KohleuleQuelle: Wikimedia CommonsWilliam BucklerPublic domain
Schädling

Kohleule

Mamestra brassicae
Kurzüberblick

Kohleule – Kurzüberblick

Die Kohleule (Mamestra brassicae) ist ein nachtaktiver Eulenfalter, dessen Raupen vor allem Kohlarten durch Blattfraß schädigen. Junge Larven sitzen zunächst häufig gemeinschaftlich an der Blattunterseite; ältere Raupen fressen unregelmäßige Löcher, verschmutzen die Pflanzen mit Kot und können in Kohlköpfe oder Blumenstände eindringen. In Deutschland treten meist zwei überlappende Generationen auf.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlätter, Blattachseln, Kohlköpfe, Herzblätter sowie Blütenstände von Blumenkohl und Brokkoli.
Begünstigende BedingungenDichte Kohlbestände, unbedeckte Pflanzen während der Falterflugzeiten, vorhandene Kreuzblütler-Unkräuter und milde Witterung begünstigen Eiablage und Raupenentwicklung.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Kohleule ist ein in Deutschland verbreiteter Nachtfalter. Ihre Raupen werden an Gemüse häufig mit den Raupen der Kohlweißlinge, der Gammaeule oder der Kohlschabe verwechselt. Typisch sind zunächst gesellig auftretende Jungraupen und später einzeln fressende, kräftige Raupen mit variabler grünlicher bis graubrauner Färbung.

An Kohl können die Larven starke Blattverluste verursachen. Bei Kopfkohl und Chinakohl dringen sie teilweise in den Kopf ein; bei Blumenkohl und Brokkoli verschmutzen sie Blumenstände mit Fraßresten und Kot. Die genaue Bestimmung sollte deshalb möglichst anhand von Raupe, Eiern und Fraßbild gemeinsam erfolgen.

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Symptome und Erkennung

Typische Anzeichen sind:

  • unregelmäßige Löcher und randständiger Blattfraß an Kohlblättern;
  • zunächst dicht beieinander sitzende Jungraupen, später größere Einzelraupen;
  • Kotkrümel auf Blättern, in Blattachseln, Kohlköpfen oder Blumenständen;
  • Fraßgänge und Verschmutzungen im Inneren von Kopfkohl oder Chinakohl;
  • angefressene Blumenstände bei Blumenkohl und Brokkoli;
  • gruppenweise abgelegte Eier an der Blattunterseite.

Das Schadbild ist nicht eindeutig: Ähnliche Fraßstellen verursachen mehrere Schmetterlingsraupen und teilweise auch Schnecken oder Käfer.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Schaden wird ausschließlich durch die Raupen verursacht. Die Falter fliegen nachts und legen ihre Eier ab etwa Mai bevorzugt an die Unterseiten geeigneter Blätter. Nach dem Schlupf bleiben die jungen Larven häufig zunächst zusammen; ältere Stadien verteilen sich auf der Pflanze und benachbarte Pflanzen.

Unkraut und Pflanzenreste können als zusätzliche Nahrungs- oder Versteckmöglichkeiten dienen. Eine sichere Aussage über den Befallsdruck einzelner Jahre ist schwierig, weil Witterung, Bestandsdichte, natürliche Gegenspieler und das Angebot an Wirtspflanzen zusammenwirken.

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Lebenszyklus und Überdauerung

In Deutschland entwickelt die Kohleule meist zwei Generationen mit teilweise überlappenden Flugzeiten. Die ersten Falter erscheinen gewöhnlich ab Mai; eine weitere Flugperiode liegt häufig im Hoch- bis Spätsommer. Die Raupenstadien treten je nach Witterung und Region vor allem von Frühsommer bis Herbst auf.

Die Verpuppung erfolgt in einem lockeren Kokon im Boden. Überwintert wird überwiegend als Puppe. Eier werden in Gruppen an Blattunterseiten abgelegt. Die Entwicklungsdauer schwankt deutlich mit Temperatur, Nahrung und Jahresverlauf; daher sind Kalenderdaten nur als Orientierung geeignet.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei einzelnen Pflanzen ist regelmäßiges Absammeln der Raupen meist ausreichend. Kontrolliert werden sollten insbesondere die Blattunterseiten, das Pflanzenherz und bei Kopfkohl die äußeren Blätter sowie vorhandene Fraßstellen im Kopf.

Bei stärkerem Befall sollten zunächst Befallsherde entfernt und die Pflanzen anschließend engmaschig weiter überwacht werden. Eine Behandlung ist nur sinnvoll, solange empfindliche junge Raupen erreichbar sind; tief im Kohlkopf sitzende Larven werden deutlich schlechter erfasst. Im Erwerbsanbau sind Bestandskontrollen, Warndienstinformationen und dokumentierte Entscheidungsschwellen des jeweiligen Bundeslandes zu berücksichtigen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen und naturnahen Anbau stehen Kulturschutznetze, Absammeln und die Förderung natürlicher Gegenspieler im Vordergrund. Eier können von Schlupfwespen der Gattungen Trichogramma und Telenomus parasitiert werden; Raupen werden unter anderem von Parasitoiden der Gattung Microplitis befallen. Ihr tatsächlicher Beitrag variiert nach Standort und Saison.

Wenn ein biologisches Präparat mit einem Wirkstoff wie Bacillus thuringiensis eingesetzt werden soll, muss es für die konkrete Kultur, den Schaderreger und die Anwendung in Deutschland zugelassen sein. Junge Raupen werden im Allgemeinen besser erreicht als ältere, geschützte Larven.

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Vorbeugung

Die wirksamste vorbeugende Maßnahme im Haus- und Kleingarten ist ein feinmaschiges Kulturschutznetz, das unmittelbar nach der Pflanzung geschlossen aufgelegt und an den Rändern sicher befestigt wird. Es muss vor der Eiablage installiert werden; bereits vorhandene Raupen dürfen nicht unter dem Netz bleiben.

  • Kohlbestände regelmäßig, besonders an Blattunterseiten und im Pflanzenherz, kontrollieren;
  • Eier und junge Raupengruppen frühzeitig abstreifen oder absammeln;
  • Erntereste nach der Ernte entfernen und hygienisch entsorgen;
  • Kreuzblütler-Unkräuter im Bestand und in unmittelbarer Umgebung reduzieren;
  • Fruchtfolge und räumliche Trennung aufeinanderfolgender Kohlbestände nutzen;
  • Blühende Saumstrukturen und vielfältige Vegetation zur Förderung von Parasitoiden und anderen Gegenspielern erhalten, ohne den Bestand zu überwuchern.
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Wissenswertes

Der deutsche Name Kohleule bezieht sich auf die enge Verbindung der Raupen mit Kohlpflanzen, obwohl die Art ein breiteres, regional unterschiedlich belegtes Wirtspflanzenspektrum besitzt. Neben verschiedenen Kreuzblütlern wurden auch einzelne Arten aus anderen Pflanzenfamilien als Nahrungspflanzen dokumentiert.

Die Kohleule ist nicht mit den Kohlweißlingen gleichzusetzen: Sie ist ein nachtaktiver Eulenfalter, während die häufigen Kohlweißlinge tagaktive Weißlinge sind. Die Raupenfarbe allein reicht für eine sichere Bestimmung nicht immer aus.

Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel ausschließlich verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die konkrete Kultur und den betreffenden Schaderreger zugelassen sind. Vor jeder Anwendung die amtliche BVL-Zulassungsdatenbank und das aktuelle Etikett prüfen; Aufwandmenge, Wartezeit, Anwendungszahl, Abstandsauflagen und Bienenschutz strikt einhalten. Keine Anwendung auf Grundlage von Wirkstofflisten aus anderen Ländern oder älteren Empfehlungen.