Ährenfusariose durch Fusarium graminearum
Krankheit

Ährenfusariose durch Fusarium graminearum

Fusarium graminearum
Kurzüberblick

Ährenfusariose durch Fusarium graminearum – Kurzüberblick

Fusarium graminearum ist ein wichtiger Erreger der Ährenfusariose bei Getreide, besonders bei Weizen nach Mais. Während der Blüte führen warme, feuchte Bedingungen zur Infektion einzelner Ährchen. Später bleichen diese vorzeitig aus, bilden manchmal rosafarbene Sporenbeläge und entwickeln leichte Schmachtkörner. Zusätzlich können gesundheitlich relevante Mykotoxine wie Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon entstehen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Blüten, Ährchen, Spindel und Körner von Weizen und anderem Getreide; zusätzlich infizierte Mais- und Getreiderückstände als wichtige Überdauerungs- und Infektionsquelle.
Begünstigende BedingungenWarme, feuchte Witterung während der Blüte, häufige Niederschläge, lange Ährennässe, anfällige Sorten, Mais als Vorfrucht und viele schlecht zerkleinerte Erntereste an der Bodenoberfläche.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Ährenfusariose ist eine durch mehrere Fusarium-Arten verursachte Getreidekrankheit. Fusarium graminearum gehört dabei zu den wichtigsten Erregern, insbesondere unter warmen, feuchten Bedingungen während der Blüte. Das Krankheitsbild allein erlaubt keine sichere Artbestimmung, da auch andere Fusarium-Arten sehr ähnliche Symptome hervorrufen können.

Besonders gefährdet sind Weizenbestände nach Mais, wenn infizierte Maisstoppeln an der Bodenoberfläche verbleiben. Befallene Körner können schrumpfen und geringere Back- oder Futterqualität aufweisen. Eine äußerlich unauffällige Partie kann dennoch mit Mykotoxinen belastet sein; zur Bewertung sind gegebenenfalls Laboranalysen erforderlich.

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Symptome und Erkennung

Erste sichtbare Symptome erscheinen meist etwa zwei bis drei Wochen nach der Infektion als einzelne vorzeitig bleichende, strohfarbene Ährchen. Bei stärkerem Befall können ganze Ährenabschnitte oberhalb einer infizierten Stelle ausbleichen, was als partielle Weißährigkeit oder Taubährigkeit bezeichnet wird.

  • weißlich bis strohfarben ausbleichende Einzelährchen oder Ährenbereiche
  • bei feuchter Witterung rosafarbene bis orangefarbene Sporenbeläge auf Spelzen
  • kleine, leichte, verschrumpelte oder kreidig-weiße Schmachtkörner
  • vermindertes Tausendkorngewicht und mögliche Qualitätsverluste

Ähnliche Weißährigkeit kann auch durch Frost, Hitze, Trockenstress oder Schädlinge entstehen. Eine sichere Diagnose erfordert bei unklaren Fällen den Nachweis des Erregers und beziehungsweise oder eine Mykotoxinuntersuchung.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Pilz überdauert und vermehrt sich vor allem auf infizierten Getreide- und Maisrückständen. Besonders problematisch ist Weizen nach Körnermais bei nicht wendender Bodenbearbeitung und vielen groben Maisstoppeln an der Oberfläche. Von diesen Rückständen gelangen Sporen durch Wind und Regenspritzer zu den Getreideähren.

Die Infektion erfolgt überwiegend während der Blüte, wenn die Ähren durch Niederschläge oder lang anhaltende Blatt- und Ährennässe feucht bleiben. Eine verspätete Ernte und weiterhin feuchtwarme Bedingungen können Befall und Mykotoxinbildung zusätzlich fördern.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Fusarium graminearum besiedelt Pflanzenreste und kann dort bei geeigneter Feuchtigkeit Fruchtkörper mit Ascosporen bilden. Zusätzlich können Konidien entstehen. Die Sporen werden durch Wind, Regen und Spritzwasser verbreitet und treffen besonders während der Blüte auf anfällige Ähren.

Nach der Infektion wächst der Pilz in das Ährchen, kann die Spindel erreichen und dadurch die Nährstoffversorgung der darüberliegenden Ährenpartien unterbrechen. Die sichtbare Ausbleichung folgt typischerweise mit Verzögerung. Infizierte Körner und Ernterückstände dienen anschließend wieder als Ausgangspunkt für den nächsten Infektionszyklus.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei einem bereits sichtbaren Befall sind die Möglichkeiten begrenzt, da die Infektion meist während der Blüte stattfindet und Symptome erst später sichtbar werden. In gefährdeten Beständen kann eine gezielte, vorbeugend wirkende Behandlung zur Blüte die weitere Infektion und insbesondere die DON-Belastung vermindern; sie ersetzt jedoch keine Fruchtfolge-, Sorten- und Hygienemaßnahmen.

Für Deutschland liegt das relevante Anwendungsfenster bei Weizen grundsätzlich in der Blüte, etwa BBCH 61 bis 69. Eine Behandlung muss sich an der individuellen Risikokombination aus Vorfrucht, Sorte, Bodenbearbeitung und Niederschlagsprognose orientieren und darf nur nach aktueller amtlicher Beratung sowie zugelassener Indikation erfolgen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Ein vollständig kuratives biologisches oder nichtchemisches Verfahren für bereits infizierte Getreideähren steht im Haus- und Erwerbsanbau nicht zuverlässig zur Verfügung. Im integrierten beziehungsweise ökologischen Anbau liegt der Schwerpunkt deshalb auf vorbeugenden Maßnahmen:

  • weite Fruchtfolge und Vermeidung von Weizen nach Körnermais bei hohem Befallsrisiko
  • gründliches Zerkleinern und schneller mikrobieller Abbau von Mais- und Getreiderückständen
  • Auswahl weniger anfälliger Sorten
  • standfeste, gut durchlüftete Bestände und Vermeidung von Lager
  • Verwendung von gesundem, geprüftem Saatgut

Biologische Präparate oder Mikroorganismen können je nach Kultur und Zulassungssituation Forschungs- oder Ergänzungsoptionen sein, ihre Wirkung ist jedoch nicht mit einer sicheren Ausschaltung des Ährenfusariums gleichzusetzen.

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Vorbeugung

  • Bei erhöhtem Risiko möglichst keine anfällige Weizensorte direkt nach Körnermais anbauen; die Fruchtfolge mit weniger gefährdeten Vorfrüchten gestalten.
  • Mais- und Getreiderückstände fein zerkleinern und einen raschen Abbau fördern. Unter deutschen Standortbedingungen ist eine wendende Bodenbearbeitung nach Mais aus phytosanitären Gründen besonders wirksam, muss aber gegen Erosions- und Bodenschutzaspekte abgewogen werden.
  • Sorten mit geringerer Fusariumanfälligkeit bevorzugen und aktuelle Einstufungen des Bundessortenamtes beziehungsweise der Landesberatung berücksichtigen.
  • Gleichmäßige, standfeste Bestände anstreben und Lager vermeiden, da dadurch die Feuchte im Bestand länger erhalten bleibt.
  • Während Ährenschieben und Blüte Wetter, Entwicklungsstadium und regionale Fusarium-Warnmodelle der deutschen Pflanzenschutzdienste beobachten.
  • Erntegut bei Verdacht reinigen, getrennt lagern und bei Futter- oder Lebensmittelverwendung auf Mykotoxine untersuchen lassen.
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Wissenswertes

  • Fusarium graminearum wird in älterer Literatur häufig mit dem Sexualstadium Gibberella zeae bezeichnet.
  • Der sichtbare Ährenbefall ist nicht gleichbedeutend mit dem tatsächlichen Mykotoxingehalt: Auch optisch gesunde Körner können belastet sein.
  • DON wird im deutschen Getreideanbau als wichtiges Leittoxin der Ährenfusariosen betrachtet; Zearalenon kann ebenfalls gebildet werden.
  • Die Kombination aus Maisvorfrucht, Ernteresten an der Oberfläche, anfälliger Sorte und Regen zur Blüte ist deutlich aussagekräftiger als ein einzelner Risikofaktor.
  • Die Krankheit wird durch mehrere Fusarium-Arten verursacht, weshalb eine Bestimmung von F. graminearum anhand des Feldbildes allein nicht zuverlässig möglich ist.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die konkrete Kultur und Indikation aktuell zugelassen sind. Zulassung, Anwendungsgebiet, BBCH-Stadium, Aufwandmenge, Wartezeit, Auflagen und Abstandsregeln ändern sich; daher ausschließlich das aktuelle amtliche Etikett beziehungsweise die deutsche Zulassungsdatenbank und die Beratung des zuständigen Pflanzenschutzdienstes beachten. Keine Behandlung allein aufgrund sichtbarer Weißährigkeit durchführen.