Bakterielle Welke der Bohne
Krankheit

Bakterielle Welke der Bohne

Curtobacterium flaccumfaciens pv. flaccumfaciens
Kurzüberblick

Bakterielle Welke der Bohne – Kurzüberblick

Die bakterielle Welke der Bohne ist eine systemische, samenbürtige Bakterienkrankheit, die vor allem Phaseolus vulgaris befällt. Welke während warmer, trockener Perioden, zwischen den Blattadern beginnende Chlorosen, verbräunte Blattränder und verfärbte Samen können verdächtig sein. Da der Erreger in Deutschland als Quarantäneschädling nicht vorkommend beziehungsweise getilgt gilt, sollte ein Verdacht nicht selbst behandelt, sondern dem zuständigen Pflanzenschutzdienst gemeldet und labordiagnostisch geprüft werden.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileLeitgefäße, Stängel, Blätter, Keimlinge und Samen; bei Hülsenfrüchten vor allem Gefäßsystem und Saatgut.
Begünstigende BedingungenWarme Bedingungen über etwa 27–30 °C, trockene Witterung und Wasserstress fördern die Krankheitsentwicklung; feuchte Oberflächen, kontaminiertes Wasser, befallene Erntereste und verletztes Pflanzengewebe begünstigen die Übertragung.
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Überblick

Die bakterielle Welke der Bohne ist eine durch ein grampositives, pflanzenpathogenes Bakterium verursachte Gefäßkrankheit. Wirtschaftlich besonders wichtig ist der Befall der Garten- und Körnerbohne (Phaseolus vulgaris), doch auch weitere Hülsenfrüchte können betroffen sein.

Der Erreger wächst im Xylem und beeinträchtigt den Wassertransport. Dadurch können einzelne Triebe oder ganze Pflanzen welken, ohne dass anfangs typische Blattflecken dominieren. Die Diagnose ist anhand des Erscheinungsbildes allein nicht zuverlässig, weil ähnliche Welke- und Blattverfärbungen auch durch andere bakterielle oder bodenbürtige Erreger entstehen.

Für Deutschland führt das Julius Kühn-Institut den Erreger als nicht vorkommend beziehungsweise getilgt und als geregelten Quarantäneschädling. Bei verdächtigen Pflanzen, Saatgutpartien oder Importmaterial sollte deshalb unverzüglich der zuständige Pflanzenschutzdienst kontaktiert werden.

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Symptome und Erkennung

  • Welke einzelner Blätter, Triebe oder der gesamten Pflanze, häufig zunächst bei warmem, trockenem Wetter oder Wassermangel.
  • Zwischen den Blattadern beginnende Aufhellungen und Chlorosen, die in braune bis nekrotische Bereiche übergehen können.
  • Verbräunte, vertrocknete oder „verbrannt“ wirkende Blattränder sowie schlaffe Blätter.
  • Im Stängel können verfärbte Leitgefäße sichtbar sein; ein Bakterienschleim ist nicht immer vorhanden.
  • Infizierte Samen können gelb, orange, rosa oder violett verfärbt sein, besonders bei hellsamigen Bohnensorten. Symptomlose Samen und Pflanzen sind möglich.

Eine sichere Bestimmung erfordert die Untersuchung geeigneten Pflanzen- oder Saatgutmaterials durch ein qualifiziertes Labor, vorzugsweise mit anerkannten molekularen und gegebenenfalls pathogenenitätsbezogenen Verfahren.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Krankheit wird überwiegend durch infiziertes Saatgut eingeschleppt und über größere Entfernungen verbreitet. Innerhalb eines Bestands kommen zusätzlich kontaminiertes Bewässerungs- oder Spritzwasser, Regen, Pflanzenkontakt, Insekten- oder Werkzeugverletzungen, Arbeitskleidung, Maschinen und befallene Pflanzenreste infrage.

Besonders riskant sind Saatgutgewinnung aus verdächtigen Pflanzen, wiederholter Bohnenanbau auf derselben Fläche sowie Arbeiten im Bestand bei nassen Pflanzen. Auch symptomlose Pflanzen, Unkräuter oder Zwischenfrüchte können zur Erhaltung des Erregers beitragen; ihre Bedeutung hängt von Wirt, Isolat und Standort ab.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der wichtigste Infektionsweg ist befallenes Saatgut. Das Bakterium kann im oder am Samen überdauern und mit dem Keimling in die junge Pflanze gelangen. Von dort aus besiedelt es das Gefäßsystem und wird im Xylem systemisch weitertransportiert.

Während der Vegetation kann die Ausbreitung durch Spritzwasser, Bewässerungswasser, Pflanzenkontakt, mechanische Verletzungen, Arbeitsgeräte und kontaminierte Erntereste erfolgen. Der Erreger kann außerdem auf oder in symptomlosen Pflanzen beziehungsweise Unkräutern und Nichtwirtpflanzen in Fruchtfolgen fortbestehen. Die Überdauerung im Saatgut und Pflanzenmaterial ist für die epidemiologische Bedeutung entscheidend.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine bereits systemisch infizierte Pflanze lässt sich im Bestand nicht zuverlässig heilen. Einzelne verdächtige Pflanzen sollten nicht weiter kultiviert, beerntet oder zur Saatgutgewinnung verwendet werden. Die weitere Vorgehensweise – einschließlich Probenahme, Abgrenzung, Entfernung und Entsorgung – sollte beim deutschen Pflanzenschutzdienst erfragt werden.

Nach bestätigtem Befall sind befallene Partien und Erntereste entsprechend behördlicher Anweisung zu behandeln. Für Folgekulturen sind eine ausreichend weite Fruchtfolge, gesundes Saatgut und strenge Hygiene entscheidend. Kupfer- oder andere bakterizide Mittel können eine Saatgutinfektion oder systemische Gefäßbesiedlung nicht zuverlässig beseitigen und dürfen nur eingesetzt werden, wenn die aktuelle deutsche Zulassung dies für Kultur und Schadorganismus ausdrücklich erlaubt.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Eine kurative biologische oder „ökologische“ Behandlung befallener Pflanzen ist nicht verlässlich etabliert. Der wichtigste Ansatz ist daher vorbeugende Hygiene:

  • ausschließlich gesundes, amtlich oder fachlich geprüftes Saatgut aus vertrauenswürdiger Quelle verwenden;
  • verdächtige Pflanzen nicht kompostieren, nicht zur Saatgutgewinnung nutzen und nicht zwischen Beständen bewegen;
  • befallene Pflanzen und Erntereste nach fachlicher Anweisung entfernen und sicher entsorgen;
  • Werkzeuge, Hände, Kisten und Maschinen nach Arbeiten in verdächtigen Beständen reinigen und gegebenenfalls geeignet desinfizieren;
  • Spritz- und Überkopfbewässerung vermeiden, wenn dadurch eine Verschleppung zwischen Pflanzen zu erwarten ist;
  • mehrjährige Anbaupausen mit Nichtwirtkulturen einhalten und resistente oder weniger anfällige Sorten bevorzugen, sofern verfügbar.

Biologische Saatgut- oder Pflanzenbehandlungen können je nach Produkt und Zulassung unterschiedlich bewertet werden und ersetzen weder zertifiziertes Saatgut noch Quarantäne- und Hygienemaßnahmen.

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Vorbeugung

In Deutschland sollte die Vorbeugung vor allem auf Ausschluss und Früherkennung ausgerichtet sein:

  • nur gesundes, rückverfolgbares und für den Anbau geeignetes Saatgut verwenden;
  • bei Importen und Saatgut keine ungeklärten Verfärbungen, Welkeerscheinungen oder verdächtigen Partien akzeptieren;
  • Bohnen und andere nachweislich gefährdete Leguminosen nicht eng aufeinanderfolgend anbauen; eine Fruchtfolge mit Nichtwirten einplanen;
  • Feld- und Gewächshaushygiene konsequent einhalten, Pflanzenreste zügig beseitigen und Arbeitsgeräte reinigen;
  • Überkopfbewässerung, unnötige Pflanzenverletzungen und Arbeiten im nassen Bestand vermeiden;
  • verdächtige Pflanzen getrennt halten, nicht vermehren und vor einer Entsorgung fachlich beproben lassen.

Bei einem Verdacht in Deutschland ist der zuständige Pflanzenschutzdienst des Bundeslandes einzubeziehen. Quarantäne- oder Verbringungsauflagen können vom Einzelfall und vom Untersuchungsbefund abhängen.

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Wissenswertes

  • Der Erreger wurde historisch unter mehreren Gattungs- und Artnamen beschrieben; die heute gebräuchliche Bezeichnung lautet Curtobacterium flaccumfaciens pv. flaccumfaciens.
  • Es sind gelbe, orange, rosa und violette Pigmentvarianten bekannt, die bei infizierten Samen unterschiedliche Verfärbungen verursachen können.
  • Wärme und Wasserstress verstärken nicht nur die Welke, sondern offenbar auch die systemische Besiedlung und die Beeinträchtigung des Wassertransports.
  • Symptome können mit der bakteriellen Fettfleckenkrankheit beziehungsweise anderen bakteriellen Blatt- und Welkeerkrankungen der Bohne verwechselt werden.
  • In Deutschland ist der Erreger pflanzengesundheitsrechtlich besonders relevant, weil er als Quarantäneschädling geregelt ist.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Für diesen Quarantäneerreger darf kein allgemeines Spritzprogramm empfohlen werden. Verwenden Sie Pflanzenschutzmittel ausschließlich, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und Anwendung rechtlich zugelassen sind, und befolgen Sie vollständig das aktuelle Etikett. Bei Verdacht stehen Quarantänemaßnahmen, Probenahme und Anweisungen des zuständigen Pflanzenschutzdienstes im Vordergrund.