Netzfleckenkrankheit der GersteQuelle: Wikimedia CommonsІнститут рослинництва ім. В. Я. Юр'єва НААНCC BY-SA 4.0
Krankheit

Netzfleckenkrankheit der Gerste

Pyrenophora teres
Kurzüberblick

Netzfleckenkrankheit der Gerste – Kurzüberblick

Die Netzfleckenkrankheit der Gerste ist eine durch den pilzlichen Erreger Pyrenophora teres verursachte Blattkrankheit. Je nach Form entstehen längliche, von Blattadern begrenzte Netzflecken oder rundlich-ovale Spotflecken. Bei feucht-kühler Witterung und anfälligen Beständen breitet sie sich rasch aus, mindert die Assimilationsfläche und kann Ertrag sowie Kornqualität beeinträchtigen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Blattspreiten und Blattscheiden; bei starkem Befall auch Ähren- und Spindelbereiche sowie abgestorbenes Gerstenstroh.
Begünstigende BedingungenFeucht-kühle bis milde Witterung, lang anhaltende Blattnässe, dichter Bestand, häufige Gerstenfruchtfolge, anfällige Sorten und infizierte Ernterückstände fördern die Krankheit.
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Überblick

Die Netzfleckenkrankheit befällt vor allem Gerste (Hordeum vulgare) und tritt in zwei phänotypisch unterschiedlichen Formen auf. Bei der Netzform entwickeln sich zunächst kleine, längliche braune Nekrosen, die sich entlang und quer zu den Blattadern zu einem braunen Netz erweitern. Die Spotform bildet eher rundliche bis ovale, dunkelbraune Flecken ohne ausgeprägte Netzstruktur.

Starker Befall reduziert die grüne Blattfläche, kann von den unteren auf die oberen Blätter aufsteigen und bei ungünstigem Krankheitsverlauf die Kornfüllung beeinträchtigen. Eine sichere Diagnose sollte das Befallsbild im Bestand, die Witterung, Sortenanfälligkeit und gegebenenfalls eine Laboruntersuchung berücksichtigen.

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Symptome und Erkennung

Erste Symptome erscheinen meist als kleine, braune bis dunkelbraune Blattnekrosen. Bei der Netzform sind die Flecken länglich und zunächst durch Blattadern begrenzt; später entsteht eine charakteristische netzartige Zeichnung. Bei der Spotform bleiben die Flecken häufiger rundlich-oval und zeigen oft ein dunkleres Zentrum mit hellerem Rand.

  • gelbliche Höfe können die Nekrosen umgeben
  • Flecken wachsen zusammen und verursachen größere abgestorbene Blattbereiche
  • der Befall beginnt oft an unteren Blättern und steigt nach oben
  • stark befallene Blätter vergilben, vertrocknen und sterben vorzeitig ab
  • bei hoher Befallsstärke können Ähren, Kornfüllung und Ertrag beeinträchtigt werden
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Ursachen und Ausbreitung

Die wichtigste Ausbreitung erfolgt aus infizierten Gerstenrückständen und möglicherweise aus befallenem Saatgut. Konidien und Ascosporen werden durch Wind und Niederschlag verbreitet. Feuchte Blattoberflächen, dichte Bestände, häufige Gerste in der Fruchtfolge, anfällige Sorten und eine lange Vegetationsperiode begünstigen Sekundärinfektionen. Eine reine Übertragung von benachbarten Wildgräsern ist möglich, wird aber meist als weniger bedeutend eingeschätzt als infizierte Gerstenreste.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Pyrenophora teres überwintert hauptsächlich als Myzel und Fruchtkörper in infizierten Gerstenrückständen; Saatgut kann ebenfalls als Inokulumquelle dienen. In den Rückständen entstehen sexuelle Fruchtkörper mit Ascosporen. Zusätzlich werden ungeschlechtliche Konidien gebildet.

Ascosporen und Konidien werden durch Wind, Regentropfen und Spritzwasser auf junge Gerstenblätter verbreitet. Nach der Keimung und Infektion entwickelt sich der Befall häufig von den unteren zu den oberen Blattetagen. Unter feuchten Bedingungen folgen innerhalb der Vegetationsperiode mehrere Sekundärinfektionen. Nach der Abreife besiedelt der Pilz wieder absterbendes Gewebe und bildet dort Überdauerungsstrukturen.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei beginnendem Befall sollte zunächst geprüft werden, ob die Krankheit tatsächlich die wirtschaftlich relevante Ursache der Blattflecken ist. Entscheidend sind Befallsstärke, Befall auf den oberen ertragsrelevanten Blättern, Sortenanfälligkeit, Witterungsprognose und Entwicklungsstadium.

Wenn eine Behandlung fachlich erforderlich ist, muss sie frühzeitig nach den in Deutschland geltenden Zulassungsbedingungen erfolgen. Wirkstoffgruppen sollten im Rahmen eines Resistenzmanagements abgewechselt beziehungsweise sinnvoll kombiniert werden; unnötige Wiederholungsbehandlungen und Unterdosierungen fördern Resistenzentwicklung. Stark abgestorbene Blätter lassen sich nicht wieder gesund behandeln – das Ziel ist, die Ausbreitung auf noch grüne, ertragsrelevante Blätter zu begrenzen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Für den ökologischen und nichtchemischen Pflanzenschutz stehen vor allem vorbeugende Maßnahmen im Vordergrund:

  • möglichst tolerante oder widerstandsfähige Gerstensorten auswählen und die regionale Sortenanfälligkeit berücksichtigen
  • Gerste nicht zu eng in der Fruchtfolge anbauen; mindestens ein gerstefreies Zwischenjahr ist eine sinnvolle Grundmaßnahme
  • zertifiziertes, gesundes Saatgut verwenden und Saatgutpartien bei erhöhtem Risiko untersuchen lassen
  • Ausfallgerste und infizierte Gräser im Umfeld des Bestandes beseitigen
  • eine ausgewogene Stickstoffversorgung und übermäßig dichte Bestände vermeiden
  • Ernterückstände gut zerkleinern und möglichst zügig einarbeiten, damit sie schneller verrotten
  • Bestände regelmäßig kontrollieren und Befallsentwicklung dokumentieren

Für eine zuverlässig kurative biologische Bekämpfung im Feld stehen im deutschen Getreideanbau nur begrenzte, situationsabhängige Möglichkeiten zur Verfügung. Mittel mit biologischen Wirkstoffen dürfen nur verwendet werden, wenn sie für die konkrete Anwendung zugelassen sind.

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Vorbeugung

Die wirksamste Strategie ist die Kombination mehrerer Maßnahmen. Für Deutschland sind standortangepasste, möglichst tolerante Gerstensorten und eine ausreichende Fruchtfolge besonders wichtig. Gerstenbestände sollten nicht unnötig dicht stehen; eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung hilft, übermäßig lange Blattnässe und schwer durchlüftbare Bestände zu vermeiden.

  • gesundes, geprüftes Saatgut verwenden
  • Gerstenstroh zerkleinern und rasch einarbeiten
  • Ausfallgerste und freiwillig auflaufende Gerstenpflanzen entfernen
  • Fruchtfolgeabstände einhalten und wiederholten Gerstenanbau vermeiden
  • Bestände ab Schossbeginn bis zum Ährenschieben regelmäßig auf neue Flecken kontrollieren
  • regionale Warndienste und Prognosehinweise in die Entscheidung einbeziehen
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Wissenswertes

  • Die Bezeichnung umfasst zwei auffällige Krankheitsbilder: Netzflecken- und Spotform.
  • Die beiden Formen werden traditionell als P. teres f. teres und P. teres f. maculata bezeichnet; ihre taxonomische Abgrenzung wird wissenschaftlich weiterhin differenziert diskutiert.
  • Wildgräser können unter bestimmten Bedingungen infiziert werden, gelten aber meist nicht als wichtigste Inokulumquelle für wirtschaftlich relevanten Gerstenbefall.
  • Die Krankheit kann durch Saatgut und Ernterückstände in den Bestand gelangen.
  • Resistenzen sind häufig quantitativ und können je nach Erregerpopulation sowie Gerstensorte unterschiedlich ausgeprägt sein.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich eingesetzt werden, wenn sie für die betreffende Kultur und Indikation aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung das amtliche Verzeichnis zugelassener Pflanzenschutzmittel und das aktuelle Etikett prüfen; Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Abstandsauflagen und Resistenzmanagement strikt einhalten. Eine individuelle Fungizidstrategie sollte sich an Befallsentwicklung, Sortenanfälligkeit, Witterung und regionalen Warndiensten orientieren.