Echter Mehltau durch Leveillula tauricaQuelle: Wikimedia CommonsJuan J. Morales-TrejoCC0
Krankheit

Echter Mehltau durch Leveillula taurica

Leveillula taurica
Kurzüberblick

Echter Mehltau durch Leveillula taurica – Kurzüberblick

Leveillula taurica verursacht einen ungewöhnlichen Echten Mehltau vor allem an Paprika, Tomate und weiteren Gemüsearten. Anders als viele andere Mehltaupilze wächst der Erreger überwiegend im Blattgewebe; sichtbar wird der Befall häufig zuerst durch gelbliche Flecken auf der Blattoberseite und einen weißlichen bis bräunlichen Sporenbelag auf der Blattunterseite. Befallene Blätter können frühzeitig abfallen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem ältere Blätter und die Blattunterseite; bei starkem Befall auch jüngere Blätter und indirekt die Früchte durch Blattverlust und Sonnenbrand.
Begünstigende BedingungenWarme Phasen etwa im Bereich von 25–35 °C, hohe relative Luftfeuchte bei trockener Blattoberfläche, dichter Pflanzenbestand, geringe Luftbewegung sowie gestresste oder üppig stickstoffversorgte Pflanzen.
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Überblick

Der Befall beginnt meist an älteren Blättern. Auf der Blattoberseite entstehen zunächst unregelmäßige hellgrüne bis gelbe Flecken, während der Pilz im Blattinneren wächst. Später erscheinen vor allem auf der Blattunterseite weißliche, bei stärkerem oder älterem Befall auch bräunliche, mehlartige Sporenlager.

Das Schadbild kann mit Nährstoffmangel, Blattfleckenkrankheiten, Sonnenstress oder anderen Mehltaupilzen verwechselt werden. Charakteristisch ist die Kombination aus oberseitiger Chlorose und unterseitiger Sporulation. Bei starkem Befall vergilben Blätter, rollen sich nach oben und fallen ab; dadurch können Früchte von Paprika oder Tomate Sonnenbrand bekommen.

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Symptome und Erkennung

  • Unregelmäßige gelbe bis gelb-braune Flecken auf der Blattoberseite.
  • Weißlicher bis graubrauner, mehlartiger Belag überwiegend auf der Blattunterseite.
  • Der Pilz wächst zunächst im Blattgewebe; die Sporen tragenden Strukturen treten durch Spaltöffnungen nach außen.
  • Blattrandrollen, Blattvergilbung, Absterben und vorzeitiger Blattfall bei starkem Befall.
  • Indirekte Fruchtschäden durch freiliegende Früchte und stärkere Sonneneinstrahlung.

Ein rein weißer Belag auf der Blattoberseite ist nicht beweisend für Leveillula taurica und passt auch zu anderen Echten Mehltaupilzen.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Ausbreitung erfolgt vor allem durch luftgetragene Konidien. Sie werden aus befallenen Blättern, Pflanzenresten, Unkräutern oder infizierten Jungpflanzen in benachbarte Bestände getragen. Da der Erreger ein breites, aber je nach Population und Wirt unterschiedlich ausgeprägtes Wirtsspektrum besitzt, können verschiedene Gemüsearten und Unkräuter als Infektionsquellen beitragen.

Warme Bedingungen mit trockener Blattoberfläche und gleichzeitig erhöhter Luftfeuchte im Bestand begünstigen die Entwicklung. Anders als viele Blattpathogene benötigt der Pilz keine anhaltende Blattnässe zur Infektion. Dichte Bestände, schlechte Luftbewegung, hohe Stickstoffversorgung und Stress während Blüte oder Fruchtansatz können den Befall zusätzlich fördern.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Leveillula taurica ist auf lebendes Pflanzengewebe angewiesen und überdauert daher hauptsächlich an lebenden Wirtspflanzen, Ausfallpflanzen, Unkräutern oder in geschützten Kulturen. Nach der Landung einer Konidie auf einem geeigneten Blatt keimt sie, dringt in das Gewebe ein und entwickelt dort ein endophytisches Pilzgeflecht.

Später bilden sich Konidiophoren, die insbesondere aus Spaltöffnungen der Blattunterseite herauswachsen und neue, windverbreitete Konidien freisetzen. Dadurch können sich mehrere Infektionszyklen innerhalb einer warmen Anbauperiode entwickeln. Eine mögliche geschlechtliche Phase wird beschrieben, ihre Bedeutung und ihr regelmäßiges Auftreten an den wichtigsten Gemüsewirten sind jedoch nicht ausreichend geklärt.

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Behandlung und Bekämpfung

Früher Befall lässt sich häufig durch konsequente Hygiene und eine Verbesserung des Bestandsklimas begrenzen. Einzelne befallene Blätter vorsichtig abschneiden, in einen geschlossenen Abfallbeutel geben und Arbeitsgeräte anschließend reinigen. Stark geschädigte Pflanzen sollten aus dem Bestand entfernt werden, wenn eine weitere Ausbreitung oder ein vollständiger Blattverlust zu erwarten ist.

Bei Nutzpflanzen im Gewächshaus oder im Freiland sind zugelassene Maßnahmen möglichst beim Auftreten der ersten Symptome einzusetzen. Die Behandlung muss die Blattunterseite ausreichend erreichen; wiederholte Anwendungen sollten nur im Rahmen der jeweiligen Zulassung und Wirkstoffstrategie erfolgen. Bereits stark vergilbte oder abgestorbene Blätter werden durch eine Behandlung nicht wieder gesund.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen und hausgärtnerischen Anbau stehen Vorbeugung, frühes Entfernen einzelner Befallsstellen und ein luftiger Bestand im Vordergrund. Je nach Kultur und Zulassung können Schwefelpräparate oder biologische Präparate mit geeigneten Mikroorganismen eine vorbeugende beziehungsweise befallsbegrenzende Wirkung haben. Die Verträglichkeit ist insbesondere bei Paprika und Tomate, bei hohen Temperaturen und an jungen Blättern zu beachten.

Behandlungen immer nach der aktuellen deutschen Zulassung, dem Etikett und den Vorgaben des ökologischen Anbaus auswählen. Hausmittel ersetzen keine sichere Diagnose und können Blattverbrennungen verursachen.

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Vorbeugung

  • Gesundes, kontrolliertes Pflanzgut verwenden und Jungpflanzen vor dem Einsetzen auf Blattunterseiten und gelbliche Flecken prüfen.
  • Im Gewächshaus regelmäßig lüften, Überbestände vermeiden und für gleichmäßige Luftbewegung sorgen.
  • Pflanzen mit ausreichendem Abstand kultivieren und Laub nicht unnötig verdichten lassen.
  • Befallene Blätter frühzeitig bei trockener Witterung entfernen und im Hausgarten nicht kompostieren.
  • Ausfallpflanzen, alte Kulturreste und mögliche Unkrautwirte aus Gewächshaus und Beet entfernen.
  • Übermäßige Stickstoffgaben vermeiden und Paprika, Tomate sowie andere Wirtspflanzen bedarfsgerecht bewässern.
  • Bestände regelmäßig kontrollieren, besonders ab Hochsommer sowie nach warmen, schwül-trockenen Wetterphasen.
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Wissenswertes

  • Leveillula taurica unterscheidet sich von vielen anderen Echten Mehltaupilzen durch das Wachstum überwiegend im Blattinneren.
  • Die auffällige Sporenbildung befindet sich häufig auf der Blattunterseite, während die Blattoberseite zunächst vor allem gelb gefleckt erscheint.
  • Der Erreger wurde unter verschiedenen anamorphischen Namen, darunter Oidiopsis taurica, geführt.
  • Das Wirtsspektrum ist sehr breit; dennoch sind Mehltaupilze oft populations- und wirtsspezifisch, sodass ein Befall an einer Kultur nicht automatisch die Infektion jeder benachbarten Pflanzenart bedeutet.
  • Bei Paprika kann starker Blattfall die Früchte der direkten Sonne aussetzen und dadurch Sonnenbrand fördern.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und Leveillula taurica beziehungsweise den zugelassenen Anwendungsbereich genehmigt sind. Maßgeblich sind stets das aktuelle amtliche Zulassungsverzeichnis, die Gebrauchsanweisung, Aufwandmenge, Wartezeit, Anwendungszahl und alle Auflagen. Keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Kultur- und Schadorganismus-Kombination; Bienenschutz und Anwenderschutz beachten.

Wirtspflanzen

Betroffene Pflanzen

8 verknüpfte Profile

Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.