
Sesamia nonagrioides – Mittelmeer-Maisstängelbohrer
Sesamia nonagrioides (Lefèbvre, 1827)Sesamia nonagrioides – Mittelmeer-Maisstängelbohrer – Kurzüberblick
Sesamia nonagrioides ist ein wärmeliebender Nachtfalter aus der Familie der Eulenfalter und vor allem in Mittelmeerregionen ein bedeutender Stängelbohrer an Mais. Die rosafarbenen Raupen bohren sich in Blattscheiden, Stängel und Kolben ein. In Deutschland ist die Art selten und meist nur in wärmeren Regionen oder als eingeschlepptes beziehungsweise einwanderndes Tier relevant.
Typische Bedingungen
Überblick
Sesamia nonagrioides wird im Deutschen nicht einheitlich mit einem etablierten Trivialnamen geführt. Als verständliche Arbeitsbezeichnung eignet sich „Mittelmeer-Maisstängelbohrer“. Die Art ist ein Nachtfalter der Eulenfalter (Noctuidae) und kommt vor allem im Mittelmeerraum, in Teilen Südosteuropas sowie in Nordafrika und angrenzenden Regionen vor.
Der wichtigste Wirt ist Mais (Zea mays). Je nach Population und Region werden außerdem Reis, Sorghum und weitere Süßgräser genannt. Für Deutschland ist die Art kein regelmäßig flächendeckender Standardschädling. Einzelne Nachweise können jedoch durch Einwanderung, Einschleppung oder besonders warme Standorte begünstigt werden. Sie darf nicht ohne Prüfung mit dem häufigeren Maiszünsler gleichgesetzt werden.
Symptome und Erkennung
Die jungen Raupen fressen zunächst an Blattscheiden und bohren sich anschließend in den Stängel ein. Typische Hinweise sind:
- Welke oder Absterben des jüngsten Zentralblatts bei frühem Befall;
- kleine Einbohrlöcher an Stängel und Blattscheiden;
- Bohrmehl und Kot in Blattachseln oder am Stängel;
- längliche Fraßgänge im Markgewebe;
- geschwächte, abgeknickte oder windgebrochene Stängel;
- direkte Schäden an Kolben, Kolbenspitze oder Körnern;
- sekundäre Fäulnis an verletztem Gewebe.
Die Raupen sind häufig verborgen. Ein äußerlich ähnliches Schadbild kann auch durch den Maiszünsler oder andere Stängelbohrer entstehen; die Diagnose sollte daher anhand von Larve, Bohrgang, Kotspuren und gegebenenfalls einer fachlichen Bestimmung abgesichert werden.
Ursachen und Ausbreitung
Der Schaden entsteht durch den Fraß der Larven im Stängelinneren. Befallsfördernd sind warme Vegetationsperioden, Maisbestände mit längerer Anbaudauer, stehen gebliebene Stoppeln und nicht ausreichend zerkleinerte Erntereste. Die Falter können geeignete Bestände über mehrere Kilometer erreichen; befallene Pflanzenreste und Pflanzenmaterial können außerdem zur Verschleppung beitragen.
Die Art ist in Deutschland klimatisch weniger begünstigt als im Mittelmeerraum. Ein einzelner Falterfund belegt deshalb noch keinen etablierten Befallsherd. Bei wiederholten Schäden in warmen Lagen sollten jedoch benachbarte Maisbestände, Stoppeln und alternative Süßgraswirte kontrolliert werden.
Lebenszyklus und Überdauerung
Unter günstigen klimatischen Bedingungen sind zwei oder mehr Generationen möglich; die genaue Zahl hängt stark von Temperatur und Region ab. Weibchen legen ihre Eier meist geschützt an Blattscheiden oder in Pflanzennischen ab. Nach dem Schlupf wandern die Jungraupen kurz auf der Pflanze, bevor sie sich in Blattscheiden und Stängel einbohren.
Die Larven durchlaufen mehrere Häutungen und bleiben während des Hauptfraßes im Pflanzeninneren. Die Verpuppung erfolgt typischerweise in Pflanzenresten oder im Stängel. In kühleren Regionen kann die Entwicklung verlangsamt oder auf eine Generation begrenzt sein. Überwinternde Larven in Maisstoppeln sind für die Befallsentwicklung der Folgesaison besonders wichtig.
Behandlung und Bekämpfung
Bei festgestelltem Befall sollten geschädigte Pflanzen in kleinen Beständen frühzeitig entfernt und sicher entsorgt werden. Befallene Stängel dürfen nicht über den Kompost verbreitet werden, wenn dort eine vollständige Abtötung der Larven nicht gewährleistet ist.
Im Erwerbsanbau sollte die Entscheidung auf Überwachung, regionalen Warndiensten und einer bestätigten Artbestimmung beruhen. Gegen versteckt im Stängel lebende Raupen sind Maßnahmen nur in einem engen Zeitfenster wirksam, bevor sich die Larven tief in das Pflanzengewebe einbohren. Eine Behandlung nach sichtbarem Stängelbruch ist meist zu spät.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im integrierten Pflanzenschutz kommen vor allem vorbeugende und biologische Verfahren infrage. Dazu zählen die vollständige Zerkleinerung und Einarbeitung der Maisreste, Fruchtfolge sowie die Förderung beziehungsweise der gezielte Einsatz geeigneter Gegenspieler.
Trichogramma-Arten können gegen frisch abgelegte Eier eingesetzt werden, sofern ein zugelassenes und für die Kultur geeignetes Verfahren verfügbar ist. Ihre Wirkung hängt stark vom richtigen Ausbringungszeitpunkt, der Befallsüberwachung und der regionalen Eignung ab. Für Larven im Stängel sind frei lebende Nützlinge deutlich weniger wirksam. Produkte mit mikrobiellen Wirkstoffen oder entomopathogenen Pilzen dürfen nur entsprechend ihrer aktuellen Zulassung und Gebrauchsanweisung verwendet werden.
Vorbeugung
Die wichtigste Maßnahme ist konsequente Feld- und Bestandshygiene:
- Maisstoppeln und Maisstroh unmittelbar nach der Ernte fein mulchen oder anderweitig wirksam zerkleinern;
- befallene Stängelreste aus kleinen Gartenbeständen entfernen und nicht als loses Mulchmaterial verwenden;
- Erntereste möglichst tief und vollständig einarbeiten, sofern dies standort- und bodenschonend möglich ist;
- Mais nicht unnötig über mehrere Jahre auf derselben Fläche anbauen;
- angrenzende Gräser und Ausfallmais kontrollieren, soweit sie als Entwicklungs- oder Rückzugswirte infrage kommen;
- Bestände ab dem Frühsommer regelmäßig auf Welke, Bohrmehl und frische Einbohrstellen kontrollieren.
Ein einzelner Falter oder eine einzelne beschädigte Pflanze rechtfertigt keine pauschale Bekämpfung. Entscheidend sind wiederholte Nachweise, Larvenbefund und die wirtschaftliche beziehungsweise gärtnerische Schadenshöhe.
Wissenswertes
Sesamia nonagrioides wird international auch als Mediterranean corn borer, pink stem borer oder Maize Wainscot bezeichnet. In Studien aus dem Mittelmeerraum erwiesen sich Mais, Sorghum und die Quecke beziehungsweise Johnson-Grass (Sorghum halepense) als besonders relevante Entwicklungswirte; andere getestete Gräser konnten zwar zur Eiablage angenommen werden, ermöglichten aber nicht immer eine vollständige Entwicklung.
Die Art ist morphologisch und in ihrer Schadwirkung mit anderen Stängelbohrern verwechselbar. In Deutschland wurde sie nur selten nachgewiesen, darunter als wandernder oder eingeschleppter Falter. Der deutsche Maiszünsler ist daher bei Stängelbohrschäden zunächst wahrscheinlicher, aber nicht ohne Untersuchung sicher.
In Deutschland dürfen ausschließlich Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die für die jeweilige Kultur und den konkreten Schaderreger aktuell zugelassen sind. Die Zulassung, Kultur, Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkte, Wartezeit und Auflagen sind vor jeder Anwendung in der aktuellen BVL-Datenbank und auf dem amtlichen Etikett zu prüfen. Für Sesamia nonagrioides darf nicht automatisch eine Zulassung gegen den Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) übertragen werden. Etikett und geltendes deutsches Pflanzenschutzrecht sind verbindlich.