Grünstreifige Kartoffelblattlaus
Macrosiphum euphorbiaeGrünstreifige Kartoffelblattlaus – Kurzüberblick
Die grünstreifige Kartoffelblattlaus (Macrosiphum euphorbiae) ist eine vergleichsweise große, stark polyphage Blattlaus. Sie saugt bevorzugt an jungen Trieben, Blattunterseiten, Knospen und Blüten von Kartoffeln, Tomaten, Rosen und weiteren Gemüse- und Zierpflanzen. Typisch sind eingerollte oder verformte Blätter, klebriger Honigtau und bei starkem Befall eine Wachstumshemmung. Eine sichere Bestimmung erfordert den Vergleich mit ähnlichen Blattlausarten.
Typische Bedingungen
Überblick
Macrosiphum euphorbiae gehört zu den größeren Blattlausarten. Die Tiere können grün, gelbgrün, rosa oder rötlich erscheinen; häufig fällt ein länglicher Körper mit dunklen Siphonen und teils grünlichen Längsstreifen auf. Die Art ist von anderen Blattläusen nicht immer sicher nach äußeren Merkmalen zu unterscheiden.
Die Tiere stechen mit ihren Mundwerkzeugen in das Phloem und entziehen Pflanzensaft. Dadurch entstehen bei stärkerem Befall Saugschäden, während der ausgeschiedene Honigtau Blätter und Früchte verklebt und die Ansiedlung von Rußtaupilzen fördern kann. Zusätzlich sind Blattläuse grundsätzlich als Überträger bestimmter Pflanzenviren relevant; die Bedeutung hängt jedoch von Virus, Kultur, Population und Übertragungsweise ab.
Symptome und Erkennung
Erste Anzeichen sind Kolonien an weichen Triebspitzen oder auf den Blattunterseiten. Befallene Blätter können sich einrollen, kräuseln, vergilben oder deformieren. Junge Triebe und Blütenknospen bleiben bei starkem Befall im Wachstum zurück.
- klebriger Honigtau auf Blättern, Früchten oder darunterliegenden Pflanzenteilen
- schwarzer Rußtaubelag auf honigtaufeuchten Oberflächen
- Wachstumshemmung und verkürzte Triebentwicklung
- sichtbare Häutungsreste in der Kolonie
- bei Kartoffeln und anderen Viruswirtspflanzen zusätzlich mögliches Risiko der Virusverschleppung durch Probestiche
Die Symptome allein beweisen keinen Befall durch Macrosiphum euphorbiae, da mehrere Blattlausarten ein ähnliches Schadbild verursachen.
Ursachen und Ausbreitung
Die Verbreitung erfolgt vor allem durch geflügelte Weibchen, die neue Wirtspflanzen aktiv anfliegen. Zusätzlich werden Blattläuse durch befallenes Pflanzgut, Jungpflanzen, Schnittgut, Unkräuter und andere Wirtspflanzen verschleppt. Warme Witterung, dichter Bestand und stark stickstoffbetontes Wachstum fördern die Koloniebildung.
Unkrautbestände und verwilderte Wirtspflanzen in unmittelbarer Nähe können als Ausweich- oder Zwischenwirte dienen. Beim Umgang mit Pflanzen können Blattläuse außerdem mechanisch über Kleidung, Werkzeuge oder benachbarte Pflanzen übertragen werden.
Lebenszyklus und Überdauerung
Unter günstigen Bedingungen vermehren sich die Weibchen überwiegend ungeschlechtlich und bringen lebende Jungtiere zur Welt. Geflügelte Formen entstehen bei hoher Populationsdichte oder nachlassender Wirtspflanzenqualität und breiten sich auf neue Pflanzen aus. In Europa treten häufig ganzjährig oder saisonal anholocyclische Populationen ohne obligaten Wirtswechsel auf.
Bei holocyclischen Populationen können Rosen als Primärwirt dienen. Im Spätsommer wechseln geflügelte Formen gegebenenfalls zurück, wo Geschlechtstiere entstehen und überwinternde Eier abgelegt werden. In Deutschland hängt die tatsächliche Überwinterungsstrategie vom Standort, der Wirtspflanze und der Witterung ab; geschützte Bestände und Gewächshäuser können eine kontinuierliche Entwicklung ermöglichen.
Im Freiland ist mit zunehmender Aktivität ab dem Frühjahr und mit stärkerer Ausbreitung während warmer Phasen zu rechnen. Die Generationenfolge kann bei günstigen Temperaturen sehr kurz sein.
Behandlung und Bekämpfung
Zuerst Befallsstärke, Pflanzenstadium und Nützlingsbesatz prüfen. Einzelne Kolonien lassen sich häufig durch Abstreifen, Abschneiden stark besiedelter Triebspitzen oder Abspülen begrenzen. Wiederholte Kontrollen im Abstand weniger Tage sind wichtiger als eine einmalige Maßnahme, weil sich neue geflügelte Tiere zufliegen können.
Bei stärkerem Befall im Erwerbs- oder geschützten Anbau sollte eine integrierte Strategie aus Monitoring, Förderung beziehungsweise gezieltem Einsatz von Nützlingen, Hygiene und gegebenenfalls einer zugelassenen Behandlung gewählt werden. Spritzungen müssen die Blattunterseiten und Triebspitzen erreichen. Vor einer Behandlung ist zu prüfen, ob die beobachteten Tiere tatsächlich Macrosiphum euphorbiae und nicht eine ähnlich aussehende Blattlausart sind.
Bei Kartoffeln zur Pflanzguterzeugung ist der Schutz vor Virusübertragung besonders wichtig. Hier sind die kultur- und regionsspezifischen Empfehlungen des zuständigen deutschen Pflanzenschutzdienstes maßgeblich.
Schonende und biologische Bekämpfung
Bei Einzelpflanzen oder frühem Befall die Kolonien regelmäßig kontrollieren und mit einem kräftigen, aber pflanzenschonenden Wasserstrahl besonders von den Blattunterseiten und Triebspitzen abspülen. Stark befallene Triebspitzen können abgeschnitten und im Hausmüll entsorgt werden.
- Natürliche Gegenspieler wie Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegenlarven und parasitoide Schlupfwespen schonen.
- Breit wirkende Spritzungen vermeiden, wenn Nützlinge aktiv sind.
- Ameisenaufkommen reduzieren, wenn Ameisen Blattlauskolonien betreuen.
- An geschützten Kulturen können zugelassene biologische Nützlinge, insbesondere parasitoide Schlupfwespen oder räuberische Gallmücken, nach Kultur- und Temperaturbedingungen eingesetzt werden.
- Bei Mitteln auf Seifen-, Öl- oder Pflanzenbasis ist eine vollständige Benetzung der Blattläuse erforderlich; empfindliche Pflanzen zunächst an wenigen Blättern testen und ausschließlich entsprechend der aktuellen deutschen Zulassung anwenden.
Vorbeugung
Junge Pflanzen und Triebspitzen ab dem Austrieb regelmäßig kontrollieren, bei Gemüse besonders die Blattunterseiten. Befallene Zukäufe zunächst getrennt beobachten. Kartoffel- und Tomatenbestände nicht unnötig üppig mit schnell verfügbarem Stickstoff versorgen und für luftige, überschaubare Bestände sorgen.
- Unkräuter und freiwillig auflaufende Wirtspflanzen im Bestand sowie an Gewächshausrändern entfernen.
- Gesundes, kontrolliertes Pflanzgut verwenden und überwinternde Pflanzen im geschützten Anbau auf Blattläuse prüfen.
- Blühende, nützlingsfördernde Randstrukturen schaffen, ohne stark befallene Wirtspflanzen direkt an empfindliche Kulturen zu setzen.
- Gelbtafeln können den Zuflug anzeigen, sind zur alleinigen Bekämpfung einer Blattlauskolonie jedoch nicht ausreichend.
- Bei Pflanzkartoffeln und virusgefährdeten Kulturen Befallsentwicklung sowie regionale Warndienste und amtliche Monitoringhinweise beachten.
Wissenswertes
- Die Art kann grüne und rosa bis rötliche Farbformen ausbilden.
- Sie zählt zu den polyphagen Blattläusen und wurde an mehr als 200 Pflanzenarten aus zahlreichen Pflanzenfamilien dokumentiert; die Wirtseignung ist jedoch je nach Population und Region unterschiedlich.
- Rosen gelten in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet als wichtige Primärwirte, während Kartoffeln und andere Nachtschattengewächse häufige Sommerwirte sind.
- Ameisen können Kolonien wegen des Honigtaus schützen und dadurch natürliche Regulierung abschwächen.
- Marienkäfer, Florfliegenlarven, Schwebfliegenlarven und parasitoide Schlupfwespen gehören zu den wichtigen natürlichen Gegenspielern.
Pflanzenschutzmittel nur einsetzen, wenn sie in Deutschland für die konkrete Kultur und das betreffende Schadorganismus-Problem aktuell zugelassen sind. Gebrauchsanweisung, Aufwandmenge, Wartezeit, Anwendungsbedingungen und Auflagen des geltenden Etiketts strikt befolgen. Im Haus- und Kleingarten sind zunächst nichtchemische und biologische Maßnahmen sowie eine sorgfältige Befallskontrolle zu bevorzugen.
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