Amerikanischer KartoffelblattsaugerQuelle: Wikimedia CommonsWhitney Cranshaw, Colorado State University, Bugwood.orgCC BY 3.0 us
Schädling

Amerikanischer Kartoffelblattsauger

Bactericera cockerelli (Šulc)
Kurzüberblick

Amerikanischer Kartoffelblattsauger – Kurzüberblick

Der Amerikanische Kartoffelblattsauger (Bactericera cockerelli) ist ein prioritäres Unionsquarantäneschadinsekt und in der Europäischen Region bislang nicht etabliert. Die kleinen Blattflöhe saugen vor allem an Kartoffeln, Tomaten und anderen Nachtschattengewächsen. Neben direkten Saugschäden ist die Art besonders bedeutsam, weil sie ‚Candidatus Liberibacter solanacearum‘ und damit unter anderem die Zebra-Chip-Krankheit der Kartoffel übertragen kann.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem junge Blätter, Blattunterseiten, Triebspitzen und Blattstiele; bei Erregerübertragung zusätzlich Leitgewebe und Kartoffelknollen.
Begünstigende BedingungenWarme Witterung, geschützte Kulturen, dichte Bestände von Kartoffel- und anderen Solanaceen, vorhandene Unkrautwirte sowie der Zukauf oder Import befallener Pflanzen fördern Befall und Ausbreitung.
Pflanzendoktor

Überblick

Bactericera cockerelli ist in Deutschland und der übrigen EPPO-Region nach den verfügbaren Pflanzengesundheitsangaben nicht etabliert. In der Europäischen Union gilt die Art als prioritärer Unionsquarantäneschädling. Im Ursprungs- und Verbreitungsgebiet tritt sie vor allem an Kartoffel, Tomate, Paprika und Aubergine auf.

Die direkte Schädigung entsteht durch das Saugen von Adulten und Nymphen. Pflanzenschutzfachlich besonders kritisch ist jedoch die mögliche Übertragung nicht-europäischer Haplotypen von ‚Candidatus Liberibacter solanacearum‘, dem Erreger der Zebra-Chip-Krankheit der Kartoffel und weiterer Solanaceenkrankheiten.

Ein verdächtiger Fund in Deutschland sollte nicht eigenständig verschleppt oder behandelt werden, sondern dem zuständigen Pflanzenschutzdienst gemeldet werden.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

  • Blätter können sich vergilben, einrollen oder verformen; bei stärkerem Befall kommt es zu Trieb- und Wuchsstörungen.
  • Nymphen sitzen meist an Blattunterseiten und scheiden helle, wachsartige oder honigtauartige Ausscheidungen aus.
  • Bei Kartoffeln können nach der Übertragung von ‚Ca. Liberibacter solanacearum‘ zusätzlich Vergilbung, Blattrollen, verkürzte Internodien, Knollenverfärbungen und das typische streifenförmige Bräunen nach dem Erhitzen auftreten. Diese Symptome beweisen den Schädling nicht.
  • Die Tiere sind klein, beweglich und können mit anderen Blattflöhen oder Blattläusen verwechselt werden; eine sichere Bestimmung erfordert Fachdiagnostik.
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Ursachen und Ausbreitung

Die Art wird vor allem mit befallenen Pflanzen, Stecklingen, Jungpflanzen und anderem Pflanzenmaterial der Wirtspflanzenfamilien verschleppt. Adulte Tiere sind zudem gute Flieger und können sich unter geeigneten Bedingungen mit dem Wind ausbreiten. In Regionen Nordamerikas wandern Populationen saisonal aus wärmeren Überwinterungs- und Vermehrungsgebieten in nördlichere Anbaugebiete.

In Deutschland wäre insbesondere die Einschleppung über importierte Solanaceen sowie über befallene Pflanzen für den gewerblichen und privaten Anbau relevant. Verunkrautete Nachtschattengewächse und bestimmte Winden- oder Nachtschattenarten können als Brückenwirte dienen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Weibchen legen einzelne gelbliche Eier an Blattstielen, Blatträndern oder Blattunterseiten ab. Nach dem Schlupf durchlaufen die Nymphen mehrere Stadien. Sie sind flach, gelblich bis grünlich und häufig von kurzen Wachsfäden umgeben. Nymphen und Adulte saugen an Leitgewebe und jungen Pflanzenteilen.

Unter warmen Bedingungen kann sich die Entwicklung rasch vollziehen und mehrere Generationen pro Jahr hervorbringen. Die Entwicklungsdauer hängt von Temperatur, Wirtspflanze und Population ab. In kühlen mitteleuropäischen Wintern ist eine dauerhafte Freilandetablierung nach derzeitiger Einschätzung nicht zu erwarten; geschützte Kulturen und eingeschlepptes Pflanzenmaterial bleiben dennoch wichtige Überwachungsbereiche.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei einem möglichen Fund steht nicht die routinemäßige Bekämpfung, sondern die amtliche Abklärung im Vordergrund. Befallene oder verdächtige Pflanzen sollten separiert, möglichst nicht berührt oder bewegt und nach Anweisung des Pflanzenschutzdienstes beprobt werden.

In nicht amtlich geregelten Situationen können Kulturschutznetze, konsequente Bestandshygiene, Entfernung stark befallener Pflanzenteile und eine engmaschige Kontrolle die Populationsentwicklung begrenzen. Maßnahmen müssen den gesamten Bestand und mögliche Wirtspflanzen in der Umgebung einbeziehen.

Eine sichere Diagnose ist wichtig, weil Saugschäden, Blattrollen und Vergilbungen auch durch andere Blattflöhe, Blattläuse, Viren oder Umweltstress verursacht werden können.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Für den deutschen Gartenbau sind vorbeugende und mechanische Maßnahmen besonders sinnvoll: feinmaschige Insektenschutznetze, Quarantäne neu erworbener Pflanzen, regelmäßige Blattunterseitenkontrollen, Entfernen von Befallsherden und Unkrautmanagement. In geschützten Kulturen können zugelassene Nützlinge wie Florfliegenlarven oder Marienkäfer grundsätzlich gegen Blattläuse und verwandte saugende Insekten eingesetzt werden; ihre Wirksamkeit speziell gegen Bactericera cockerelli ist jedoch nicht pauschal gleichzusetzen und muss systemspezifisch bewertet werden.

Keine Pflanze sollte allein wegen eines Verdachts in den Hausmüll oder auf den Kompost gelangen, bevor die zuständige Fachstelle Hinweise zum Umgang mit dem Material gegeben hat.

Pflanzendoktor

Vorbeugung

  • Nur gesundes, rückverfolgbares Pflanzgut und geprüfte Jungpflanzen aus zuverlässigen Quellen beziehen.
  • Neue Kartoffel-, Tomaten-, Paprika- und Auberginenpflanzen zunächst getrennt kontrollieren und nicht unmittelbar in den Bestand stellen.
  • Blattunterseiten, Triebspitzen und Blattstiele regelmäßig mit Lupe kontrollieren; gelbe Klebetafeln können bei der Überwachung fliegender Adulter helfen, ersetzen aber keine Bestimmung.
  • Verdächtige Pflanzen nicht zwischen Gewächshaus, Garten und Feld bewegen. Pflanzen, Verpackungen und Schnittgut nicht weitergeben.
  • Wirtspflanzenreste und geeignete Unkräuter im Umfeld hygienisch entfernen, ohne verdächtiges Material unkontrolliert zu kompostieren.
  • Bei einem begründeten Verdacht in Deutschland unverzüglich den zuständigen Landes-Pflanzenschutzdienst kontaktieren.
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Wissenswertes

  • Die Art wird auch als Kartoffel- oder Tomatenblattfloh bezeichnet; der in Deutschland gebräuchliche pflanzengesundheitliche Name ist Amerikanischer Kartoffelblattsauger.
  • Erwachsene Tiere können mit Windströmungen über größere Entfernungen verdriftet werden.
  • Die Art ist nicht mit den in Europa heimischen Möhrenblattflöhen der Gattung Bactericera gleichzusetzen.
  • Die Zebra-Chip-Symptomatik der Kartoffel entsteht durch den Erregerkomplex und nicht durch die reine Anwesenheit des Blattflohs.
  • Nicht jede Pflanze, auf der adulte Tiere gefunden werden, ist ein geeigneter Entwicklungswirt. Für belastbare Wirtsangaben müssen Eiablage sowie Entwicklung von Nymphen berücksichtigt werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Es gibt hier kein pauschal zu empfehlendes Spritzprogramm. Verwenden Sie ausschließlich in Deutschland für die konkrete Kultur und den konkreten Schaderreger rechtlich zugelassene Pflanzenschutzmittel und befolgen Sie stets das aktuelle Etikett sowie die Anwendungsbestimmungen. Bei einem Verdacht auf den prioritären Quarantäneschädling ist vor einer Behandlung der zuständige Pflanzenschutzdienst einzuschalten, da eine eigenmächtige Behandlung die Diagnose und Rückverfolgung erschweren kann.