Baumwollkapseleule
Schädling

Baumwollkapseleule

Helicoverpa armigera (Hübner)
Kurzüberblick

Baumwollkapseleule – Kurzüberblick

Die Baumwollkapseleule (Helicoverpa armigera) ist ein äußerst vielseitiger Nachtfalter und bedeutender Kulturpflanzenschädling. Ihre Raupen fressen Blätter, Blüten, Fruchtstände, Hülsen und Früchte, bohren sich häufig in Pflanzenteile ein und hinterlassen Kotspuren sowie Eintrittslöcher. In Deutschland tritt die wärmeliebende Art vor allem als Zuwanderer und in warmen Jahren oder geschützten Kulturen auf.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlätter, Triebspitzen, Blüten, Blütenknospen, Früchte, Hülsen, Maiskolben, Baumwollkapseln und gelegentlich Samenstände.
Begünstigende BedingungenWarme, sonnige und lange Vegetationsperioden, geschützte Anbauflächen und ein kontinuierliches Angebot blühender oder fruchtender Wirtspflanzen; optimale Entwicklung bei deutlich über 25 °C.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Baumwollkapseleule ist ein weltweit bedeutender, sehr polyphager Schmetterlingsschädling. Die Raupen befallen unter anderem Tomate, Paprika, Aubergine, Mais, Bohne, Sojabohne, Erbse, Kichererbse, Tabak, Baumwolle und verschiedene Zierpflanzen. Sie fressen zunächst an Blättern und Blüten, bohren sich später jedoch häufig in Früchte, Kolben oder Hülsen ein.

In Deutschland wird die Art regelmäßig als Wanderfalter nachgewiesen. Größere Schäden sind besonders in warmen, langen Vegetationsperioden, in Gewächshäusern und an spät tragenden Kulturen möglich. Die Art ist mit verwandten Helicoverpa- und Heliothis-Arten nicht immer sicher allein nach dem äußeren Erscheinungsbild zu unterscheiden.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

  • Runde bis unregelmäßige Bohrlöcher in Tomaten, Paprika, Auberginen, Hülsen, Maiskolben oder Blütenknospen.
  • Raupenkot und Fraßspuren an oder nahe der Eintrittsstelle; befallene Früchte können sekundär faulen.
  • Bei Mais Fraß an Kolbenspitzen und Körnern, bei Tomate Eindringen in junge oder reifende Früchte.
  • An Baumwolle werden Blütenknospen und Kapseln ausgehöhlt; Blätter und Triebspitzen können zusätzlich befressen werden.
  • Junge Raupen verursachen oberflächlichen Blatt- und Blütenfraß, ältere Raupen sitzen oft geschützt im Pflanzenorgan.
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Ursachen und Ausbreitung

Verursacht wird der Schaden durch die Raupen von Helicoverpa armigera. Die Falter können über größere Entfernungen einwandern; Weibchen legen die Eier meist einzeln an Blätter, Blüten oder wachsende Triebe. Die Verschleppung kann außerdem über befallenes Pflanzenmaterial, Schnittblumen oder Früchte erfolgen. Das breite Wirtsspektrum und Unkräuter als Ausweichwirte erleichtern die Fortdauer und Ausbreitung.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die zunächst glänzend gelblich-weißen Eier werden vor dem Schlupf dunkler. Die Raupen durchlaufen mehrere Stadien und zeigen je nach Alter und Nahrung eine stark wechselnde Färbung von grünlich über gelblich bis braun. Unter günstigen Bedingungen schlüpfen die Larven nach etwa drei Tagen. Nach der Raupenphase verpuppen sie sich im Boden; aus den Puppen schlüpfen die nachtaktiven Falter. Eine Generation kann unter geeigneten warmen Bedingungen ungefähr einen Monat dauern. In Deutschland begrenzen Kälte und die kurze Saison meist die Entwicklung; Zuflug und geschützte Kulturen bleiben dennoch relevant.

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Behandlung und Bekämpfung

Befallene Früchte, Blüten und Raupen möglichst früh entfernen. Der Bekämpfungserfolg ist am höchsten gegen junge Larven, bevor sie tief in Früchte oder Kolben eindringen. In geschützten Kulturen sollten Kontrollen, Fangdaten und die Entwicklung der Larven kombiniert bewertet werden. Bei wiederholtem Auftreten ist ein integriertes Vorgehen mit Monitoring, mechanischer Entfernung, biologischen Maßnahmen und – nur falls erforderlich – einer zugelassenen Pflanzenschutzmaßnahme sinnvoll.

Da ältere Larven häufig geschützt im Pflanzengewebe sitzen und Resistenzen gegen mehrere Wirkstoffgruppen beschrieben sind, sollten Behandlungen nicht schematisch oder ausschließlich nach Kalender erfolgen. Abgestorbene und befallene Pflanzenteile sind aus dem Bestand zu entfernen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

  • Junge Raupen von Hand absammeln und befallene Früchte entfernen.
  • Gegen junge Larven können Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis im ökologischen beziehungsweise integrierten Anbau geeignet sein, sofern sie für die konkrete Kultur und Anwendung zugelassen sind.
  • Natürlich vorkommende Ei- und Larvenparasitoide sowie räuberische Wanzen, Florfliegen, Laufkäfer und Vögel durch vielfältige, nicht mit Breitbandmitteln behandelte Strukturen fördern.
  • In professionellen Gewächshauskulturen können geeignete Nützlinge oder Parasitoide nach Beratung eingesetzt werden; der Erfolg hängt stark von Kultur, Temperatur und Entwicklungsstadium des Schädlings ab.
  • Biologische Maßnahmen möglichst gegen Eier und junge Raupen planen, da ältere Raupen in Früchten und Kolben schwer erreichbar sind.
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Vorbeugung

  • Kulturen regelmäßig ab Blühbeginn kontrollieren, besonders Tomate, Paprika, Aubergine, Bohne, Mais und Zierpflanzen.
  • Einzelne Eier, junge Raupen und befallene Früchte frühzeitig absammeln und nicht kompostieren, wenn eine Weiterentwicklung möglich ist.
  • Ernterückstände und Unkräuter mit geeigneten Wirtspflanzen entfernen, ohne dabei Blühstreifen und Nützlingshabitate pauschal zu zerstören.
  • In Gewächshäusern feinmaschige Insektenschutznetze, geschlossene Türen und sorgfältige Kontrolle von Jungpflanzen und Schnittblumen einsetzen.
  • Pheromonfallen zur Flugüberwachung verwenden; sie dienen der Kontrolle und nicht allein der vollständigen Bekämpfung.
  • Fruchtfolge, zeitlich abgestimmte Kulturführung und die Vermeidung dauerhaft überlappender Wirtspflanzenangebote unterstützen die Befallsbegrenzung.
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Wissenswertes

  • Die Art ist stark polyphag; in der EPPO-Dokumentation werden zahlreiche Wirtsgattungen aus unter anderem Asteraceae, Fabaceae und Poaceae genannt.
  • Weibchen können mehrere tausend Eier über einen längeren Legezeitraum ablegen, wobei die tatsächliche Fruchtbarkeit von Temperatur, Wirtspflanze und Population abhängt.
  • Die Raupenfärbung ist kein verlässliches Einzelmerkmal für die Artbestimmung, weil sie sich mit Entwicklungsstadium und Nahrung verändert.
  • Ein Bohrloch mit Kot an einer Frucht oder einem Maiskolben ist diagnostisch auffällig, aber nicht allein beweisend; verwandte Arten können ähnliche Schäden verursachen.
  • In Deutschland sind nennenswerte Freilandschäden stark von Einflug, Witterung und der Dauer der warmen Vegetationsperiode abhängig.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland für die konkrete Kultur und den konkreten Schaderreger beziehungsweise die zugelassene Indikation aktuell rechtlich zugelassen sind. Zulassungsstand, Aufwandmenge, Wartezeit, Anwendungsbedingungen und Bienenschutz immer dem aktuellen amtlichen Etikett und den Informationen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit entnehmen. Keine Wirkstofffolge ohne Resistenzmanagement und keine Anwendung außerhalb der Zulassung.

Wirtspflanzen

Betroffene Pflanzen

8 verknüpfte Profile

Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.