine allgemeine, kurative Spritzstrategie, die latent infizierte Pflanzknollen zuverlässig saniert. Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich eingesetzt werden, wenn sie für die betreffende Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind. Immer die aktuelle Gebrauchsanleitung, Auflagen, Wartezeiten und Anwendungsbestimmungen beachten; im Zweifel die zuständige Pflanzenschutzberatung oder das BVL-Zulassungsregister konsultieren.